Blockbuch

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Biblia pauperum, um 1455: Blockdruck mit teils eingedrucktem, überwiegend aber handschriftlich ergänztem Text

Ein Blockbuch (auch Holzschnittbuch) ist ein von Holzstöcken gedrucktes Werk in Bild und Text (siehe Blockdruck). Man unterscheidet chiroxylographische (Bild vom Holzstock gedruckt, Text von Hand nachgetragen), xylographische (Bilder und Texte sind beide vom selben Holzstock) und typoxylographische (Bilder auf Holzstöcken, Texte in Typen gesetzt) Blockbücher, die sich nicht immer eindeutig trennen lassen (siehe Bild). Diese Formen des Blockbuches, die in Europa üblich waren, unterscheiden sich etwas von der asiatischen Form des Blockbuches. Die Datierung der europäischen Form erstreckt sich auf das 15. Jahrhundert, von einigen Wissenschaftlern wird sie schon vor der Weiterentwicklung der Buchdruckkunst durch Gutenberg um 1420 angesetzt, andere plädieren für einen späteren Zeitpunkt. Sie erlosch um 1530. Die asiatischen Formen sind wesentlich älter.

Frühe asiatische Blockbücher[Bearbeiten]

Seit der Tang-Dynastie (615–906) wurden in China Blockbücher im Holztafeldruck hergestellt. Das Diamantsutra, das aus sechs Seiten mit kleinen halbseitigen Holzschnitten besteht, entstand im Jahre 868.

Blockbücher in Mitteleuropa[Bearbeiten]

Salve Regina, um 1470

Von der europäischen Form sind heute 33 Werke, meist religiöse Erbauungsliteratur, in über 100 verschiedenen Ausgaben bekannt (siehe auch Einblattholzschnitt und Holzschnitt). Als Heimat der Blockbücher gelten die Niederlande und der Oberrhein (Basel, vielleicht auch Straßburg). Sie ist zu sehen im Zusammenhang mit den sonstigen Bemühungen des 15. Jahrhunderts, Bücher möglichst rationell und preiswert herzustellen. Zu ihrer Herstellung diente der Reiber, nicht die Presse, und da sich infolgedessen das Typenbild in das Papier tief einprägte, so bedruckte man Letzteres nur auf einer Seite und klebte die weiß gebliebenen Seiten zusammen (anopistographische Drucke). Man teilt die Blockbücher in solche nur mit Text, in solche mit Text und Bild auf der gleichen Seite und in solche mit Text und Bild auf getrennten Seiten. Ihr Inhalt war teils religiöser, teils dogmatischer und moralisch-didaktischer Natur. Sie enthielten bildliche Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, die einander gegenübergestellt wurden und so eine sogenannte Konkordanz bildeten, ferner Darstellungen der Zehn Gebote, des Lebens der Maria und des Heilands, der Offenbarung Johannis, der Geschichte gewisser Heiligen, des apostolischen Glaubensbekenntnisses, der Ars moriendi und der Ars memorandi. Blockbücher für den profanen Gebrauch enthielten Fabeln mit moralischer Nutzanwendung, den Totentanz, die Chiromantie, die Wunderwerke Roms und dergleichen. Die ältesten wurden in Deutschland und in den Niederlanden gedruckt, wobei die Miniaturen der Handschriften als Vorbilder dienten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Blockbücher des Mittelalters : Bilderfolgen als Lektüre. Hrsg. von Gutenberg-Gesellschaft und Gutenberg Museum. Mainz: Philipp von Zabern 1991.
  • Hochegger, Rudolf: Über die Entstehung und Bedeutung der Blockbücher. Nendeln, Liechtenstein: Kraus [u.a] 1968.
  • Musper, Heinrich Theodor: Der Einblattholzschnitt und die Blockbücher des XV. Jahrhunderts. Völlig neubearbeitete und stark erweiterte Ausgabe von Bd. 6–8 der Erstauflage. Stuttgart: Hiersemann 1976.
  • Tschichold, Jan: Der chinesische und der japanische mehrfarbige Holztafeldruck, technisch. Basel: Basler Papiermühle 1992.
  • Tschudin, Peter: Druck vor Gutenberg - koreanische Druckkunst. Basel : Basler Papiermühle 1999.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Blockbücher – Quellen und Volltexte