Kastilien

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Dieser Artikel befasst sich mit der Landschaft Kastilien. Für den mittelalterlichen Staat siehe Königreich Kastilien.
Landschaft Kastilien

Kastilien (spanisch Castilla) ist eine auf der zentralen Hochebene Spaniens gelegene Landschaft, deren Bezeichnung auf das gleichnamige mittelalterliche Königreich zurückgeht.

Sie umfasst die heutigen Autonomen Regionen Castilla-La Mancha, Madrid und den größten Teil von Castilla y León. Das kastilische Scheidegebirge unmittelbar nördlich von Madrid teilt die Landschaft in das nördliche Altkastilien und das südliche Neukastilien, das auch die Mancha (von arabisch ‏المنشرة‎ al-manschara „flaches Land“') umfasst. Da Kastilien heute aber keine eigene politische oder Verwaltungs-Einheit mehr darstellt, ist der genaue territoriale Umfang nicht trennscharf abzugrenzen.

Nach dieser Landschaft wird die spanische Sprache vor allem zur Abgrenzung von den anderen in Spanien gesprochenen Sprachen häufig als castellano (Kastilisch) bezeichnet, da hier jener Dialekt gesprochen wurde und wird, der die Grundlage des modernen Standardspanisch bildete.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge, Namensherkunft[Bearbeiten]

Grafschaft Kastilien 850/1028
Karte Kastiliens von 1360
Krone Kastilien 1492

Kastilien, das Gebiet des oberen Ebro, hieß bis um 800 Bardulien (nach dem Stamm der dort lebenden Bardulier). Der Name Kastilien ist erstmals in einer lateinischen Urkunde aus dem Jahr 800 bezeugt, wo von einer Kirche in territorio Castelle („im Burgenland“) die Rede ist. Diesen Namen verdankte die Region den vielen Kastellen (lateinisch castella, spanisch castillos), die dort zum Schutz vor Angriffen der Araber errichtet worden waren. Das Land wurde im 8. und 9. Jahrhundert von den Königen von Asturien im Kampf gegen die Araber erobert und gehörte später zu dessen Nachfolgereich, dem Königreich León .

Grafschaft Kastilien[Bearbeiten]

Die Königreiche Asturien bzw. Leon ließen Kastilien durch einheimische Grafen verwalten (vgl. Liste der Herrscher von Kastilien). Diese erhoben sich um 925 gegen den König von León und bauten das Gebiet zu einer selbständigen Herrschaft aus, zunächst als Bündnispartner des Kalifen von Córdoba. Ferdinand González wurde so erster zeitweise eigenständiger Graf von Kastilien. Durch Aufstände gegen die Könige Ramiro II. (931–950), Ordoño III. (950–957) und Sancho I. (957–966) suchte er die Unabhängigkeit seines Landes von León zu erreichen.

Sein Sohn García Fernandez herrschte auch bis zum Jahr 1000 fast selbstständig. Dessen Sohn und Nachfolger Sancho hinterließ die Herrschaft seinem Sohn, dem Grafen García und nach dessen Ermordung 1026 ging sie auf Sanchos Schwiegersohn, den König Sancho Mayor von Navarra über, bei dessen Tod im Jahr 1035 sein Sohn Ferdinand Kastilien erbte.

Königreich Kastilien[Bearbeiten]

Hauptartikel Königreich Kastilien

1037 erobert Graf Ferdinand von Kastilien das Königreich León und wird zu dessen König gekrönt, womit León und Kastilien wieder vereint wurden. Für die kurzen Zeiträume 1065–1072 und 1175–1230 war Kastilien, jetzt aber als Königreich Kastilien, wieder vom Königreich León getrennt, bevor 1230 die nunmehr endgültige Vereinigung zu Kastilien-León erfolgte. Dieses Reich wird häufig als „Krone von Kastilien“ oder einfach Kastilien bezeichnet. Es erwirbt im weiteren Verlauf der Reconquista umfangreiche Gebiete und umfasst bei deren Abschluss (1492) den Norden, die Mitte und den Süden der Iberischen Halbinsel. Im Westen grenzt es an Portugal und im Osten an die Gebiete der Krone von Aragón und Navarra.

Einigung Spaniens[Bearbeiten]

Auch nach der Einigung Spaniens durch die Katholischen Könige behielten die Reichsteile der Krone von Kastilien - ebenso wie die Krone von Aragón und Navarra - ihre eigenen Rechtsordnungen und Institutionen. Zunächst handelt es sich um eine reine Personalunion. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts verwandeln die Bourbonen Spanien in einen Zentralstaat und erstrecken das kastilische Rechts- und Verwaltungssystem weitgehend auch auf die anderen Reichsteile.

Moderne Verwaltungsgliederung ab 1833[Bearbeiten]

„Historische Regionen“ Alt- und Neukastilien 1833

Die mit der Krone von Kastilien assoziierten Königreiche wurden 1833 im Zuge einer durch den Minister Javier de Burgos durchgeführten territorialen Neugliederung Spaniens in historische Regionen eingeteilt, die wiederum in Provinzen gegliedert wurden. Diese Provinzeinteilung besteht heute noch weitgehend unverändert fort. Dabei wurden die Provinzen zu „historischen Regionen“ zusammengefasst. Zwei von diesen führten die Bezeichnung Kastilien im Namen:

Allerdings hatten die „historischen Regionen“ keinerlei eigene Kompetenzen oder Institutionen, sie dienten allein der begrifflichen Zusammenfassung verschiedener Provinzen.

Bei dieser Gliederung bleibt es bis 1975, wobei während der Franco-Diktatur (1936/39–1975) Regionalisierungsbestrebungen rigide unterdrückt wurden. In der Phase des Übergangs zur Demokratie (transición) war daher auch das Thema der Regionalisierung eine der drängendsten und am meisten umstrittenen Fragen. Bei der Beratung der zukünftigen Verfassung verständigte man sich dazu auf einen Minimalkompromiss, der lediglich einen sehr weiten Rahmen für die spätere Bildung „Autonomer Gemeinschaften“ (auf Grundlage der bestehenden Provinzen) und deren Kompetenzen vorsah.

Das Ergebnis des Konstituierungsprozesses der Autonomen Gemeinschaften in den kastilischen Gebieten ergab folgendes Bild:

  • Die Randprovinzen Santander und Logroño, die zur „historischen Region“ Altkastilien gehört hatten, bildeten als Kantabrien bzw. La Rioja eigene uniprovinziale Autonome Gemeinschaften.
  • Die restlichen Provinzen Altkastiliens bildeten gemeinsam mit den Provinzen der „historischen Region“ León (León, Zamora, Salamanca) die Autonome Gemeinschaft Kastilien-León (Castilla y León).
  • Die Provinz Madrid, die historisch und geographisch zu Neukastilien zu zählen ist, bildete ebenfalls eine eigene uniprovinziale Autonome Gemeinschaft.
  • Die restlichen Provinzien der „historischen Region“ Neukastilien bildeten zusammen mit der Provinz Albacete die Autonome Gemeinschaft Kastilien-La Mancha.

Spätestens seit 1833 besteht damit Kastilien als eigene politische bzw. Verwaltungs-Einheit nicht mehr.

Heutige Region Kastilien[Bearbeiten]

Autonome Gemeinschaften Kastilien-León, Madrid und Kastilien-La Mancha (seit 1983)

Kastilien ist daher heute nur noch die Bezeichnung für eine Landschaft, deren territoriale Ausdehnung je nach Sichtweise unterschiedlich definiert wird, was insbesondere für folgende Gebiete gilt:

  • Die heutigen Autonomen Gemeinschaften Kantabrien und La Rioja waren historisch Teile des Königreichs Kastilien. Geographisch liegen sie allerdings jenseits der die Meseta umgebenden Randgebirge (Kantabrien am Atlantik, La Rioja im Ebrobecken).
  • Die Provinzen León, Zamora und Salamanca (vereinzelt zusätzlich auch Valladolid und Palencia) werden teilweise als eine von Kastilien zu unterscheidende Landschaft León angesehen. Aus historischer Sicht spricht dafür, dass diese Gebiete immer zum Königreich León (bzw. zum Teilkönigreich León innerhalb der Krone Kastilien) und nie zum eigentlichen Königreich Kastilien gehörten, und auch der südliche Teil des ehemaligen Königreichs León, die Extremadura, begrifflich nicht unter „Kastilien“ gefasst wird. Landschaftlich allerdings gehen Kastilien und León in der nördlichen Meseta ununterscheidbar ineinander über.
  • Bis zur Errichtung der Provinz Albacete im Jahre 1833 hatte ihr Gebiet jeweils etwa zur Hälfte zum Teilkönigreich Toledo (Neukastilien) und zum Teilkönigreich Murcia gehört. 1833 war sie der „historischen Region“ Murcia zugeordnet worden. Heute gehört sie der Autonomen Gemeinschaft Kastilien-La Mancha an.

Bilder[Bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten]

„Kastilien hat Spanien gemacht, und Kastilien vernichtet es.“

José Ortega y Gasset: Aufbau und Zerfall Spaniens, 1921

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]