Charlotte Amalie von Hessen-Kassel

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Charlotte Amalie von Hessen-Kassel
Porträt Charlotte Amalies, ca. 1675

Charlotte Amalie von Hessen-Kassel (* 27. April 1650 in Kassel; † 27. März 1714 in Kopenhagen) war eine Prinzessin von Hessen-Kassel und durch Heirat Königin von Dänemark.

Leben[Bearbeiten]

Charlotte Amalie war die älteste Tochter des Landgrafen Wilhelm VI. von Hessen-Kassel (1629–1663) aus dessen Ehe mit Hedwig Sophie (1623–1683), Tochter des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg. Die Prinzessin wurde streng reformistisch erzogen.

Sie heiratete am 25. Juni 1667 in Nykøbing den dänischen Kronprinzen und späteren König Christian V. von Dänemark und Norwegen. Im Ehevertrag wurde festgelegt, dass sie ihren reformierten Glauben behalten durfte. Damit ist sie die einzige dänische Königin, die nicht zum lutherischen Glauben übertrat. Anfangs wurde sie allerdings an der Ausübung ihres Glaubens behindert. Anlässlich der Krönung Christians V. 1670 wurde gefordert, dass die Königin vor ihrer Salbung konvertiere. Charlotte Amalie schaltete erfolgreich ihre Mutter und ihren Onkel Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg ein, um zu vermitteln.

Wesentlichen Einfluss hatte die Königin bei der Aufnahme von vertriebenen Hugenotten aus Frankreich in Dänemark.[1] Der König erließ 1685 umfangreiche Privilegien für die Glaubensflüchtlinge. Im Jahr 1689 wurde die mit großem Anteil von Charlotte Amalie errichtete erste Reformierte Kirche in Kopenhagen geweiht. Die Königin ist Stifterin aller reformierten Gemeinden in Dänemark und ist verantwortlich für die freie Religionsausübung aller Reformierten in den dänischen Staaten, die sie zudem mit reichen Kirchenstiftungen bedachte.[2]

Ihre Beliebtheit in Dänemark steigerte sich erheblich, als sie an der Organisation zur Verteidigung Kopenhagens teilnahm, als Karl XII. von Schweden um 1700 Seeland überfiel. Ihre Ländereien in Dänemark verwaltete sie sorgfältig.

Die Stadt Charlotte Amalie im damaligen Dänisch-Westindien und das Schloss Charlottenborg in Kopenhagen sind nach ihr benannt. Letzteres ließ sie umbauen, bezog es 1699 und lebte dort bis zu ihrem Tode. Seit 1754 beherbergt das Gebäude die Dänische Akademie der Künste. Bestattet ist Charlotte Amalie im Dom zu Roskilde.

Nachkommen[Bearbeiten]

Aus ihrer Ehe hatte Charlotte Amalie folgende Kinder:

∞ 1. 1695 Herzogin Luise zu Mecklenburg (1667–1721)
∞ 2. 1721 Gräfin Anna Sophie von Reventlow (1693–1743)
  • Christian (1672–1673)
  • Christian (1675–1695)
  • Sophie Hedwig (1677–1735)[3]
  • Christiane Charlotte (1679–1689)
  • Karl (1680–1729)[3]
  • Wilhelm (1687–1705)

Literatur[Bearbeiten]

  • Louis Bobé: Charlotte Amalie, Königin zu Dänemark, Prinzessin zu Hessen-Cassel und die Anfänge der deutsch und französisch reformierten Kirche zu Kopenhagen. Munksgaard, Kopenhagen 1940.
  • Pauline Puppel: Die Regentin. Vormundschaftliche Herrschaft in Hessen 1500–1700 (= Geschichte und Geschlechter. Band 43). Campus, Bonn 2004, ISBN 3-593-37480-3, S. 247–248 (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charlotte Amalie von Hessen-Kassel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Barbara Dölemeyer: Ökonomie und Toleranz – Wirtschaftliche Ziele, Mittel und Ergebnisse der Hugenottenaufnahme in europäischen Ländern. In: Jean-François Kervégan, Heinz Mohnhaupt (Hrsg.): Wirtschaft und Wirtschaftstheorien in Rechtsgeschichte und Philosophie (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte. Band 176). Klostermann, 2004, ISBN 3465033620, S. 75 (online).
  2. Friedrich Münter: Magazin für Kirchengeschichte und Kirchenrecht des Nordens. Band 2, Teil 10. Hammerich, Altona 1794, S. 4 (online).
  3. a b Prins Carl og prinsesse Sophie Hedevig (dän.), abgerufen 22. Mai 2013
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Sophie Amalie von Braunschweig-Calenberg Königin von Dänemark und Norwegen
1670–1699
Louise zu Mecklenburg