Lobeda

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Dieser Artikel beschreibt die ehemalige Stadt Lobeda (heutiger Jenaer Ortsteil Lobeda-Altstadt). Die nahegelegene Plattenbausiedlung findet sich unter Neulobeda.

50.88222222222211.623333333333193Koordinaten: 50° 52′ 56″ N, 11° 37′ 24″ O

Lobeda-Altstadt
Stadt Jena
Ehemaliges Stadtwappen
Höhe: 193 m ü. NN
Einwohner: 1901 (31. Dez. 2011)[1]
Eingemeindung: 1946
Postleitzahl: 07747
Vorwahl: 03641
Lobeda-Altstadt (Thüringen)
Lobeda-Altstadt

Lage von Lobeda-Altstadt in Thüringen

Historischer Stadtkern

Historischer Stadtkern

Rathaus
Die Kirche von Lobeda
Das Schloss in Lobeda

Lobeda ist eine ehemalige Stadt in Thüringen, die heute als Ortsteil Lobeda-Altstadt zu Jena gehört. Sie wurde 1946 eingemeindet und hat knapp 2000 Einwohner auf einer Fläche von 3,36 Quadratkilometern und liegt rund fünf Kilometer südlich des Stadtzentrums. Zwischen 1966 und 1986 entstand südwestlich von Lobeda die Plattenbau-Trabantenstadt Neulobeda mit rund 20.000 Einwohnern.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Der Johannisberg ist eine markante felsige und exponierte Anhöhe über dem Saaletal bei Altlobeda. Der Berg war im Mittelalter besiedelt und diente dem Brauchtum der Sommersonnenwende.[2] Im Jahre 1156 wurde erstmals ein nach Lobeda benanntes Ministerialgeschlecht in einer Urkunde der Burggrafen von Kirchberg erwähnt. 1166 wurde eine nach Lobeda benannte Burg, die Lobdeburg erwähnt.[3] Hierbei handelte es sich entweder um die nicht mehr vorhandene Burg in der Nähe des Marktes oder um die als Ruine auf dem Berg über der Stadt bekannte Lobdeburg. Der vor allem im Volksmund als „untere Lobedeburg“ bezeichnete Komplex vor der Stadtmauer wird allerdings irrtümlich so benannt.[4] Vielmehr ist dies ein ehemaliger Lehnhof derer von Thüna. Neben Roda und Jena legten die Herren von Lobdeburg im Bereich der Siedlung Lobeda eine planmäßige Stadt an, der sie 1284 das Stadtrecht verliehen. Allerdings scheinen sie nicht die einzigen Besitzer in der Flur Lobeda gewesen zu sein. Wahrscheinlich geschah die Stadtgründung, um ihre Herrschaft neben Jena mit einer weiteren Stadt aufzuwerten, zumal sie in Jena schon in einem bestimmten Grade an Einfluss verloren hatten. Im 14. Jahrhundert wurde Lobeda in den wettinischen Amtsbezirk Burgau eingegliedert. Für die Jahre 1421 bis 1425 ist das älteste Einwohnerverzeichnis überliefert.[5]

Die in der Literatur fast ausnahmslos dargestellte Funktion Lobedas als Urpfarrei ist wohl auf die Größe des Pfarrbezirks im Jahre 1228 zurückzuführen. Ein weiterer Aspekt scheint die Einrichtung eines Dekanats Lobeda innerhalb des Archidiakonats der Dompropstei Naumburg, das neben den beiden anderen Dekanaten Schkölen und Teuchern bis zur Reformation bestand. Dies lässt auf eine Existenz Lobedas zur Zeit der Gründung des Archidiakonats Dompropstei Naumburg im 12. Jahrhundert schließen. Die pfarrrechtliche Betreuung erfolgte durch einen Pfarrer und durch einen Diakon. Für die Kapelle in der Lobdeburg war ein Kaplan zuständig.[6]

Lobeda vermochte es aber nicht, aus dem Schatten der Stadt Jena hervorzutreten. 1946 kam es dann zur Eingemeindung zu Jena. Auf dem Gebiet der Gemarkung Lobeda befindet sich neben der Altstadt noch die verschwundene Siedlung Seltzdorf. Erst mit der Umgemeindung der Fluren von Drackendorf und Zöllnitz, die zur Bebauung Neu-Lobedas durchgeführt wurden, kam auch die Wüstung Hirschdorf zur Flur Lobeda.

Die erste Straßenbahnlinie von Jena nach Lobeda (über Winzerla/Burgau) existierte seit 1935. Der Abschnitt Winzerla–Lobeda wurde am 16. Juni 1967 stillgelegt. Die Endhaltestelle befand sich bis 1949 ungefähr auf Höhe des Gasthauses Goldener Löwe, danach ca. 100 Meter östlich der heutigen Straßenbahnbrücke über die Saale.

Religion[Bearbeiten]

Im Zentrum von Lobeda-Altstadt, der ehemaligen Stadt, befindet sich eine evangelische Kirche „St. Peter“ und das katholische Gemeindehaus „Franziskushaus“, welches an die katholische Gemeinde St. Johannes Baptist angegliedert ist. Bis zur Reformation war Lobeda Sitz eines Dekanates, welches das komplette Gebiet östlich von Jena bis in die Gegend von Eisenberg umfasste. Hervorgegangen ist dieses Dekanat aus einer Urpfarrei. Nach 1525 wurde die evangelische Pfarrei Lobeda mit den Filialen Drackendorf/Ilmnitz, Zöllnitz, Rutha und Wöllnitz gebildet. Erst Ende des 16. Jahrhunderts wurden Zöllnitz und Drackendorf eigenständige Pfarreien. Mit der Zusammenlegung der Thüringer Landeskirche und der Kirchenprovinz Sachsen zur Evangelische Kirche in Mitteldeutschland bilden sie nun alle zusammen das Kirchspiel Lobeda.[7]

Verkehr[Bearbeiten]

Lobeda-Altstadt ist mit der Straßenbahn (Linien 4, 5 und 34) sowie verschiedenen (Überland-) Buslinien rund um die Uhr erreichbar, wobei die Taktfrequenz pro Richtung zwischen etwa 3 und 30 Minuten (2-Uhr-Stunde) liegen kann.

Lobeda-Altstadt liegt an der Stadtrodaer Straße, die die Anschlussstelle Jena-Lobeda an der A4 und das Stadtzentrum von Jena verbindet. Der Stadtteil ist über die Ausfahrt Burgau und durch Lobeda-Ost erreichbar.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Werner Marckwardt: Lobeda. Einst ein Städtlein im Weimarischen; Streifzüge durch die Geschichte einer ehemaligen Thüringischen Kleinstadt, Jena 2012.
  • Claus-Jürgen Nötzold u.a.: Festschrift zum Stadtjubiläum. 725 Jahre Stadt Lobeda (1284–2009); Der Ort und seine Bürger im Wandel der Zeiten, Jena 2009.
  • Michael Köhler:Heidnische Heiligtümer Vorchristliche Kultstätten und Kultverdachtsplätze in Thüringen. Jenzig-Verlag 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 187.
  • Christian Fritzsche: Inferiorum Castrum Lobdeburg und das heutige Schloss in Lobeda. In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt. Halle, Saale : Landesgruppe, ISSN 0944-4157, ZDB-ID 913217x Band 15 (2006), S. 222-229.
  • Kurt Zahn: Die Pfarrer der Superintendentur Jena. Von den Anfängen bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts (= Schriftenreihe der AMF, Band 68), Kleve 2006.
  • Andrei Zahn: Die Einwohner der Ämter Burgau, Camburg und Dornburg. Ein Beteregister aus der Zeit um 1421–1425 (= Schriftenreihe der AMF, Band 55), Mannheim 1998.
  • Herbert Koch: Geschichte der Stadt Lobeda. (2 Bände) Jena, 1939 und 1941.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Stadtbezirksstatistik Jena
  2. Michael Köhler:Heidnische Heiligtümer Vorchristliche Kultstätten und Kulverdachtsplätze in Thüringen. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 187
  3. Herbert Koch: Geschichte der Stadt Lobeda. Jena, 1939.
  4. Christian Fritzsche: Inferiorum Castrum Lobdeburg und das heutige Schloss in Lobeda. In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt. Halle, Saale : Landesgruppe, ISSN 0944-4157, ZDB-ID 913217x Bd. 15.2006, S. 222-229
  5. Andrei Zahn: Die Einwohner der Ämter Burgau, Camburg und Dornburg : ein Beteregister aus der Zeit um 1421–1425. Schriftenreihe der AMF ; 55; Mannheim, 1998.
  6. Kurt Zahn: Die Pfarrer der Superintendentur Jena : von den Anfängen bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts. Schriftenreihe der AMF ; 68; Kleve, 2006.
  7. Webseite des Kirchspiels Lobeda