Görlitz

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Görlitz (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Görlitz
Görlitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Görlitz hervorgehoben
51.15277777777814.987222222222201Koordinaten: 51° 9′ N, 14° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Höhe: 201 m ü. NHN
Fläche: 67,22 km²
Einwohner: 54.042 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 804 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 02826–02828
Vorwahlen: 03581, 035822 (Hagenwerder, Tauchritz)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 110
Stadtgliederung: 9 Stadt- und 4 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Untermarkt 6/8
02826 Görlitz
Webpräsenz: www.goerlitz.de
Oberbürgermeister: Siegfried Deinege (parteilos)
Lage der Stadt Görlitz im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Sachsen) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Sachsen) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
Über dieses Bild
Die 2004 eröffnete Fußgängerbrücke von Görlitz nach Zgorzelec; im Hintergrund die evangelische Pfarrkirche St. Peter und Paul und das Waidhaus

Görlitz (Oberlausitzer MundartGerlz, Gerltz[2] oder auch Gerltsch[3], polnisch Zgorzelec, obersorbisch Zhorjelc) ist die östlichste Stadt Deutschlands, Kreisstadt des Landkreises Görlitz und größte Stadt der Oberlausitz. Die Stadt liegt an der Lausitzer Neiße, die dort seit 1945 die Grenze zu Polen bildet. Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt wurde durch die Grenzziehung in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg abgetrennt und bildet seitdem die eigenständige polnische Stadt Zgorzelec.

Da in der Region Oberlausitz-Niederschlesien keine Stadt allein die Voraussetzungen für ein Oberzentrum erfüllt, wurden Görlitz, Bautzen und Hoyerswerda von der sächsischen Landesplanung zu einem Oberzentralen Städteverbund zusammengeschlossen, der die Aufgaben eines Oberzentrums erfüllt. Die Stadt ist Mitglied der Euroregion Neiße und bildet seit 1998 mit Zgorzelec eine Europastadt.[4]

Görlitz blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen fast völlig verschont. Eine Besonderheit der Stadt ist, dass alle wesentlichen Phasen der mitteleuropäischen Siedlungsentwicklung ohne größere bauliche Veränderungen erhalten und ablesbar blieben. Mit ca. 4000 größtenteils restaurierten Baudenkmälern wird sie oft als das größte zusammenhängende nationale Flächendenkmal bezeichnet, obwohl es sich nach Denkmalrecht um eine flächenhafte Verbreitung von Einzeldenkmälern handelt.[5] Das innerstädtische Bild ist durch spätgotische, Renaissance- und Barockbürgerhäuser in der Altstadt sowie ausgedehnte Gründerzeitviertel im Umkreis der Altstadt geprägt.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Luftbild der Stadtansicht: vorn der Kaisertrutz am Demianiplatz und hinten St. Peter und Paul an der Neiße

Görlitz liegt im ehemaligen preußisch-niederschlesischen Teil der Oberlausitz[6][7] am westlichen Ufer der Lausitzer Neiße, die dort den Ostrand des Lausitzer Granitmassivs mit den Ausläufern des böhmisch-lausitzischen Grenzgebirges durchbricht. Es bildet den Übergang zwischen dem nördlichen Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet und dem südlichen Lausitzer Bergland. Die ehemaligen Stadtteile am östlichen Flussufer bilden seit 1945 die polnisch verwaltete Stadt Zgorzelec. Görlitz und seine polnische Schwesterstadt Zgorzelec präsentieren sich als eine Europastadt.

Der Ortsmittelpunkt liegt auf einer Höhe von 201 m ü. NN. Die höchste Erhebung des Görlitzer Stadtgebiets – die Landeskrone – liegt 420 m ü. NN. Die niedrigste Stelle der Stadt mit 185 m ü. NN befindet sich an der Neiße. Der Mittelwert für das Stadtgebiet liegt bei 220 m ü. NN.[8] Der Wasserspiegel des im Süden der Stadt gelegenen Berzdorfer Sees liegt auf einer Höhe von 185,6 m ü. NN. Er ist an seiner tiefsten Stelle 72 m tief.[9]

Der 15. Meridian östlicher Länge, an dem sich die Zeitzone der Mitteleuropäischen Zeit orientiert, durchquert die Stadt. Dies hat zur Folge, dass die Mitteleuropäische Zeit außerhalb der Sommerzeit mit der mittleren Sonnenzeit von Görlitz übereinstimmt. Die Stadt liegt auf 51° 09′ nördlicher Breite. Zu Ehren Juri Gagarins, des ersten Menschen im Weltall, wurde 1961 südwestlich der Stadthalle unmittelbar an der Straßenbrücke nach Polen ein Meridiandenkmal errichtet. Nach den heutigen Messverfahren ist der Standort des Steins jedoch nicht mehr exakt. Der 15. Meridian verläuft danach etwa 137 m entfernt an den Neißewiesen unterhalb der Stadthalle.[10]

Das Stadtgebiet erstreckt sich 19,4 km von Nord nach Süd und 7,3 km von Ost nach West.[8] Die nächstgrößeren Städte sind Cottbus etwa 80 km nordwestlich, Dresden etwa 90 km westlich, das schlesische Legnica (Liegnitz) etwa 80 km östlich und das tschechische Liberec (Reichenberg) etwa 50 km südlich von Görlitz. Bis Bautzen sind es etwa 50 km.

Geologie[Bearbeiten]

Während des Tertiärs bildeten sich in abflusslosen Senken Moorwälder. Überflutungen, das Absterben von Pflanzen und die daraus resultierenden Ablagerungen führten zur Bildung von Braunkohlebecken wie im ehemaligen Tagebau Berzdorf. Die Basalt- und Phonolithkuppen wie die Landeskrone sind vulkanischen Ursprungs.

Der geologische Untergrund im Görlitzer Gebiet besteht im Norden aus Lausitzer Grauwacke. Sie setzt sich aus Biotit, grauem Quarz und hellem Feldspat mit Schichten aus feinkörniger Grauwacke und dichten Grauwackenschiefern zusammen. Den Süden des Stadtgebietes bestimmt Ostlausitzer Granodiorit. Die Grenze zwischen den verschiedenen Untergrundarten verläuft ungefähr auf der Linie Ochsenbastei, Neißstraße, Peterstraße, Heiliges Grab bis über Girbigsdorf hinaus. An der Obermühle endet die vom harten Granodiorit verursachte Einengung des Neißetals.[11][12]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Tauchritz Hagenwerder Deutsch Ossig Klein Neundorf Kunnerwitz Biesnitz Weinhübel Südstadt Rauschwalde Schlauroth Innenstadt Historische Altstadt Königshufen Königshufen Nikolaivorstadt Klingewalde Ludwigsdorf Ober Neundorf Innenstadt (Görlitz) Königshufen Klingewalde Südstadt (Görlitz) Ober-Neundorf Ludwigsdorf (Görlitz) Rauschwalde Görlitzer Altstadt Nikolaivorstadt Weinhübel Hagenwerder Deutsch-Ossig Klein Neundorf Tauchritz Biesnitz Schlauroth Kunnerwitz
Gliederung der Stadt

Das Stadtgebiet von Görlitz ist in neun Stadt- und fünf Ortsteile gegliedert.[13] Die Stadtteile sind historisch gewachsen, entstanden durch Ansiedlung der Vertriebenen nach 1945 oder wurden als vorher selbstständige Gemeinden oder Gemarkungen bis 1952 eingegliedert. Die fünf Ortsteile wurden bei der jüngsten Gemeindereform in den 1990er Jahren der Stadt zugeschlagen und liegen räumlich vom Kernstadtgebiet entfernt.

Stadtteile sind Altstadt, Biesnitz, Innenstadt, Klingewalde, Königshufen, Nikolaivorstadt, Rauschwalde, Südstadt und Weinhübel (bis 1937 Posottendorf-Leschwitz).

Zum Stadtgebiet gehören auch folgende ehemals eigenständige Ortschaften: Deutsch-Ossig, Hagenwerder (bis 1936 Nikrisch), Klein Neundorf, Kunnerwitz, Ludwigsdorf, Ober-Neundorf, Schlauroth und Tauchritz. Folgende ehemals eigenständige Orte bilden jeweils einen gemeinsamen Ortsteil: Hagenwerder und Tauchritz, Kunnerwitz und Deutsch-Ossig mit Klein Neundorf sowie Ludwigsdorf und Ober-Neundorf. Der Ort Deutsch-Ossig ist aufgrund der Ausweitung des Tagebaus Berzdorf unbewohnt, nachdem die Einwohnerschaft umgesiedelt wurde. Ein Großteil zog in die Eigenheimneubausiedlung südlich von Kunnerwitz.

Umland[Bearbeiten]

Das Görlitzer Umland ist vor allem ländlich geprägt, die nächsten größeren Städte sind im Norden Weißwasser, im Westen Bautzen und Löbau, im Süden Zittau sowie im Osten Lubań (Lauban) und Bolesławiec (Bunzlau). Löbau ist von den fünf Städten mit rund 20 km Entfernung die am nächsten gelegene Stadt.

Die Gemeinden Schöpstal und Neißeaue grenzen nördlich, Markersdorf westlich an das Stadtgebiet an. Östlich der Neiße befindet sich die polnische Stadt Zgorzelec (Görlitz). Im Südwesten liegt die Gemeinde Schönau-Berzdorf, im Süden die Landstadt Ostritz mit dem Ortsteil Leuba. Nordwestlich von Görlitz liegen die Kleinstädte Niesky und Rothenburg, die aber nicht direkt an das Stadtgebiet grenzen.

Bis auf die Schwesterstadt Zgorzelec gehören alle angrenzenden Gemeinden und Städte zum Landkreis Görlitz. Auf dem heutigen polnischen Staatsgebiet schließt sich nordöstlich der polnischen Nachbarstadt die Görlitzer Heide an. Sie war bis zum 30. April 1929 ein eigener Gutsbezirk, die Görlitzer Kommunalheide. Der Großteil der Görlitzer Heide liegt nun im polnischen Powiat Zgorzelecki (Landkreis Zgorzelec). Zu ihm gehören auch die nächstgrößeren Landstädte Pieńsk (Penzig) und Węgliniec (Kohlfurt) im Nordosten.

Flächennutzung[Bearbeiten]

Diagramm zur Flächennutzung

Das Görlitzer Stadtgebiet besteht zu über 60 % aus Grünflächen. Als Baufläche, die in mehrere Nutzungs- bzw. Bebauungsarten unterteilt ist, stehen 1484,6 ha zur Verfügung. Im Stadtkern ist die Bebauung sehr dicht. Besonders die Alt- und die Nikolaivorstadt sind durch enge Straßenzüge und hohe Altbauten geprägt. Teilweise reichen die Gebäude direkt an das Ufer der Neiße heran. In den Stadtteilen Königshufen, Rauschwalde und Weinhübel beherrschen dagegen Wohnblöcke des kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbaus das Bild, wobei man den typischen Plattenbau WBS 70 vorwiegend in Königshufen findet. Diese Stadtteile umschließen den Stadtkern im Norden, Westen und Süden. In Biesnitz befinden sich vermehrt Eigenheime, die die ursprünglich aus Villen bestehende Vorstadt verdichten. Die Struktur der jüngst eingemeindeten Ortsteile ist ländlich. Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände in Hagenwerder im äußersten Süden befindet sich das größte Industrie- und Gewerbegebiet der Stadt. Zwischen Königshufen und der Bundesautobahn 4 liegt ein weiteres Gewerbegebiet. Wasserflächen machen etwa 11 % aus. Der geflutete Tagebau Berzdorf liegt südlich von Weinhübel und reicht bis an die Ortslagen von Hagenwerder und Tauchritz heran.[14]

Nutzungsart Fläche in ha[14] Prozentual
Wohnbauflächen 675,3 10,05 %
Besonderes Wohngebiet 14,7 0,22 %
Gemischte Bauflächen 215,7 3,21 %
Kerngebiet 17,1 0,25 %
Gewerbliche Baufläche 428,3 6,37 %
Sonderbaufläche 165,3 2,46 %
Flächen für Gemeinbedarf 105,4 1,57 %
Ver- und Entsorgung 35,3 0,53 %
Straßenverkehr 112 1,67 %
Verkehrsflächen mit besonderer Zweckbestimmung 33,6 0,50 %
Flächen für Bahnanlagen 115,7 1,72 %
Grün- und Freiflächen (inkl. Wald) 4062,1 60,43 %
Wasserflächen 741,5 11,03 %
Gesamt 6722 100 %

Klima[Bearbeiten]

Die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur in den Sommermonaten liegt bei über 20 °C, die durchschnittlichen nächtlichen Tiefstwerte in den Wintermonaten bei 0 bis −5 °C.[15] Die durchschnittliche Lufttemperatur in Görlitz beträgt 8,2 °C, der jährliche Niederschlag 657 mm. Im Schnitt ergibt sich die höchste Niederschlagsmenge im August mit 74 mm, während der Februar mit rund 37 mm der trockenste Monat ist.[16][17]

Der Juli weist mit rund 7 Stunden täglich die längste Sonnenscheindauer auf. Der Dezember hingegen bringt es durchschnittlich nur auf 1 Stunde und 30 Minuten pro Tag.[18]

Das Stadtklima der Stadt wird besonders durch die dichte Bebauung des Stadtzentrums beeinflusst. Dies ist der Grund für eine höhere Lufttemperatur und weniger Luftzirkulation als im Umland. Während der wärmeren Jahreszeit steigt die Wärmebelastung und Schwüle. Der Luftaustausch im Stadtkern ist stark eingeschränkt. Während der Nacht kann sich eine Wärmeinsel bilden. Im Vergleich zu den Kaltluftgebieten im Umland kann diese Wärmeinsel 10 °C Differenz aufweisen. Diese Effekte sind allerdings typisch für Städte. Görlitz verfügt über klimaökologisch und lufthygienisch wirksame Freiflächen, die den Luftaustausch mit den bebauten Flächen intensivieren und damit das Stadtklima verbessern.[19]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Görlitz
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 0 0 6 11 17 20 22 21 18 12 6 2 Ø 11,3
Min. Temperatur (°C) −3 −5 −1 2 7 11 13 12 8 6 1 0 Ø 4,3
Temperatur (°C) −1,5 −0,4 3,2 7,6 12,6 15,8 17,3 16,9 13,6 9,2 3,9 0,2 Ø 8,2
Niederschlag (mm) 46,9 36,8 38,6 49,4 66,1 69,6 70,1 74,4 51,9 44,9 50,9 57,1 Σ 656,7
Sonnenstunden (h/d) 1,8 2,7 3,9 5,3 6,9 7,0 7,2 6,8 5,1 4,1 1,9 1,5 Ø 4,5
Regentage (d) 10 9 9 10 10 10 10 10 9 7 10 12 Σ 116
Luftfeuchtigkeit (%) 85 84 78 74 73 74 73 75 79 81 84 86 Ø 78,8
T
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−3
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−5
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2
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7
20
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12
18
8
12
6
6
1
2
0
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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c
h
l
a
g
46,9
36,8
38,6
49,4
66,1
69,6
70,1
74,4
51,9
44,9
50,9
57,1
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Görlitz besitzt die östlichste Wetterwarte in Deutschland, welche dauerhaft mit Personal des Deutschen Wetterdienstes besetzt ist.

Die Geschichte der Wetterbeobachtung in Görlitz geht bis 1848 zurück als Josef Theodor Hertel am Demianiplatz mit meteorologischen Messungen und Beobachtungen begann. 1887 zog die Wetterstation in die Hospitalstraße 20-21 um und wurde 1891 zum Hospital gegenüber verlegt. 1930 wurde in dessen Park eine Klimahütte aufgebaut, während um 1936 die Wetterwarte in die Girbigsdorfer Straße am Flugplatz verlegt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden am 1. Juli 1946 die Beobachtungen in Görlitz durch den Sächsischen Landeswetterdienst am selben Standort wieder aufgenommen. 1990 begann man die automatische Erfassung von Wetterdaten. Im Oktober 1991 wurde zudem die Radioaktivitätsüberwachung eingerichtet. Aufgrund des Baus einer Umgehungsstraße musste die Wetterwarte 1994 um 400 Meter in westliche Richtung verlegt werden und ein Containerkomplex wurde aufgestellt. 2007 bezog dann die Wetterwarte den Neubau am selben Standort. Im Jahr 2008 wird die Wetterwarte Görlitz als erste Klimareferenzstation des Deutschen Wetterdienstes eingeweiht.[23]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte von Görlitz
Ansicht der Stadt von Osten, 1575

Ursprüngliche Besiedlung und Stadtgründung[Bearbeiten]

Archäologische Funde im Stadtgebiet belegen eine Besiedlung seit der späten Jungsteinzeit (Schnurkeramische Kultur). Aus der Zeit der Lausitzer Kultur stammen Funde von Brandbestattungen. Des Weiteren wurden Kupfer- und Bronzemünzen aus der späten Römischen Kaiserzeit geborgen. Nachdem während der Völkerwanderungszeit im 4. und 5. Jahrhundert die germanische Bevölkerung das Gebiet der östlichen Oberlausitz verlassen hatte, wurde das Gebiet erst im späten 7. und 8. Jahrhundert von slawischen Gruppen wiederbesiedelt. Unsicher ist, ob es sich dabei um Besunzane handelte, von denen ansonsten nichts bekannt ist. Aus dieser Zeit stammen Funde von Keramik in der heutigen Nikolaivorstadt und der östlichen Altstadt.

Anfang der 960er Jahre unterwarf der Markgraf der Sächsischen Ostmark Gero die slawischen Stämme in der Ober- und Niederlausitz und gliederte ihr Gebiet in das Reich ein. Es blieb jedoch lange Zeit ein Konfliktherd zwischen Böhmen, Polen und dem Heiligen Römischen Reich.[24][25] Görlitz wurde 1071 erstmals in einer Urkunde König Heinrichs IV. erwähnt. Darin erhielt der Bischof von Meißen das slawische Dorf Goreliz als Geschenk.[26] Das Gebiet der heutigen Ober- und Niederlausitz kam 1075 als Pfand und 1089 als Reichslehen unter die Herrschaft der böhmischen Herzöge und späteren Könige, die mit Unterbrechungen bis 1635 damit auch Stadtherren von Görlitz waren.[27]

Die Burg Yzcorelik, die vermutlich im Bereich der Peterskirche lag, wurde 1126 und 1131 zusammen mit anderen Burgen an der Grenze Böhmens durch Herzog Soběslav I. ausgebaut.[28][29]

Angelehnt an die dörfliche Siedlung bzw. die Burg, entwickelte sich wohl in der Mitte des 12. Jahrhunderts an der Via Regia eine Ansiedlung von Kaufleuten mit der Nikolaikirche im Kern. Um 1200 entstand eine planmäßige Stadtanlage um den Untermarkt im Bereich der heutigen Altstadt. Ein Vertreter des böhmischen Königs, der dem Kreis der führenden Familien entstammte, aus dem die Großgrundbesitzer und Fernhändler hervorgingen, residierte 1234 und 1238 in der Stadt. Diese lösten sich spätestens bis 1282 aus der stadtherrlichen Gewalt.

Unter der Herrschaft der Askanier, die den östlichen Teil des Landes Bautzen mit der Stadt Görlitz 1253 als Pfand vom böhmischen König erhalten hatten, wurde die Stadtanlage nach Westen erweitert und eine Stadtbefestigung errichtet, die nun auch das 1234 gegründete Franziskanerkloster einschloss.[30]

Im Jahre 1268 wurde unter den brandenburgischen Markgrafen eine von alters her bestehende Münzstätte Bautzen urkundlich genannt, die in dem gleichen Jahr durch eine neu gegründete Görlitzer Münze ergänzt wurde, mit der sie jährlich abwechselnd prägen sollte.[31]

Aufstieg zum mittelalterlichen Handelszentrum[Bearbeiten]

Der Schönhof, erbaut 1526.

Für die Zeit kurz vor 1300 ist ein Stadtrat mit Bürgermeister, zwölf Ratsherren und vier Schöffen belegt. Görlitz bekam 1303 als erste Stadt in der Region die Unabhängigkeit vom landesherrlichen Vogteigericht verliehen und erhielt die Obergerichtsbarkeit, was als Datum der städtischen Unabhängigkeit gilt.[32] Wenig später entwickelte sich eine jüdische Gemeinde. Nachdem die Stadt 1329 wieder zurück an Böhmen gefallen war, bestätigte König Johann von Luxemburg die sich entwickelnde Ansiedlung der Juden und stattete Görlitz mit zahlreichen Rechten, insbesondere dem Münzregal, aus.[33]

Im Jahr 1339 erhielt die Stadt zusätzlich das Stapelrecht für eine in ganz Europa nachgefragte Färberpflanze, das Waid, für die Farbe Blau in der Tuchfärbung.[34] Die Stadt wurde durch ihren aufstrebenden Handel sowie wegen der Monopolstellung für den Waidhandel in den böhmischen Ländern und aufgrund einer florierenden Tuchproduktion zur bedeutendsten Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau. Mitte des 14. Jahrhunderts hatte der Rat das Stadtgericht in Händen. Seit dieser Zeit ist ein doppelter Mauerring bezeugt, der ein Gebiet von 24 ha umschloss.

Gestützt auf ihre wirtschaftliche Macht und das königliche Privileg, gründeten am 21. August 1346 Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau den Oberlausitzer Sechsstädtebund, um im Auftrag des Landesherrn, des Königs von Böhmen und späteren deutschen Kaisers Karl IV., den Landfrieden zu wahren.[35] Rechtlich stand Görlitz damit den Freien Reichsstädten kaum nach. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stiegen die Zünfte zu lokalen Machtfaktoren auf. Sie lehnten die Außenpolitik des Rates ab und begehrten 1369, 1390 und 1405 vergeblich gegen die Ratsobrigkeit auf.[36][37]

In den Jahren 1377 bis 1396 war die Stadt Zentrum des Herzogtums Görlitz, das Karl IV. für seinen siebenjährigen Sohn Johann gegründet hatte. Dieser gestattete 1389 die Vertreibung der Juden aus Görlitz. Nach seinem Tod 1396 wurde das Herzogtum wieder aufgelöst.

Während der Hussitenkriege wurden 1429 die südlichen und östlichen Vorstädte niedergebrannt, die ummauerte Stadt jedoch nicht belagert.[38] Nach zahlreichen Fehden, die die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert zur Wahrung des Landfriedens und ihrer umfangreichen Privilegien geführt hatte, war sie im 15. Jahrhundert auch in die Auseinandersetzungen um den böhmischen Thron zwischen Georg von Podiebrad und Matthias Corvinus verwickelt. Deshalb wurden bis 1477 auch die Vorstädte mit einem Graben und Palisaden umgeben sowie die Stadtbefestigung modernisiert und verstärkt.[39]

Die Spannungen zwischen Görlitz und Zittau, die bereits nach Ende der Hussitenkriege begonnen hatten, entluden sich 1491 in einem Bierkrieg, bei dem es um das Recht der Zittauer ging, Bier zollfrei nach Görlitz einzuführen und zu vertreiben. Görlitz jedoch verweigerte die Einfuhr und den Verkauf fremden Bieres und beschlagnahmte es. Zittau reagierte daraufhin mit Übergriffen auf Ortschaften im näheren Umkreis von Görlitz. Die Fehde zwischen beiden Städten konnte erst durch einen Schlichterspruch des Landvogtes beendet werden, der beiden Städten gegenseitige Übergriffe untersagte und Zittau verpflichtete, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen.

Unter der Herrschaft des ungarischen Königs Matthias Corvinus kam die Stadt im späten 15. Jahrhundert zu höchster Blüte, die bis weit in das 16. Jahrhundert anhielt. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Bürgerhäuser und Kirchenbauten der Spätgotik und Renaissance. Zugleich erwarben Görlitzer Bürger seit den 1440er Jahren umfangreichen Landbesitz. Um 1500 hatte die Stadt rund 10.000 Einwohner.

Die Spannungen zwischen Zünften und Rat setzten sich bis in das 16. Jahrhundert fort und mündeten in den Streit um die Reformation. Ab 1521 wurde in Görlitz evangelisch gepredigt, auch wenn sich der Rat noch lange widersetzte. Eine evangelische Kirchenordnung wurde 1539 eingeführt. In der Folge des Schmalkaldischen Krieges war die Stadt 1547 vom Oberlausitzer Pönfall betroffen, da die Sechsstädte nur sehr zögerlich Truppen für den Krieg gestellt hatten, die zudem das kaiserliche Lager bereits vor der Schlacht bei Mühlberg wieder verließen. Die Stadt wurde zur Zahlung einer hohen Geldstrafe verpflichtet und verlor zahlreiche Rechte und sämtlichen Landbesitz. Zwar konnten in den folgenden Jahren viele Besitzungen und Privilegien wieder zurückgekauft werden, die Macht der Städte in der Oberlausitzer Ständerepublik war jedoch zugunsten des Landesherrn und der großen Adelsgeschlechter gebrochen.[40][41]

Görlitz im Kurfürstentum Sachsen[Bearbeiten]

Görlitz um 1650 als Kupferstich von Matthäus Merian

Im April 1636 wurde Görlitz zusammen mit der Oberlausitz, deren Stände sich den aufständischen Böhmen angeschlossen hatten, zum Ausgleich für Kriegsschulden des Kaisers an das Kurfürstentum Sachsen vergeben. Der Kaiser bestätigte 1637 die vorgefundenen konfessionellen Verhältnisse mit dem Traditionsrezess, woraufhin er in Görlitz die Huldigung entgegennahm. Im weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde 1641 das von Schweden besetzte Görlitz erfolgreich belagert. Dabei erlitt es schwere Schäden. Im Siebenjährigen Krieg war die Stadt in der Schlacht von Moys erneut Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen.

Im Jahr 1779 wurde dort die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften gegründet, die später zur größten bürgerlichen Gesellschaft ihrer Art in Deutschland heranwuchs.[42]

Als Napoleons Armee aus dem Russlandfeldzug zurückkehrte, zogen Armeeeinheiten durch das Görlitzer Gebiet und plünderten die umgebenden Dörfer, unabhängig davon, ob es sich um Verbündete oder Gegner handelte. Innerhalb eines Jahres marschierten so mehr als 30 Truppenteile an Görlitz vorbei; die verbündeten Franzosen mussten einquartiert und verpflegt werden. Bürgermeister Samuel August Sohr berichtete vor allem von den sich schnell ausbreitenden Epidemien. Nach der Niederlage Napoleons lief das sächsische Heer zu den Alliierten über, doch wurde Sachsen als Gegner behandelt.[43] Daher war Sachsen beim Wiener Kongress nicht vertreten. Dort wurde 1815 die Oberlausitz geteilt und Görlitz der preußischen Provinz Schlesien zugeschlagen und gleichzeitig Sitz des gleichnamigen Landkreises Görlitz innerhalb des Regierungsbezirks Liegnitz.[44]

Zweite Blüte unter preußischer Herrschaft[Bearbeiten]

Untermarkt um 1932

Die Zugehörigkeit zu Preußen hatte erheblichen Einfluss auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt. Das preußische Stadtrecht wurde 1833 eingeführt und die Stadt kam unter dem ersten Oberbürgermeister Gottlob Ludwig Demiani zu einer erneuten Blüte. Im Jahr 1847 erhielt sie einen Bahnanschluss nach Dresden und wurde gleichzeitig über eine Zweigbahn mit Berlin und Breslau verbunden.[45] 1867 eröffnete die Berlin-Görlitzer Eisenbahn-Gesellschaft ihre Bahnstrecke von Berlin nach Görlitz vom Görlitzer Bahnhof in Berlin.[46]

Damit in Verbindung stand eine rasche Industrialisierung. Zahlreiche öffentliche Großbauten, Industrieanlagen und Wohnsiedlungen der Gründerzeit prägen noch heute das Stadtbild südlich der Altstadt. Mit der Teilung Schlesiens in die Provinzen Ober- und Niederschlesien kam Görlitz 1919 zur westlichen Provinz Niederschlesien.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde wie überall im Deutschen Reich die jüdische Bevölkerung systematisch entrechtet und in Konzentrationslager verschleppt. Allerdings vereitelte die Görlitzer Feuerwehr den Versuch, in der Reichspogromnacht 1938 die Görlitzer Synagoge in Brand zu setzen, sodass diese als eine der wenigen Synagogen im heutigen Sachsen größtenteils unversehrt blieb. Im Jahr 1944 wurde das KZ-Außenlager Görlitz eingerichtet. Nachweislich wurden dort über 400 jüdische Häftlinge aus Ungarn, Polen, Tschechien und Russland ermordet oder starben an Krankheiten und Entkräftung. Während des Krieges und vor allem gegen dessen Ende wurden insgesamt 37 Häuser zerstört und je nach Quelle zwischen 78 und 89 teils schwer beschädigt. Alle sieben Neißebrücken wurden am 7. Mai 1945 – dem letzten Kriegstag – gegen 19 Uhr durch sich zurückziehende Wehrmachtstruppen gesprengt. Diese Sprengungen zogen auch zahlreiche angrenzende Bauten in Mitleidenschaft, so auch die Fenster der Kirche St. Peter und Paul in der Nähe der Altstadtbrücke.[47][48]

Sozialismus und DDR[Bearbeiten]

Der Obermarkt (1951–1990 Leninplatz) in den 1970er Jahren

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Görlitz durch die Oder-Neiße-Grenze geteilt. Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt kam unter polnische Verwaltung und wird polnisch Zgorzelec genannt. Die dort ansässige Bevölkerung wurde ab 21. Juni 1945 vertrieben. 650 Personen, die in Görlitz geboren wurden oder dort ihren letzten Wohnort hatten, wurden von der sowjetischen Geheimpolizei des NKWD verhaftet. Etwa 250 von ihnen starben in den sowjetischen Speziallagern.[49] Aufgrund der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den östlich von Oder und Neiße gelegenen Gebiete wuchs die Stadtbevölkerung im westlichen Teil der Stadt kurzzeitig auf über 100.000 an.[50] Der bei Deutschland verbliebene größere Teil der Stadt wurde Teil des Landes Sachsen, das allerdings 1952 bereits wieder aufgelöst wurde. Danach gehörte die Stadt zum Bezirk Dresden.

Mit der Unterzeichnung des Görlitzer Abkommens am 6. Juli 1950 wurde die Oder-Neiße-Grenze zwischen der damaligen Volksrepublik Polen und der Deutschen Demokratischen Republik von beiden Seiten als Staatsgrenze völkerrechtlich anerkannt.[51] Eine erneute völkerrechtliche Anerkennung der Grenze erfolgte nach langen Verhandlungen seitens der Regierung Kohl erst mit dem Deutsch-polnischen Grenzvertrag von 1990 zwischen Deutschland und Polen.

Am 17. Juni 1953 kam es in Görlitz nach einer Kundgebung mit 30.000 Menschen zum zunächst erfolgreichen Aufstand, der nach Verhängung des Ausnahmezustands durch die sowjetische Besatzungsmacht von Einheiten des Ministeriums für Staatssicherheit und der Kasernierten Volkspolizei niedergeschlagen wurde.

Ab 1975 entstanden die Neubaugebiete Königshufen und Rauschwalde, während die Bausubstanz der Alt- und Innenstadt verfiel. Ende der 1980er Jahre waren flächendeckende Abrisse geplant, die durch die politische Wende 1989 jedoch ausblieben. Es gibt in Deutschland nur sehr wenige in ihrer Einwohnerzahl mit Görlitz vergleichbare Städte, die eine solche Dichte von gut erhaltenen Baudenkmälern aufweisen können. Von dem Bau- und Sanierungsboom nach der Wiedervereinigung, der wesentlich durch Fördermaßnahmen des Staates und der Europäischen Union getragen wurde, konnte insbesondere die Innenstadt profitieren. Der anhaltende Bevölkerungsschwund in den östlichen Bundesländern macht sich allerdings auch in dieser Region bemerkbar.

Görlitz im Freistaat Sachsen[Bearbeiten]

Im wiedergegründeten Freistaat Sachsen wurde aus dem Stadtkreis Görlitz eine kreisfreie Stadt im neu gebildeten Regierungsbezirk Dresden. Im Zuge der Kreisreform 1994 ging der die Stadt umgebende Kreis Görlitz im neuen Niederschlesischen Oberlausitzkreis auf. Görlitz wurde zunächst Kreissitz, verlor diese Funktion jedoch bald darauf an Niesky. Im Verlauf der sächsischen Kreisgebietsreform 2008 fusionierten der Niederschlesische Oberlausitzkreis, die kreisfreie Stadt Görlitz sowie der Landkreis Löbau-Zittau am 1. August 2008 zum Landkreis Görlitz. Kreissitz wurde Görlitz. Damit entfiel der Status kreisfreie Stadt. Görlitz erhielt jedoch den Titel Große Kreisstadt.[52][53][54]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden im Jahr 1925 Rauschwalde sowie im Jahr 1929 Moys (polnisch: Zgorzelec-Ujazd) nach Görlitz eingemeindet. Der Ortsteil Moys und das östlich der Neiße liegende Stadtgebiet fielen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gemäß Potsdamer Abkommen unter polnische Verwaltung. Nach dem Krieg kamen am 1. Januar 1949 Weinhübel und Klingewalde sowie am 1. Oktober 1951 Groß und Klein Biesnitz zu Görlitz. Am 1. Januar 1994 folgte Deutsch-Ossig und am 1. März desselben Jahres Hagenwerder/Tauchritz sowie Schlauroth.[55] Zuletzt kamen am 1. Januar 1999 noch Kunnerwitz mit Klein Neundorf, Ludwigsdorf mit Ober-Neundorf sowie Teile der Gewerbegebiete der Gemeinde Schöpstal (Girbigsdorf und Ebersbach) hinzu.[56][57]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung der Stadt Görlitz zwischen 1870 und 2010 (ab 1946 getrennte Darstellung vom deutschen und polnischen Teil sowie die gemeinsame Einwohnerentwicklung der Europastadt Görlitz/Zgorzelec)

Die Einwohnerzahl der Stadt Görlitz überschritt 1949 auf dem westlich der Neiße gelegenen Stadtgebiet vor allem durch die zahlreichen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten die Grenze von 100.000 Einwohnern, wodurch sie kurzzeitig zur Großstadt wurde. Die Bevölkerungszahl der Stadt erreichte damals mit 101.742 auch ihren historischen Höchststand. Bis 1988 war ein Rückgang auf 77.609 Einwohner zu verzeichnen. Seit der Wende in der DDR verlor die Stadt durch Abwanderung und Geburtenrückgang etwa ein Viertel der Bevölkerung.

Am 31. Dezember 2011 betrug die amtliche Einwohnerzahl von Görlitz 54.691 (nur Hauptwohnsitze).[58] Verglichen mit der letzten Vorkriegseinwohnerzählung im Mai 1939 mit 93.823 Einwohnern entspricht dies einem Rückgang um etwa 40 Prozent, obwohl der Verlust des östlich der Neiße gelegenen Wohnraumes durch drei nach 1945 errichtete Neubaugebiete westlich der Neiße kompensiert werden konnte. So lebten vor dem Krieg ca. 8.800 Bürger im Ostteil der Stadt. Im Vergleich hierzu wohnten in den drei Neubaugebieten im Juli 2011 ca. 20.000 Einwohner. Dies zeigt, dass der verlorene Wohnraum östlich der Neiße nach dem Krieg bis 1990 mehr als kompensiert werden konnte.[59]

Mit einem weiteren Rückgang der Bevölkerung wird gerechnet. So prognostiziert das Statistische Landesamt für das Jahr 2020 eine Bevölkerungszahl für Görlitz von 46.400. Dies entspräche ungefähr der Hälfte der Vorkriegseinwohnerzahl. Die Prognose des Landesamtes gilt jedoch als umstritten, denn seit 2006 verzeichnet Görlitz mehr Zu- als Abwanderer, wobei jeder Zehnte der 2000 Neubürger über 60 Jahre alt ist. Bis 2007 zogen bereits über 1000 Senioren in die Stadt. Für sie gilt die Stadt durch ihr Ambiente, ihre Kultur, die ruhige Lage sowie die bis zu 20 % geringeren Lebenshaltungskosten auch aufgrund der günstigen Mieten als beliebter Ruhesitz. Schon im 19. Jahrhundert bekam Görlitz den Beinamen „Pensionopolis“. Es war vor allem bei preußischen Beamten als Alterssitz beliebt. Diese Entwicklung macht sich auch jetzt wieder bemerkbar, Pensionäre verlegen ihren Wohnsitz in die Görlitzer Altstadt.[60] Ein Großteil von ihnen stammt aus den alten Bundesländern.[61]

Görlitz und seine polnische Nachbarstadt Zgorzelec haben zusammen rund 87.000 Einwohner, von denen 31.711 in Zgorzelec leben (Stand 2011). Dies entspricht ungefähr der Einwohnerzahl der gesamten Stadt in den frühen 1920er Jahren.[62]

Religion[Bearbeiten]

Der Nikolaifriedhof mit zahlreichen historischen Gräbern und im Hintergrund die Nikolaikirche

Görlitz ist Sitz des katholischen Bistums Görlitz und eines evangelischen Regionalbischofs für den Sprengel Görlitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Die Reformation fasste seit 1521 Fuß und 1525 wurde in Görlitz die erste evangelische Messe gelesen. Seit dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts war Görlitz eine rein lutherische Stadt. Wie alle Lausitzer Lutheraner gehörte die Görlitzer Gemeinde keiner Landeskirche an, sondern die Stadt verwaltete ihre Kirchenangelegenheiten selbst, wobei allerdings dem katholischen Dekan des Domstifts Bautzen als Leiter einer apostolischen Administration bedeutende Rechte verblieben. Die evangelisch-lutherische Frömmigkeit in Görlitz wurde Ende des 17. Jahrhunderts stark vom Pietismus beeinflusst. Ab 1815 gehörte die Stadt zu Preußen und ihr Kirchenwesen wurde in die unierte Evangelische Kirche in Preußen eingeordnet.

Als Reaktion auf die vom preußischen Staat zwangsverordnete Union zwischen der lutherischen Kirche und der reformierten Tradition entstand die altlutherische Evangelisch-Lutherische Kirche in Preußen. In Görlitz wurde die evangelisch-lutherische Heilig-Geist-Kirchengemeinde gegründet, die heute zum Kirchenbezirk Lausitz der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche gehört. Durch die Wahl des derzeitigen Gemeindepfarrers Gert Kelter zum Propst des Sprengels Ost der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) am 27. Januar 2007 ist Görlitz Sitz der Propstei Ost der Altlutheraner geworden.

Ansicht des Altars in der Dreifaltigkeitskirche

Ansonsten war die Stadt Teil der schlesischen Provinzialkirche der evangelischen Landeskirche, deren Sitz sich seinerzeit in Breslau befand. Infolge der Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg (Oder-Neiße-Grenze) verblieb nur noch ein kleiner Teil des Gebiets der schlesischen Provinzialkirche bei Deutschland und kam zur Sowjetischen Besatzungszone. Das frühere Görlitzer Stadtgebiet östlich der Neiße wurde zur Stadt Zgorzelec zusammengefasst. Die dort ansässige, meist evangelische deutsche Bevölkerung wurde 1945–1947 zwangsausgesiedelt. Die an ihrer Stelle neu angesiedelte Stadtbevölkerung war meist römisch-katholisch, sodass die Bevölkerung des zur Stadt Zgorzelec gewordenen ehemaligen Görlitzer Stadtgebiets seit etwa 1947 mehrheitlich katholisch ist.

Die Kirchenleitung unter Bischof Ernst Hornig musste 1946 Breslau verlassen und siedelte nach Görlitz um. So wurde die Stadt 1947 Sitz einer Landeskirche, die zunächst den Namen Evangelische Kirche von Schlesien behielt, 1968 jedoch ihren Namen in Evangelische Kirche des Görlitzer Kirchengebietes ändern musste und 1992 ihren gegenwärtigen Namen Evangelische Kirche der schlesischen Oberlausitz erhielt. Zum 1. Januar 2004 ging diese Landeskirche in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz auf. Seither ist Görlitz Sitz des (dritten) Sprengels dieser neuen Landeskirche. Innerhalb dieses Sprengels gehören die Kirchengemeinden der Stadt Görlitz zum gleichnamigen Kirchenkreis.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zogen vermehrt wieder römisch-katholische Gläubige in die Stadt und gründeten ab 1853 eigene Pfarrgemeinden. Sie gehörten zum Erzbistum Breslau. Als dessen Gebiet nach dem Zweiten Weltkrieg infolge der Grenzziehung geteilt wurde, bildete der westlich der Lausitzer Neiße bei Deutschland verbliebene Teil des Bistums Breslau zunächst das Erzbischöfliche Amt Görlitz. Hieraus entstand über die 1972 eingerichtete Apostolische Administratur Görlitz zum 8. Juli 1994 das heutige Bistum Görlitz innerhalb der neu errichteten Kirchenprovinz Berlin, dessen Kathedrale die 1898 erbaute St. Jakobuskirche wurde. Innerhalb des Bistums Görlitz gehören die Pfarrgemeinden der Stadt Görlitz, St. Hedwig und Hl. Kreuz, zum gleichnamigen Dekanat.

Daneben gibt es in Görlitz auch freikirchliche Gemeinden der Baptisten, der Siebenten-Tags-Adventisten, der Pfingstler, der Evangelisch-methodistischen Kirche und des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland.

Weitere Religionsgemeinschaften sind die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), die Zeugen Jehovas, die Neuapostolischen Kirche und eine Gemeinde des Apostelamts Jesu Christi.

Seit 2005 gibt es in Görlitz wieder eine jüdische Gemeinde.[63] Die Gemeinde wurde vom Zentralrat der Juden in Deutschland und dem sächsischen Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegl anerkannt und verhandelt derzeit (Stand: 2010) mit der Stadtverwaltung über die Rückübertragung der Synagoge an der Otto-Müller-Straße.

Politik[Bearbeiten]

An der Spitze der Stadt ist seit 1282 ein Bürgermeister bezeugt. Später gab es auch einen Rat. Der Bürgermeister wechselte jährlich. Nach dem Übergang an Preußen wurde die preußische Städteordnung eingeführt. Rat und Bürgermeister blieben bestehen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Amt des Oberbürgermeisters eingeführt.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg bestand ein Rat der Stadt beziehungsweise die Stadtverordnetenversammlung, die nach den in der DDR geltenden Regelungen gewählt wurde.

Nach Wende und dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland 1989/1990 wurde das zunächst als Stadtverordnetenversammlung, nunmehr als Stadtrat bezeichnete Gremium wieder frei gewählt. Der Stadtrat wählte anfangs auch den Oberbürgermeister. Seit 1994 wird der Oberbürgermeister jedoch direkt von den Bürgern für sieben Jahre gewählt. Er ist sowohl Vorsitzender des Stadtrats sowie auch oberster Dienstvorgesetzter aller städtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter.[64]

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Stadtvertretung besteht aus 38 Abgeordneten.[65] Im Stadtrat sind zurzeit sechs Parteien und zwei lokale Wählervereinigungen vertreten. Die 38 Sitzplätze im Stadtrat sind wie folgt verteilt:

Partei Sitze[66]
CDU 13
Bürger für Görlitz e. V. 8
Die Linke. 6
zur Sache! e. V. 3
SPD 2
FDP 1
Bündnis 90/Die Grünen 2
NPD 2
Piratenpartei 2

Die Stadträte von Bürger für Görlitz, Die Grünen und Piratenpartei sowie von SPD und FDP bilden jeweils gemeinsame Fraktionen.[67]

Bürgermeister und Oberbürgermeister[Bearbeiten]

Görlitzer Rathaus am Untermarkt

Das Amt des Oberbürgermeisters wurde erstmals Gottlob Ludwig Demiani von König Wilhelm IV. 1844 verliehen. Demiani war bereits seit 1833 Bürgermeister und bekleidete das Amt noch bis 1846. Er sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung und verhalf Görlitz zu einem Platz in der Reihe der großen preußischen Städte. Auf dem Platz des 17. Juni am Kaisertrutz erinnert heute eine Statue an ihn.

Nach dem Krieg wurde am 10. Mai 1945 zunächst Alfred Fehler vom sowjetischen Stadtkommandanten als Oberbürgermeister eingesetzt. Nach seinem Tod folgte noch im gleichen Jahr Walter Oehme kommissarisch in das Amt. Im November 1945 fiel Oehme einer Intrige zum Opfer und musste das Amt wieder abtreten. Ihm wurden Korruption und Vetternwirtschaft in der Stadtverwaltung sowie Spionage und Sabotage vorgeworfen. Er wurde vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und war von 1950 bis 1956 in der Justizvollzugsanstalt Bautzen in Haft.[68]

Der erste nach der Wende freigewählte Oberbürgermeister war Matthias Lechner (CDU). Er wurde nach achtjähriger Amtszeit 1998 in einer Abstimmung vorzeitig abgewählt.[69] Ihm folgte der ehemalige Professor Rolf Karbaum (parteilos) bis 2005 und Joachim Paulick (zur Sache!) bis 2012.[70]

Bei der Oberbürgermeisterwahl am 22. April 2012 konnte sich Paulick nicht gegen seinen Herausforderer Siegfried Deinege (parteilos) behaupten. Deinege trat das Amt am 16. Juli 2012 an.[71][72] Deinege wird im Stadtrat durch sein Wahlkampfbündnis aus Bündnis 90/Die Grünen, Bürger für Görlitz, CDU und FDP unterstützt.

Haushalt[Bearbeiten]

Die bereinigten Einnahmen der Stadt betrugen im Jahr 2009 86,189 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Rückgang bei den städtischen Einnahmen um ca. 47,8 Millionen Euro. Ein Hauptgrund für die gesunkenen Einnahmen waren die verringerten Zuweisungen des Landes um etwa ein Zehntel.[73]

Die bereinigten Ausgaben der Stadt betrugen 2009 81,040 Millionen Euro. Sie sanken gegenüber dem Vorjahr um rund 48,7 Millionen Euro. Vor allem sanken dabei die Ausgaben für soziale Leistungen. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Entwicklung des Schuldenstandes des kommunalen Haushaltes zwischen den Jahren 2006 und 2009.[74]

Jahr Schuldenstand
des kommunalen Haushaltes
am 31.12. in 1000 €[75][76][77]
Schuldenstand
des kommunalen Haushaltes
am 31.12. je Einwohner[75][76][77]
2006 46.385 807
2007 43.129 759
2008 41.057 725
2009 38.990 693
2010 37.762 678
2011 34.602 624

Ende 2011 betrugen die kommunalen Schulden 624 Euro pro Einwohner.[77] Im gleichen Jahr verzeichnete der städtische Haushalt einen Überschuss von etwa 4,6 Millionen Euro. Der Überschuss fiel aufgrund höherer Einnahmen aus der Gewerbe- und Einkommenssteuer im Vergleich zu den Vorjahren sehr hoch aus. Im Jahr 2009 betrug der Überschuss ca. 600.000 Euro und im Jahr 2010 ca. 900.000 Euro.[78]

Wappen[Bearbeiten]

Wappen
Das 1536 verliehene Wappen war bis 1945 in Gebrauch

Blasonierung: Das Wappen der Stadt Görlitz ist gespalten; vorn in Gold ein doppelköpfiger schwarzer Adler, hinten in Rot auf silbernem Schildfuß stehend ein doppelschwänziger silberner Löwe mit goldener Krone, goldenen Klauen und blauer Zunge. Der Löwe hält mit der rechten Vorderpranke sowie der linksgewendete Kopf des Adlers mit dem Schnabel eine goldene Kaiserkrone auf dem Spalt.

Der Schild trägt einen silbernen Stechhelm mit rotem Adlerflug und rotweißen Helmdecken, im Adlerflug steht wieder der weiße/silberne, gekrönte Löwe der linken Schildhälfte. Adlerflug und Helmdecken sind mit goldenen Lindenblättern bestreut. Die Stadtflagge/-fahne ist weiß-rot mit aufgelegtem Wappen.

Die Benutzung des Stadtwappens/Schmuckwappens ist dem Oberbürgermeister und dem Stadtrat vorbehalten. Alle Behörden und Dienststellen der Verwaltung der Stadt führen den Wappenschild. Weiterhin führt die Stadt Görlitz ein Stadtsignet, das aus dem Wappenschild des Wappens von 1433 besteht.

Das Wappen wurde am 29. August 1433 von Kaiser Sigismund als Zeichen seiner Anerkennung der Dienste der Stadt Görlitz im Hussitenkrieg verliehen. Die Verleihung eines Wappens war seinerzeit mit ungewöhnlichen Kosten verbunden. Der Adler steht für das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, der Löwe für Böhmen. Der Adler weist auf die Stadtanerkennung durch den Kaiser und der Löwe auf die Landeszugehörigkeit zu Böhmen hin, bevor Görlitz 1635 an das Kurfürstentum Sachsen und nach dem Wiener Kongress 1815 an Preußen fiel.

Am 2. Oktober 1536 verlieh Kaiser Karl V. ein Wappen, dessen Schild viergeteilt war. Im ersten und vierten Feld stand der Reichsadler, im zweiten und dritten Feld der böhmische Löwe. Belegt ist dieses Wappen, das sich wegen der Rolle Karls 1547 im Oberlausitzer Pönfall nicht gegen die Variante von 1433 durchsetzen konnte, mit einem zweimal von Rot und Silber geteilten Schild des Hauses Österreich mit der Kaiserkrone. Es war allerdings noch bis 1945 parallel zum jetzigen in Gebrauch.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Görlitz unterhält seit 1971 Städtepartnerschaften zu Amiens in Frankreich und Molfetta in Italien. Im Jahr 1980 kamen Zgorzelec in Polen und 1981 Nový Jičín (Neutitschein) in Tschechien hinzu. Die jüngste Partnerschaft besteht seit 1990 mit der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Die hessische Landeshauptstadt half während und nach der Wende mit finanziellen Unterstützungen in einer Gesamthöhe von 4,4 Millionen DM bei der Umstrukturierung der Stadtverwaltung und mit zahlreichen Sachspenden. So organisierten zum Beispiel die Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Hilfstransporte in das Görlitzer Klinikum. Auch die Busflotte der Görlitzer Verkehrsbetriebe wurde durch mehrere ältere Mercedes-Benz O 305 aus Wiesbaden verstärkt.[79]

Zusammen mit den Gemeinden Selfkant, Oberstdorf und List bildet Görlitz den Zipfelbund. Dieser Bund ist keine politische Organisation, sondern vorrangig eine innerdeutsche Partnerschaft zur Belebung des Tourismus. Das erste Treffen aller Bürgermeister dieser Städtepartnerschaft – am 9. und 10. Mai 1998 im Selfkant – wurde von dem Journalisten Hartmut Urban initiiert und organisiert. Nach diesem Treffen wurde anlässlich der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit 1999 in Wiesbaden der Zipfelbund geschlossen. Wer es binnen vier Jahren schafft, alle diese Orte zu bereisen, wird mit einem Geschenkkorb geehrt. Dieser enthält Spezialitäten aus allen teilnehmenden Regionen.[80]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Typische Häuser der Görlitzer Altstadt auf dem Untermarkt, rechts die alte Ratsapotheke

Görlitz besitzt eine der am besten erhaltenen Altstädte Mitteleuropas.

Görlitz und Zgorzelec, die polnische Schwesterstadt, verstehen sich als eine Europastadt. Für das Jahr 2010 bewarben sie sich gemeinsam als Europäische Kulturhauptstadt. Dazu war eines der Schwerpunktprojekte in der Bewerbungsschrift die Entwicklung eines neuen Zentrums, des sogenannten „Brückenparks“. Entlang der Lausitzer Neiße werden beiderseits Objekte wie z. B. die Stadthalle, die Synagoge, die Hochschule und auf dem östlichen Neißeufer die Oberlausitzer Ruhmeshalle architektonisch zusammen mit weiteren Ideen zu einem Gesamtentwurf entwickelt. In mehreren Sommerprojekten haben sich bereits Studierende aus beiden Ländern Gedanken dazu gemacht. Es soll eine Art „Laboratorium“ entstehen, in dem europäisches Denken und Handeln erprobt werden kann.

Der Studiengang Kultur und Management an der Hochschule Zittau/Görlitz (FH) sowie viele engagierte Bürger und Unternehmen der Region unterstützten die verbindende Idee der Kulturhauptstadt-2010-Bewerbung von Görlitz. Ein sichtbares Zeichen dieser Unterstützung sind die fünf Flaggen, die auf der Landeskrone wehen. Zur Kulturhauptstadt 2010 wurde Essen gewählt, Görlitz erreichte den zweiten Platz. Jurymitglieder betonten, dass die Entscheidung äußerst knapp war. In Essen wurde öffentlich die Einbindung einiger Görlitzer Projekte in das Kulturhauptstadt-Projekt vorgeschlagen. Durch ihre Bewerbung und das dahinterstehende Konzept erreichten Görlitz und Zgorzelec aber dennoch eine beträchtliche Steigerung ihres Bekanntheitsgrades im In- und Ausland. Im April 2009 wurde bekannt, dass Görlitz sich um den Titel UNESCO-Weltkulturerbe bewirbt.[81] Damit möchte Oberbürgermeister Joachim Paulick die Lücke schließen, die entstand, nachdem das Dresdner Elbtal den Titel verlor.

Städtebau, Sanierung und Denkmalschutz[Bearbeiten]

Sanierung historistischer und frühmoderner Wohnbauten, hier in der Doktor-Friedrichs-Straße, Juni 2011

Görlitz gilt mit seinen ca. 4000 Denkmälern als größtes Flächendenkmal Deutschlands, streng nach Denkmalrecht handelt es sich jedoch um die flächenhafte Verbreitung von Einzeldenkmälern. Unter den Denkmalen befinden sich sowohl profane als auch sakrale Bauwerke aus allen Stilepochen zwischen Spätgotik und Jugendstil.[5]

Durch den hohen Schutzstatus der vielen Einzeldenkmäler kommt es gelegentlich zu Konflikten mit den Erfordernissen einer modernen Stadtentwicklung, so geschehen zum Beispiel an der Zeppelinstraße, Ecke Heilige-Grab-Straße. Hier wurde der Denkmalschutz den wohnungswirtschaftlichen Belangen untergeordnet und die Häuserzeile abgerissen.[5]

Mitte der 1990er Jahre beschloss die Stadt eine Erhaltungssatzung nach dem Baugesetzbuch für die Stadtteile Altstadt, Innenstadt, Nikolaivorstadt und Südstadt. In diesen Gebieten ist die Bausubstanz sowohl der Einzelgebäude als auch des städtebaulichen Gesamtensembles geschützt. Auch bei geplanten Neubauten in diesem Gebiet wird zuvor die Gestalt und deren Symbiose mit Bebauung der Umgebung sowie die Funktion und Wirtschaftlichkeit des Baus geprüft. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Denkmäler außerhalb dieses Erhaltungsgebietes verzichtbar sind. Bei diesen wird ebenfalls vor einem Abriss oder Neubau der städtebauliche Gesamtcharakter überprüft.[5]

Zusammen mit weiteren zehn ostdeutschen Städten wurde Görlitz zwischen 1990 und 1994 aufgrund des kritischen Zustandes der Bausubstanz und des schützenswerten Altstadtkerns zur Modellstadt der Stadtsanierung. Im Anschluss daran wurden nach und nach Fördergebiete der Stadterneuerung und -sanierung eingerichtet. Diese bestehen großteils noch heute. Ziel dieser sich teilweise überlappenden Teilgebiete ist die Revitalisierung und Weiterentwicklung der innen- bzw. kernstädtischen Bereiche. Es existieren die folgenden fünf Sanierungsgebiete:

Die Innenstadt Nord ist das erste Sanierungsgebiet und wurde 1991 festgelegt. Es gilt als weitgehend saniert.[5] Das zweite Sanierungsgebiet ist die Historische Altstadt. Es wurde 1994 beschlossen und entwickelt sich seitdem positiv. Zeichen für die Attraktivität dieses Gebietes sind die seit 1997 gegen den Trend zunehmende Einwohnerzahl, die im Durchschnitt jüngsten Bewohner aller Stadtteile und die wachsenden Gästezahlen. In diesem Sanierungsgebiet kann nur schwer eine Prognose zur Dauer der Sanierung gegeben werden, da es dort zahlreiche städtebaulich markante und strukturell komplexe Fälle, wie z. B. die Hallenhäuser gibt.[5]

Vollständig saniertes gründerzeitliches Straßenbild in der Landeskronstraße, Juni 2011

Ebenfalls 1994 legte man das Sanierungsgebiet Nikolaivorstadt fest. Das Sanierungsverfahren gilt in diesem Gebiet noch nicht abgeschlossen, da die prägende Gewerbebrache des ehemaligen Gaswerkes noch nicht revitalisiert werden konnte. Trotz allem haben sich bereits weite Bereiche des einst industriell geprägten Stadtteils zu einem gefragten innerstädtischen Wohngebiet entwickelt. Auch die ergänzenden Neubauten fügen sich neben der modernisierten Bausubstanz maßvoll in das städtebauliche Bild.[5]

1997 wurde der westliche, von Gewerbebrachen geprägte Rand der gründerzeitlichen Innenstadt in die Förderkulisse aufgenommen. Dieses Sanierungsgebiet heißt offiziell Gründerzeitviertel Innenstadt West. Mitte der 1990er Jahre zeichnete sich eine verstärkte soziale, demographische und auch bauliche Abwertung dieses Gebietes ab. Durch zahlreiche sanierte Gebäudezüge und Straßen sowie die Förderung von Gemeinbedarfseinrichtungen konnte dieser Trend weitgehend verhindert werden. Dennoch erfordert die Entwicklung dieses Areals noch Geduld und Beharrlichkeit.[5]

Das letzte Sanierungsgebiet Innenstadt Ost/Brückenpark umfasst die zentrale Innenstadt und die Bebauung entlang der Neiße zur Partnerstadt Zgorzelec.[5]

Die nötige Anpassung städtebaulicher Strukturen an den demographischen Wandel ist das Ziel des Förderprogramms Stadtumbau Ost, das sich in die Teile Rückbau und Aufwertung gliedert. Als Rückbaugebiet wurde 2003 das gesamte Stadtgebiet erklärt. Dies geschah unter anderem aus der Überlegung, auch in der Innenstadt beispielsweise den Abriss von Hinterhofgebäuden zur Verbesserung des Wohnumfeldes förderfähig zu machen. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (INSEK) erklärt die Neubaugebiete Königshufen, Rauschwalde und Weinhübel zu Schwerpunktgebieten des Rückbaus.[5]

Plakette der Görlitzer Altstadtstiftung

Der Einsatz von Städtebaufördermitteln zwischen 1990 und 2004 zeigt eine Trendwende der Zuweisung der Mittel nach Stadtteilen. Entfielen im Zeitraum von 1990 bis 1996 noch 70,4 % der Fördermittel auf die Altstadt, so sind es in der gegenwärtigen Förderperiode nur noch 19,3 %. Das Gründerzeitgebiet vereint dagegen 78,9 % der Fördermittel auf sich. Man könnte durch diese Zahlen auf einen besonders schlechten Bauzustand der Altstadt Anfang der 1990er Jahre schließen, dies stimmt jedoch nicht. Die Zahlen sind Ausdruck einer Strategie, die Stadtstruktur von innen heraus zu erneuern.[5]

Mittlerweile gelten 70 % der Wohngebäude in der Kernstadt als saniert und der Blickpunkt verschiebt sich dort nun zur Aufwertung des Wohnumfeldes der einzelnen Quartiere, die Gestaltung des öffentlichen Raumes sowie die Ansiedlung und den Ausbau von Gemeinbedarfseinrichtungen, wie z. B. Kindergärten. Dies geschah teilweise bereits mit dem Umbau von Plätzen (siehe z. B. Marienplatz) und Straßen (begonnener Umbau der Berliner Straße) sowie beispielsweise dem neuen Anbau an der Stadtbibliothek auf der Jochmannstraße oder der neuen Kindertagesstätte auf der Mittelstraße.[5]

Die Stadt und ihre Denkmalschützer haben einen unbekannten Gönner, der seit 1995 jedes Jahr über einen Münchener Anwalt genau 1.000.000 DM (ab 2002 511.500 €) überweisen lässt. Im Laufe der Jahre entstand in der Stadt der Begriff Altstadtmillion. Die Altstadtstiftung verwaltet das Geld und das Kuratorium für Maßnahmen der Denkmalpflege vergibt es an Bauherren und Institutionen. Seit 2004 werden die so geförderten Objekte mit einer Plakette gekennzeichnet.[82]

In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Paulick hat der Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Wolfgang Illert, im Namen der Wissenschaftlichen Kommission der Stiftung die Planungen der Stadt Görlitz für ein neues Einkaufszentrum auf dem Areal zwischen Salomonstraße und Berliner Straße kritisiert. Die Aussagen des Investors, der Florana KG in Weimar ließen „mangelnden Respekt vor dem Erhalt des baukulturellen Erbes erkennen“.[83] Die Florana KG plant derzeit auf dem betroffenen Grundstück in unmittelbarer Bahnhofsnähe einen Totalabriss, dem auch elf unter Denkmalschutz stehende Gebäude zum Opfer fallen sollen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz lehnt laut ihrem Geschäftsführer auch die Mitarbeit in einem Gestaltungsbeirat ab, da sie die Entwicklungen „aus einer unabhängigen Position kritisch begleiten“ will.[83]

Schon im Januar 2012 hatte der Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Horst von Bassewitz, in der Sächsischen Zeitung vor diesem „radikale[n] Umgang mit der Bausubstanz“[84] gewarnt. Ebenso wie die Stiftung lehnen das Landesamt für Denkmalpflege des Freistaates Sachsen sowie die Denkmalschutzbehörde der Stadt Görlitz die derzeitigen Planungen zum Neubau des Einkaufszentrums ab.[84]

Profanbauten[Bearbeiten]

Moderner Springbrunnen auf dem Marienplatz, in der Bildmitte: der Frauenturm (Dicker Turm) und links daneben hinter den Bäumen: die Annenkapelle

Görlitz überstand den Zweiten Weltkrieg fast ohne Zerstörungen und besitzt mit zahlreichen historischen, teilweise denkmalgeschützten Bauwerken eine der besterhaltenen Altstädte Europas. Es ist die Stadt mit den meisten separat geschützten Denkmälern in Deutschland. Die Altstadt und die Nikolaivorstadt sind überwiegend von Bebauung aus der Spätgotik sowie aus der Zeit der Renaissance und des Barock geprägt.

In der Nikolaivorstadt befindet sich außerhalb der alten Stadtmauern das Scharfrichterhaus mit dem Finstertor. Es ist das einzige vollständig erhaltene Fachwerkhaus der Stadt. Das Haus ist auf 1666 datiert und wurde komplett saniert. Die Faschen der Hoftür sind mit Sgraffitos versehen, genauso wie die Eckquaderung an der Außenwand des Erdgeschosses. Eine Sandsteintafel erinnert an Lorenz Straßburger, den Scharfrichter von Görlitz, der in diesem Haus lebte. Das Haus wird derzeit von der Jugendbauhütte Görlitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz genutzt.

Das älteste profane Gebäude der Stadt ist das Waidhaus, auch Renthaus genannt. Es wurde 1131 erbaut und war im 15. Jahrhundert der Aufbewahrungsort und Stapelplatz für die Tuchfärbepflanze Waid. Bis 1426 verfügte das Gebäude noch über einen Turm. Von 1447 bis 1530 wurde das Haus als Schule genutzt. Am Giebel wurde die noch heute lesbare Inschrift „Nil actum creades, cum quid restabit agendum 1479“ angebracht, die an ein schweres Feuer im Jahr 1479 erinnert. Heute ist es Sitz des Fortbildungszentrums für Handwerk und Denkmalpflege e. V.

Südlich des Waidhauses verläuft die Neißstraße, sie ist Teil der alten Via Regia und das östliche Tor zur Altstadt. Neben dem Biblischen Haus, dessen Sandsteinfassade Illustrationen aus dem Alten und Neuen Testament zeigt, befindet sich die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften. Das Haus aus der Barockzeit war damals das bedeutendste Wohn- und Handelshaus in Görlitz und der Oberlausitz. Es wurde 2011 komplett saniert.[85]

Die Zeile vom Rathausturm gesehen

Am westlichen Ende der Neißstraße öffnet sich der Untermarkt, der durch seine Renaissancefassaden geprägt ist. Er wird gesäumt von einem stadtspezifischen Haustyp, dem Hallenhaus, vor geschlossenen Laubengängen. Der bekannteste Vertreter dieses Typs ist der Schönhof, erbaut 1525 durch Wendel Roskopf. Er gilt als das älteste bürgerliche Renaissancegebäude Deutschlands.[86] Ebenfalls auf dem Untermarkt befindet sich die markante Ratsapotheke mit den beiden Sonnenuhren von Zacharias Scultetus. Der gotische Kern des Gebäudes wurde 1558 im Stil der Renaissance überformt.[86] Die Zeiger werfen ihre Schatten auf verschiedenfarbige Linien, die verschiedene Zeitskalen verdeutlichen, die sogenannten bürgerlichen, die italienischen und die babylonischen Stunden.[87]

Im Zentrum des Untermarktes befindet sich die sogenannte Zeile. Diese wurde über die Jahrhunderte immer wieder baulich verändert und besteht heute aus einem zusammenhängenden Häuserblock. Sie beherbergte damals Händler und Krämer und bot unter den Laubengängen Platz um Waren anzubieten. Der einst fachwerklich geprägte Teil auf der nördlichen Seite der Zeile wurde 1706 durch ein neues Verwaltungsgebäude ersetzt, der sogenannten Börse. Kaufleute hielten dort wöchentlich ihre Zusammenkünfte ab. Das Gebäude wird heute als Hotel genutzt.[88]

Auf der gesamten Westfront des Untermarkts befindet sich das Rathaus. Es wurde 1369 als Ort der städtischen Verwaltung in Betrieb genommen und dient diesem Zweck noch heute. Die Uhr des Rathausturms hat zwei Zifferblätter, von denen das untere eine Zwölfstundenuhr ist mit einem Männerkopf, dessen Kinnlade zu jeder vollen Stunde nach unten klappt. Die obere Uhr zeigt den Tag, die Stunde und die Mondphase an.[89] Im Stil der Neorenaissance wurde 1903 der nördliche Teil des Rathauses, das Neue Rathaus, fertiggestellt. Der Neubau wurde ebenfalls mit Laubengängen versehen. Die Fassade zieren die sechs Wappen der Städte des Oberlausitzer Sechsstädtebundes.

Vom Untermarkt in Richtung Westen gelangt man über die Brüderstraße zum Obermarkt. Auch dort befinden sich Renaissance- aber auch Barockfassaden. Alle Häuser an der nördlichen Seite sind durch den Barock geprägt. Ursprünglich wurde der Obermarkt als Handelsfläche für Gewürze, im Speziellen Salz, genutzt. Es wurde im Salzhaus gelagert, das gegen 1424 erstmals erwähnt wurde. Es stand zentral auf dem Markt und reichte von der Einmündung der Steinstraße bis zur Brüderstraße. Im Jahr 1851 wurde das Salzhaus abgerissen. In dem Barockhaus 29 wohnte 1813 der französische Feldherr Napoleon Bonaparte und wohnte vom Balkon einer Militärparade auf dem Platz bei. Seitdem wird es im Volksmund auch Napoleonhaus genannt.

Reichenbacher Turm am Obermarkt nahe Kaisertrutz

An der Westseite grenzt der Obermarkt an den Platz des 17. Juni, auf dem der Kaisertrutz steht. 1427 entstand diese Anlage als Teil des Reichenbacher Tores. Er war in den Befestigungswall integriert und so mit dem Reichenbacher Turm verbunden. Erst 1848 wurden die Mauern entfernt. Der Kaisertrutz diente dann als Hauptwache der preußischen Garnison. Heute ist er Teil des Kulturhistorischen Museums Görlitz. Neben dem Reichenbacher Turm gehören auch der Nikolaiturm und der Frauenturm, umgangssprachlich auch Dicker Turm genannt, zu den drei erhaltenen von ehemals vier Wehrtürmen. Die Ochsenbastei und der Nikolaizwinger sind die einzigen beiden erhaltenen Teile des doppelten Görlitzer Stadtmauerrings. Die Hotherbastei ist die letzte Eckbastei der Stadtmauer.

Blick in den Lichthof des Görlitzer Warenhauses

Vom Obermarkt der Steinstraße südwärts folgend gelangt man in die Gründerzeit- und Jugendstilviertel der Innenstadt. Während der Jahrhunderte verschob sich das Zentrum weiter gen Süden bis zur Berliner Straße. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele Straßenzüge diesem Trend angepasst. 1913 wurde das Görlitzer Warenhaus am Demianiplatz als Grand Bazar zum Strauß nach Plänen des Architekten Carl Schumanns eröffnet. Es entstand nach dem Muster des Kaufhauses Wertheim in Berlin. 1984 begannen die Restaurierungen an der Außenfassade. Im Inneren hat das Kaufhaus freihängende Treppen und aus Echtholz geschnitzte Geländer. Auch das verzierte Glasdach gehört zu den Besonderheiten dieses Gebäudes. Zusammen mit dem Lichthof ermöglicht es einen großen Lichteinfall in das gesamte Gebäude. An den tragenden Säulen befinden sich Jugendstilornamente. Riesige, reich geschmückte Kronleuchter hängen von der Decke herab. Seit 2005 steht das Kaufhaus weitgehend leer.

Bereits 1887 gründete Otto Straßburg die heute nach ihm benannte Straßburg-Passage an der Berliner Straße. Sie trug anfangs den Namen Spezialgeschäft für Leinen- und Baumwollwaren, Gardinen, Geraer Kleiderstoffe sowie Aussteuerartikel aller Art. 1908 wurde die Passage als Durchgang erweitert. Den Besuchern war es nun möglich, zwischen der Berliner- und der parallel laufenden Jakobstraße zu wechseln. Folgt man der Berliner Straße weiter südlich, gelangt man zum Bahnhof Görlitz. Bereits am 1. September 1847 wurde der erste Bahnhof in Görlitz mit zwei Gleisen eröffnet.[90] Die nach Osten verlaufenden Gleise führen zum 1847 eröffneten Neißeviadukt. Von 1906 bis 1917 wurde der Bahnhof komplett umgebaut In der DDR-Zeit wurde das Gebäude 1984 unter Denkmalschutz gestellt. Die Bahnhofshalle weist zehn große Fenster auf, jeweils fünf auf der Nord- und der Südseite. Zusammen mit den imposanten Deckenleuchter versorgen sie die Halle mit Licht. Die dreischiffige Bahnhofshalle überspannt die Bahnsteige II–IV mit den Gleisen 7 bis 12. Lediglich der Bahnsteig I mit den Gleisen 3 und 4 liegt außerhalb der Bahnsteighalle und hat eine separate Bahnsteigüberdachung. Nur die Gleise 7 bis 12 dienen noch dem Personenverkehr.

Am westlichen Rand der Altstadt wurde 1906 mit dem Bau einer Musikhalle für die Schlesischen Musikfestspiele begonnen. Sie wurde am 27. Oktober 1910, zwei Jahre später als ursprünglich geplant, als Stadthalle mit einem großen Konzertsaal, dem Bankettsaal, dem Konzertgarten und einer Gaststätte eröffnet. Etwa 2200 Gäste nahmen an den Feierlichkeiten teil. Der Große Saal bietet 1400 Gästen Platz. Die Stadthalle ist die größte Konzerthalle zwischen Berlin, Prag, Dresden und Breslau. Seit 1. Januar 2005 ist sie wegen notwendiger Sanierung geschlossen und soll im Jahr 2014 wieder eröffnet werden.

Neben der auf der Neißstraße in der Altstadt befindlichen Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften gibt es noch weitere Bibliotheken in Görlitz. 1876 entstand im Waisenhaus in der Annengasse die Görlitzer Stadtbibliothek mit dem Ziel, das Volk zu bilden und das gesammelte Wissen zu verbreiten. Bereits im Jahr 1902 gab es über 475 registrierte Mitglieder, denen 4700 Bücher zur Verfügung standen. Ab 1905 entstand der Bibliotheksbau im Jugendstil auf der Jochmannstraße. Der damalige Oberbürgermeister Georg Snay eröffnete 1907 den Neubau als Städtische Volksbücherei und Lesehalle. Sie bot den 1311 registrierten Lesern im ersten Jahr 150 Plätze.[91]

Außerhalb der Innenstadt, im heutigen Stadtteil Biesnitz, befindet sich die Scultetus-Sternwarte. Bartholomäus Scultetus, Bürgermeister, Astronom und Lehrer am Gymnasium Augustum, war Namensgeber der Einrichtung. Ursprünglich wurde am 15. Oktober 1856 ein Sternwartenturm an dem am Klosterplatz gelegenen Augustum eingeweiht. Ab den 1960er Jahren wurde mit dem erweiterten Aufgabengebiet des Observatoriums und der wachsenden Ausleuchtung der Innenstadt ein Umzug aus der Stadt beschlossen. In den Jahren von 1967 bis 1989 wurde ein neues Observatorium erbaut. In dem darin befindlichen Planetarium können unter einer Kuppel mit einem Durchmesser von acht Metern 40 bis 60 Besucher einen künstlichen Sternhimmel beobachten. Das etwa 3000 m² große Gelände verfügt über zwei Beobachtungsstationen mit abfahrbaren Dächern. Zwei Teleskope mit Spiegeldurchmessern von 40 und 15 cm sind in den Kuppeln des Hauptgebäudes untergebracht.

Einer der jüngsten Neubauten ist die am 20. Oktober 2004 eröffnete Altstadtbrücke. Sie entstand leicht versetzt zu der Brücke, die im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht auf dem Rückzug gesprengt worden war. Baubeginn war der 28. April 2003. Die Gesamtbaukosten beliefen sich auf 2.659.100 Euro. Sie dient als Fußgängerüberweg nach Polen.

Sakralbauten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kirchen in Görlitz
Die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt

Die Nikolaikirche, deren Grundmauern sich bis ins Jahr 1100 datieren lassen, ist die älteste Kirche der Stadt. Sie lag außerhalb des mittelalterlichen Mauerrings, ebenso wie die angrenzende Nikolaivorstadt, die wegen dieser Kirche als ältester Siedlungskern von Görlitz angesehen wird.[92] Die Errichtung des heutigen Gebäudes begann 1452, ging aber zunächst schleppend voran, da die Fertigstellung der St. Peter und Paul Kirche Vorrang hatte. Vollendet wurde der Bau der Nikolaikirche von dem Görlitzer Baumeister Wendel Roskopf als dessen letztes spätgotisches Bauwerk. Geweiht wurde sie 1520. Allerdings wurde sie wohl nie als Pfarrkirche genutzt, wegen der Nähe von St. Peter und Paul. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche 1642 zerstört, kurz nach Kriegsende 1649 wieder aufgebaut. Nach einem Brand im Jahr 1717 baute man die Kirche um und zog eine Flachdecke in die Halle ein. Diese wurde erst im frühen 20. Jahrhundert wieder entfernt. Direkt an die Nikolaikirche grenzend liegt der Nikolaifriedhof. Die Gräber und Gruften stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Sie lassen sich stilistisch dem Manierismus, dem Barock und Rokoko sowie dem Klassizismus zuordnen.

Im Norden der ummauerten Altstadt, südlich nur des Vogtshofes, befindet sich die Pfarrkirche St. Peter und Paul, umgangssprachlich Peterskirche, eine fünfschiffige spätgotische Kirche, die zwischen 1425 und 1497 erbaut wurde. Sie ist die größte spätgotische Hallenkirche Sachsens.[93] Ihre Türme prägen das Bild der Altstadt weshalb sie als eines der Wahrzeichen von Görlitz gilt.

Bereits in den Jahren zwischen 1234 und 1245 wurde vor den Toren der Stadt, am heutigen Obermarkt, die Dreifaltigkeitskirche errichtet. Die Mönche des Franziskanerordens nutzten sie anfangs als Klosterkirche. 1715 wurde sie der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet und dient als evangelisches Gotteshaus. Heute dient der Bau als Teil des Augustum-Annen-Gymnasiums.

Die Grabkapelle des Heiligen Grabes

In Richtung Südwesten, wo die Altstadt in das Gründerzeitviertel übergeht, wurde 1349 die Sühnekirche Unserer Lieben Frauen errichtet. Als sie in den Hussitenkriegen 1429 zerstört wurde, wurde die Frauenkirche als dreischiffige Hallenkirche mit langgestrecktem Chor und spätgotischer Einwölbung errichtet. Bis 1831 war dieser spätgotische Bau von einem Friedhof umgeben dessen Gräber heute noch teilweise erhalten sind.

Südlich des Bahnhofs wurde am 6. Oktober 1900 die Kathedrale St. Jakobus konsekriert. Der neogotische Bau dauerte von 1898 bis 1900 und wurde komplett in Ziegelbauweise gefertigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt. Bis 2012 sollen die vier kleinen Nebentürmchen, die Dachaufbauten und das Fries aus gelben und roten Dachziegeln rekonstruiert werden.[94] Sie ist die Hauptkirche Bistum Görlitz.

Ebenfalls in der Innenstadt befindet sich die 1901 geweihte Lutherkirche. Sie ist der erste evangelische Kirchenneubau, der nach der Reformation in Görlitz geweiht wurde. Der Grundstein wurde am 10. November 1898, zum Geburtstag Martin Luthers, gelegt. Stilistisch nimmt der Bau Bezug auf die Kaiserdome am Rhein und ist im neoromanischen Stil gehalten. Die Fassade besteht aus roten Ziegeln mit verschiedenfarbigen Dekoreinlagen aus Glasursteinen. Besonders auffällig sind ihre reich verzierten Fenster.

Einen Eindruck von der Bedeutung der jüdischen Gemeinde vor 1933 vermittelt die Synagoge in der Nähe des Stadtparks. Sie wurde von 1909 bis 1911 erbaut und ist die einzige im heutigen Sachsen, die die Pogromnacht 1938 unzerstört überstanden hat. Sie ist heute eine Stätte der Begegnung und des Lernens.

Von erheblicher kunsthistorischer Bedeutung ist der Nachbau des Heiligen Grabes von Jerusalem von 1504. Er ist gemeinsam mit dem nachgebildeten Kreuzweg eine beliebte Pilgerstätte. Es befindet sich am nordwestlichen Rand der Altstadt.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Im Jahre 1988 wurde an der Synagoge Otto-Müller-Straße 3 zur Erinnerung an die jüdischen Opfer der Shoa sowie die Verwüstung des Gotteshauses bei den Novemberpogromen 1938 eine Gedenktafel angebracht. Ein Mahnmal auf dem Jüdischen Friedhof an der Biesnitzer Straße erinnert an 323 KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Görlitz des KZ Groß-Rosen. Für die italienischen Militärinternierten, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer der Zwangsarbeit wurden, wurde ein Gedenkstein auf dem Städtischen Friedhof errichtet. Die Gedenktafel am linken Flügel des Gerichtes auf dem Postplatz erinnert an die Opfer des Volksaufstandes am 17. Juni 1953. Das Denkmal aus dem Jahre 1948 am Wilhelmsplatz (zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Platz) ist allen Opfern des Faschismus gewidmet. Eine weitere Tafel erinnert an der ehemaligen Tuchfabrik Hossner, an der Neiße im Stadtteil Weinhübel (bis 1936 Leschwitz) an die Opfer eines 1933 für annähernd 1.300 Häftlinge dort eingerichteten Schutzhaftlagers. Für den Künstler Johannes Wüsten, der 1943 in Brandenburg-Görden ermordet wurde, sind Gedenktafeln an den Häusern Johannes-Wüsten-Straße 7 und 23 sowie Porträtbüsten in der Ständigen Ausstellung der Kunstsammlungen und an der Straßenecke Johannes-Wüsten-Straße zur Curie-Straße angebracht worden. Die Gedenktafel am Haus Bismarckstraße 32 erinnert an den sozialdemokratischen Politiker Rudolf Breitscheid, der 1944 im KZ Buchenwald ums Leben kam. An seinem Geburtshaus Konsulstraße 1 brachte man für den antifaschistischen Gewerkschafter Kurt Steffelbauer, der 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet wurde, eine Tafel an. Eine weitere Gedenktafel erinnert an den kommunistischen Widerstandskämpfer Herbert Balzer, der 1945 von SS-Männern ermordet wurde. Sie befindet sich am Haus James-von-Moltke-Straße 7.

Oldtimer-Parkeisenbahn[Bearbeiten]

Die Görlitzer Oldtimer Parkeisenbahn wurde 1976 als elfte Pioniereisenbahn der DDR errichtet. Ihr auf einer Spurweite von 600 mm fahrender Zug ist eine Nachbildung des Zuges der ersten deutschen Eisenbahn von 1835 nebst dessen Lokomotive Adler. Zur Eröffnung nahmen etwa 70 Görlitzer Schüler die Tätigkeit in der neuen Arbeitsgemeinschaft des Pionierhauses auf. Für die eisenbahntechnische Unterstützung stellte die Deutsche Reichsbahn immer wieder Mitarbeiter zur Unterstützung frei, bis 1990 wurden die Lokführer vom Bahnbetriebswerk Görlitz gestellt.

Parks[Bearbeiten]

Eingang zum Tierpark
Stadtpark Meridianstein

Der Görlitzer Naturschutz-Tierpark ist ein anspruchsvoll gestaltetes naturnahes Ensemble. In zum Teil durch die Besucher begehbaren Gehegen leben über 500 Tiere wie kleine Pandas, Fischotter oder Yaks. Mit seiner fünf Hektar großen Fläche gehört er zu den kleineren Zoos in Deutschland. Im Jahr 2007 feierte der Park seinen 50. Geburtstag und konnte erstmals seit zehn Jahren mehr als 100.000 Besucher verzeichnen.[95]

In der Nähe der Stadthalle befindet sich der Stadtpark, dessen besondere Anziehungspunkte ein großer Holzspielplatz und der Meridianstein für den 15. Grad östlicher Länge sind. Außer dem Stadtpark existieren in der Alt- und Innenstadt noch zahlreiche weitere Grünanlagen, z. B. das Weinberggelände, das sich entlang der Neiße von der Obermühle im Norden vorbei am Neißeviadukt bis hin zur Weinlache im Süden zieht, der Ölberggarten am Heiligen Grab sowie die Grünanlagen im Nikolai- und Ochsenzwinger. Auch in den umgebenden Stadtteilen gibt es größere Grünanlagen, so z. B. das Birkenwäldchen zwischen Rauschwalde und der Südstadt, den Kreuzkirchenpark in der Südstadt, das Kidrontal in Königshufen sowie den Loenschen Park zwischen Biesnitz, Kunnerwitz und Weinhübel.

Ca. 17 km nördlich von Görlitz liegt die Kulturinsel Einsiedel. Sie ist eine Verbindung von Kunst, Kultur und Natur. Auf dem detailliert gestalteten Abenteuerspielplatz befinden sich Tunnels, Klettergerüste und ein großes Piratenschiff. Im Jahr 2005 wurde ein Hotel auf der Kulturinsel eröffnet. Es besteht aus mehreren Baumhäusern in acht bis zehn Meter Höhe.

Die Landeskrone[Bearbeiten]

Ein Wahrzeichen der Stadt, die Landeskrone

Das Wahrzeichen von Görlitz, die Landeskrone, ist ein 420 m hoher Basaltkegel vulkanischen Ursprungs. Sie ist die einzige namhafte Erhebung im Umkreis von Görlitz. Von der Landeskrone eröffnet sich ein weiter Blick über das Lausitzer Bergland bis hin zum Zittauer Gebirge und bei guter Sicht bis zum Riesengebirge mit der Schneekoppe. Eine erste Bebauung geht auf die Bronzezeit zurück, es folgten eine frühmittelalterliche und eine hochmittelalterliche Burganlage. Auf dem Südgipfel steht seit 1901 die 13 m hohe Bismarcksäule zu Ehren von Fürst Otto von Bismarck, der Ehrenbürger der Stadt Görlitz ist. Die erste kleine Gastwirtschaft eröffnete 1844 auf dem Berg. Der größere Nachfolgebau von 1863 brannte 1946 nieder. Erst 1951 entstand die heutige Gipfelbebauung, in der nach der letzten Sanierung 1994 eine Gaststätte und das Burghotel einzog.[96]

Die Stadt erwarb die Landeskrone 1440 von seinen adligen Vorbesitzern und holzte die Bäume auf dem Berg nahezu komplett ab. Erst 1840 legte man die heutige Lindenallee an, die am Fuße der Landeskrone beginnt. Die Lindenallee führt in 178 Stufen aufwärts bis zur Fahrstraße, die wiederum bis zum Gipfel führt. Der restliche Bergsockel wurde 1883 mit Rotbuchen bepflanzt. Der so mit der Zeit entstandene dichte Laubwald am Berg wurde 1953 zum Naturschutzgebiet erklärt.[97] Es gehört zum FFH-Gebiet Basalt- und Phonolithkuppen der östlichen Oberlausitz.[98]

Kultur[Bearbeiten]

Im Bereich der Kultur ist die DenkmalAkademie e. V. zu nennen. Das Görlitzer Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege e. V., das seinen Sitz im ehemaligen Waidhaus hat, widmet sich der Pflege und Erhaltung der Altstadt. Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz e. V. sammelt und verwahrt das Wissen der Oberlausitz. Der Verein Berzdorf–Oberlausitz e. V. gründete sich im Oktober 2001 in Görlitz. Ziel des Vereins ist die Erhaltung der Geschichte des Tagebaus Berzdorf für die Nachwelt.

Theater[Bearbeiten]

Theater am Demianiplatz

Das Theater Görlitz wurde 1851 am Demianiplatz erbaut und 1927 erweitert. Gerhart Hauptmann (1862–1946) war häufiger Gast in Görlitz und schon einmal bis 1988 Namenspatron des Theaters. Am 1. Januar 2011 fusionierte das Theater Görlitz mit dem Theater in Zittau. Die gemeinsame Gesellschaft trägt den Namen Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH. 2002 wurde der Zuschauerraum rekonstruiert und mit moderner Technik ausgestattet, die auch simultane Übersetzungen zulässt. Seit September 2002 ist auch die ursprünglich der Altstadt zugewandte Nordfassade wiederhergestellt. Im Theater finden Uraufführungen statt, die eigens dafür geschrieben wurden, beispielsweise das Musical Radio Babylon und die Moritz-Eggert-Oper Linkerhand. Außerdem arbeitet die Theaterpädagogik mit dem Dienstleistungszentrum für Arbeit zusammen. Die Teilnehmer schrieben eigene Theaterstücke über die Arbeitslosenproblematik und Hartz IV. Die Rollen wurden mit Teilnehmern dieses Projektes besetzt. Gemeinsam mit der Neuen Lausitzer Philharmonie werden Werke aller Genres (Oper, Operette, Musical, Tanztheater, Schauspiel) aufgeführt.

Durch die Fusion mit Zittau bietet das Haus neben den Philharmonischen Konzerten auch ein komplettes Dreispartenprogramm mit Musiktheater, Ballett und Schauspiel an.

Neben dem großen Haus, das auch Kleine Semperoper genannt wird, bespielt das Theater seit 1999 eine kleinere Studiobühne, das Apollo. Diese Spielstätte wird seit Januar 2005 auch im Rahmen der Veranstaltungsreihe Synagoge im Apollo vom Förderkreis Görlitzer Synagoge e. V. genutzt.

Eine weitere Besonderheit bietet das Theater in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec an: In Kooperation mit dem Theater Jelenia Góra (Teatr Jeleniogórski) gibt es eine polnischsprachige Abonnementsreihe sowie mit dem Görlitzer Mittwoch ein Forum im Apollo, das die deutsch-polnische Annäherung und den Gedankenaustausch fördert.

Museen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Görlitzer Museen
Die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften
Naturkundemuseum am Marienplatz

Verschiedene Museen stellen Exponate zur Geschichte, zu Kunst und Natur aus. Die Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur, bestehend aus der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften, dem Ratsarchiv und dem Kulturhistorischen Museum Görlitz umfassen mehrere Gebäude und enthalten Kunstwerke und Kulturschätze aus der Region.

Das Senckenberg-Museum für Naturkunde ging aus der 1811 gegründeten Ornithologischen Gesellschaft zu Görlitz hervor. Sein Ausstellungsschwerpunkt ist der Naturraum Oberlausitz. Dazu gehören allgemeine Hinführungen, wie etwa zu geologischen Formationen, oder Lebensformen afrikanischer Savannen, ähnlich wie regionale Lebensgemeinschaften mit typischen Pflanzen und Tieren, die in Dioramen präsentiert werden. Hinzu kommt ein Lebendtierbereich. Durch das Treppenhaus zieht sich das dreißigfach vergrößerte Modell einer Bodensäule, das Einblick in diesen Lebensraum bietet. Darüber hinaus gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der Evolutionsforschung. Für die Dauerausstellungen wird ein Audioführersystem in Deutsch, Englisch und Polnisch angeboten.

Im Schlesischen Museum wird seit 2006 eine Dauerausstellung zu tausend Jahren schlesischer Geschichte gezeigt.

Mit dem Tagebauschaufelradbagger Nr. 1452 und der Ausstellung zur Geschichte des Braunkohlen-Abbaues im Tagebau Berzdorf von 1835 bis 2000 im Bahnhof Hagenwerder wurde ein technisches Denkmal gesetzt.

Das Museum der Fotografie unter der Regie der Gesellschaft für das Museum der Fotografie Görlitz e. V. gibt einen Einblick in die Geschichte und Kunst des Fotografierens.

Musik[Bearbeiten]

Zusammen mit der Hochschule für Kirchenmusik finden in der Oberlausitz Orgelkonzerte statt, unter anderem auch in Görlitzer Kirchen, in denen die restaurierten Orgeln zum Einsatz kommen. Das Orchester der Neuen Lausitzer Philharmonie ist eines der bedeutendsten Einrichtungen der Region Oberlausitz/Niederschlesien. Es bietet Kammer- und Sinfoniekonzerte und ist Teil aller Inszenierungen des Theaters Görlitz. Ein besonderer Schwerpunkt ist die Musik der Sorben. Die Landskron-Herolde entstanden 1996 zur 925-Jahre-Feier der Stadt Görlitz. Sie bilden einen Zug mit Görlitzer Fanfarenmusik zu festlichen Anlässen. Der Regiments-Spielmannszug wurde 1969 gegründet und spielt bei festlichen Anlässen und Großveranstaltungen Spielmannsmusik und neuzeitliche Musikstücke.

Sport[Bearbeiten]

Von den zahlreichen Sportvereinen seien hier der Sport- und Fußballverein NFV Gelb-Weiß Görlitz 09, der derzeit in der Landesliga Sachsen spielt und der SV Koweg Görlitz e. V., der 2012/2013 mit der 1. Frauenmannschaft in der Oberliga Mitteldeutschland und 1. Männermannschaft in der Sachsenliga spielt, erwähnt. Letzterer hatte in der Saison 2009/2010 seinen bisher größten Erfolg, da alle drei Männermannschaften sowie die 2. Frauenmannschaft einen Aufstieg in höhere Ligen verbuchen konnten.

Seit 2004 findet Ende Mai der Europamarathon als Lauf durch zwei Länder mit den Strecken Marathon, Halbmarathon für Inlineskater, Läufer und Rollstuhlfahrer/Handbiker, seit 2008 auch für Tretrollerfahrer sowie zehn Kilometer und fünf Kilometer für Läufer statt. 2009 fand bereits zum 74. Mal das Radrennen Rund um die Landeskrone statt. Der Herbstlauf in den Berzdorfer Halden ist ein Crosslauf, der seit 1997 veranstaltet wird. Seit 1978 findet jedes Jahr am 31. Dezember der Görlitzer Silvesterlauf auf dem Sportplatz Eiswiese statt. In Görlitz befindet sich der Sitz der Lausitzer Dartliga. Gespielt wird in mehreren Gaststätten.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in der Stadt drei Badeanstalten: die Hoffmann’sche Badeanstalt am Lindenweg, das Zentralbad an der Hospitalstraße und das Freisebad an der heutigen Dr.-Kahlbaum-Allee. Im Jahr 1972 eröffnete die Volksschwimmhalle an der Fichtestraße. Das Freisebad und die Volksschwimmhalle waren nach der Wiedervereinigung die einzigen öffentlichen Badeanstalten. Das Freisebad schloss im Jahr 1996. Der Betrieb in der Volksschwimmhalle wurde 2007 eingestellt. Im gleichen Jahr wurde jedoch mit dem Neißebad ein Schwimmhallenneubau unweit der alten Schwimmhalle eröffnet. Bis 2002 existierte nördlich der Innenstadt noch das Helenenbad. Das Areal rund um das Becken des ehemaligen Freibads wird seit 2007 als Luftbad genutzt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das Altstadtfest mit mittelalterlichem Flair

Mit bis zu 100.000 Besuchern ist das Altstadtfest die größte kulturelle Veranstaltung auf dem Stadtgebiet.[99] Das Altstadtfest wurde nach dem zweiten Tag der Sachsen 1993 in Görlitz als jährliches Stadtfest initiiert und findet seit 1994 jährlich am letzten Augustwochenende statt. Es ist üblich, dass neben den Darstellern und Gauklern auch die Besucher in mittelalterlicher Kleidung erscheinen. Ein großer Teil der Altstadt wird für diesen Zweck für den Verkehr gesperrt.

Jährlich fand das Sommertheater auf dem Untermarkt statt. Ab dem Jahr 2011 wird es im Hof der Landskron-Brauerei veranstaltet. 2004 wurde das erste Historienspiel Der verräterischen Rotte Tor. Tuchmacheraufstand zu Görlitz 1527 aufgeführt und damit das Sommertheater auf dem Untermarkt gegründet. 2005 und 2006 wurde Die Pulververschwörung und das Heilige Grab zu Görlitz aufgeführt. Dieses Historienspiel von Hermann Rueth verarbeitet die Legende um den Förderer des Heiligen Grabes, Georg Emmerich. Das Stück Jakob Böhme und die Pest zu Görlitz wurde 2007 und 2008 dargebracht. Das Schauspiel von Herrmann Rueth mit der Musik von C. M. Wagner stellt den Schuster und Mystiker Jakob Böhme in den Mittelpunkt.

Den Auftakt des Veranstaltungsjahres bilden im Februar die Filmtage und der Opernball. Im März finden die Musiknacht und das Frühlingsfest des Naturschutz-Tierparks mit dem traditionellen Mistkarrenrennen statt. Im Frühling gibt es dann am 19. April den Internationalen Denkmaltag. Im April findet das Dreiland-Kurzfilm-Festival mit Beiträgen aus Deutschland, Polen und Tschechien statt, im Mai folgen die Jazztage, das Muschelminna-Fest, das Storchenfest im Naturschutz-Tierpark und die Görlitzer Orgelnacht. Im Sommer gibt es neben der Oldtimer-Eisenbahn im Juni das Campus Open Air, am 21. Juni das Fête de la musique, am 3. Sonntag im Juni den Tag der offenen Sanierungstür, das Braufest der Landskronbrauerei, die Schlesischen Musikfeste (alle zwei Jahre), das Internationale Spielleutetreffen (alle zwei Jahre), das Collegium PONTES Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec und den Erlebnistag am Berzdorfer See. Im Juli folgen der Schlesische Tippelmarkt und die Musikveranstaltung 15°-Rock. Beendet werden die Sommerveranstaltungen mit dem Internationalen Straßentheaterfestival ViaThea und dem bereits erwähnten Altstadtfest. Im September gibt es die Niederschlesischen Kulturtage, den Tag des offenen Denkmals, die Lange Nacht der Museen und die Internationale Sommerschule der Künste. Im November folgen die Görlitzer Rocknacht und die Verleihung des Internationalen Brückepreises. Beendet wird das Veranstaltungsjahr mit dem Schlesischen Christkindelmarkt.

Internationaler Brückepreis[Bearbeiten]

Die Europastadt Görlitz/Zgorzelec verleiht jährlich den mit 2500 € dotierten Internationalen Brückepreis.[100] Sie ehrt damit seit 1993 Persönlichkeiten, die sich mit ihrem Lebenswerk Verdienste bei der Völkerverständigung in Europa erworben haben. Preisträger sind unter anderem Marion Gräfin Dönhoff oder der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf.[101] Günter Grass war im Jahr 2006 von der Jury für den Preis nominiert worden, jedoch zog er nach der Kritik an seinem Bekenntnis zu seiner Vergangenheit in der Waffen-SS durch den CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat und in den Medien die bereits erklärte Annahme des Preises zurück. Die Jury entschied daraufhin, im Jahr 2006 keinen Preis zu verleihen.[102]

Die letztjährigen Preisträger waren der britische Historiker Norman Davies (2009), der polnische Ministerpräsident a. D. Tadeusz Mazowiecki (2010) und die ehemalige Präsidentin der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Gesine Schwan (2011). Am 5. Oktober 2012 sollte der Preis dem ukrainischen Profiboxer und Politiker Vitali Klitschko für sein „persönliche[s] Eintreten […] für Humanität und Demokratie […] sowie sein Engagement für Kinder und Jugendliche“ verliehen werden, jedoch musste die Verleihung im Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz aus persönlichen Gründen Klitschkos verschoben werden. Am 3. Februar 2013 wurde die Verleihung vollzogen und Klitschko nahm den Brückepreis persönlich entgegen.[103] Der Preis 2013 ging an den Kabarettisten Steffen Möller.[104] Ihm soll 2014 der ehemalige luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker folgen.[105]

Filmstadt Görlitz[Bearbeiten]

Wegen seiner unversehrten Altstadt ist Görlitz ein beliebter Drehort für Filme mit historischer Kulisse.[106] Was der Stadt im Volksmund den Beinamen „Görliwood“ als Kofferwort einbrachte.[107][108] Bereits 1954/55 entstanden dort Außenaufnahmen zu „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse“ und „Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse“ von Kurt Maetzig. 1980 wurde „Der Gevatter Tod“, ein Märchenfilm, basierend auf der gleichnamigen Vorlage, in Görlitz gedreht. Unter der Regie von Radu Gabrea entstand 1993 das Liebesdrama Rosenemil. 1998 drehte der Regisseur Fred Kelemen dort einen Teil der Szenen für seinen Film „Abendland“.[109] Die kurz zuvor restaurierte Fassade des Görlitzer Warenhauses bot auch dabei einen historischen Eindruck. 2002 wurde Görlitz zum Paris des 19. Jahrhunderts im Film „In 80 Tagen um die Welt“. Der historische Ziegelbau der Landskronbrauerei diente als New Yorker Hafengebäude. Die Filmstudios Babelsberg wählten die Stadt auch zum Schauplatz für die Verfilmung des Romans „Der Vorleser“. Kate Winslet spielt die Hauptrolle. Für diesen Film wurden mehrere Straßenzüge gesperrt und der gesamte Straßenbahnfahrplan angepasst. Görlitz stellte Heidelberg im Jahr 1950 dar.[110] Für Quentin TarantinosInglourious Basterds“ fanden im November 2008 Dreharbeiten unter anderem auf dem Untermarkt statt.[111] Brad Pitt spielte die Rolle des Leutnants Aldo Raine, eines skalpierenden Nazijägers. Regisseur Philipp Stölzl („Nordwand“) drehte ab August 2009 den Film „Goethe!“, der von einer der ersten großen Lieben von Johann Wolfgang von Goethe, Charlotte Buff, handelt.[112] 2011 wurden in der Stadt die Filme „Der Turm“ und „Die Vermessung der Welt“ nach den gleichnamigen Romanen gedreht. Der ebenfalls 2011 in Görlitz gedrehte Film „Lore“ erhielt beim 65. Internationalen Filmfestival in Locarno den Publikumspreis.[113]

Im Winter 2012/2013 fanden im Jugendstilkaufhaus am Demianiplatz und in der Stadthalle Dreharbeiten für den Film „Grand Budapest Hotel“ statt.[114] Im gleichen Jahr wurden auch Szenen für die Verfilmung des Buchs „Die Bücherdiebin“ in der Görlitzer Altstadt gedreht. Beide Filme spielen während der NS-Zeit. Die Kulissen, der Untermarkt und der Bahnhof, wurden dafür mit Hakenkreuzfahnen beflaggt.[115]

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Schlesisches Himmelreich

Da die niederschlesische Identität in der Stadt stark ausgeprägt ist, erinnern zahlreiche regionale Spezialitäten an die deftige Schlesische Küche. Ein typisches Gericht ist das Schlesische Himmelreich – ein Fleischgericht mit Backobst. Die schlesische Wellwurst, rustikale Kesselsülze oder pfannengebratene Landleberwurst gehören zu den lokalen Wurstspezialitäten. In der Weihnachtszeit bieten viele örtliche Fleischereien die Görlitzer Weihnachtsbratwurst an. Deren Besonderheit ist ein leichter Zitronengeschmack.[116]

Auch eine Vielfalt regionalen Gebäcks wird angeboten. Schlesischer Mohnkuchen, Schlesischer Butterdrückstreuselkuchen und die so genannte Liegnitzer Bombe gehören zum Angebot einiger Bäckereien.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die wirtschaftliche Infrastruktur der Stadt ist durch einige große Industriebetriebe aus den Bereichen des Anlagen-, Maschinen- und Schienenfahrzeugbaus und deren zahlreiche mittelständische Zulieferbetriebe geprägt. Ein weiteres Standbein der regionalen Wirtschaft ist der Einzelhandel.[117] Er profitiert vor allem von der Nähe zu Polen, da dort auf viele Artikel, wie unter anderem Drogeriewaren, eine Zusatzsteuer erhoben wird.[118] Um die Wirtschaft im eigenen Randgebiet zu fördern, erweiterte Polen 2010 die Sonderwirtschaftszone Specjalna Strefa Ekonomiczna Małej Przedsiębiorczości (deutsch: Sonderwirtschaftszone für mittelständische Unternehmen) bei Kamienna Góra um das Gebiet von Zgorzelec.[119] Ein zeitweilig günstiger Wechselkurs zwischen polnischen Złoty und Euro kann für die regionale Wirtschaft von Vorteil sein.

In den Jahren 1991 bis 1998 wurden allerdings viele Betriebe stillgelegt. Dies hatte zur Folge, dass die Arbeitslosigkeit in der Region stark anstieg und immer mehr Fachkräfte und junge Menschen zum Wegzug aus der Region bewegte. Vor allem das produzierende Gewerbe schrumpfte dramatisch von ca. 11000 Erwerbstätigen im Jahr 1995 auf ca. 5400 Erwerbstätige im Jahr 2007. So waren im Jahr 2000 noch 700 Angestellte in den Bereichen Land-, Forstwirtschaft und Fischerei tätig. 2004 waren es nur noch 100. Auch das Baugewerbe ging in dieser Zeit von 1900 auf 1100 Beschäftigte zurück. Das Dienstleistungsgewerbe hingegen konnte ein leichtes Wachstum verzeichnen.[120]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Vierte Generation in Görlitz gebauter Doppelstocksteuerwagen

Zu den ansässigen Unternehmen gehören Bombardier Transportation, die heute z. B. Doppelstockwagen an die Deutsche Bahn und andere europäische Bahnen liefert und am Standort Görlitz etwa 1160 Mitarbeiter beschäftigt.[121] Das Werk wurde 1869 unter dem Namen AG für Fabrikation von Eisenbahnmaterial zu Görlitz von Johann Christoph Lüders gegründet. An den Görlitzer Industriepionier erinnert der Name der Straße vor dem Werk. 1921 fusionierte das Unternehmen mit der 1847 gegründeten Görlitzer Maschinenbau-Anstalt und Eisengießerei zur Waggon- und Maschinenbau AG Görlitz (kurz: WUMAG). 1935 wurden erstmals in Deutschland Doppelstockwagen moderner Konzeption für den Wendezug-Schnellverkehr zwischen Hamburg und Lübeck für die Lübeck-Büchener Eisenbahn von der WUMAG entworfen und gebaut. Die Tradition des Doppelstockwagenbaus wird bis heute fortgeführt. Der wohl legendärste Zug aus dem Görlitzer Werk ist jedoch der 1932 an die Deutsche Reichsbahn ausgelieferte sogenannte Fliegende Hamburger für den Schnellzugverkehr zwischen Hamburg und Berlin.

Ein weiterer Fahrzeugbauer in der Stadt ist die Brandschutztechnik Görlitz mit ihrem Produktionsstandort an der Doktor-Kahlbaum-Allee. Die Firma wurde Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Namen G.A. Fischer gegründet und zu DDR-Zeiten verstaatlicht. Der Volkseigene Betrieb (VEB) Feuerlöschgerätewerk Görlitz wurde nach der Wende privatisiert und trug bis zur Übernahme durch den Iveco Magirus-Konzern im Jahr 1996 den Namen BTG Brandschutztechnik Görlitz GmbH.[122] Am Görlitzer Standort erhalten Feuerwehr- und Spezialfahrzeuge unter 10 Tonnen ihre Aufbauten und werden für den Einsatz ausgerüstet. Diese Fahrzeugkategorie umfasst unter anderem Tragkraftspritzenfahrzeuge, Kleintanklöschfahrzeuge, Vorausrüstwagen und Gerätewagen für Gefahrgut, Einsatzleitwagen, Mannschaftstransportfahrzeuge und Löschgruppenfahrzeuge.[123] Im Juli 2012 gab Iveco die Schließung von drei Werken in Deutschland bekannt. Auch das Görlitzer Werk soll geschlossen werden.[124] Bereits Ende Juni unterschrieb der Geschäftsführer des Görlitzer Standorts eine Absichtserklärung das Werk von der Iveco Magirus Brandschutztechnik zurückzukaufen und fortzuführen.[125] Seit dem 1. Januar 2013 ist das Görlitzer Werk wieder selbstständig.[126][127]

Siemens-Turbinenwerk auf der Lutherstraße

Des Weiteren hat der Geschäftsbereich Power Generation für Industriedampfturbinen von Siemens in Görlitz seinen Hauptsitz.[128] Das Werk beschäftigte im Jahr 2008 821 Mitarbeiter und mehr als 60 Auszubildende.[129] Es hat eine langjährige Tradition im Maschinenbau. Es begann 1847 mit dem Bau von Dampfmaschinen. Erst 1910 wurden Dampfturbinen in das Fertigungsprogramm aufgenommen. 1945 fiel das Werk den Reparationsforderungen der Sowjetunion zum Opfer. Es wurde demontiert und man begann erst im Jahr 1951 wieder mit der Produktion. Im Jahr 1991 wurde es von Siemens übernommen.

Das dritte große Maschinenbauunternehmen in Görlitz ist die BMS GmbH – KEMA Görlitz. Sie entwickelt und baut seit 1878 vorwiegend Maschinen für die Keramikindustrie (Walzwerke und Extruder). Gegründet wurde die Firma 1878 von Richard Raupach unter dem Namen Richard Raupach Maschinenfabrik Görlitz. Damals baute er mit drei bis vier Schlossern alte und uneffektive Kesselanlagen und Dampfmaschinen um. 1903 war die Belegschaft nach dem Umzug der Firma auf ein größeres Areal an der Zittauer Straße auf 250 Mitarbeiter angewachsen. Der spätere Königliche Kommerzienrat Richard Raupach gründete eine Stiftung für langjährige Angestellte sowie deren Witwen und Waisen. Das Unternehmen wurde auf zahlreichen Ausstellungen mit Gold- und Silbermedaillen geehrt. In den beiden Weltkriegen wurden in der Fabrik folgende Rüstungsgüter hergestellt: Im Ersten Weltkrieg wurden Artilleriemunition und andere Kriegsmaterialien hergestellt, im Zweiten Weltkrieg Rüstungsaufträge für die Kriegsmarine ausgeführt. Im Jahr 1945 wurde das Werk von den Sowjets demontiert und 1949 zum VEB KEMA (KEramikMAschinenbau) umstrukturiert. 1989 waren ca. 550 Mitarbeiter beim VEB KEMA tätig, danach wurde das Werk an die Firmengruppe Eirich verkauft.[130]

Kesselhaus der Landskronbrauerei

In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sind die Landskronbrauerei und die Süßwarenfabrik Rudolf Hoinkis GmbH bekannt. Die Landskronbrauerei wurde 1869 unter dem Namen Görlitzer Aktien Brauerei gegründet und der Name Landskron Bier 1882 patentrechtlich geschützt. Unter der Leitung von Walther Scheller (von 1928 bis 1946) entstand das heute noch verwendete Markenlogo mit einem stilisierten L. In der DDR-Zeit wurde das Unternehmen 1972 verstaatlicht und es kam erst 1992 wieder in den Familienbesitz der Schellers. Von 2003 bis 2006 gehörte die Brauerei zur Holsten-Gruppe. Im Juli kaufte der Unternehmer Rolf Lohbeck den Betrieb und gliederte ihn in sein Familienunternehmen ein. Die Brauerei warb einige Jahre mit dem Slogan „Die östlichste Brauerei Deutschlands“, diese Eigenschaft verlor sie aber 2006 mit der Gründung einer kleinen Hausbrauerei einige Meter weiter östlich an der Neiße.

Rudolf Hoinkis gründete 1896 die Süßwarenfabrik Hoinkis. Er gilt als Erfinder der Liebesperlen, die einen weltweiten Bekanntheitsgrad erreichten.[131] Die Firma überlebte beide Weltkriege und die Halbstaatlichkeit in der DDR-Zeit und wurde 1990 unter der dritten Generation Hoinkis reprivatisiert. Am 16. August 1996, zum 100-jährigen Bestehen der Firma, konnte ein neues Firmengebäude in einem Gewerbegebiet im Görlitzer Nord-Westen eingeweiht werden.

Nach der Wende siedelten sich vorwiegend Dienstleistungsbetriebe im Stadtgebiet an. Die twenty4help Knowledge Service GmbH betreibt in Görlitz ein technisches Call Center. Grund für diese Entwicklung sind zum einen die günstigen Konditionen in der Stadt und der Sprachgebrauch der ansässigen Bevölkerung. Das Call Center gehört nun zur Teleperformance Deutschland.[132] Im Jahr 2008 gründete die Kölner Firma Software Quality Systems AG in Görlitz einen weiteren Standort.[133] Das Unternehmen beschäftigt hier rund 200 Mitarbeiter, die unter anderem Software testen.[134][135]

Die Koramic Dachprodukte GmbH & Co. KG (vormals F. v. Müller Dachziegelwerke GmbH & Co. KG) ist ein international operierendes Unternehmen zur Herstellung und zum Vertrieb von Tondachziegeln.[136] Das im Jahr 2000 gegründete Biotechnologie-Unternehmen CyTecs ist heute Teil der Partec GmbH wurde für seine Diagnostiklösungen im Bereich HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria mehrfach preisgekrönt. Das Unternehmen war unter anderem Preisträger im Wettbewerb Deutschland – Land der Ideen 2009, gewann 2007 den IQ Innovationspreis Mitteldeutschland und 2003 den Innovationspreis des Freistaates Sachsen.[137].

Medien[Bearbeiten]

Ein lokales Fernsehprogramm sendet eRtv (euro Regional tv), das auch in Rothenburg, Niesky und weiteren Teilen der östlichen Oberlausitz im Kabelnetz der Kabel Deutschland GmbH empfangen werden kann. Der Hörfunksender Radio Lausitz, der in der Oberlausitz auf der Frequenz 107,6 MHz sendet, war bis zum Umzug nach Bautzen 2012 19 Jahre in der Stadt vertreten.[138] MDR 1 Radio Sachsen hat ein Korrespondentenbüro in der Stadt.[139] Er ist der einzige Sender, der im Autobahntunnel Königshainer Berge empfangen werden kann.

Die Sächsische Zeitung (SZ) ist die einzige Tageszeitung in der Stadt, die hier eine Lokalredaktion unterhält. Als Anzeigenblätter erscheinen der Wochenkurier und der Niederschlesische Kurier. Nur online erscheint der Görlitzer Anzeiger.[140]

Im Senfkorn-Verlag erscheint die Monatszeitschrift Schlesien heute.[141] Im selben Verlag, der seinen Sitz seit 2006 in Dresden hat, erscheint seit 2004 die deutsch-polnische Vierteljahresschrift für Kultur und Geschichte SILESIA NOVA.

Verkehr[Bearbeiten]

Empfangsgebäude des Bahnhofs Görlitz

Eisenbahn[Bearbeiten]

Der Bahnhof Görlitz ist ein Eisenbahnknoten, da sich in der Stadt die Bahnlinien Dresden–Görlitz, Berlin–Görlitz, Zittau–Görlitz, Węgliniec–Görlitz sowie die Schlesische Gebirgsbahn treffen. Die zwei letztgenannten Strecken befinden sich seit 1945 überwiegend auf polnischem Territorium.

Bereits am 1. September 1847 wurden die Anschlüsse nach Dresden und Kohlfurt eingeweiht. In Kohlfurt bestand Anschluss an die Bahnstrecke von Berlin nach Breslau. Auf der Strecke Berlin–Görlitz verkehren Züge erst seit 1867 auf direkten Weg über die Görlitzer Bahn. Der Streckenabschnitt Görlitz–Zittau wurde 1875 eröffnet und trägt auch den Namen Neißetalbahn. Auf dem Görlitzer Stadtgebiet befinden sich mit den Haltepunkten Görlitz-Rauschwalde und Görlitz-Weinhübel sowie dem Bahnhof Hagenwerder noch drei Bahnstationen.

Im grenzüberschreitenden Verkehr nach Polen überqueren täglich drei Zugpaare zwischen Dresden Hauptbahnhof und Breslau Hauptbahnhof das Neißeviadukt.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Straßenbahn am Demianiplatz

Im öffentlichen Personennahverkehr betreibt die Verkehrsgesellschaft Görlitz zwei Straßenbahnlinien mit einer Gesamtlänge von 13,6 km und sieben Stadtbuslinien.[142] Eine Besonderheit ist, dass sich darunter eine Linie im grenzüberschreitenden Verkehr mit einer Gesamtlänge von 4,8 km befindet. Im Jahr 2001 übertrug die Stadt der Veolia Environnement die Aktienmehrheit der Stadtwerke Görlitz. Seit dem Jahr gehören die Verkehrsbetriebe zur Tochterfirma Veolia Verkehr. Die Straßenbahn feierte im Jahr 2007 ihr 125-jähriges Betriebsjubiläum und erschließt heute mit ihren Tatratriebwagen KT4D die Neubaugebiete Königshufen im Norden, Weinhübel im Süden sowie den ehemaligen Vorort Biesnitz im Westen. Dabei durchquert sie die Innenstadt und tangiert die historische Altstadt. Die Zentralhaltestelle ist die Haltestelle Demianiplatz am ehemaligen Hertie-Kaufhaus. Hier befindet sich auch das Kundenbüro der Verkehrsbetriebe.

Regionalbus Oberlausitz (RBO) und die Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) betreiben zahlreiche Überlandbuslinien unter anderem in Richtung Löbau, Niesky, Rothenburg und Zittau. Die meisten Überlandbuslinien starten am Bahnhof oder auf dem Omnibusbahnhof auf dem Demianiplatz hinter dem Kaisertrutz.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Ehemalige Grenzübergangsanlage auf der A4 im Ortsteil Ludwigsdorf

Das Straßennetz hat eine Gesamtlänge von rund 217 km, davon sind 3,7 km Bundesautobahn, 21,8 km Bundesstraßen, 23,7 km Staatsstraßen, 9,0 km Kreisstraßen und 158,8 km Gemeindestraßen. Durch das nördliche Stadtgebiet führt die A 4 Erfurt–Dresden–Görlitz, die jenseits der Neiße als polnische A4 über Breslau zur ukrainischen Grenze weiterführt. Die B 6 in Richtung Bautzen, die B 115 nach Forst (Lausitz) und die B 99 nach Zittau führen durch das Stadtgebiet.[143]

Das Stadtzentrum wird stark vom motorisierten Individualverkehr in Anspruch genommen. Selbst engste Gassen werden von Autos befahren und als Parkplatz verwendet. Seit 2006 werden zunehmend verkehrsberuhigte Bereiche eingerichtet, um die Altstadt zu entlasten. So ist beispielsweise der Untermarkt weitgehend gesperrt. Am Bahnhof und dem City Center Frauentor wurden zur Entlastung der innerstädtischen Parksituation mehrstöckige Parkhäuser errichtet. Die einzige große Fußgängerzone befindet sich in der Berliner Straße mit der Straßburg-Passage als Durchgang zum Wilhelmsplatz.

Nach Polen bestehen drei Grenzübergänge für den Straßenverkehr, der Autobahngrenzübergang Ludwigsdorf, der Grenzübergang Stadtbrücke sowie der Grenzübergang Hagenwerder–Radomierzyce (ehemals Radmeritz). 2004 wurde die 1945 zerstörte Altstadtbrücke für Fußgänger wiedereröffnet.

Die Radfahrer haben einen Anteil von 12,4 % am Verkehrsaufkommen.[143]

Flugverkehr[Bearbeiten]

Blick über die Graslandebahn des Görlitzer Flugplatzes

Der Görlitzer Flugplatz, der 1925 eröffnet wurde, befindet sich am nordwestlichen Stadtrand unmittelbar an der Bundesstraße 6. Er verfügt über eine 750 m lange Graspiste. Die Nutzung des Görlitzer Flugplatzes ist für Flugzeuge bis 5,7 t möglich. Dieser Platz wird hauptsächlich vom ortsansässigen Görlitzer Flugsportclub, aber auch von anderen Flugvereinen genutzt. Touristen werden Rundflüge mit Motor-, Segel- oder Ultraleichtflugzeugen über die Stadt, das Zittauer Gebirge und das Lausitzer Bergland angeboten.

Etwa 30 km nördlich der Stadt befindet sich der größere Verkehrslandeplatz Flugplatz Rothenburg/Görlitz. Mit einer Landebahnlänge von 2500 m kann er für Flugzeuge bis zu 14 t genutzt werden. In Rothenburg gibt es gleichwohl nur wenig Flugverkehr, sodass heute auf dem kleineren Flugplatz am Stadtrand von Görlitz mehr Flugbewegungen verzeichnet werden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Ämter, Behörden und Städtische Einrichtungen[Bearbeiten]

Görlitzer Amts- und Landgericht

Görlitz ist Sitz eines Amtsgerichts und eines Landgerichts. Zum Landgerichtsbezirk Görlitz gehören die Amtsgerichtsbezirke Löbau, Weißwasser und Zittau. Hinter dem Gerichtsgebäude auf dem Postplatz befindet sich die Justizvollzugsanstalt Görlitz. Diese wurde in den Jahren 1863 bis 1865 erbaut und 1905 bis 1909 nach amerikanischem Vorbild kreuzförmig erweitert.

Die Jägerkaserne mit Blick auf die Türme der Peterskirche.

Die Stadtverwaltung ist in der ehemaligen Jägerkaserne untergebracht. Der Oberbürgermeister residiert hingegen im Görlitzer Rathaus auf dem Untermarkt, in dem sich auch das Standesamt und das Ratsarchiv befinden und wo der Stadtrat tagt. In der Jochmann-Straße befindet sich die Stadtbibliothek. Sie wurde 1876 als Volksbücherei gegründet und bezog am 28. Februar 1907 diese Räumlichkeiten.[144] Zwischen 2006 und 2009 wurde der Altbau der Bibliothek grundlegend saniert (u. a. Lesesaal und Magazin) und auf dem Nebengrundstück ein Neubau errichtet, der mit dem Altbau auf allen Etagen verbunden ist und auch die Kinder- und Jugendabteilung enthält.

Nach der Kreisreform von 2008 wurde Görlitz Sitz des Landrates. Bis zur Fertigstellung des Landratsamts gegenüber dem Görlitzer Bahnhof im März 2013 residierte der Landrat ebenfalls in der Jägerkaserne. Weitere Behörden des Landkreises in Görlitz sind das Amt für Hoch- und Tiefbau, das Gesundheitsamt, das Jugendamt sowie das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt.[145]

Das Zollfahndungsamt Dresden hat einen Dienstsitz nahe der Grenze am Görlitzer Stadtpark, am Autobahn-Grenzübergang Ludwigsdorf befindet sich die Bundespolizeiinspektion Ludwigsdorf sowie eine Abfertigungsstelle des Zollamtes Löbau.[146][147] Weiterhin hat die Polizeidirektion Görlitz in der Stadt ihren Sitz. Sie ist den Polizeirevieren in den Landkreisen Bautzen und Görlitz übergeordnet.[148]

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Das Städtische Klinikum Görlitz gGmbH ist als eines von 10 sächsischen Krankenhäusern der Schwerpunktversorgung das einzige im Landkreis Görlitz.[149] Außer der Orthopädie bietet es alle für ein solches Krankenhaus üblichen Kliniken an. Das Klinikum besitzt ein zertifiziertes Brustzentrum. Das Tumorzentrum Ostsachsen e. V. hat am Klinikum seinen Sitz.[150] Die Stadt Görlitz ist Gesellschafter des Klinikums.[151]

In Rauschwalde befindet sich das Malteser Krankenhaus St. Carolus. Das Krankenhaus der Regelversorgung besitzt eine Innere Medizin, Chirurgie, Urologie, Anästhesie und Intensivmedizin, eine Palliativstation sowie die Radiologie.[152] Es wurde seit seiner Gründung 1927 vom Orden der Borromäerinnen betreut und geleitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden zahlreiche Modernisierungen statt. Auch während der DDR blieb das Klinikum unter der Leitung des Ordens. Seit dem 1. Januar 2004 wurde die Trägerschaft des Krankenhauses durch den Malteserorden übernommen.

Friedhöfe[Bearbeiten]

Görlitz verfügt über mehrere Friedhöfe unter anderem in den Ortsteilen Hagenwerder, Kunnerwitz, Ludwigsdorf, Tauchritz sowie in den Stadtteilen Weinhübel, Rauschwalde und Königshufen. Letzterer ist der größte in Görlitz. Er ist in einen neuen und alten Abschnitt unterteilt. Der ältere knüpft an den Nikolaifriedhof an.[153] Zudem gibt es einen jüdischen Friedhof in der Südstadt. Dieser dient heute auch als Gedenkstätte der im KZ-Außenlager Görlitz gestorbenen Häftlinge.[154]

Bildung[Bearbeiten]

Hochschulen[Bearbeiten]

Am 13. Juli 1992 wurde Görlitz mit Gründung der Hochschule Zittau/Görlitz (FH) (University Of Applied Sciences) Hochschulstadt. Im Oktober 2007 waren 3.850 Studenten in 41 Studiengängen immatrikuliert.[155][143] Es haben sich internationale Netzwerke gebildet, womit Görlitz als internationaler Bildungsstandort weit über seine Grenzen hinaus wirkt. Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) Dresden und die Technische Universität Dresden betreiben gemeinsam das Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revalitisierenden Stadtumbau (IZS). Das IZS geht auf das Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau zurück.[156]

Die Hochschule für Kirchenmusik, die 1927 in Breslau und 1947 in Görlitz als Evangelische Kirchenmusikschule neu gegründet wurde, befand sich in Trägerschaft der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz und war vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst staatlich anerkannt. Sie wurde am 1. August 2008 geschlossen.

Das Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen im Haus Klingewalde ist Träger des Collegium PONTES Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec, eines trinationalen Wissenschaftskollegs zur Erforschung aktueller Probleme der EU-Integration, und der Internationalen Sommerschule der Künste Görlitz-Zgorzelec-Zhorelec.

Andere Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Das Gymnasium Augustum wurde bereits zur Zeit der Franziskaner in Görlitz als Schule genutzt.

Der Berufsschulkomplex an der Carl-von-Ossietzky-Straße (Berufsbildende Schulen Christoph Lüders, unterteilt in Berufliches Schulzentrum für Wirtschaft und Soziales Görlitz sowie Berufliches Schulzentrum für Technik Görlitz) kann bis zu 3000 Schüler aufnehmen. Dort ist auch ein berufliches Gymnasium untergebracht.

Das Augustum-Annen-Gymnasium ist vor allem für sein musisch-künstlerisches Profil bekannt, bietet jedoch auch einen naturwissenschaftlichen und einen sprachlichen Zweig an. Die Schule entstand 2004 nach dem Zusammenschluss der vormals eigenständigen Gymnasien Annenschule und Augustum. Der Unterricht findet in zwei getrennten Häusern an der Annengasse und am Klosterplatz statt. In Räumen des alten Klosters, dem Vorgängerbau des Augustums auf dem Klosterplatz fand bereits seit 1565 Unterricht statt. In den 1850er Jahren wurde das Kloster abgerissen und durch das heutige Schulgebäude ersetzt.[157]

Das Joliot-Curie-Gymnasium auf dem Wilhelmsplatz ging aus der 1779 gegründeten Luisenschule hervor. Es war bis 1945 eine reine Mädchenschule, an der das Abitur abgelegt werden konnte. In der DDR-Zeit war sie die einzige Erweiterte Oberschule im Stadtgebiet und somit die einzige Schule, an der Jungen und Mädchen zum Abitur geführt wurden. Nach der Wende wurde die Schule als Gymnasium weitergeführt und fusionierte mit dem Gymnasium Königshufen. Es bietet wie das Augustum-Annen-Gymnasium ein naturwissenschaftliches und seit 2006 auch ein gesellschaftspolitisches Profil an.

Die größte Oberschule in Görlitz ist die Elisabethschule. Sie ist nach Königin Elisabeth Ludovika von Bayern (1801–1873), der Ehefrau des preußischen Königs Friedrich Wilhelms IV. benannt. Neben der Elisabethschule gibt es noch drei weitere Oberschulen im Stadtgebiet.[158]

Daneben besteht das Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege, die DenkmalAkademie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und die private Bildungseinrichtung MultiMediaPark, die im November 2001 mit Unterstützung des Arbeitsamtes gegründet wurde und Angebote zum Umgang mit Neuen Medien macht. Außerdem gibt es in Görlitz alle üblichen Arten von allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, das Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe und die DPFA Akademiegruppe. Letztere betreibt seit 2006 eine freie Grundschule – die Regenbogenschule. In ihr wird zweisprachig in Deutsch und Polnisch unterrichtet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Der Görlitzer Philosoph und Mystiker Jakob Böhme

Der wohl bekannteste Sohn der Stadt ist der Philosoph und Mystiker Jakob Böhme (1575–1624). Böhme lebte als Schuhmacher am östlichen Neißeufer. Sein Erstlingswerk Aurora oder Morgenröte im Aufgang erlangte weltweit Beachtung. In seinem einstigen Wohnhaus im heutigen Zgorzelec wurde ein Museum zu seinen Ehren eingerichtet. Ein weiterer über die Stadtgrenzen hinaus bekanntgewordener Wissenschaftler war der Astronom und Kartograph Bartholomäus Scultetus. Scultetus gilt als einer bedeutendsten Kartographen des mitteldeutschen Raumes. Er erstellte unter anderem die erste Landkarte der Oberlausitz. Auch das zwölfteilige Zifferblatt am Görlitzer Rathaus wurde von ihm eingeführt.

Gegenüber dem Rathaus wartet eines der bekanntesten Bauwerke der Stadt auf – der Schönhof. Dessen Bauherr war Wendel Roskopf, der auch maßgeblich an der Gestaltung zahlreicher weiterer spätgotischer und Renaissancebauwerke in der Altstadt beteiligt war. Roskopf wirkte nicht nur in Görlitz, sondern auch im angrenzenden Böhmen und Schlesien als Baumeister und Steinmetz. Es ist jedoch umstritten, ob er maßgeblich an der Einführung der Renaissance in der Region mitwirkte.[159]

Auch in der jüngeren Zeit brachte die Stadt bekannte Wissenschaftler hervor; so beispielsweise den Professor für Recht und Rechtsgeschichte Paul Rehme, den Wirtschaftswissenschaftler und Mitbegründer der Spieltheorie Oskar Morgenstern und den Historiker Reinhart Koselleck. Im Bereich Architektur und Industriedesign ist Herbert Hirche als herausragende Persönlichkeit der Stadt zu nennen. Im Bereich der Medizin wurde die in Görlitz geborene Kinderärztin Marie Elise Kayser als Begründerin der Frauenmilchsammelstellen bekannt. Eine weitere prominente Frau ist Hildegard Burjan. Sie war Ordensgründerin der Caritas Socialis und Mitglied der christlichsozialen Partei Österreichs. In ihrer politischen Laufbahn erreichte sie als erste christlichsoziale Politikerin den Einzug in den österreichischen Nationalrat.

Im Sportbereich kann Görlitz vor allem auf zahlreiche bekannte Namen aus dem Fußball verweisen. Zu den in Görlitz geborenen oder aufgewachsenen Fußballern gehören unter anderem: Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner, Heiko Scholz, Jens Jeremies sowie Michael Ballack. Der Ruderer Klaus Bittner und die Schwimmerin Ulrike Richter gewannen beide bei Olympischen Spielen eine Goldmedaille. Ebenso errang der Handballer Lars Kaufmann, der 2007 bei der Handball-Weltmeisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft teilnahm, den Weltmeisterschaftstitel.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Andreas Bednarek: Die städtebauliche Entwicklung von Görlitz im 19. Jahrhundert. Stadtverwaltung, Görlitz 1991. (Schriftenreihe des Ratsarchivs der Stadt Görlitz, Band 15)
  • Görlitz und seine Umgebung (= Werte der deutschen Heimat. Band 54). 1. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1994, ISBN 3-7400-0932-2.
  •  Andreas Bednarek: Streifzüge durch Görlitz. 2. Auflage. Sutton-Verlag, Erfurt 2000, ISBN 3-89702-018-1.
  •  Die östliche Oberlausitz im Spiegel der Literatur. In: Görlitzer Magazin. Geschichte und Gegenwart der Stadt Görlitz und ihrer Umgebung. Jg. 1 (1987) ff. Auflage. ISSN 1439-2690.
  •  Michael Guggenheimer: Görlitz. Schicht um Schicht. Lusatia, Bautzen 2004, ISBN 3-936758-12-3.
  •  Ernst Heinz Lemper: Görlitz. Eine historische Topographie. 2. Auflage. Oettel-Verlag, Görlitz 2009, ISBN 3-932693-63-9.
  •  Theodor Neumann: Geschichte von Görlitz. Remer, Görlitz 1850 (online).
  •  Doris und Jürgen Sieckmeyer: Görlitz. Das Tor zum Osten. Wienand, Köln 1995, ISBN 3-87909-474-8.
  •  Erich Keyser (Hrsg.): Nordostdeutschland. (Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte, Band 1). Kohlhammer, Stuttgart 1939.
  •  Frank Vater: Architekturführer durch die historische Altstadt von Görlitz. 4. Auflage. Chichinebs, Görlitz 2009, ISBN 978-3-939177-02-9.
  •  Frank Vater: Görlitz. Eine Stadt mit vielen Gesichtern – Geschichte, Architektur, Kultur. 2. Auflage. via regia Buchhandlung, 2010, ISBN 978-3-939177-00-5.
  •  Jürgen Paul: Görlitz. Architektur, Kunst, Geschichte. 1. Auflage. Sandstein, Dresden 2011, ISBN 978-3-942422-35-2.
  •  Christoph Waack, Peter Haslinger u. a. (Hrsg.): Görlitz/Zgorzelec (= Historisch-topographischer Atlas schlesischer Städte / Historyczno-topograficzny atlas miast śląskich. Band 1). Herder-Institut, Marburg/Wrocław 2010 (übersetzt von Dariusz Gierczak), ISBN 978-3-87969-361-0 (online).
  • Görlitz. Einst und Jetzt. Culturcon/Märkische Oderzeitung. 2011, ISBN 978-3-941092-72-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Görlitz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Görlitz – Reiseführer
 Wiktionary: Görlitz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikisource: Görlitz – Quellen und Volltexte
 Portal: Lausitz – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Lausitz

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  G. Kiessling: Blicke in die Mundart der südlichen Oberlausitz. Raschkem, Zschopau 1883, S. 384.
  3. oberlausitzer-woerterbuch.de. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  4. goerlitz.de: Die Europastadt Görlitz/Zgorzelec stellt sich vor. Abgerufen am 3. August 2011.
  5. a b c d e f g h i j k l  Stadt Görlitz (Hrsg.): Große Kreisstadt Görlitz Integriertes Stadtentwicklungskonzept INSEK. Dez. 2009, S. 12ff (PDF, 1,73 MB, abgerufen am 12. September 2012).
  6. Regionaler Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien
  7. Sachsen.de: Land, Leute und Regionen – Oberlausitz/Niederschlesien
  8. a b  Stadtverwaltung Görlitz, Kommunale Statistikstelle (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2009. Stadtverwaltung Görlitz, Zentrale Kopierstelle, 2009, S. 11.
  9. www.goerlitz.de - Berzdorfer See. Abgerufen am 11. September 2014.
  10. Sächsische Zeitung: Viele wollen für Görlitz zwei Meridiansteine. Abgerufen am 15. Juni 2011.
  11.  Görlitz-Zittau: Graphische Werkstätten (Hrsg.): Erdgeschichte der Oberlausitz. 1990, S. 32.
  12.  E. F. Glocker, Naturforschende Gesellschaft Görlitz (Hrsg.): Geognostische Karte der Königl. Preuss. Oberlausitz. Lithogr. Anstalt v. Franz Weingärtner, Görlitz 1857.
  13. goerlitz.de: Die Stadt Görlitz und ihre Stadt- und Ortsteile. Abgerufen am 11. September 2014.
  14. a b  Stadtverwaltung Görlitz (Hrsg.): Vorentwurf des FNP, Stand: 17.10.2005. 2005.
  15. allmetsat.com: Klima-, Niederschlags- und Temperaturdiagramme der Stadt Görlitz. Abgerufen am 30. April 2010.
  16. a b dwd.de: Mittelwerte des Niederschlags. Abgerufen am 29. Juli 2012 (ZIP; 352 kB).
  17. a b dwd.de: Mittelwerte der Temperatur. Abgerufen am 29. Juli 2012 (ZIP; 53 kB).
  18. a b dwd.de: Mittelwerte der Sonnenscheindauer. Abgerufen am 29. Juli 2012 (ZIP; 43 kB).
  19. Messungen im Auftrag der Stadtverwaltung Görlitz – durchgeführt durch die Dr. Schulz & Partner GmbH 1993 bis 1995.
  20. wetterkontor.de: Das Klima in Görlitz. Abgerufen am 29. Juli 2012.
  21. wetterkontor.de: Das Klima in Görlitz (Daten für relative Feuchte). Abgerufen am 29. Juli 2012.
  22. iten-online.ch: Deutschland / Görlitz (Daten für Niederschlagstage/Monat). Abgerufen am 29. Juli 2012.
  23. Deutscher Wetterdienst: Fast 160 Jahre Wetterbeobachtung in Görlitz. Abgerufen am 16. August 2011 (PDF; 64 kB).
  24.  Joachim Bahlcke (Hrsg.): Geschichte der Oberlausitz. Herrschaft, Gesellschaft und Kultur vom Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2001, ISBN 3-935693-46-X, S. 55f.
  25.  Herbert Ludat: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa. Böhlau Verlag, Weimar 1995, ISBN 3-412-11994-6.
  26. Dietrich von Gladiss (Hrsg.): Diplomata 17: Die Urkunden Heinrichs IV. (Heinrici IV. Diplomata). Teil 1: 1056–1076 Berlin 1941, S. 311–313 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  27.  Joachim Bahlcke (Hrsg.): Geschichte der Oberlausitz. Herrschaft, Gesellschaft und Kultur vom Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2001, ISBN 3-935693-46-X, S. 59.
  28. Rudolf Köpke: Cosmae chronica Boemorum. In:  Georg Heinrich Pertz (Hrsg.): Chronica et annales aevi Salici. Monumenta Germaniae Historica 11. Scriptores 9. Hahn-Verlag, Hannover 1851, S. 1–209, 843–846. Unveränderter Nachdruck: Hiersemann-Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-7772-6313-3.
  29.  Josef Emler (Hrsg.): Cosmae Chronicon Boemorum cum continuatoribus (Fontes rerum Bohemicarum T. 2). Prag 1874, S. 205, Z. 4-6. Nachdruck Georg Olms Verlag, Hildesheim u. a. 2004, ISBN 3-487-12666-4.
  30.  Joachim Bahlcke (Hrsg.): Geschichte der Oberlausitz. Herrschaft, Gesellschaft und Kultur vom Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2001, ISBN 3-935693-46-X, S. 80f.
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