Berliner Medizinhistorisches Museum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Berliner Medizinhistorisches Museum Charité
Berliner Medizinhistorisches Museum.JPG
Gebäudeansicht vom Alexanderufer aus
Daten
Ort Berlin-Mitte
Eröffnung 1998
Betreiber Charité
Leitung Thomas Schnalke
Website www.bmm-charite.de
ISIL DE-MUS-817610

Das Berliner Medizinhistorische Museum (BMM) der Charité ist bekannt für seine pathologisch-anatomische Sammlung. Es handelt sich dabei um einen kultur- und medizinhistorisch bedeutsamen Bestand an Feucht- und Trockenpräparaten. Der Kern der Präparatesammlung geht auf die Sammlung des Pathologen Rudolf Virchow zurück, der 1899 an gleicher Stelle das Pathologisch-Anatomische Museum eröffnete. Von den 3300 Präparaten des Anatomen Johann Gottlieb Walter (1734-1818) sind 40 erhalten und in der Dauerausstellung des Museums zu besichtigen. Es befindet sich auf dem Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 (ehemals: Schumannstraße 20/21).

Beschreibung der Exposition[Bearbeiten]

1998 als Berliner Medizinhistorisches Museum wiedereröffnet, wurde das Museum in den Jahre 2006 und 2007 mit Hilfe von kulturtouristischen Fördermitteln des Landes Berlin aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) von außen (Dach, Fassaden) saniert und erheblich erweitert. Der Rundgang durch die neue Dauerausstellung beginnt seit Oktober 2007 mit dem wieder eingerichteten Berliner Anatomischen Theater des 18. Jahrhunderts.[1] Weitere Abteilungen sind das Anatomische Museum und der Seziersaal des Pathologen, die Präparate-Sammlung (teilweise noch auf Rudolf Virchow zurückgehend) und die Labore der medizinischen Forschung. In einem stilisierten Krankensaal kann die Entwicklung der Medizin anhand verschiedener Krankheitsbilder nachvollzogen werden, beginnend im Jahre 1726 (eine schwere Geburt) über die Behandlung von Kriegsverletzungen, die „Eiserne Lunge“ als letzte Rettung bei Kinderlähmung bis zur heutigen Intensivmedizin etwa bei Organtransplantationen. Eine weitere wichtige Facette der neuen Ausstellung ist die Geschichte der Charité und der Medizin in der Zeit des Nationalsozialismus.

Auf einer gesonderten Ebene werden Wechselausstellungen angeboten. In allen Räumen des Museums ist das Fotografieren nicht erlaubt.

Direktor ist derzeit (2013) Thomas Schnalke, seit 2000 Professor für Geschichte der Medizin und Medizinische Museologie an der Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin.

Im Jahr 2011 wurde nach Medienberichten (unter anderem des Nachrichtenmagazins Der Spiegel) seitens des Charité-Vorstandes aufgrund von Sparzwängen über die Option einer Schließung und Abwicklung des Museums nachgedacht. Inzwischen (Stand Ende 2012) ist der Fortbestand des Museums als eine Einrichtung der Charité vorerst gesichert.

Sonderausstellungen[Bearbeiten]

Jahr Thema Hinweise, Erläuterungen
2008 Sex brennt. Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und die Bücherverbrennung Kuratiert von Rainer Herren, gestaltet von Eran Schaerf und Christian Gänshirt, vom 7. Mai bis 14. September 2008[2]
2009 Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf
2009/2010 goldgefüllt und perlengleich – 300 Jahre Zahnheilkunde in Berlin
2010/2011 Charité. 300 Jahre Medizin in Berlin 7. September bis 9. Januar
2010/2011 jenseits des menschen. Interventionen von Reiner Maria Matysik in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
2011/2012 Who cares? Geschichte und Alltag der Krankenpflege
2012 Ilana Halperin. Steine.
Eine Ausstellung mit Werken von Ilana Halperin am Schnittpunkt zwischen Kunst, Medizin und Geologie
in Zusammenarbeit mit der Schering Stiftung
2012/2013 Visite im Depot

Literatur[Bearbeiten]

  • Isabel Atzl (Hrsg.): Who cares? Geschichte und Alltag der Krankenpflege. Mabuse-Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-86321-011-3
  • Peter Krietsch, Manfred Dietel: Pathologisch-Anatomisches Cabinet, Vom Virchow-Museum zum Berliner Medizinhistorischen Museum in der Charité. ISBN 3-89412-254-4.
  • Angela Matyssek: Rudolf Virchow, Das Pathologische Museum, Geschichte einer wissenschaftlichen Sammlung um 1900. ISBN 3-7985-1370-8.
  • Geraldine Saherwala, Thomas Schnalke, Konrad Vanja, Hans-Loachim Veigel (Hrsg.): Zwischen Charité und Reichstag, Rudolf Virchow – Mediziner, Sammler, Politiker. Berliner Medizinhistorisches Museum, ISBN 3-930929-16-3.
  • Thomas Schnalke, Isabel Atzl: Dem Leben auf der Spur im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité. Prestel Verlag, München 2010, ISBN 978-3-7913-5036-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachweisung sämmtlicher Departements. In: C. F. Wegener: Haus- und General-Adreßbuch der Königl. Haupt- und Residenzstadt Berlin, 1822, Teil 2, S. 9. „Anatomisches Theater, an der Charlotten- und Letzten Str. Ecke“.
  2. Christine Lemke über die Ausstellung. textezurkunst.de abgerufen am 29. Mai 2013

52.52361111111113.378888888889Koordinaten: 52° 31′ 25″ N, 13° 22′ 44″ O