Camsdorfer Brücke

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Camsdorfer Brücke nach der Sanierung
Camsdorfer Brücke im Jahr 1735

Die Camsdorfer Brücke ist eine Brücke über die Saale und gilt als die älteste Steinbogenbrücke in Jena. Sie verbindet das Jenaer Stadtzentrum mit Wenigenjena.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine der Inschriften der Brücke

Am Platz der ersten Brücke befand sich bis Mitte des 15. Jahrhunderts ein hölzerner Vorgängerbau. Die Steinbogenbrücke wurde um 1480 erbaut und bestand aus neun Bögen. Sie war ein wichtiger Übergang über die Saale, die zu dieser Zeit oftmals Hochwasser hatte, und stellte eine Verbindung zu den Siedlungen im Osten der Stadt her. Die Steine des Bauwerkes stammten unter anderem aus den 1304 zerstörten Burgen des Hausberges.

Auf der alten Camsdorfer Brücke, welche unter dem Namen Pons zu den sieben Stadtwundern gehört, befand sich eine eigene Kapelle und in der Mitte stand bis 1842 ein Stein- oder Holzkreuz. Im an der Brücke gelegenen Wirtshaus Zur Tanne schrieb Goethe den Erlkönig.

Nach dem Bau der Brücke wurden 1575 noch zwei zusätzliche Bögen auf der Camsdorfer Seite ergänzt. Die Geschichte der Brücke kennt auch tragische Ereignisse:

  • Während des Dreißigjährigen Krieges gegen Ende Januar 1637 waren die Schweden in Jena eingefallen und hatten die Stadt bereits in ihrer Gewalt, als nachsetzende kaiserliche Truppen gesichtet wurden. Ein Bogen der Brücke sollte durch Sprengung zerstört werden, um den Vormarsch der Feinde zu vereiteln. Bei der Sprengung kamen 36 Arbeiter und Soldaten zu Tode. Der gesprengte Brückenbogen wurde erst 1655 repariert, bis da überspannte ein hölzernes Provisorium die Lücke.[1]
  • 1716 sprang ein erschrecktes Reitpferd unverhofft über das Brückengeländer und riss den unglücklichen Reiter mit in den Tod.
  • 1823 ertrank eine vom langen Weg ermüdete Bäuerin in der Saale, sie hatte sich, ohne die schwere Trage vom Rücken abzuschnallen, an die Brüstungsmauer gelehnt und verlor den Halt.

Die Notwendigkeit des Brückenneubaus wurde schon im 19. Jahrhundert erkannt, als die Industrialisierung der Stadt zunahm. Die Mehrheit der damaligen Bevölkerung sah in der Brücke ein wertvolles Baudenkmal und forderte dessen Erhalt.[2]

Um dem stärker werdenden Verkehr gerecht zu werden musste die Camsdorfer Brücke ab Juli 1912 abgetragen werden. Der Neubau wurde bis November 1913 bewältigt. Auf dem Südwestpfeiler der Brücke wurde ein kleiner Pavillon errichtet, der eine Statue des Erzengels Sankt Michael als Schutzpatron der Stadt Jena trug.[3]

Über die neue Brücke wurde 1913 auch eine Straßenbahnlinie geführt.[4] Die Brücke wurde 1945 wiederum Opfer einer Sprengung, nun durch eine deutsche Pioniereinheit vorgenommen. Auch diese Sprengung war militärisch sinnlos, da die Amerikaner die Saale bereits an anderen Stellen überquert hatten. In den ersten Nachkriegswochen wurden die Schäden an der Brücke untersucht, und ab 1946 mit Hilfe der sowjetischen Streitkräfte wieder aufgebaut. Sie trug daher den Namen „Brücke der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“. Es war das erste Bauwerk Jenas, das nach dem Krieg wiedererbaut wurde. Lange Zeit war die Camsdorfer Brücke der einzige im Schwerlastverkehr befahrbare Übergang im Jenaer Stadtgebiet.

Gegenwärtige Situation[Bearbeiten]

Die Brücke musste auf Grund schwerwiegender Schäden im Jahr 2005 komplett saniert werden. Dabei wurde die Straßenbahntrasse auch von einer einspurigen auf eine zweispurige ausgebaut. Zur Wiedereröffnung im Sommer 2005 wurde erstmals ein Brückenfest auf der Brücke veranstaltet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Christian Schramm: Historischer Schauplatz, in welchem die Merkwürdigsten Brücken aus allen vier Theilen der Welt, Insonderheit aber Die in den vollkommensten Stand versetzte Dreßdner Elb-Brücke, In saubern Prospecten, Münzen und andern Kupferstichen, vorgestellet und beschrieben werden: Durch brauchbare Anmerkungen und besondere Urkunden erläutert, Auch mit nöthigen Registern versehen. Leipzig, 1735 S. 139–142 (Vogelschau-Ansicht der Brücke (um 1700) Digitalisat. Das Original befindet sich in der Universitätsbibliothek Heidelberg.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Camsdorfer Brücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die erste Zerstörung (1637): Details zur Sprengung der Brücke finden sich bei  Christian August Vulpius (Hrsg.): Jena im dreißigjährigen Kriege : aus handschriftlichen Nachrichten. In: Curiositäten der physikalisch-literarisch-artistisch-historischen Vor- und Mitwelt. I, Nr. IV, Weimar 1811/12, S. 373-375.: (20.Januar 1637) ... kam der schwedische General Stahlhantsch hier an, er wurde von den Kaiserlichen (General Goetz) verfolgt, und kam den Steiger herunter. Dieser General ließ am 3. Februar den letzten Bogen der Saalbrücke, nach Kamsdorf zu, abwerfen, wobei 23 Menschen theils von Steinen erschlagen wurden, theils im Wasser umkamen. Damit aber sein (Kriegs-)Volk den Strom passieren könnte, ließ er von Fässern und Brettern eine Laufbrücke anlegen. Mittlerweile fielen die Kaiserlichen Vortruppen den Schweden in den Nacken, und da setzte es, am 4. Februar, bei der Pforte und dort herum, blutige Scharmützel. In der Nacht darauf ließen die Schweden die hölzerne Laufbrücke abbrechen, ... Die Saalbrücke aber blieb ein ganzes Jahr ruiniert und musste man sich mit Fischerkähnen über den Fluss setzen lassen.
  2.  Thüringer Vereinigung für Heimatpflege (Hrsg.): Jahrbuch 1912. Selbstverlag, Erfurt 1913, Die Camsdorfer Brücke, S. 86-87.
  3. Seit einigen Jahren verfolgt ein Verein engagierter Bürger das Ziel der Wiedererrichtung dieses Pavillons.
  4. Inzwischen verkehren die Straßenbahn-Linien 2 und 3 aus Lobeda über die Brücke.

50.92844722222211.596052777778Koordinaten: 50° 55′ 42″ N, 11° 35′ 46″ O