Blaues Blut

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Dieser Artikel behandelt den Begriff Blaues Blut im Zusammenhang mit der Aristokratie. Zum gleichnamigen Fernsehkrimi aus dem Jahr 2000, siehe Tatort: Blaues Blut. Für das gleichnamige Album des Rappers Fler aus dem Jahr 2013, siehe Blaues Blut (Album).

Der Begriff „Blaues Blut“ (auch „Blaublut“, adj. „blaublütig“, als Redewendung „blaues Blut haben“) findet international auch heute noch seine Anwendung auf Menschen, die adeligen Familien abstammen bzw. der Aristokratie zugehörig sind.[1][2]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Ausdruck beruht darauf, dass tiefer gelegene Venen hellhäutiger Menschen bläulich wirken. Die vermeintliche ‚Blaufärbung‘ des Blutes rührt daher, dass der rote (langwellige) Anteil des Lichtes deutlich tiefer in das Gewebe eindringt und vom Blut absorbiert wird, während der blaue (kurzwellige) Farbanteil des Lichtes von der Haut verstärkt reflektiert wird und kaum in das Gewebe eindringen kann.[3]

Meist wird angenommen, dass der Ausdruck seinen Ursprung im Kastilien des Mittelalters hat. Unter der maurischen Herrschaft in Spanien (711–1492) kam die Bezeichnung „azurblaues Blut“ (spanisch „Sangre azul“) auf die von den germanischen Westgoten abstammende Oberschicht zur Anwendung. Deren bläulich schimmernde Adern sahen für die dunkelhäutige einheimische Bevölkerung und die eingefallenen Mauren wie mit blauem Blut durchflossen aus. Später wurde der Begriff auf die obersten Adelsschichten und namentlich auf die spanische Königsfamilie bezogen.

In den europäischen Adelskreisen galt die Hellhäutigkeit als Schönheitsideal. Braun gebrannte Haut als Zeichen der der Sonne schutzlos ausgelieferten, im Freien arbeitenden Bevölkerung war beim Adel verpönt. Um auf keinen Fall „bäuerlich“ zu wirken, vermieden die edlen Herrschaften jeden Kontakt mit der Sonne durch Kopfbedeckungen und Schirme oder indem sie in ihren Häusern verblieben. (Von daher kommt der Begriff der „vornehmen Blässe.“[1]) Für die spanischen Adeligen war der Erhalt ihrer Hellhäutigkeit unter der südeuropäischen Sonne umso schwerer. Durch Heiratsverbindungen mit den nordischen bzw. den nordeuropäischen Adelshäusern behielten und kultivierten sie ihre „noble Blässe“.

Eine Theorie besagt, dass sich kastilische Aristokratenfamilien des Mittelalters selbst der Bezeichnung bedient hätten, um ihre „rein spanische“ Herkunft, frei von maurischen und jüdischen Ahnen, zu betonen.[4]

Nach einer weiteren Theorie wäre der Begriff des „blauen Blutes“ zur Zeit der Kreuzzüge im Nahen Osten entstanden. Auch in diesem Fall würde diese Bezeichnung auf die ansässige Bevölkerung zurückgehen, für die es auf Grund der hellen Haut der Kreuzritter so aussah, als hätten diese blaues Blut in den Adern fließen.

Begriffsverwendung in Europa[Bearbeiten]

Dem Bertelsmann Wörterbuch zufolge galt „Blaublütigkeit“ als eine germanische Eigenschaft. So hätte zum Beispiel der französische Schriftsteller Alphonse de Lamartine (1790-1869) beispielsweise „vom roten Blut der Franzosen und dem blauen Blut der Germanen“ geschrieben. Erst zum Beginn des 19. Jahrhunderts kam „blaublütig“ als Synonym und als angebliches Kennzeichen des Adels und der Aristokratie nach Mitteleuropa.[1] „Blaublüter“ als Bezeichnung für Menschen aus dem Adel tauchte erstmals um 1800 (als Jahreszahl 1810; nach Röhrich, 1991.[5]) im deutschsprachigen Raum „als leicht abschätzige Umschreibung für die Herrschaften von und zu“ auf.[6]

Die Redewendung vom „Blaublüter“ würde nach Meinung von Leonardo (WDR) heute als altmodisch wirken, in Frankreich („le sang bleu“) würde er kaum noch verwendet und gelte in England („Blue blood“) als ausgestorben.[6] Nach Bertelsmann wird „blaublütig“ in der heutigen Zeit eher in der ironischen Weise verwendet.[1]

Ideologisch wurden die restriktiven Heiratsregeln durch den Glauben an eine „göttliche Kraft“ „guten Blutes“ überhöht, die, so meinte man, durch Eheschließung und Fortpflanzung mit Inhabern gleichen oder gleichrangigen „edlen“ Geblütes verstärkt werde. Auf diese auch vom Volk geglaubte Ideologie gehen heute noch benutzte Ausdrücke wie „von adeligem Geblüt“ oder von „blauem Blut“ zurück.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Spiel[Bearbeiten]

  • 1987: Blood Royale - englisches strategisches Brettspiel zum Aufbau einer Dynastie im 14. Jahrhundert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Steimel: „…im vordersten Gefecht!“ Kleine Geschichte des deutschen Adels. Steimel, Köln-Zollstock 1959, S. 48.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Siehe „blaublütig“ im Bertelsmann Wörterbuch. (Siehe Weblinks. Abgerufen am 27. Juni 2011.)
  2. Vgl. auch: Wörterbuch für Redensarten, Redewendungen, idiomatische Ausdrücke und feste Wortverbindungen: Abfrage nach Blaues Blut.
  3. M. Benecke: Wieso schimmern die Adern blau durch die Haut, obwohl Blut doch rot ist? Bei: spektrum.de vom 18. Oktober 2002
  4. Blaues Blut - der blaublütige Adel. In: Marlene und Mathias Stadler: Farben und Leben - Online. Abgerufen am 27. Juni 2011.
  5. Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Stichwort: blau. 1991.
  6. a b Sendung Leonardo des WDR vom 28. April 2011. (Siehe Weblinks. Abgerufen am 27. Juni 2011.)
  7. Tatort: 433. Folge, Erstsendung: 9. Jänner 2000:Blaues Blut. In: tatort-fundus.de. .