Pulsnitz

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Pulsnitz. Zum gleichnamigen Fluss, siehe Pulsnitz (Fluss).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Pulsnitz
Pulsnitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Pulsnitz hervorgehoben
51.18166666666714.013055555556290Koordinaten: 51° 11′ N, 14° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Pulsnitz
Höhe: 290 m ü. NHN
Fläche: 26,72 km²
Einwohner: 7578 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 284 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01896
Vorwahl: 035955
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 450
Stadtgliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Markt 1
Webpräsenz: www.pulsnitz.de
Bürgermeister: Peter Graff (FDP)
Lage der Stadt Pulsnitz im Landkreis Bautzen
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Pulsnitz (obersorbisch Połčnica) ist eine sächsische Kleinstadt im Landkreis Bautzen am westlichen Rand der Oberlausitz, etwa 10 km südlich von Kamenz und rund 25 km nordöstlich der Landeshauptstadt Dresden. Pulsnitz ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Pulsnitz.

Überregional bekannt ist Pulsnitz als Pfefferkuchenstadt.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Blick auf Pulsnitz

Die Altstadt liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Pulsnitztals, der gleichnamige Fluss (die Pulsnitz) entspringt im Nachbarort Ohorn. Die kleine Stadt liegt eingebettet in die Hügelketten des Westlausitzer Hügel- und Berglandes (bis 448 m). Die Bergkuppen sind größtenteils bewaldet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) Haselbachtal, Steina, Ohorn, Großröhrsdorf, Lichtenberg und Großnaundorf.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Pulsnitz gehören neben der Kernstadt drei weitere Ortsteile: Friedersdorf, Friedersdorf Siedlung und Oberlichtenau. Das Dorf Pulsnitz gehört schon seit längerem zur Stadt und bezeichnet die Unterstadt am Pulsnitztal. Die ursprüngliche Stadt Pulsnitz ist unterteilt in Vollung, Stadt und Meissner Seite.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Gold eine schwarze Bärentatze.

Geschichte[Bearbeiten]

Pulsnitz wurde, wie viele andere Orte der Oberlausitz auch, am 19. Mai 1225 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits vorher hatte sich hier eine sorbische Siedlung mit Wasserburg entwickelt. Pulsnitz wurde Sitz einer adligen Familie, die sich hier ein kleines Schloss bauen ließ.

1355 erhielt Polßnitz von Kaiser Karl dem IV. das Marktrecht, nur 20 Jahre später (1375) das Stadtrecht. Anfang des 15. Jahrhunderts verwüsteten die Hussiten die Oberlausitz. Auch in Pulsnitz fielen die Hussiten 1429 ein (nicht zum ersten Mal). Aus dieser Zeit stammt die älteste bäuerliche Befestigungsanlage Perfert. Um 1500 herum begannen die Bauarbeiten für das Pulsnitzer Rathaus, dessen Reste heute noch im Ratskellergebäude zu sehen sind.

Am 1. Januar 1558 erhielten die Pulsnitzer Bäcker erstmals das Recht, auch Pfefferkuchen zu backen. 1580 erwarb Hans Wolf von Schönberg Pulsnitz mit seinen Pertinenzorten von den Gebrüdern von Schlieben. Er entzog dem Rat die niedere Gerichtsbarkeit und versuchte die Bürger zu zwingen, Malz und andere notwendige Dinge nur noch bei ihm zu kaufen. Sie beschwerten sich beim Kaiser und verübten sogar einen Mordanschlag gegen Schönberg. Auch der Pfarrer A. Ricchius (Sohn des ersten protestantischen Pfarrers der Stadt Andreas Ricchius) solidarisierte sich mit den Bürgern und wurde entlassen.

1869 wurde Pulsnitz an die neu gebaute Eisenbahnstrecke Arnsdorf–Pulsnitz–Kamenz angeschlossen. In der Folgezeit begann ein industrieller Aufschwung. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 blieb die Stadt trotz schwerer Kampfhandlungen in der Oberlausitz weitestgehend unversehrt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die ehemalige Gemeinde Pulsnitz, Meißner Seite wurde am 1. April 1948 eingegliedert.[2] Am 1. Januar 1994 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Friedersdorf mit Friedersdorf Siedlung eingemeindet.[3] Am 1. Januar 2009 folgte die ehemalige Nachbargemeinde Oberlichtenau.[4] Das Stadtgebiet vergrößerte sich durch diese letzte Eingliederung von 16,69 km² auf 26,72 km².

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Pulsnitz unterhält Partnerschaften mit dem baden-württembergischen Asperg sowie mit dem niederschlesischen Złotoryja (Goldberg i. Schlesien).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

  • 1597 – 0821
  • 1800 – 1391
  • 1834 – 1773[5]
  • 1885 – 3155
  • 1900 – 3750
  • 1960 – 6738
  • 2000 – 6874
  • 2004 – 6578
  • 2007 – 7933
  • 2008 - 7805
  • 2009 - 7749
Datenquelle ab 2000: Statistisches Landesamt Sachsen

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Stadtmuseum

Bauwerke[Bearbeiten]

Berge und Aussichtspunkte[Bearbeiten]

  • Wenige Kilometer östlich von Pulsnitz nahe dem Ort Steina liegt der Schwedenstein, ein 420 m hoher Berg, dessen Aussichtsturm einen guten Rundumblick über die Westlausitzer Hügelketten bietet.
  • Rund sechs Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums liegt auf dem Gebiet des Pulsnitzer Stadtteils Oberlichtenau der 413 m hohe Keulenberg, der ebenfalls ein Wanderziel darstellt und eine gute Aussicht bietet.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Pulsnitz ist weit bekannt als Pfefferkuchenstadt. Eine besondere Spezialität sind die Pulsnitzer Spitzen, mit verschiedenen Konfitüren gefüllter Pfefferkuchen und Schokoladenüberzug.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bahnhof Pulsnitz

Verkehr[Bearbeiten]

Pulsnitz liegt drei Kilometer nördlich der Bundesautobahn 4. Durch den Ort verläuft die S95, die auch zur Anschlussstelle Pulsnitz in Leppersdorf führt.

Durch Pulsnitz führt die Bahnstrecke Kamenz–Pirna, die von der Regionallinie SB34 Dresden–Kamenz im Stundentakt bedient wird.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Der Ort ist seit je her geprägt durch kleinere und mittelständische Handelsunternehmen. Vor allem Töpfer (Lausitzer Keramik), Tuchdrucker (Blaudruck) und die zurzeit acht privaten Pfefferküchlereien und eine Lebkuchenfabrik prägten und prägen das Bild der Stadt. Ein Schwarzwälder Traditionsunternehmen ließ hier öl- und gasbeheizte Backöfen bauen. Im Jahre 2000 wurde die Produktion von der Hildener Firma Wachtel übernommen.

Zwei private Rehakliniken machen Pulsnitz zu einem wichtigen Medizinstandort, eine Klinik ist im Schloss untergebracht.

Medien[Bearbeiten]

Das amtliche Mitteilungsblatt ist der Pulsnitzer Anzeiger. Als Heimatzeitung für Pulsnitz und Umgebung erscheint es seit Juli 1990 monatlich in einer Auflagenhöhe von derzeit 2.500 Exemplaren. Über das örtliche Fernsehkabelnetz kann zudem die Pulsnitzer Kabelzeitung empfangen werden.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Rietschel-Denkmal
  • 1561: Balthasar Kestner, fürstlich-schaumburgischer Hofschneider, Kämmerer und Ratsherr zu Bückeburg
  • 1682: Bartholomäus Ziegenbalg, erster protestantischer Missionar und indischer Sprachforscher
  • 1804: Ernst Rietschel, einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Zeit. Er schuf so bekannte Denkmäler wie das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar. Das Rietschel-Denkmal auf dem Pulsnitzer Marktplatz wurde von seinem Schüler Gustav Kietz entworfen und umgesetzt.
  • 1825: Julius Kühn, bedeutender Agrarwissenschaftler, er begründete das erste ernstzunehmende landwirtschaftliche Institut an einer deutschen Universität.
  • 1840: Karl Alwin Hartmann, Reichstagsabgeordneter und Landgerichtspräsident in Plauen
  • 1847: Georg Hempel, Unternehmer, Reichstags- und Landtagsabgeordneter
  • 1851: Walther Hempel, Chemiker, Mitbegründer der technischen Gasanalyse.
  • 1869: Alwin Peschke, Komponist, Kapellmeister des 2. Garde Dragoner-Regiments in Berlin von 1900 bis 1918 (Obermusikmeister) und Kornettist
  • 1879: Rudolf Stempel, Pfarrer, Märtyrer der Evangelischen Kirche
  • 1897: Curt Haase, Politiker (NSDAP)
  • 1908: Robert Johannes Classen, Kaufmann und Astronom
  • 1933: Klaus Thielmann, Medizin-Professor, DDR-Gesundheitsminister in der Regierung Modrow
  • 1938: Klaus Staeck, Grafiker
  • 1939: Hartmut Bonk, Bildhauer und Graphiker, ab 1988 Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg.

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Erich Stange (1888–1972), evangelischer Pfarrer in Pulsnitz, Reichswart der Evangelischen Jungmännerbünde und einer der Begründer der Telefonseelsorge in Deutschland

Literatur[Bearbeiten]

  • Rüdiger Rost, Horst Oswald: Geschichte der Stadt Pulsnitz. Von den Anfängen bis zum Jahr 2000. Spitzkunnersdorf: Oberlausitzer Verlag, 2000. ISBN 3-933827-14-0
  • Lausitzer Bergland um Pulsnitz und Bischofswerda (= Werte unserer Heimat. Band 40). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1983.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2009, 1. Liste
  5. Pulsnitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pulsnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Pulsnitz – Quellen und Volltexte