Chenla

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Chenla um 600 A.D.

Chenla (chinesisch 真腊Pinyin Zhēnlà) war ein frühes Königreich in Südostasien, das überwiegend im Gebiet des heutigen Kambodscha lag und dem Khmer-Reich von Angkor vorausging.

Geschichte[Bearbeiten]

Früheste Erwähnungen Chenlas finden sich in chinesischen Chroniken. Heutige Forschungen weisen jedoch darauf hin, dass es sich bei Chenla nicht um einen unter einer einzigen Krone vereinigten Staat handelte, sondern um mehrere Fürstentümer mit jeweils unterschiedlicher Machtfülle und territorialer Ausdehnung, deren Herrschertitel nicht vererblich waren.[1] Die Chenla-Staaten entstanden ab dem 6. Jahrhundert, teils in Verbindung mit oder durch Abspaltung vom Reich Funan. Die bedeutenderen Fürstentümer lagen nördlich und südlich des Dongrek-Gebirges. So, wie es mehrere Fürstentümer gab, so gab es auch mehrere politische Zentren.[2] Eines davon war Isanapura (Sambor Prei Kuk), Machtzentrum des Königs Isanavaram, heute in der kambodschanischen Provinz Kampong Thom gelegen.[3]

Neben den chinesischen Chroniken geben auch aus der Chenla-Zeit überlieferte Inschriften über die damalige Gesellschaft Auskunft. Diese Inschriften bestehen in der Regel aus einem Teil in Sanskrit, in dem der Herrscher oder hohe Beamte lobgepriesen werden, und einem Teil in Khmer, welcher den eigentlichen Inhalt der Inschrift schildert. Sie handeln meist von Stiftungen oder Schenkungen und belegen, dass der Herrschertitel in Chenla nicht nur politische, sondern auch religiöse Macht verlieh. Die Gesellschaft kannte mehrere Schichten, vor allem das Personal der Tempel, Handwerker und Feldarbeiter; letztere stellten die niederste Stufe des gemeinen Volkes und hatten einen Status ähnlich von Sklaven. Chenla hatte keine Geldwirtschaft, kannte keine Steuererhebungen und keinen persönlichen Landbesitz. Die wirtschaftlichen Zentren waren die Tempel. Auch wurde, im Gegensatz zu Funan, kein Fernhandel getrieben. Die Wirtschaft basierte fast zur Gänze auf der Landwirtschaft, vor allem dem Nassreisanbau, und auf der Mobilisierung der Arbeitskraft.[4]

Die Einwohner von Chenla verehrten indische Gottheiten, darunter Götter des Shivaismus, Vishnuismus und Buddhismus sowie Khmer-Gottheiten. Indische Gottheiten wurden teils von indischen Brahmanen, teils von den Cham übernommen. Andererseits wurde nicht das gesamte religiöse Leben indisiert; Khmer-Bräuche, welche teils den hinduistischen Normen widersprachen, wurden häufig weitergeführt.[5][6]

Funan ging im 6. Jahrhundert in Chenla auf. Die genauen Ursachen, deren Kausalität und die Umstände dieses Ereignisses sind nicht genau geklärt. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts teilte sich Chenla in die nördlichen und die südlichen Staaten auf, die in chinesischen Chroniken als „Chenla des Landes“ (陆真腊) und „Chenla der See“ (水真腊) überliefert wurden. Austausch mit China hatte nur Chenla des Landes,[2] das auch als Wendan bezeichnet wird. Das Zentrum des nördlichen Teils wird im Nordosten des heutigen Thailand[7] oder im südlichen Laos vermutet (möglicherweise in der Provinz Champasak), während die Küstenregion und das Gebiet des Mekong-Delta den südlichen Teil bildeten.

Verschiedene kleinere Staaten lösten sich im Jahre 715 von den beiden Reichen ab und schwächten diese dadurch. Die Gebiete des früheren Chenla gerieten in der Folge teils unter den Einfluss des Seereiches der mahayana-buddhistischen Sailendra-Dynastie, dessen Zentrum die Insel Java bildete.[5] 790 kehrte der aus Chenla stammende Jayavarman II. aus Java, wo er – ob als Geisel oder zur Ausbildung ist nicht geklärt – gelebt hatte, auf das Festland zurück, vereinigte die Teilstaaten in mehreren Kriegszügen und wurde 802 zum ersten Herrscher des Reiches von Angkor.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl-Heinz Golzio: Geschichte Kambodschas. Das Land der Khmer von Angkor bis zur Gegenwart. Beck, München 2003, ISBN 978-3-406-49435-2
  • Charles Higham: Encyclopedia of Ancient Asian Civilizations. Facts on File, New York 2004, S. 74–77, ISBN 0-8160-4640-9
  • Emanuel Sarkisyanz: Die Kulturen Kontinental-Südostasiens: Kambodscha, Birma, Thailand, Laos, Vietnam, Malaya. Handbuch der Kulturgeschichte, Abt. 2. Akadademische Verlags-Gesellschaft Athenaion, Wiesbaden 1979

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Golzio, S.33, S.38
  2. a b Golzio, S.44
  3. about.com:archaeology: Sambor Prei Kuk (Cambodia), K. Kris Hirst
  4. Golzio, S.39f
  5. a b Sarkisyanz, S.16
  6. Golzio, S.46f
  7. Hiram Woodward: Dvāravatī, Si Thep and Wendan. In: Bulletin of the Indo-Pacific Prehistory Association, Band 30, 2010, S. 87–97.