Hindukusch

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Hindukusch
Hindukusch

Hindukusch

Höchster Gipfel Tirich Mir (7708 m)
Lage Afghanistan, Pakistan
Hindukusch (Afghanistan)
Hindukusch
Koordinaten 36° N, 72° O36.25571.8397222222227708Koordinaten: 36° N, 72° O
Typ Faltengebirge

Der Hindukusch (persisch ‏هندوکش‎) ist ein Gebirge in Zentralasien. Es liegt größtenteils in Afghanistan, der östliche Teil mit den höchsten Gipfeln liegt in Pakistan. Im äußersten Osten verläuft er entlang der pakistanisch-chinesischen Grenze. Den höchsten Berg stellt mit 7708 m Höhe der Tirich Mir dar.

Geografie[Bearbeiten]

Physische Karte

Die Ausdehnung des Hindukusch beträgt in Ost-West-Richtung rund 800 km, in der Breite variiert sie zwischen 50 und 350 km.[1] Im Nordosten ist er durch den Amu-Darja (bzw. dessen Quellfluss Pjandsch und dessen Quellfluss Wachandarja) sowie im äußersten Osten durch das Tal des Taxkorgan He begrenzt, jenseits dessen sich der Pamir anschließt. Die Grenze zum Karakorum verläuft vom Kunjirap-Pass über das Chapursan-Tal bis zum Chillinji-Pass. Westlich davon grenzt den Hindukusch der Fluss Chitral und dessen Quellflüsse sowie der Karambar-Pass vom Hinduraj ab, der seinerseits bis zum Indus und an den Fluss Gilgit reicht.

Der größte, in Afghanistan gelegene Teil des Hindukusch besteht aus trockenen, ca. 4000 bis 5000 m hohen Bergen. Die Hauptkette des Hindukusch in der Grenzregion zu Pakistan dagegen ist ein mit dem Himalaya vergleichbares Hochgebirge mit bis zu 20 km langen Gletschern.

Berge[Bearbeiten]

Die höchsten Berge sind bis zu 7700 m hoch.[2] Eine Auswahl an Bergen sind:

Name Höhe
in [m]
Koord. Land
Tirich Mir 7708 (36.25571.8397222222227708) PK
Noshak 7492 (36.43240171.8292147492) AF, PK
Istor-o-Nal 7403 (36.37589371.8982937403) PK
Saraghrar I 7338 (36.547572.1166677338) PK
Udren Zom 7140 (36.51722271.9208337140) PK
Shah Dhar 7038 (36.67166772.2316677038) PK
Lunkho e Dosare 6901 (36.775772.39496901) AF, PK
Kuh-e Bandaka 6843 (36.17916770.9833336843) AF
Koh-e Keshnikhan 6743 (36.57721471.899636743) AF
Kuh-e Mondi 6234 (35.7970.926234) AF
Mīr Samīr 6059 (35.5970.166059) AF

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten des Abschnitts Berge: OSM, Google oder Bing

Pässe des Hindukusch[Bearbeiten]

Die Hindukusch-Pässe (persisch ‏کوتل‎ (Kotal) bzw. persisch ‏کتل کوه‎ (Kotal e) = Kuh) heißen:

Name pers. Name
(Kotal e …)
Höhe
in [m]
Koord. Land
Bazak 5000
Naksan 5050
Kan Chin 4900
Marastrak 5760
Salangpass Salang 3878 (35.31372169.0372593878) AF
Aqrabat-Pass Aq Rabat 3600 (34.96667.6663600) AF
Kushan-Pass Kushan 4300 (35.30222222222269.0483333333334300) AF
Tschar Dar 4236
Khawak-Pass Khawak 3848 (35.66469.7873848) AF
Pilo 3600
Dandan Shekan 2700
Dalan Sank Shatal 3560
Shibar-Pass Shibar 3000 (34.90111168.2519443000) AF
Broghol-Pass Broghol 3798 (36.88336944444473.3510833333333798) AF, PK
Dorah-Pass Dorah 4300 (36.11520571.2306314300) AF, PK
Irshad-Pass Irshad 4977 (36.87888974.1408334977) AF, PK
Unai-Pass Unai 3300 (34.452568.3773300) AF
Wakhjir-Pass Wakhjir 4923 (37.094722274.48416674923) AF, CN

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten des Abschnitts Pässe des Hindukusch: OSM, Google oder Bing

Liste der einzelnen Bergkämme bzw. Berge des Hindukusch[Bearbeiten]

Folgende Berge sind entschieden niedriger als manche Pässe des Hindukusch, haben aber eine Bedeutung für die Menschen des Landes mit hinduistischen Glaubensrichtungen.

Heute sind die südöstlichen Ausläufer des Hindukusch (wie etwa die Spinghar-Kette oder das Suleiman-Gebirge) Hauptrückzugsgebiet der Taliban-Milizen. Im Hinblick darauf äußerte der damalige Bundesminister für Verteidigung Peter Struck am 4. Dezember 2002: „Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt.“

Geologie[Bearbeiten]

Der Hindukusch gehört zu den Faltengebirgen, die mit dem Eindringen der Indischen Platte in das zentralasiatische Festland aufgeworfen werden, und ist geologisch noch relativ jung. Sein Wachstum hält an.

Höhenstufen[Bearbeiten]

Die Ökologischen Höhenstufen des Hindukusch stellen sich schematisch folgendermaßen dar:[3]

Schematisierte Übersicht über die Höhenstufenabfolge auf der trockenen nordwestlichen Abdachung des Hindukusch (z. B. Ghorbandtal, Panjshir-Tal) und der feuchten südöstlichen, monsunbeeinflussten Seite (z. B. Nuristan, Laghman)
Stufe Westlicher Hindukusch Südöstlicher Hindukusch
Schneegrenze 4800–5200 5200–5400
Subnivalstufe 4200–4800 offene Schuttfluren 4300–5200 Schuttfluren
Alpine Stufe 3600–4200 Schuttfluren (Leucopoa) 3500–4300 Alpine Rasen, Matten und Schuttfluren, Quellfluren
Subalpinstufe 2800–3600 Dornpolster, Gebirgshalbwüste 3000–3500 Krummholz-/Dornpolster-Mosaik; Hochstauden, Quellfluren
Waldgrenze nicht erkennbar 3000–3150 Nadelhölzer, Juniperus, Betula
Nadelwaldstufen 2000–2800 kaum vorhanden (meist Gebirgshalbwüste, selten offene Juniperusfluren) 2200–3000 Abies, Picea, Cedrus, Pinus (in einzelnen Talschaften sehr unterschiedlich)
Laubwaldstufen 1400–2000 kaum vorhanden, Pistacia vera im Norden, andere Pistacia-Arten und Amygdalus in Zentral- und Südwestafghanistan (offene Baumfluren) 1000–2300 Quercus balout-Hartlaubwälder (z. T. noch andere immergrüne Quercus-Arten bis 2800 m)
Talbereiche < 1400 Halbwüste, Wüste, Flussoasen (im Norden: z. T. Steppen) 700–1100 subtropischer Trockenbusch mit Vorland~ Dorngehölzen (Reptonia, Stocksia)
< 700 subtropischer Trockenbusch und Halbwüsten (Aerva, Rhazia, Flussoasen)

Name[Bearbeiten]

Betreffend die Herkunft des Namens Hindukusch gibt es verschiedene Vermutungen.[4][5][6][7][8][9]

  • In Sanskrit bzw. Hindi bedeutet हिन्दू ठोस ("Hindu Kus") Solide Masse oder Massiv von Hindu
  • Kuʃ bedeutet in den turanischen Ländern bei Turkvölkern Adler, Vogel. Buzkuş ist ein Name eines Ortes in der heutigen Türkei. Außerdem befindet sich in der iranischen Provinz Täbris Kuh e Buzkush.
  • Sanskrit/Hindi कुश घास Kush bedeutet auch Gras, Kush (Hanfsorte).
  • Das persische Wort bzw. Affix Ksh (persisch ‏کش‎) hat nach Dehkhodas Lexikon folgende Ausdrucksweisen und damit verbundene Bedeutungen. Das Arabische und die iranischen Sprachen (Persisch (Dari), Paschtu, Kurdisch, Belutschisch) schreiben normalerweise keine Vokale und im Unterschied zum Arabischen auch keine diakritischen Zeichen. Kush (persisch ‏کش‎), mittelpersisches, veraltet, bedeutete glücklich, im Bereich der Verhaltensweise höflich, liebenswürdig, im Bereich der Sprache, interessanter Gesellschafter, aber auch attraktiv, Interesse weckend und aufmerksam, aber auch grün. Nach dem Untergang der Sassaniden wird stattdessen das neupersische Wort Khush oder Kosh ( persisch ‏کش‎; fröhlich, glücklich) z. B. khushgoftar, khushkerdar und khushpentar, khushkholg, aber auch persisch ‏خوش دل‎ (der mit einem guten Herz), Del ruba, herzberaubend (auch Musikinstrument Delruba, persisch ‏خوشحال‎) (der Fröhliche) z. B. Khschhal benutzt.[10][11]
* Kosh kʰoʃ (persisch ‏کش‎) ist Imperativ von koshtan [kʰoʃˈt̪ʰæn] (persisch ‏کشتن‎), bedeutet töte, aber auch vertreibe.
* Kush (persisch ‏کوش‎) ist Imperativ von kushidan (persisch ‏کوشيدن‎)streben nach strebe nach
* Kash (persisch ‏کش‎) ist Imperativ von Kaschiden (persisch ‏کشيدن‎), ziehe, aber auch Zug (Geschwindigkeit, Sympathie, Anziehungskraft)
  • Nach einer Theorie von James Rennell ist der Name eine Verballhornung von (Caucasus) Indicus. Berg (Kuh) hieß in der altiranischen Sprache Kaufa und im Mittelpersischen Kof. In Pashtu heißt Berg Ghar (paschtunisch ‏غر‎). Ghar (persisch ‏غار‎ oder Magare (persisch ‏مغاره‎) bedeutet im Persischen Berghöhle, im Mittelpersischen mit [G] [Gur] oder Gor persisch ‏گور‎). Gur bedeutet u. a. Grab, ist aber auch der Beiname von Shahpur (Bahram V. persisch ‏بهرام گور‎).
  • Der Buchstabe [Q] wird in manchen Gebieten des iranischen Hochlands als [Gh] ausgesprochen. Eine Ähnlichkeit mit persisch ‏ قفقاز‎ bzw. arabischقفقاز‎ Kafghaz (Qauqas) Caucasus ist durchaus vorhanden.
  • Die Dari-Dichter, Dichter der neupersischen Literatur, schrieben auch „Hindukoh“ (Berg von Hindu) oder Selsala ha e Hindukoh. (Gebirgskette Hindu-Berg). Beispielsweise pries Abū l-Qāsem-e Ferdousī in seinem in Ghazna verfassten Meisterwerk Schāhnāme vor über 1000 Jahren mehrmals Koh e Hind oder Kuh i Hend persisch ‏کوه هند‎ bzw. Hinduwan (Hindus; persisch ‏هندوان‎), u. a. in der Saga XII Minotschihr Manutscher persisch ‏منوچهر‎ in gebundener Sprache (Versform).[12]
Original[13] siehe auch die Übersetzung von Friedrich Rückert Zal schreibt an Sam[14]

پدر بود در ناز و خز و پرند
مرا برده سیمرغ بر کوه هند

[…]
Der Vater war behaglich gebettet in Samt und Seide,
Währenddessen trug mich Simurgh1auf den Berg von Hind2
Umschrift
Padar buwad3 dar naz o 4 khaz o parand
Ma ra burdeh Simurgh ba Kuh e Hind
[15]

Ferdousi schreibt in der Saga XII, Abschnitt vier Zal kommt zu Mihrab von Kabul über Gau von Hindus:

Original[16] die Übersetzung von Friedrich Rückert in Saga VII, 4 Minotschihr[17]

سوی کشور هندوان کرد رای
سوی کابل و دنبر و مرغ و مای

[...]
Er wandte sich gegen den indischen Gau1
Gen Kabul, Denioer und Murgau2
Umschrift
Soi e Keshwar e Hinduan kard rahi
Soi e Kabul o Danber o Murg o ma-i

[18].

  • Al Biruni, der große Wissenschaftler der Ghaznawiden, schreibt in seinem Buch arabischتحقيق ماللهندTahqig Mal ul Hind, Indienforschung) von persisch ‏هندوكانHindokohan und meint damit den Hindukusch. Kohan ist der Plural von Berg (persisch ‏کوه‎ bzw.(persisch ‏کو‎ Koh, Kuh, Ko, Ku und bedeutet auch Höcker).[19]
  • Die indischen Berge Pāriyātra Parvata. (पारियात्र पर्वत) Parvati weisen auf eine hinduistische Göttin, einen heiligen Berg ("Tochter des Berges") hin. Damit sind die 8000er des Himalaya gemeint und nicht die 7000er des Hindukusch. Die Pariyatra-Gebirge sind sogenannte Vorberge (persisch Kuhpara bzw. Kuhpaya) in Zentralindien, also die Vindhyagebirge mit der höchsten Erhebung von ca. 1100 m Höhe. Auch mit diesem indischen Berg ist nicht der Hindukusch gemeint.
  • Hindoku (persisch ‏هندکوHindko, Hindku persisch ‏هندکو‎, Hindoku persisch ‏هندوکوه‎, Urdu ‏ہندکو‎), Hindkowan und Hindko oder Hindkowan bedeuten wörtlich „Berg von Hindu“ bzw. „Indus-Berg“ oder „Berge von Hindus“ bzw. Berg von Indien bzw. Hindustan. Sie sind auch Bezeichnungen einer indoiranischen Sprache in Hazara in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa.
  • In der neupersischen Standardsprache (auch Dari genannt) bedeuten persisch ‏کن وکس‎ und کون وکوس (Kun und Kus) „Sein“ und „Raum“ bzw. „Existenz“, „Busen“ und „Erhebungen“ bzw. „Höcker“ (Kamelhöcker wie auch für Genitalhöcker). Weiter bedeutet Kus etwa „Richtung“, „Seite“, „Region“.[20].
  • Diese philosophischen Begriffe werden auch für After (Kun) und für Vulva (Kus) bzw. Geschlechtsverkehr gebraucht. In der Medizin, aber auch in der Schriftsprache z. B. Gerichtssprache werden Kun und Kus wegen ihrer Tabuisierung vermieden. Stattdessen werden Fremdwörter wie arabischمهبل‎ und ‏ فرج‎, aber auch Ala e Tanasuli („Genitalien“) in den Ländern Iran und Afghanistan verwendet. Die Nachsilbe „cus“ führt auf die griechisch-lateinische Variation des Hindukusch zurück.[21]
  • Interpretationen wie „töte den Hindu“ als [kʰoʃ] (persisch ‏کش‎) der Imperativ von persisch ‏کشتنkoschtan [kʰoʃˈt̪ʰæn] („töten“) sowie sexistische Deutungen sind vulgär und gehen auf ein zynisches Wortspiel zurück. In Fil Kush und Koh e Buzkush sind weder (Fil) Elefanten noch (Buz) Ziegen (Steinbock) getötet worden. Etwa persisch ‏دخترکش‎ (Dochter-kosch) Tochter-Töter bzw. Mädchen-Töter, was aber Lady Killer d. h. Frauenheld meint. persisch ‏کش‎ (Kasch) bedeutet Zug bzw. Ziehkraft und anziehend im Sinne der Attraktivität. Außerdem lautet die Übersetzung des Befehlssatzes „töte den Hindu“ in Farsi bzw. Dari Hindu ra (be)kosch und nicht Hindu ra (be)kush[22]
  • Dieses Missverständnis soll auf eine Erzählung eines Touristen, des arabischen Christoph Kolumbus des 14. Jahrhunderts, zurückzuführen sein, worauf sich einige Wissenschaftler beziehen:
(…) Ibn Battuta (AD 1304-77), who visited this part of the world in the early 1330s, tells us [t]the mountain is called Hindu Kush, which means ‘Slayer of Indias’, because the slave boys and girls who are brought from India die there in large numbers […][23]
Allein tell us besagt, dass dieser Ausdruck kein Terminus-technicus der Wissenschaft und wissenschaftlich zuverlässig ist, zumal das Persische zwar mit arabischer Schrift geschrieben, aber die Wörter, Symbole, Semiotik und Semantik nicht arabisch sind. Die Islamisierung dieses Gebietes etwa um Kabul bzw. Kabulistan, die etwa im 11. Jh. nach Christus begonnen hat – damals gab es kein Land unter dem Namen Afghanistan –, als Angehörige der hinduistischen, buddhistischen und zoroastrischen und Angehörige der anderen Naturreligionen Repressalien (Mord, Folter und Vertreibung) ausgesetzt worden waren, soll hier ausdrücklich erwähnt und postum als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet werden. Die größten Buddha Statuen von Bamiyan standen in der Hochebene des Hindukusch. Auf dem Boden des heutigen Afghanistan soll auch Zoroaster geboren worden sein. Warum dann nicht Zoroastrier Killer oder Buddhisten Killer?
  • Die zweite massive Gebirgskette liegt nun in einem indo-iranischen Gebiet, in dem griechische, byzanthische und turk-altaische Kulturen zusammenkamen. Der Name ist auch in diesem Zusammenhang zu sehen, und kush oder kusch ist indo-iranisch. Anspielungen (z. B. Hazara gehören nicht zur Wissenschaft. Wer wann die Gebirgskette erstmals Hindukusch genannt hat, wird aus den Keilschriften jener Zeiten erforscht. Jedenfalls ist damit der Berg Hindus gemeint, unabhängig von anderen Interpretationen. Es wird davon ausgegangen, dass die Griechen und Römer in der Antike Herodot, Eratosthenes, Arrian sich mit Geographie beschäftigt haben, und ihre historischen Forschungsergebnisse sind nicht mit Wortspielen und Anspielungen verbunden, da zwischen Hndus, Indu und Hindus oft kaum unterschieden wird. (H)inducus ist demnach der sicherste Hinweis auf Hindukush (Caucasus inducus).[24][25][26][27]
  • Ariana (lateinisch bzw. griechisch), so nennen Bewohner auf dem Boden des heutigen Afghanistan ihre Heimat im Altertum,[28] obwohl in der Sprache Dari Ariana Iran heißt. Kus bzw. cus ist ein Suffix, charakteristisch für Latein. Al Qanun al Masudi (Masudi’sches Gesetz) heißt auf Latein: „Canon masudicus“ und bedeutet soviel wie Gesetz von Masud, König der Ghaznawiden.[29]
  • Ahmad Ali Kohzad[30] zählt die avestanischen und mittelpersischen bzw. Pahlavi-Bezeichnungen des Hindukusch in seiner Abhandlung über das Gebirge auf. Unter anderen hat nach Kohzad der in Baktra, heute Balch geborene Zoroaster den Namen Cen bzw. Sen (vgl. Saena-Baum und Simurgh bzw. das Vogelgespräch von Fariduddin Attar) in Avesta genannt. persisch ‏ابارسينAbar-Cen bzw. persisch ‏اپارسينApar-Sen[31] bedeutet der Berg, der höher ist als der Sena-Vogel (Cenmurv) fliegt. Der Fabelvogel lautet auf avestisch mərəγō Saēnō (Der Vogel Saēna) in Pahlavi Senmurv bzw. kurz Sen und im Neupersischen Simurgh (dreißig Vögel). Nach Kohzad soll Kafka e Para Sena für die Griechen ein geheimnisvoller Berg gewesen sein.[32] Abr(persisch ‏ابر‎) bedeutet Wolke und Abar (persisch ‏ابر‎) bedeutet Super, hoch wie Abarmard (persisch ‏ابرمرد‎) für Supermann.
  • Johann Samuel Ersch bezeichnete das Gebirge, welches als Wasserscheide zwischen Indus und Oxus dient, als Hindu Koh, was die Griechen als Paropamisus bzw. Paropamisadae bezeichneten[33]
  • Hindukusch als indische Berge. bzw. Hindu-Berge. (vgl. Hindustan für Indien) ist vor allem deswegen plausibel, da der Hinduismus bzw. Brahmanismus vor Zoroastrismus und Buddhismus am Hindukusch zu den ersten Hauptreligionen bzw. Weltanschauungen bis zum 11. Jahrhundert nach Christus gehörte und dort seine bedeutenden Zentren hatte.[34] Namen wie Koh e Hindaki (siehe auch Indiké bei Arrian), Koh e Asamai, Koh e Hindu Mir Bacha Kot Kabul, Koh-e Hindu in Parwan Koh e Hindu (Farah) in Gulistan von Farah sagen viel aus. Hindukuschs Wasserscheide sind die Flüsse, die alle in den Kabul münden; dieser ist eine Quelle des Sindh (Indus). Ab Peshawar wird er auch Sindh genannt. Östliche Flüsse in Afghanistan heißen alle Daria (Indira war auch eine Flussgöttin), während die westlich gelegenen Flüsse Harirud, Farahrud usw. heißen. Rud ist in Farsi Fluss und Daria See.
  • In Afghanistan befanden sich über eintausend hinduistische Tempel. Auch der Kabuler Berg Koh e Asamai (Sanskrit/Hindi: आशा asa = Hoffnung und मां ma = Mutter = Mutters Hoffnung)[35] ist ein heiliger Berg für Kabuler Hindus und ein Hindu-Mandir in Asa-Mai Watt (Assamai-Platz), Kabul, Afghanistan. Auch heute befinden sich mehrere Hindu-Mandir bzw. Dharamsal, (Hindu-Tempel) in Kabul, z. B. in Hindzguzar, Devi Hindu Temple im Kabuli Bazar, Dargaa Mandir, Bhairo Mandir in Darwaza Lahuri (Lahore Tor), Baba Jothi und Sorup Mandir sowie mehrere Mandirs in Karte Parwan im Norden von Kabul[36] Die Zitadelle von Bala Hissar und die ca. 7–10 km lange Mauer auf Koh e Sher Darwaza (Scherdarwaza-Berg) gegenüber dem Assamai-Berg stammen aus den hinduistischen Kabulschahi-Dynastien (Könige von Kabul).[37]
  • Afghanen mit hinduistischen Glaubensrichtungen nennen ihre Tempel heute nach Jahren der Immigration und Flucht weltweit Assamai u. a. auch in Frankfurt. Weitere Namen, die auf Hinduismus hinweisen, sind: Shivaki und Hindaki in Kabul, Tangi Shiva (Shiva Talsee bzw. Shiva Lake) in der afghanischen Provinz Badachschan. Ferner gehörte der Boden des heutigen Afghanistan zum Bereich des Rigveda und der Unai-Pass, aus dem der Kabulfluss auf Paschtuکابل سيند‎ (Kabul Sindh) entspringt, ist ein Rigveda-Fluss und somit eine Quelle des Indus.
  • Die staatlichen Administrationen in Afghanistan versuchten und versuchen, aus nationalistischen Erwägungen den alten Namen zu ändern. So nannten sie offiziell die persische Sprache in Dari um und sagen in letzter Zeit oft in staatlichen Massenmedien statt Koh e Assami Koh e Telvesion (Television-Berg) und statt Tangi Shiva oder (Shiva Talsee)[38] Kowl e Shīveh.[39] Ferner haben ihre Könige und Emire die zoroastristischen, hinduistischen und buddhistischen Kulturen zerstört. Zuletzt, im Jahre 2001, haben die paschtunischen Taliban die Buddha-Statuen von Bamiyan und Tausende von Skulpturen und wertvollen Exponaten im Kabuler Museum zerstört.

Namen der Berge und Orte im Iran und in Indien mit Affix Kush[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Burchard Brentjes: Der Knoten Asiens - Afghanistan und die Völker am Hindukusch. Tusch, Wien 1984, ISBN 3-85063-143-5.
  • Eric Newby: Ein Spaziergang im Hindukusch. Eichborn-Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-8218-4510-4.
  • Karl Jettmar u. a.: Die Religionen des Hindukusch. Kohlhammer, Stuttgart 1975, ISBN 3-17-002092-7.
  • Karl Jettmar: Cultures of the Hindukush. Steiner, Wiesbaden 1974, ISBN 3-515-01217-6.
  • Heinrich F. J. Junker; Bozorg Alavi: Wörterbuch persisch-deutsch. Langenscheidt, Leipzig/ Berlin/ München/ Wien/ Zürich/ New York 1992.
  • Ali Akbar Dehkhoda, Mohammad Moin, Jafar Shahidi u. a.: Loghat Nāmeh Dehkhodā. Dāneshgāh Tehrān (Universität Teheran), 1991.
  • Al Qanun al Masudi. 3 Bände, Hayderabad 1954, Bd. 1 S. 4–5
  • E. Sachau (Hrsg.): Ta' rih al-Hind. London 1887.
    • Eng. Übersetzung von E. Sachau: Alberuni’s Indi. London 1888 (Band 1) und 1910 (Band 2)
  • M. Krause: Albiruni, ein iranischer Forscher. In: Der Islam. 26, no. 1 (1942), OCLC 431569581, S. 1–15.
  • E. Wiedemann: Geographisches von al-Biruni. In: SBPMS. Erlangen, Beiträge 44/1912
  • Habibo Brechna: Die Geschichte Afghanistans. Die Zitadelle von Kabul und das historische Umfeld Afghanistans über 1500 Jahre. vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, Zürich 2005, ISBN 3-7281-2963-1.
  • Friedrich Rückert: Firdosi’s Königsbuch (Schahname) Sage I-XIII. 1890. (Nachdruck: epubli, Berlin 2010, ISBN 978-3-86931-356-6, S. 136–239)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hindukusch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Artikel Hindukusch in der Großen Sowjetischen Enzyklopädie (BSE), 3. Auflage 1969–1978 (russisch)
  2. Afghanistan ultra-prominent peaks. peaklist.org
  3.  Siegmar-W. Breckle: Flora, Vegetation und Ökologie der alpin-nivalen Stufe des Hindukusch (Afghanistan). In: S.-W. Breckle, Birgit Schweizer, A. Fangmeier (Hrsg.): Results of worldwide ecological studies. Proceedings of the 2nd Symposium of the A. F.W. Schimper-Foundation. Verlag Günter Heimbach, Stuttgart 2004, ISBN 3-9805730-2-8, Ökologie Tab. 3, S. 112 (97–117) (Artikel, deutsche Fassung; Beschreibung der Tabelle zitiert wörtlich, 110mb.com (PDF) S. 16, abgerufen am 20. August 2011).
  4. Heinrich F. J. Junker: Wörterbuch persisch-deutsch. Bozorg Alavi. Langenscheidt, Verl. Enzyklopädie, Leipzig / Berlin / München / Wien / Zürich / New York 1992.
  5. Ali Akbar Dehkhoda, Mohammad Moin, Jafar Shahidi u. a.: Loghat Nāmeh Dehkhodā. Dāneshgāh Tehrān (Universität Teheran), 1991.
  6. Al Qanun al Masudi, 3 Bände, Hayderabad 1954, Band 1, S. 4–5
  7. Ta' rih al-Hind, ed. E. Sachau, London 1887. Engl. Übersetzung von E. Sachau: Alberuni’s India. London 1888 (Band 1) und 1910 (Band 2)
  8. M. Krause: Albiruni, ein iranischer Forscher. In: Islam, 1942.
  9. E. Wiedemann: Geographisches von al-Biruni. In: SBPMS, Erlangen, Beiträge 44/1912.
  10. loghatnaameh.org
  11. loghatnaameh.org
  12. ganjoor ferdousi Schahname Manutscher
  13. ganjoor.net
  14. Friedrich Rückert: Firdosi’s Königsbuch (Schahname) Sage I-XIII. 1890. Nachdruck: epubli, Berlin 2010, S. 167.
  15. (1) ‏سیمرغSimurgh; (2) ‏کوه هندKuh e Hind oder Kuh i Hend Indien Hindustan; Oft wird Kuh auch Koh geschrieben.(3) war = bud, wird aber im Gedicht buwad rezitiert. (4) undو ist eigentlich wa, im Gedicht und bei bekannten Bezeichnungen oder Liebespaaren, wird o ausgesprochen, z.B. Sim o zar (Silber und Gold) für Vermögen; Rostam o Sohrab, Padar o Mader (Eltern), Leila o Madschnun, Schrin o Farhad, Romeo o Julia (رومئو و ژولیت).
  16. ganjoor.net
  17. Friedrich Rückert: Firdosis Königsbuch (Schahname) Sage I-XIII. 1890. Nachdruck: epubli, Berlin 2010, S. 148.
  18. (1) In Farsi heißt es Keshwar e Hinduan (Land der Hindu) und nicht Keshwar e Hind (Indien). (2) Danber ist Name eines Berges z. B. Kuh e Danbar z. B. in Mazandaran. Danber soll Danpur (Patronym pur, pour poor altpersisch bzw. Sanskrit für Sohn bzw. Putra bzw. deutsch sen, also Stadt der Danier sein. Tatsächlich gibt es eine Stadt namens Danpur in der von Anupshahr persisch ‏انوپ شهر‎(Stadt von Anup) im indischen Staat Uttar Pradesh. Das Wort Denioer kann auch aus dem griechisch-lateinischen Wort dēmiourgós abstammen, was volksbetreffend bedeutet, das in Farsi auch Danbar oder Dambar lauten kann, wie Minbar, das oft Membar ausgesprochen wird, oder wie im Deutschen Kardamom oder Kardamom. Murgau siehe Murgab, abpersisch ‏آب‎ neuperisisch bzw. Dari; au persisch ‏او‎ Altpersisch, in Afghanistan spricht das Volk immer noch au, auch die Namen der Städte wie z. B. Tagau, Nejrau, Balchau, während in der Schriftsprache ab geschrieben wird. Z. B. Ba ma yak glas au bedeh bedeutet gib mir ein Glas Wasser
  19. iketab.com iketab.com
  20. Vokale wie z. B. persisch ‏ و‎ (und) werden allgemeinen in Farsi nicht geschrieben, es sei denn, sie sind als Konjunktion gebraucht
  21. vgl. Sch persisch ‏ش‎ und Spersisch ‏س‎ bzw. Sin (Arabischer Buchstabe) und Schin (Arabischer Buchstabe); der Unterschied ist gering. Es ist nicht auszuschließen, dass aus kus Kusch wurde und damit ein Wortspiel
  22. Kus bedeutet in Farsi auch Trommel, Stoß. „Kosch“ (persisch ‏کش‎), Kush bedeutet Brust bzw. Busen. persisch ‏کش‎ (Kash) ist auch Imperativ von Säen
  23. Willem Vogelsang, Wiley-Blackwell, 2002, ISBN 0-631-19841-5.
  24. Albert Forbiger: Handbuch der alten Geographie, aus den Quellen bearbeitet. Bd. II, Leipzig 1844, S. 40, 77 ff.
  25. Friedrich Max Müller: Lectures on the Science of Language, delivered at the Royal Institution of Great Britain, Vol. 1, 5. ed. London 1866.
  26. Pauly-Wissowa: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. 24, S. 38.
  27. Siehe auch Historia Indicas (Indiké) S. 11. Vgl. Arrian (Hrsg.): Der Alexanderzug, Indische Geschichte, Griechisch und deutsch und übers. von Gerhard Wirth und Oskar von Hinüber. Artemis-Verlag, München/Zürich 1985.
  28. Abdul Hai Habibi, alamahabibi.com
  29. Al Qanun al Masudi, 3 Bände, Hayderabad 1954, Bd. 1 S. 4–5
  30. payam-aftab.com bbc.co.uk
  31. kabulnath.de
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  33. Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste (mit Johann Gottfried Gruber), in 167 Bänden. Leipzig 1818–1889, Dritte Sektion O–Z, Zwölfter Theil Pardaillan–Pascalia, Paropamisus, S. 277; peterhug.ch
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  37. Habibo Brechna: Die Geschichte Afghanistans. Die Zitadelle von Kabul und das historische Umfeld Afghanistans über 1500 Jahre. vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, Zürich 2005.
  38. Shiva Lake, Badakhshan, Afghanistan traveljournals.net
  39. Kowl e Shīveh