Offenbarung des Johannes

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Johannes schaut auf Patmos die Visionen der Offenbarung, Altarbild von Hans Memling, 1479
Bamberger Apokalypse (um 1000): „Siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen, und sein Schwanz fegte den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor die Frau, die gebären sollte, damit er, wenn sie geboren hätte, ihr Kind fräße“ (Offb 12,3b-4 LUT).

Die Offenbarung, genauer die Offenbarung des Johannes oder die Apokalypse (Offb 1,1: griech.: ἀποκάλυψις apokalypsis, wörtl. „Enthüllung“) ist das letzte Buch des Neuen Testaments. Es ist das einzige prophetische Buch des neuen Testaments und zugleich eine Trost- und Hoffnungsschrift für die im Römischen Reich unterdrückten Christen.

Der Verfasser Johannes richtet sich als Ich-Erzähler in Form eines Briefes zunächst in den Sieben Sendschreiben an sieben Gemeinden in Kleinasien im östlichen Hinterland von Ephesus. Diese wurden vom Apostel Paulus theologisch geprägt und litten nun unter Verfolgung oder zumindest unter starken Einschränkungen.[1] Seit dem Mittelalter wird die Offenbarung des Johannes in 22 Kapitel unterteilt.

Verfasser[Bearbeiten]

In der frühen Kirche war man seit dem zweiten Jahrhundert überzeugt, dass es sich bei dem Ich-Erzähler Johannes um den Apostel Johannes (Joh 21,2) bzw. den Autor des Johannesevangeliums, also den Evangelisten Johannes handele. In der Ostkirche war dies umstritten, und die Offenbarung war dort lange Zeit nicht Teil der kanonischen Schriften.

Papias († um 140) schrieb dem Buch einen apostolischen Ursprung zu, ebenso Justin der Märtyrer († 165): „Ferner hat einer, der bei uns war, Johannes hieß und zu den Aposteln Christi gehörte, in einer Offenbarung prophezeit.“[2] Irenäus sagt ausdrücklich, dass der Apostel Johannes Verfasser der Offenbarung gewesen sei, auch Clemens von Alexandria († um 215) und Tertullian († nach 220) bestätigen das. Origenes († um 254) schrieb: „Johannes endlich, der an der Brust Jesu gelegen, hinterließ ein Evangelium […] Er schrieb die Apokalypse.“

Diese Auffassung wird in der heutigen kontinentaleuropäischen Exegese praktisch nicht mehr vertreten (vgl. aber unten Datierung). Als Argumente werden sprachliche, inhaltliche und formale Abweichungen angeführt. Der Verfasser der Offenbarung nehme keine Paulus vergleichbare apostolische Autorität für sich in Anspruch. Er nennt dafür „dreimal seinen Namen“ (1,4 EU 9EU; 22,8 EU),[3] während es der Autor des Johannesevangeliums vermeide, seinen Namen zu nennen.[4]

Der Verfasser gilt heute mehrheitlich als frühchristlicher Prophet, der sich zu einer Gruppe von Propheten zählt; so spricht er von seinen „Brüdern, den Propheten“ (22,9 EU). Sprache und Gedankenwelt weisen auf eine Herkunft aus dem palästinischen Judenchristentum hin. Im Text selbst beschreibt er, dass er auf der Insel Patmos vor Ephesus in der Verbannung lebe (1,9).[5] Daher heißt dieser Johannes der Offenbarung im englischen Sprachraum auch Johannes von Patmos (John of Patmos).

Empfänger[Bearbeiten]

Die Schrift ist in Form eines Briefes verfasst und richtet sich mit den sieben Sendschreiben an die sieben Gemeinden in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea (1,11 EU). Die Seligpreisungen und der Buchabschluss sowie die Symbolik der Siebenzahl legen jedoch nahe, einen weiteren Adressatenkreis anzunehmen.[6]

Datierung[Bearbeiten]

Die Datierung der Offenbarung ist in der Forschung umstritten.[7] Sowohl für eine späte Datierung (81–96) als auch für eine frühe (68–69) gibt es ernstzunehmende Gründe.[8] „Schon die Kirchenväter waren in der Frage Nero oder Domitian gespalten“, einige vertraten sogar beide Auffassungen, wenn auch in verschiedenen Schriften.[9]

Spätdatierung[Bearbeiten]

Die Annahme, die Offenbarung sei in der Regierungszeit Domitians entstanden (ca. 95), stützt sich auf frühkirchliche Autoren wie Viktorin, Hieronymus, Irenäus[10] und Euseb, die berichten, Johannes sei zur Zeit Domitians auf Patmos gewesen.[11] Da die Verbannung des Johannes aber möglicherweise schon früher begonnen hat, hängt die Beantwortung der Datierungsfrage nicht zwingend von der Verfasserfrage ab.
Als stützendes Argument für die Spätdatierung wird die politische Situation angeführt, die in der Offenbarung vorausgesetzt werde: Während Rom in der Apostelgeschichte noch als Staatsmacht erscheint, die Paulus dank seines römischen Bürgerrechtes bewahrt, ist Rom in der Offenbarung rein negativ besetzt („Hure Babylon“, Offb. 17 EU). Dieses Argument spricht aber mindestens ebenso für die Zeit Neros; denn unter Domitian fand keine groß angelegte Christenverfolgung statt,[12] unter Nero hingegen schon.[13]

Frühdatierung[Bearbeiten]

Die Annahme, das Buch sei auf das Ende der Regierungszeit Neros zu datieren (ca. 65–68), hält die Angabe bei Irenäus weder für eindeutig noch unbedingt verlässlich. Clemens von Alexandrien schreibe hingegen klar, dass die Offenbarungen an die Apostel „unter Nero aufhörten“.[14] Da Clemens nun den Apostel Johannes eindeutig für den Verfasser der Offenbarung hielt,[15] bedeute dies, dass nach Clemens’ Auffassung auch die Offenbarungen an Johannes unter Nero endeten.

Thomas Schirrmacher weist darauf hin, dass der bei Clemens nicht namentlich genannte Tyrann nur den Tyrannen schlechthin bezeichnen könne. Außerdem hätte Johannes, wenn man Clemens’ weiteren Aussagen glauben wolle, nach der Verbannung, also zwischen seinem 90. und 100. Lebensjahr, von Ephesus aus weite Reisen unternommen, wäre „gerannt und in vollem Galopp geritten“. Dies sei für einen Greis jedoch nur schwer vorstellbar.[16]

Unter Exegeten ist jedoch praktisch unbestritten, dass das Tier mit der Zahl 666 mit Kaiser Nero zu identifizieren sei. Zählt man nämlich die Zahlenwerte der hebräischen Buchstaben seines Namens (נרון קסר neron kesar) zusammen, kommt man auf 666. Eine Verschlüsselung sei allerdings – so das Argument für die Frühdatierung – nur dann notwendig und sinnvoll gewesen, solange Nero noch am Leben war. Allein über Nero seien als einzigen römischen Kaiser mehrere Zahlenrätsel überliefert.[17] Eine gewisse Unsicherheit bleibt darin, dass vielleicht auch ein späterer Kaiser als wiedererstandener Nero gemeint sein konnte.

Friedrich Engels datierte die Schrift in die Zeit unmittelbar nach Nero, in die Regierungszeit Kaiser Galbas, vom 9. Juni 68 bis zum 15. Januar 69. Er interpretierte die sieben Häupter des Tieres (des Antichrists) als römische Kaiser. Nach einem zu Galbas Zeit umlaufenden Gerücht sei nämlich Nero (das sechste Haupt) nur vorgeblich verstorben, lebe aber in Wirklichkeit und werde nach dem siebten Haupt (Galba) noch einmal als achtes Haupt wiederkehren (vgl. Offb 17,8-11 EU).[18]

Inhalt[Bearbeiten]

Die Hure Babylon, Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg, um 1180
  1. Vision Offb 1,9–20: Beauftragungsvision (1,9–20) und Sieben Sendschreiben (2,1 – 3,22)
  2. Vision Offb 4,1–5,14: Thronsaalvision.
  3. Vision Offb 6,1–17: Sieben-Siegel-Visionen: Die ersten sechs Siegel.
  4. Vision Offb 7,1–17: Die Bewahrung der Gemeinde.
  5. Vision Offb 8,1–9,21: Das siebte Siegel. Sechs Posaunenvisionen.
  6. Vision Offb 10,1–11,19: Auftrag der Prophetie des Endgeschehens. Vermessung des Tempels. Die siebte Posaune (11,15–19).
  7. Vision Offb 12,1–17: Die Frau, der Drache und das Kind. („Der Mythos der Johannesapokalypse“)[19]
  8. Vision Offb 13,1–18: Das Tier aus dem Meer und seine Macht. Das Tier von der Erde.
  9. Vision Offb 14,1–20: Das Lamm und die 144.000 auf dem Berg Zion. Ausblick auf das Gericht.
  10. Vision Offb 15,1–16,21: Schalen des Zorns.
  11. Vision Offb 17,1–18: Die Hure Babylon und das Tier.
  12. Vision Offb 18,1–19,10: Das Gericht über die große Stadt. Hymnisches Finale.
  13. Vision Offb 19,11–21: Abschlussvisionen: Vollendung des Geschichtsplanes Gottes. Die Wiederkunft Jesu als Weltrichter.
  14. Vision Offb 20,1–10: Millenniumsherrschaft, Vernichtung Satans.
  15. Vision Offb 20,11–20,15: Weltende und allgemeines Gericht.
  16. Vision Offb 21,1–22,21: Die neue Welt Gottes.

Das Buch enthält zum Schluss (22,18f. EU) eine prophetische Unheilsankündigung für diejenigen, welche den Wortlaut des Buches in irgendeiner Weise ändern.

Motivik[Bearbeiten]

Die Apokalypse ist eine zusammenhängende allegorische Komposition, die sich der zeitgenössisch etablierten, aber nicht notwendigerweise biblischen, Symbolwerte von Tieren, Farben und Zahlen bedient. Der Autor greift umfänglich auf die alttestamentliche Prophetie (vor allem die Propheten Jesaja, Ezechiel und das Buch Daniel) und ihre Bildersprache zurück. Auch frühjüdische apokalyptische Motive sind vielerorts präsent.
Die Deutung der einzelnen Bilder oder Erzählungen ist oftmals umstritten. Beispielsweise wären die folgenden Bezüge möglich:[20]

  • die 4 steht für eine kosmische Gesamtheit
  • die 7 steht für Vollkommenheit. Entsprechend können auch die adressierten sieben Gemeinden als Stellvertreter der gesamten Christenheit verstanden werden.[21]
  • die 3,5 steht für die zweite Hälfte der letzten Jahrwoche (siehe Daniel, Kap. 11 und 12)
  • die 12 ist auf die Zwölf Stämme Israels und die Zwölf Jünger Jesu beziehbar
  • die 42 Monate, in denen das Tier Macht über die Erde besitzen soll, stellen die Hälfte eines siebenjährigen Sabbatjahreszyklus dar
  • 666 ist der Zahlenwert, der den Namen des Tieres verschlüsselt (Offb 13,17-18 EU)
  • der Drache steht für Satan
  • das Tier aus dem Meer kann auf die „totalitäre endzeitliche Staatsmacht“[22] bezogen werden
  • das Tier vom Land kann als „Personifizierung des politischen Propagandaapparats“[22] verstanden werden.

Kanonisierung[Bearbeiten]

Die Offenbarung war in der alten Kirche sehr umstritten, besonders in den östlichen Teilen des Römischen Reichs. Verschiedene Kirchenväter sprachen sich gegen die Aufnahme des Buches in den Kanon der Bibel aus und sprachen von einer Fälschung, so z. B. Gaius (um 200 n.Chr. in Rom), wovon Eusebius berichtet (Kirchengeschichte 3,28):

„Zur erwähnten Zeit lebte, wie wir erfahren haben, Cerinth, der Führer einer anderen Häresie. Gaius, den wir schon oben zitiert haben, schreibt über ihn in seiner Untersuchung: ‚Und Cerinth gibt uns in Offenbarungen, die den Anschein erwecken, als wären sie von einem großen Apostel geschrieben, wunderliche Berichte, von welchen er fälschlich behauptet, daß sie ihm von Engeln gegeben worden seien. Er sagt nämlich, daß nach der Auferstehung das Reich Christi auf Erden sein werde und daß die Leiber in Jerusalem leben und sich wiederum Leidenschaften und Vergnügungen hingeben werden. Und im Widerspruch mit den Schriften Gottes und in verführerischer Absicht erklärt er, daß ein Zeitraum von tausend Jahren in freudiger Hochzeitsfeier verfließen werde.‘“

Erst mit dem 39. Osterfestbrief des Athanasius (367) wird die Apokalypse von fast allen damaligen Christen im Westen als gültiger Teil des Bibelkanons anerkannt. In den gegenwärtigen Ostkirchen wird die Offenbarung als einzige neutestamentliche Schrift nie im Gottesdienst verlesen. Da die Liturgie insgesamt als Offenbarung verstanden wird, bedeutet dies einen in der Praxis nicht voll kanonischen Status der Offenbarung. Die Syrisch-Orthodoxe Kirche erkennt die Offenbarung des Johannes überhaupt nicht an und druckt sie auch in ihren Bibeln nicht ab.

Textüberlieferung und Stil[Bearbeiten]

Möglicherweise wegen der Diskussion um ihre Kanonizität wurde die Offenbarung seltener abgeschrieben als die anderen Bücher des Neuen Testaments. Von den 320 erhaltenen Unzialen bietet nur ein rundes Dutzend Texte aus der Offenbarung und auch davon nur ganz wenige den gesamten Text.

Das Griechisch der Offenbarung ist mit Semitismen versetzt und weicht des öfteren von der üblichen Grammatik der Koiné ab. Im Stil und in der Wortwahl zeigen sich auch Unterschiede zu allen anderen Büchern des Neuen Testaments. Hinzu kommt, dass wegen der schwer deutbaren Aussagen beim Abschreiben häufiger als sonst in die Textüberlieferung eingegriffen wurde; entsprechend zeigen sich starke Abweichungen im überlieferten Textbestand. Von allen Büchern des Neuen Testaments ist es das Buch mit den größten textkritischen Problemen. Abweichend zu den übrigen Teilen des Neuen Testaments gilt der Codex Alexandrinus als wichtigster Textzeuge noch vor dem Codex Sinaiticus, während beim Codex Vaticanus der Schluss verlorenging und der Text der Offenbarung somit nicht erhalten ist.

Rezeption und Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

„Das springende Lamm Gottes mit den sieben Augen, umgeben von zwei Engeln“, Fresko von Herbert Boeckl, Nordwand der Engelkapelle, Basilika Seckau

In den allgemeinen Sprachschatz eingegangen sind die Wendungen:

  • Buch mit sieben Siegeln, vgl. Offb 5.
  • Das A und O bezieht sich auf Offb 22,13: „Ich bin das Alpha und Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“
  • Lamm Gottes: Christus als Lamm Gottes wird in der Liturgie angerufen und ist ein häufiges Bildmotiv in der Kunst geworden.

In der Ostkirche wurde die Apokalypse wenig beachtet, in der Westkirche war die Ansicht über die Schrift positiver. Dennoch diskutiert die Theologie die Bedeutung der Offenbarung des Johannes bis heute. Auch Martin Luther wusste mit ihr wenig anzufangen: „Mein Geist will sich in dies Buch nicht schicken.“

In verschiedenen Gruppen spielte immer wieder der Begriff des Tausendjährigen Reichs (Offb 20,4 EU) eine besondere Rolle, der im Nationalsozialismus sogar politisch umgedeutet wurde. Heute wird die Offenbarung besonders im Glaubensverständnis chiliastischer Gruppierungen wie der Zeugen Jehovas, der Christadelphians und der Adventisten berücksichtigt.

Neben den Büchern Daniel und Ezechiel, den Endzeitreden Jesu in den synoptischen Evangelien sowie dem Ersten und dem Zweiten Thessalonicher-Brief des Paulus hat die Offenbarung des Johannes größten Einfluss auf die Entwicklung der Eschatologie ausgeübt.

Der amerikanische Theologe Charles C. Ryrie hat vier verschiedene Auslegungstraditionen ausgemacht: Die präteristische, die historische, die idealistische sowie die futuristische oder wörtliche Auslegung. Der Präterismus gehe davon aus, dass sich die Aussagen der Offenbarung bereits in den ersten christlichen Jahrhunderten erfüllt haben. Die historische Auslegung gehe davon aus, dass der Verlauf der Kirchengeschichte in der Offenbarung vorgeschattet werde. Für die idealistische Auslegung sei die Offenbarung eine bildhafte Darstellung, welche geistliche Prinzipien aufzeige. Bei der futuristischen Auslegung werde das Buch ab Kapitel 4 als Bericht von heute noch nicht eingetroffenen Ereignissen interpretiert.[23]

Der österreichische Komponist Franz Schmidt vertonte Teile des apokalyptischen Textes in dem Werk Das Buch mit sieben Siegeln. Das Oratorium wurde 1938 in Wien uraufgeführt. Der Vers „Das Lamm, das erwürget ist“ (5,12 EU) erscheint als Schlusschor in der Bachkantate Ich hatte viel Bekümmernis. Derselbe Vers wird auch von Georg Friedrich Händel zum Abschluss seines Messias verwendet.

Nichttheologische Interpretationen[Bearbeiten]

Die Bildersprache der Offenbarung hat über die Jahrhunderte hinweg nicht nur Kirchenväter und Theologen verschiedener Kirchen und Sekten, sondern auch weltliche Schriftsteller und Künstler angeregt, nach Interpretationen zu suchen. Der Interpretationsrahmen wird dabei sehr weit gefasst, aufgrund der Annahme, dass eine wissenschaftliche Erklärung reinen Prophetien ohnehin nicht gerecht werden könne. Beispielsweise hält sich der Autor Daniel Rubinstern[24] zugute, in den Texten eine sogenannte Mysteriensprache erkannt und daraus etwa 700 Symbole und deren zeitliche Abfolge entschlüsselt zu haben. Demnach entsprächen etwa die ersten sechs Siegel und die ersten sechs Posaunen zwölf geistigen und gesellschaftlichen Fesseln, die zur Entmündigung des Bürgers in heutiger Zeit führen und ihn seiner sozialen und finanziellen Freiheiten berauben. Weitere psychologische, politische und soziale Deutungen entstehen in reicher Fülle.

Friedrich Engels („Das Christentum wurde, wie jede andere große revolutionäre Bewegung, von den Massen geschaffen“)[25] deutete die Offenbarung in marxistischem Sinne als „authentisches Bild eines beinah primitiven Christentums“.[26]

Siehe auch[Bearbeiten]

Apokalyptisches Lamm auf dem Buch mit sieben Siegeln, Johann Heinrich Rohr, um 1775

Literatur[Bearbeiten]

Antike exegetische Kommentare
Neuere exegetische Kommentare
  • David Edward Aune: Revelation. 3 Bände. Word Books, Dallas 1997; Nelson, Nashville 1998 (ausführlicher wiss. Kommentar)
  • William Barclay, Offenbarung des Johannes, Reihe Auslegung des Neuen Testaments, Neukirchen-Vluyn 1970, ISBN 3-7615-4517-7
  • Gregory K. Beale: The Book of Revelation. A Commentary on the Greek Text. The New International Greek Testament Commentary. Eerdmans, Grand Rapids 1999, ISBN 0-8028-2174-X
  • Jacques Ellul: Apokalypse. Die Offenbarung des Johannes - Enthüllung der Wirklichkeit, Neukirchen-Vluyn 1981
  • Heinz Giesen: Die Offenbarung des Johannes. Regensburger Neues Testament. Pustet, Regensburg 1997, ISBN 3-7917-1520-8
  • Traugott Holtz: Die Offenbarung des Johannes. (NTD) Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-51387-3
  • Bruce J. Malina: Die Offenbarung des Johannes. Sternvisionen und Himmelsreisen. Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-014241-0 (kulturanthropologische Exegese)
  • Bruce J. Malina, John J. Pilch: Social Science Commentary on the Book of Revelation. Fortress, Minneapolis 2000, ISBN 0-8006-3227-3 (sozialgeschichtliche Exegese)
  • Robert H. Mounce: The Book of Revelation. The new international commentary on the New Testament. Eerdmans, Grand Rapids 1998, ISBN 0-8028-2537-0
  • Hubert Ritt: Die Offenbarung des Johannes. Die Neue Echter Bibel 21. Echter, Würzburg 1986 (20004)
  • Pierre Prigent: Commentary on the Apocalypse of St. John. Mohr Siebeck, Tübingen 2001
  • Jürgen Roloff: Die Offenbarung des Johannes. Zürcher Bibelkommentare. TVZ, Zürich 20013
  • Akira Satake: Die Offenbarung des Johannes. Kritisch Exegetischer Kommentar 16. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, ISBN 978-3-525-51616-4
  • Ben Witherington III: Revelation. New Cambridge Bible Commentary. University Press, Cambridge 2003; ISBN 0-521-00068-8
  • Klaus Wengst: "Wie lange noch?" Schreien nach Recht und Gerechtigkeit - eine Deutung der Apokalypse des Johannes. Kohlhammer, Stuttgart 2010
Rezeptionsgeschichte
  • Douglas W. Lumsden: And Then the End Will Come: Early Latin Christian Interpretations of the Opening of the Seven Seals. Studies in Medieval History and Culture 1. Garland, New York 2001, ISBN 0-415-92961-X
  • Beda Venerabilis: Opera, Band 2,5: Expositio apocalypseos. Hrsg. v. Roger Gryson. Corpus Christianorum Series Latina 121, A. 2001; ISBN 2-503-01213-2
  • Oecumenius: Commentarius in Apocalypsin. Hrsg. v. Marc De Groote. Traditio exegetica Graeca 8. Peeters, Leuven 1999, ISBN 90-429-0236-1
  • Richard K. Emmerson (Hrsg.): The Apocalypse in the Middle Ages. Cornell University Press, Ithaca 1992, ISBN 0-8014-9550-4
  • Jürgen Brokoff: Die Apokalypse in der Weimarer Republik. Fink, München 2001, ISBN 3-7705-3603-7
  • Werner Thiede: Die Johannesapokalypse in der Deutung christlicher Sekten. EZW-Texte Information 130. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Stuttgart 1996
Sonstige wissenschaftliche Literatur
  • David E. Aune, Arwed Arnulf: Artikel Johannes-Apokalypse/Johannesoffenbarung. In: RGG4, Bd. 4, ISBN 3-16-146944-5, S. 540–549 (mit weiterer Literatur)
  • Otto Böcher: Die Johannesapokalypse. Erträge der Forschung 41. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988 (19984); ISBN 3-534-04905-5 (zusammenfassende Darstellung der Forschung bis 1988)
  • David L. Barr (Hrsg.): Reading the Book of Revelation. A Resource for Students. SBL Resources for Biblical study 44. Society of Biblical Literature, Atlanta 2003, ISBN 1-58983-056-3
  • Robert L. Muse: The Book of Revelation. An Annotated Bibliography. Garland Reference Library of the Humanities 1387. Garland, New York-London 1996, ISBN 0-8240-7394-0 (Bibliografie 1940–1990)
  • Bernie L. Calaway: Revealing the Revelation. A Guide to the Literature of the Apocalypse. International Scholars Publisher, San Francisco 1998, ISBN 1-57309-155-3
  • Klaus Gamber: Das Geheimnis der sieben Sterne. Zur Symbolik der Apokalypse. Pustet, Regensburg 1987, ISBN 3-7917-1140-7
  • Heinrich Kraft: Die Bilder der Offenbarung des Johannes. Lang, Frankfurt a. M.-Berlin 1994, ISBN 3-631-47290-0
  • Elisabeth Schüssler Fiorenza: Das Buch der Offenbarung. Vision einer gerechten Welt. Kohlhammer, Stuttgart 1994, ISBN 3-17-012489-7
  • Mathias Rissi: Die Hure Babylon und die Verführung der Heiligen. Eine Studie zur Apokalypse des Johannes [Beiträge zur Wissenschaft vom Alten und Neuen Testament Heft 136 = Folge 7, Heft 16]. Kohlhammer, Stuttgart 1995, ISBN 3-17-012988-0
  • Thomas Johann Bauer: Das tausendjährige Messiasreich der Johannesoffenbarung. Eine literarkritische Studie zu Offb 19,11 – 21,8. de Gruyter, Berlin-New York 2003, ISBN 3-11-017689-0.
  • Hermann Braun: Ein Brief über die Offenbarung des Johannes. In: Die kleine Prophetin - Kirche leiten. FS Gerrit Noltensmeier. Hrsg. von Martin Böttcher, Arno Schilberg, Andreas-Christian Tübler. Wuppertal 2005, S. 37-46.
  • Hartmut Sommer: Der Thron im Himmel - Die Höhle der Apokalypse des Johannes auf Patmos im Ägäischen Meer, in: Die großen Mystiker Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2008, ISBN 978-3-534-20098-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Apokalypse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Offenbarung des Johannes – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Bibeltext[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Jürgen Roloff: Einführung in das Neue Testament. Reclam: Stuttgart, 2003, S. 248.
  2. Dialog mit Tryphon, 8,1,4.
  3. Jürgen Roloff: Die Offenbarung des Johannes (Zürcher Bibelkommentare), 3. Aufl. Zürich 2001. S. 16.
  4. William Barclay: Offenbarung des Johannes 1, Neukirchen-Vluyn 1970, S. 20.
  5. Jürgen Roloff: Einführung in das Neue Testament, Stuttgart 2003, S. 247 f. Zum Bibelverweis siehe auch: Offb 1,9 EU.
  6. Michael Bachmann: Die Johannesoffenbarung, in: Karl-Wilhelm Niebuhr (Hrsg.): Grundinformation Neues Testament: eine bibelkundlich-theologische Einführung, Vandenhoeck und Ruprecht: Göttingen 2000, S. 347-348.
  7. Umfangreiche Darstellung der Positionen der letzten 200 Jahre in Kenneth L. Gentry: Before Jerusalem Fell: Dating the Book of Revelation, Victorious Hope Publishing 2010, ISBN 9-78-098-262060-1.
  8. D. A. Carson, Douglas J. Moo, Leon Morris: An Introduction to the New Testament, Zondervan: Grand Rapids (MI), 1992, S. 473-476.
  9. Thomas Schirrmacher: Gründe für die Frühdatierung der Offenbarung vor 70 n. Chr., S. 7 (PDF).
  10. Irenäus: Adv. haer., V, 30,3 (engl., deutsch). Wie Johann Jakob Wettstein bereits 1751 aufgezeigt hat, ist die Übersetzung des Textes nicht eindeutig. Kenneth L. Gentry nennt weitere Autoren, die diese Problematik bestätigen (Before Jerusalem Fell, S. 48+50-53).
  11. William Barclay: Offenbarung des Johannes 1, Neukirchen-Vluyn 1970, S. 22.
  12. F. J. A. Hort: The Apocalypse of St John I-III: The Greek Text with Introduction, Commentary, and Additional Notes, MacMillan: London, 1908. S. xiv-xxxiii. - George E. Ladd: A Commentary on the Revelation of John, Wm. B. Eerdmans: Grand Rapids (MI), 1972, S. 8: Es gebe „keinen Beweis dafür, dass im letzten Jahrzehnt des ersten Jahrhunderts eine offene und systematische Verfolgung der Kirche stattfand.“
  13. Eine Außenseiterposition nimmt Thomas Witulski ein. Er datierte die Offenbarung in die Zeit Kaiser Hadrians (117–138 n. Chr.), den er mit dem endzeitlichen Tier identifiziert (Die Johannesoffenbarung und Kaiser Hadrian, Göttingen 2007). Witulskis These wird von den Fachwelt weitgehend abgelehnt.
  14. Clemens: Quis Salvus Dives, Verschiedenes, Abschnitt 7,17.
  15. Clemens: Quis Salvus Dives, Abschnitt 42, Verschiedenes Abschnitt 6,13.
  16. Thomas Schirrmacher: Gründe für die Frühdatierung der Offenbarung vor 70 n. Chr. (PDF, 280 KB), in: David Chilton: Die große Trübsal. Reformatorischer Verlag Beese, Hamburg 1996, ISBN 3-928936-12-3, S. 134-135.
  17. Bei Sueton: Nero, 39,2 und in den Sibyllinischen Oraklen: 5,28-31. John A. T. Robinson hielt daher Offb 13,18 für „die christliche Version eines bekannten Spieles“. (Wann entstand das Neue Testament?, S. 246).
  18. Friedrich Engels: Das Buch der Offenbarung; 1883; MEW 21:14 f.
  19. Jürgen Roloff: Die Offenbarung des Johannes; Zürcher Bibelkommentare; Zürich: TVZ, 20013; S. 123.
  20. Hier nach H. Ritt, Art. Offenbarung des Johannes, in: LThK 3, S. 997.
  21. Michael Bachmann: Die Johannesoffenbarung, in: Karl-Wilhelm Niebuhr (Hrsg.): Grundinformation Neues Testament: eine bibelkundlich-theologische Einführung, Göttingen 2000, S. 347.
  22. a b Ritt, l. c.
  23. Charles C. Ryrie: Die Offenbarung verstehen. Durchblick und Klarheit über das faszinierendste Buch der Bibel. Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2011, ISBN 978-3-89436-875-3, S. 8-10.
  24. Daniel Rubinstern: Das Buch El'azar, ISBN 978-3-942611-00-8
  25. Engels, l.c.
  26. Engels, l.c.