Berthold Viertel

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Berthold Viertel (* 28. Juni 1885 in Wien; † 24. September 1953 ebenda) war ein in Österreich geborener, in Deutschland, den USA und Großbritannien arbeitender jüdischer Schriftsteller, Dramaturg, Essayist, Übersetzer und Film- und Theaterregisseur. Sein Sohn war der Drehbuchautor Peter Viertel.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Durch seine Bekanntschaft mit Karl Kraus und Peter Altenberg arbeitete Viertel 1910 bis 1911 an Kraus’ Die Fackel mit.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Berthold Viertel von Graf von Seebach eingeladen, als Regisseur am Königlichen Theater in Dresden zu wirken. Von 1918 bis 21 war Viertel als Regisseur in Dresden tätig, und inszenierte am Schauspielhaus die Uraufführung von Walter Hasenclevers Jenseits (mit Walter Bruno Iltz) und Shakespeares Sommernachtstraum. Sein Gedichtband Die Bahn entstand auch in Dresden und wurde 1921 veröffentlicht. Ebenso die Bachantinnen des Euripides, die Komödie Die schöne Seele und Das Gnadenbrot.[1]

Berufungen als Regisseur und Dramaturg führten ihn u. a. nach Dresden, Berlin (1924 Hans Kaltnekers Die Schwester an der Goethe-Bühne), Zürich, Großbritannien und in die USA. Viertel war 1933 Schauspieler in Berlin, als er nach Frankreich und von dort später in die USA emigrieren musste. In New York war er 1944 Mitbegründer von Wieland Herzfeldes Aurora-Verlag.

Im Jahr 1947 kehrte er nach Europa zurück, arbeitete zunächst in London bei der BBC, dann ab 1948 als Regisseur in Zürich und ab 1949 schließlich wieder in Wien.

Viertel war Übersetzer wichtiger Dramen von Tennessee Williams, die er auch am Wiener Akademietheater – u.a. Endstation Sehnsucht mit Curd Jürgens als Stanley Kowalski – inszenierte. Er wurde auch als Lyriker und Autor bekannt.

Berthold Viertel war von 1918 bis 1947 mit Salka Viertel, geb. Steuermann, verheiratet und hatte mit ihr drei Söhne, Hans, Peter (1920–2007) und Thomas (* 1925). Seit dem Sommer 1940 lebte er mit der Schauspielerin Elisabeth Neumann zusammen, die er 1949 heiratete.

Viertel ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 0, Reihe 1, Nummer 104) beerdigt. Im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten wurde 1959 die Berthold-Viertel-Gasse nach ihm benannt.

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1922/23: Nora
  • 1924: Die Perücke
  • 1926: K 13 513. Die Abenteuer eines Zehnmarkscheines
  • 1929: Vier Teufel (4 Devils)
  • 1929: The One Woman Idea
  • 1929: Seven Faces
  • 1930: City Girl
  • 1930/31: Die heilige Flamme
  • 1930/31: The Spy
  • 1931: The Magnificent Lie
  • 1931/32: The Wiser Sex
  • 1932: The Man from Yesterday
  • 1934: Little Friend
  • 1935: The Passing of the Third Floor Back
  • 1935/36: Rhodes of Africa

Werke[Bearbeiten]

  • Die Spur. Gedichte. Kurt Wolff, Leipzig 1913.
  • Karl Kraus: Ein Charakter und die Zeit. Rudolf Kaemmerer, Dresden 1921.
  • Die Bahn. Gedichte. Jakob Hegner, Hellerau 1921.
  • Das Gnadenbrot. Erzählungen. Jakob Hegner, Hellerau 1927.
  • Fürchte dich nicht! Neue Gedichte. Barthold Fles, New York 1941.
  • Der Lebenslauf. Aurora-Verlag, New York 1946.
  • Dichtungen und Dokumente. Gedichte, Prosa, Autobiographische Fragmente. Kösel, München 1956.
  • Schriften zum Theater. Kösel, München 1970.
  • Die Überwindung des Übermenschen. Exilschriften. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1989. ISBN 3-85115-104-6.
  • Kindheit eines Cherub. Autobiographische Fragmente. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1991. ISBN 3-85115-125-9.
  • Das graue Tuch. Gedichte. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1994. ISBN 3-85115-174-7.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Kerstin Hagemeyer: Jüdisches Leben in Dresden. Ausstellung anlässlich der Weihe der neuen Synagoge Dresden am 9. November 2001. Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Berlin 2002. ISBN 3-910005-27-6.
  • Irene Jansen: Berthold Viertel. Leben und künsterlerische Arbeit im Exil. Peter Lang, New York 1992. ISBN 0-8204-1501-4.
  • Salka Viertel: Das unbelehrbare Herz. Claasen, Hamburg 1970. ISBN 3-546-49363-X. Aus dem amerikanischen Englisch:
    • The Kindness of Strangers. Holt, Rinehart and Winston, New York 1969. ISBN 0-03-076470-X.
  • Berthold Viertel. Zur 80. Wiederkehr seines Geburtstags. Kösel, München 1965.
  • J. Mayerhöfer (Hrsg.): Berthold Viertel. Regisseur und Dichter, 1885 – 1953. Wien 1975.
  • Siglinde Bolbecher (Hrsg.): Traum von der Realität: B. Viertel Döcker, Wien 1998. ISBN 3-85115-229-8.
  • Siglinde Bolbecher, Konstantin Kaiser: Viertels Welt. Der Regisseur, Lyriker, Essayist Berthold Viertel. Österreichisches Theatermuseum, Wien 1988[2]
  • Friedrich Pfäfflin: Tribüne und Aurora. Hase & Koehler, Mainz 1990. ISBN 3-7758-1215-6.
  • Friedrich Pfäfflin (Bearb.): Berthold Viertel im amerikanischen Exil. Marbacher Magazin. Bd 9. Marbach 1978.
  • Friedrich Pfäfflin (Red.): Berthold Viertel, 1885 – 1953. Eine Dokumentation. Kösel, München 1969.
  • Peter Roessler, Konstantin Kaiser (Hrsg.): Dramaturgie der Demokratie. Theaterkonzeptionen des österreichischen Exils. Promedia, Wien 1989. ISBN 3-900478-24-4.
  • Julia Danielczyk: Berthold Viertel. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 3, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 2007 f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hagemeyer, S. 194 (8.29 Berthold Viertel „Das Gnadenbrot“.)
  2. K. Kaiser zu B. V. siehe auch Weblinks