Chicano

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Dieser Artikel beschreibt die ethnische Gruppe; für den Film des Titels siehe Chicano (Film).
Todos somos ilegales - We are all Illegals („Wir sind alle Illegale“), Protest gegen die Politik der Einwanderungsbehörde (INS) in Kalifornien

Chicano ist eine Bezeichnung für in den Vereinigten Staaten lebende Mexikaner und ihre Nachfahren (mexikanische Amerikaner). Sie gehören damit zur Gruppe der Hispanics bzw. der Latinos.

Die Bezeichnung Chicano, ursprünglich diskriminierend verwendet, ist verhältnismäßig neu und wird mittlerweile von mexikanischen Immigranten zur Kennzeichnung ihrer speziellen Lebenssituation benutzt. Wahrscheinlich liegt der Ursprung des Wortes in der Zeit um 1930 und den folgenden 1940er Jahren, als infolge einer Vereinbarung der Regierungen beider Länder arme mexikanische Landarbeiter mit Hilfe des bracero-Programms als billige Arbeitskräfte in den Vereinigten Staaten zur Feldarbeit eingesetzt wurden.

Der Gebrauch des Wortes lässt sich wohl zuerst auf den Feldern in Kalifornien nachweisen. Die Verballhornung der Eigenbezeichnung der Arbeiter als „Mexicanos“ ist im Zusammenhang mit regionalen Eigenheiten der Aussprache der Einwanderer zu sehen: Das „x“ wird als Zischlaut, angesiedelt zwischen „sch“ und „ch“ ausgesprochen, klingt also in etwa wie „Me-chi-ka-noss“. Als Schimpfwort in englischer Adaption zu „Chicanos“ verkürzt, wird es von mexikanischen Aktivisten in der Bürgerrechtsbewegung in den 1960er und 1970er Jahren aufgegriffen, um selbstbewusst eine eigenständige mexikanisch-amerikanische kulturelle Identität herauszustellen.

Die Prägung des Begriffs durch oppositionelle politische Aktivitäten führt zu einer negativen Konnotation bei denen, die um eine möglichst reibungslose Anpassung an den American Way of Life bemüht sind.

Chicano-Literatur[Bearbeiten]

Luis Urrea 2009

Als Chicano-Literatur (im engl. Chicano literature) wird die Gesamtheit erzählerischer oder lyrischer Werke verstanden, die durch Autoren entstehen, die sich als Angehörige der Chicano-Gemeinschaft sehen. Zu den wesentlichen Autoren zählen Rudolfo Anaya, Américo Paredes, Rodolfo Gonzales, Rafael C. Castillo, Julian S. Garcia, Gary Soto, Oscar Zeta Acosta, Luis Valdez, John Rechy, Luis Omar Salinas, Tino Villanueva, Denise Chavez, Daniel Olivas, Benjamin Alire Saenz, Tomás Rivera, Luis Alberto Urrea, Lorna Dee Cervantes, Sergio Troncoso, Rigoberto González, Rolando Hinojosa und Alicia Gaspar de Alba.

Chicana-LIteratur ist ein Bestandteil der Chicano-Literatur, die insbesondere die Erfahrungen weiblicher Mitglieder der Chicano-Gemeinschaften herausstellen. María Ruiz de Burton war 1872 die erste mexikanisch-amerikanische Autorin, die auf Englisch veröffentlichte. Die Literaturkritikerin Claudia Sadowski-Smith hat die Autorin Sandra Cisneros als die vermutlich bekannteste Chicana-Schriftstellerin bezeichnet[1] und ihr als erste mexikanisch-amerikanische Autorin, die von einem der großen US-amerikanischen Verlagshäuser publiziert wurde, eine Rolle als Pionierin zugebilligt. Cisneros erster Roman Das Haus in der Mango Straße erschien 1989 zunächst in dem kleinen Verlag Arte Público Press In 1989, der sich mit seinem Verlagsprogramm auf ein Lesepublikum mit lateinamerikanischen Wurzeln ausrichtete. Die zweite Auflage dagegen erschien 1991 bei Vintage Books, einem Verlag innerhalb der Random House-Gruppe. 1991 wurde Woman Hollering Creek von Random House direkt veröffentlicht. Wie Cisneros' Biografin Ganz anmerkt, waren es bis zu diesem Zeitpunkt einzig männliche Chicano-Autoren, die erfolgreich zu einem der großen Verlage gewechselt waren.[2] Die Tatsache, dass Cisneros erster Roman so viel Aufmerksamkeit erregte, dass sich ein Verlage wie Vintage Books ihm annahm, verdeutlicht die zunehmende Bedeutung der Chicano-Literatur innerhalb der amerikanischen Literaturszene.

In einem Interview im National Public Radio sagte Cisneros am 19. September 1991.

„Ich glaube, ich kann nicht glücklich sein, wenn ich die einzige bin, die von Random House veröffentlicht wird, wenn es gleichzeitig so viele großartige Schriftsteller - sowohl Latinos als auch Latinas oder Chicanos und Chicanas - gibt, die in den US nicht von große Verlagshäusern publiziert werden oder diesen noch nicht einmal bekannt sind. Wenn mein Erfolg bedeuten würde, dass die Verlage noch mal einen zweiten Blick auf diese Schriftsteller werden -- und diese dann auch in größerer Zahl verlegen, dann werden wir endlich in diesem Land ankommen.“[3]

Chicano Cinema[Bearbeiten]

Unter Chicano Cinema (dt. Chicano-Kino) versteht man die Gesamtheit der kinematographischen Produktion durch einen Regisseur, der sich als Angehöriger der Chicano-Gemeinschaft sieht. Die dabei entstandenen Filme zeichnen den ideengeschichtlichen Verlauf der Chicano-Bewegung, gespiegelt im Medium Film, nach. Dieser kann als ein Kontinuum verstanden werden, das sich von einem Pol der Widerstands- und Isolationsbestrebung hin zu verstärkter Assimilation und Annäherung an die anglo-amerikanische Kultur bewegt. Die letzte Phase wird dabei zunehmend begleitet von Kritik von Seiten der Befürworter kultureller Eigenständigkeit. Der beschrieben Wandel kann sowohl anhand der thematischen, als auch der filmästhetischen Entwicklung des Chicano Cinema über die Jahre beobachtet werden, in Form einer Verschiebung hin zur bewährten Strategien, bzw. Optiken des Hollywoodkinos.

Beispiele für diese Entwicklung

  • Politischer Widerstand und Suche nach eigener Ästhetik:

I am Joaquín. Dir. Luis Valdez. Script Rodolfo Gonzalez. 1969.

  • Anschluss an die Hollywood-Formel:

La Bamba. Dir. Luis Valdez. Perfs. Lou Diamond Phillips, Esai Morales. Columbia Pictures, 1983.

Chicano Rock[Bearbeiten]

Chicano Rock ist eine stilistisch offene Form der Rockmusik, die seit Mitte der 1950er Jahre von der mexikanisch-stämmigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika gespielt wird. Die ethnische Herkunft der Musiker ist das verbindende Hauptmerkmal der zum Chicano Rock gezählten Interpreten. Der regionale Schwerpunkt der Szene ist der Großraum Los Angeles mit einer Konzentration in der East Side der Stadt. Zeitlich hat der Chicano Rock mehrere Höhepunkte, die sich stilistisch von den benachbarten Musikströmungen der jeweiligen Dekade beeinflusst zeigen. Prominente Vertreter des Chicano Rocks sind Richie Valens, Linda Ronstadt, Carlos Santana und Los Lobos.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gloria Anzaldúa (1987): Borderlands: The New Mestiza = La Frontera, San Francisco: Spinsters / Aunt Lute, ISBN 978-0-933216-25-9.
  • Noriega, Chon A., Shot in America : Television, the State, and the rise of Chicano Cinema, University of Minnesota Press, Minneapolis and London 2002.
  • Ders. (ed.), Chicanos and Film: Essays on Chicano Representation and Resistance, Garland Publishing Inc., New York & London 1992.
  • Jacqueline Doyle (1994): More Room of Her Own: Sandra Cisneros's The House on Mango Street, MELUS (The Society for the Study of the Multi-Ethnic Literature of the United States (MELUS)) 19 (4): 5–35, DOI:10.2307/468200.
  • Francisco A. Rosales, Arturo Rosales (Hg.): Chicano!: The History of the Mexican American Civil Rights Movement; Arte Publico Press, März 1996
  • Francisco A. Rosales, F. Arturo Rosales: Testimonio: A Documentary History of the Mexican-American Struggle for Civil Rights. Hispanic Civil Rights; Arte Publico Press, 2000
  • Robin Ganz (1994): Sandra Cisneros: Border Crossings and Beyond, MELUS (The Society for the Study of the Multi-Ethnic Literature of the United States (MELUS)) 19 (1): 19–29, DOI:10.2307/467785.
  • Alma Garcia, Mario Garcia: Chicana Feminist Thought: The Basic Historical Writings; Routledge, 1997
  • Carla Trujillo (Hg.): Living Chicana theory; Berkeley, Calif.: Third Woman Press, 1998
  • Chon A. Noriega: Shot in America: Television, the State, and the Rise of Chicano Cinema; University of Minnesota Press, 2000
  • Claudia Sadowski-Smith (2008): Border Fictions: Globalization, Empire, and Writing at the Boundaries of the United States. Charlottesville, University of Virginia Press 2008, ISBN 978-0-8139-2689-6.
  • Aztlán: A Journal of Chicano Studies Online-Ressource
  •  David Reyes, Tom Waldman: Land of a Thousand Dances. Chicano Rock ’n’ Roll from Southern California. 1. Auflage. University of New Mexico Press, Albuquerque 1998, ISBN 0-8263-1883-5.
  •  Steven Loza: Barrio Rhythm. Mexican American Music in Los Angeles. University of Illinois Press, Urbana, Chicago 1993, ISBN 0-252-06288-4.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Sadowski-Smith 2008, S. 33
  2. Ganz 1994, S. 27
  3. Interview mit Tom Vitale im National Public Radio, zitiert in Ganz 1994, S. 27