Bernard Clavel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bernard Charles Henri Clavel (* 29. Mai 1923 in Lons-le-Saunier; † 5. Oktober 2010 in Grenoble) war ein französischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Der Vater von Clavel war Bäcker, die Mutter Floristin. In der Familie wurde Wert auf eine möglichst kurze Schulzeit gelegt. Mit 14 Jahren trat Bernard Clavel in die Lehre bei einem Konditor ein, der ihn misshandelte. Er verdiente seinen Lebensunterhalt zunächst mit einer Vielzahl von Gelegenheitsarbeiten, unter anderem als Holzfäller und als Schaukämpfer auf dem Jahrmarkt.

Als Autodidakt bildete er sich in jenen Jahren in der Malerei und im Schreiben aus. Anfang der 1950er Jahre erschienen in der Tageszeitung Le Progrès de Lyon seine ersten Artikel. Es folgten Aufträge zur Redaktion von Hörspieltexten für das Radio. 1956 veröffentlichte er, gefördert von Hervé Bazin und Marcel Aymé, seinen ersten Roman, L'Ouvrier de la nuit. Das Buch, seinen eigenen Worten nach „in wenigen fieberhaften Tagen und Nächten zu Papier geworfen“, markierte den Beginn eines Lebenswerks, bestehend aus einer langen Reihe von Romanen, Erzählungen, Essays und Biografien. Mehr als 20 seiner Romane erschienen übersetzt in mehreren Sprachen außerhalb Frankreichs. Seine Geschichten waren meist aktionsgeladen, mit kraftvollen Helden und in einer Weise erzählt, die den Leser in die Geschichte hineinzog und ihn dazu brachte, Partei zu ergreifen. Er hob den Roman du terroir, den Roman mit Lokalkolorit, von einer gering geschätzten Gattung auf literarisches Niveau.

1968 erhielt er für Les fruits d'hiver den Prix Goncourt. Diese Auszeichnung löste eine Krise im Preiskomitee aus, weil Louis Aragon als Preisträger François Nourrissier vorgezogen hätte. Aragon trat daraufhin aus dem Komitee aus. 1971 wurde Clavel selbst in das Komitee berufen. Er trat seinerseits 1978 von diesem Mandat zurück, weil die eigene Arbeit ihm keine Zeit ließ, die Werke der Preiskandidaten zu lesen.

Eine Reihe seiner Werke für Film und Fernsehen adaptiert, darunter L’Espagnol unter der Regie von Jean Prat. Der Held, Pablo, verkörpert einen Kameraden aus der Résistance, den er 1942 kennengelernt hatte.

Clavel lehnte zweimal die Ehrenlegion ab.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • L'Ouvrier de la nuit. Julliard, 1956 (erster Roman)
  • Les Pirates du Rhône. Julliard, 1957 (verfilmt 1975)
  • Malataverne. Robert Laffont, 1960.
    • deutsche Übersetzung: Malataverne, Aufbau-Verlag Berlin, 1967
  • La Grande Patience. Robert Laffont, 4 Bände – 1962 und 1968.
  • L'Espion aux yeux verts. Robert Laffont, 1969.
  • Les Colonnes du ciel. Robert Laffont, 5 Bände, 1976–1981.
  • L'Arbre qui chante. Jugendbuch. Éditions la Farandole, 1967.
    • deutsche Übersetzung: Der singende Baum. Urachhaus, Stuttgart 1979.
  • Cargo pour l'enfer. Albin-Michel, 1993. ISBN 978-2226062192.
  • Les Roses de Verdun. Albin Michel, 1994.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Prix Goncourt für Les Fruits de l'hiver 1968
  • Mitglied der Académie Goncourt 1971–1977
  • Mitglied der Coordination française pour la Décennie de la culture de paix et de non-violence
  • Mitglied der Non-Violence-XXI-Gruppe seit 2001

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre-Robert Leclerq: Bernard Clavel. Le Monde, 8. Oktober 2010, S. 23.

Weblinks[Bearbeiten]