Adana

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Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt; die Provinz siehe Adana (Provinz), die Statistikregion Adana (NUTS-Region).

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Adana
Wappen von Adana
Adana (Türkei)
Red pog.svg
Adana city.png
Basisdaten
Provinz (il): Adana
Koordinaten: 36° 59′ N, 35° 20′ O36.98801944444435.32653611111123Koordinaten: 36° 59′ 17″ N, 35° 19′ 36″ O
Höhe: 23 m
Einwohner: 1.636.229[1] (2012)
Telefonvorwahl: (+90) 322
Postleitzahl: 01 000
Kfz-Kennzeichen: 01
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Zihni Aldırmaz (MHP)
Webpräsenz:
Altes und neues Adana: Im Vordergrund die alte Steinbrücke (Taşköprü) und im Hintergrund die Sabancı-Zentral-Moschee sowie das Adana Hilton SA

Adana (hethitisch Adanja, A-da-ni-ia,[2] altgriechisch Άδανα, armenisch Ադանա) ist mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern (2008) die fünftgrößte Stadt der Türkei und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Sie ist die größte Stadt in der fruchtbaren Tiefebene Çukurova.

Die Çukurova-Universität in Adana ist mit rund 45.000 Studenten eine der größten Universitäten der Türkei. Der Name Adana ist angeblich abgeleitet von Adanos, dem Sohn des Uranos aus der griechischen Mythologie, wobei schon vorgriechisch belegt.

Geographie[Bearbeiten]

Adana liegt im Süden des Landes, im Süden des Taurusgebirges ca. 40 km vom Mittelmeer entfernt. Die umliegende Region Çukurova, in der Antike Teil von Kilikien, ist sehr fruchtbar. Die Flüsse Seyhan und Ceyhan durchfließen sie. Adana ist ein Zentrum der türkischen Textilindustrie. Der Bahnhof ist ein Verkehrsknotenpunkt der Bagdadbahn, in der Nähe ist ein internationaler Flughafen (Flughafen Adana). Die Incirlik Air Base der NATO liegt 12 Kilometer östlich des Stadtkerns.

Adana
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Turkish State Meteorological Service
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Adana
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Max. Temperatur (°C) 14,7 15,9 19,1 23,5 28,2 31,7 33,8 34,6 33,1 29,0 22,5 16,7 Ø 25,3
Min. Temperatur (°C) 5,0 5,8 7,9 11,6 15,5 19,4 22,5 22,9 19,7 15,4 10,6 6,8 Ø 13,6
Niederschlag (mm) 110,3 90,1 65,6 52,7 46,6 21,6 6,3 4,8 15,2 43,7 73,1 120,9 Σ 650,9
Regentage (d) 10,8 10,4 10,0 9,0 6,3 3,1 1,0 0,8 2,6 5,5 7,1 10,6 Σ 77,2
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Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt geht wahrscheinlich auf eine hethitische Siedlung zurück: Seit dem 16. Jahrhundert v. Chr. wird Adanija in historischen hethitischen Texten genannt. In späteren akkadischen Texten Syriens (ca. 1400 v. Chr.) und ägyptischen Berichten (12. Jahrhundert v. Chr.) wird die Stadt unter dem Landesnamen Danuna, einem Teil des späteren Kilikien, erwähnt.

Nach dem Ende der Perserherrschaft gehörte Adana zuerst zum Reiche Alexanders des Großen, dann zum Seleukidenreich. Wahrscheinlich unter Antiochos IV. wurde Adana kurzfristig in Antiochia am Saros umbenannt. Pompeius siedelte hier 67 v. Chr. einen Teil der von ihm besiegten kilikischen Seeräuber an. Seit 72 n. Chr. war die Stadt Teil der römischen Provinz Cilicia. 260 eroberten die Sassaniden auch Adana.

1097 eroberte der armenische Fürst Oschin, der Stammvater der Hethumiden, von seiner Burg Lambron aus kommend Teile der Stadt.[3] Zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert wanderten viele Armenier ein, als ihr weiter nördlich gelegenes Siedlungsgebiet von den Seldschuken erobert worden war. Unter der Herrschaft der Rubeniden entstand das Königreich Kleinarmenien, zu dem auch Adana gehörte. Adana fiel 1378 an den turkmenischen Stamm der Ramazanoğulları.[4]

Seit 1575 gehörte die Stadt zum Osmanischen Reich.[4] 1839 war sie im Türkisch-Ägyptischen Krieg umkämpft. 1869 wurde es Hauptstadt des Vilâyets Adana.

Adana war beim Bau der Bagdadbahn ab 1903 ein wichtiger Stützpunkt. Von hier aus wurden die Streckenabschnitte durch den Taurus und in Richtung Aleppo vorangetrieben. Betrieblich war der Bahnhof wichtig, da hier die ältere Strecke nach Mersin und die für den Bau der Bagdadbahn angelegte Linie zum Hafen von Iskenderun verknüpft wurden.

Im April 1909 kam es hier zu einem Massaker, dem 20.000 bis 30.000 Armenier zum Opfer fielen.[5][6] Bis 1910 forderten die anschließenden Epidemien und eine Hungersnot unter den schlecht versorgten Überlebenden der Massaker weitere 20.000 Opfer.[7]

Im Rahmen des Völkermordes an den Armeniern 1915 wie auch 1920 wurden die Armenier in weit größerer Zahl ermordet und endgültig aus Kilikien vertrieben. Zwischen 1918 und 1920 war die Stadt durch französische Truppen besetzt.

Am 30. Januar 1943 kam es hier zum Gespräch zwischen Churchill und İnönü, bei dem die Alliierten versuchten, die Türkei zum Beitritt in den Zweiten Weltkrieg zu bewegen, wobei es İnönü gelang, eine klare Zusage hinauszuzögern. Seit den 1980er Jahren wuchs die Bevölkerungszahl durch den Zuzug kurdischer Flüchtlinge stark an.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Jahr 1970 1980 1985 1990 1997 2007 2008
Einwohner 351.655 574.515 777.554 916.150 1.033.571 1.366.027 1.392.490

Die wichtigsten ethnischen Gruppen sind heute Türken, Kurden und Araber.[8] Zudem leben knapp zweitausend kryptoarmenische Familien in Adana, die sich seit einem Jahrhundert als Araber, Kurden oder Aleviten identifizieren.[9] Es gibt auch eine höhere Zahl an Nachkommen von armenischen Kindern, die zwangsweise an muslimische Familien übergeben wurden, um dem Völkermord 1915 zu entkommen. Armenier und Griechen machten vor 1915 die Hälfte der Bevölkerung aus.[10]

Religion[Bearbeiten]

Sabancı-Zentralmoschee in Adana

Ähnlich zu anderen türkischen Küstenstädten, vor allem am Mittelmeer und an der Ägäis, ist der Säkularismus in Adana tiefer verwurzelt. Unter den gläubigen Menschen hängt die Mehrheit dem sunnitischen Islam an. Die Mehrheit der Türken und Kurden sowie einige Araber sind Sunniten. Adana ist auch eine Hochburg der alevitischen Gemeinschaft, viele Aleviten zogen nach den Pogrom von Kahramanmaraş nach Adana. Araber aus Adana sind zumeist Alawiten, welche oft mit den türkischen Aleviten verwechselt werden. Alawitische Araber sind vor Ort als Nusairier oder Fellah bekannt. Araber, die aus der Provinz Şanlıurfa nach Adana ziehen, sind meist Sunniten. Es gibt auch eine kleine Gemeinde von katholischen Christen und wenige jüdische Familien.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Steinbrücke Taşköprü um 1870

Das bekannteste historische Bauwerk in Adana ist die unter dem römischen Kaiser Hadrian über dem Seyhan-Fluss errichtete Steinbrücke (Taşköprü), welche als die älteste noch benutzte Brücke der Welt gilt. Die im 16. Jahrhundert errichtete Ulu-Moschee und der gleichnamige Komplex sowie die Hasan-Kethüda-Moschee aus demselben Jahrhundert sind sehenswert. Die größte Moschee der Türkei, die 1998 eröffnete Sabancı-Merkez-Moschee, befindet sich hier.

Sehenswert ist die Anfang des 20. Jahrhunderts von den Deutschen gebaute Vardabrücke.

Beispiele römischer Mosaikkunst kann man in den antiken Städten Misis und Anazarbos sehen. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Yılankale (Schlangenburg). Das archäologische Museum enthält wichtige Grabungsfunde. Yumurtalık und Karataş sind für ihre Strände bekannte Ferienorte in der Umgebung.

Große Turmuhr

Museen[Bearbeiten]

  • Im Archäologischen Museum von Adana sind hethitische, römische und frühbyzantinische Fundstücke ausgestellt. Das Museum wurde gleich nach der Ausrufung der Republik im Jahre 1924 gegründet und ist somit eines der zehn ältesten Museen der Türkei.
  • Das Ethnographische Museum zeigt Exponate zu den in den Çukurovadörfern und im Taurusgebirge lebenden Volksstämmen.
  • Das Atatürk-Museum ist dem Vater der Türken gewidmet und dokumentiert dessen Aufenthalt in Adana.
  • Im Misis-Mosaik-Museum in Misis (Yakapınar) sind Bodenmosaiken aus dem 4. Jahrhundert zu besichtigen.
  • Das Sabancı Kültür Merkezi, auf deutsch Sabancı-Kulturzentrum im Zentrum der Stadt enthält auch eine Bibliothek.

Moscheen[Bearbeiten]

  • Ulu Cami
  • Yeni Cami (Neue Moschee)
  • Yağ Camii (Alte Katholische Kirche)
  • Sabancı Merkez Cami
  • Alemdar Mescidi
  • Şeyh Zülfi Mescidi
  • Kızıldağ Ramazanoğlu Cami
  • Cifte Minare Camii

Universitäten[Bearbeiten]

  • Çukurova Universität
  • Adana Universität für Wissenschaft und Technik
  • Çağ Universität

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof von Adana an der Bagdadbahn, 1913…

Der Flughafen Adana bedient eine Reihe nationaler wie internationaler Destinationen.

Im Bezirk Ceyhan gibt es zwei und in Yumurtalık einen Hafen am Mittelmeer.

Die Autobahn O 21 verbindet Adana mit Ankara, die O 51 mit Mersin und O 52 mit Gaziantep.

… und der Bahnhof Adanas heute

Eisenbahn: Adana liegt an der Bagdadbahn. Nach Mersin besteht ein S-Bahn-ähnlicher Betrieb namens Banliyö Trenleri. Fernverbindungen im Reisezugverkehr gibt es täglich unter anderem nach Istanbul, Ankara, Iskenderun, Gaziantep, Malatya und İslahiye. Einmal in der Woche gibt es einen internationalen Kurswagen nach Aleppo.

Adana hat ein gut ausgebautes innerstädtisches Busnetz und einen großen Busbahnhof am Rand der Stadt. Außerdem verfügt die Stadt über eine U-Bahnlinie mit 13 Stationen. Das U-Bahn-Netz soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden.

Tageszeitungen[Bearbeiten]

Adana Kebab mit Fladenbrot und im Uhrzeigersinn Petersilie, Zitrone und Rettich, Salat und mit Sumak gewürzten roten Zwiebeln.


  • Expres Gazetesi
  • Adana Gazete
  • Yeni Adana Gazetesi
  • Adana Haber
  • Yenigün
  • Adana Post
  • Haber Adana
  • Çukurova Güncel
  • Idealist Gazetesi
  • Adana Yerel Haber Gazetesi

Gastronomische Spezialitäten[Bearbeiten]

Adana hat eine sehr reiche Küche. Dazu gehören zum Beispiel das am Spieß gegrillte Hackfleisch Adana Kebap und Şalgam, ein aus Adana stammendes alkoholfreies scharf-saures Getränk aus Gemüse.

Sport[Bearbeiten]

Bekannte Vereine:

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Adana unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Adana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Türkisches Institut für Statistik, abgerufen 3. September 2013
  2. Garstang, John, O.R. Gurney, The geography of the Hittite empire. London: British Institute of Archaeology at Ankara 1959, S. 61
  3.  Elisabeth Bauer: Armenien: Geschichte und Gegenwart. Reich Verlag, Luzern 1977, ISBN 3-7243-0146-4.
  4. a b Գեղունի: Illustration Arménienne. Imprimerie arménienne St. Lazare (Venise), 1909, S. 13
  5. 30,000 Killed in Massacres (englisch). In: New York Times. Abgerufen am 8. Juni 2013. 
  6. Anahid Ter Minassian: "L'Arménie et l'éveil des nationalités (1800-1914)" in: Gérard Dédéyan (éd.): Histoire du peuple arménien Editions privat, Toulouse 2007 ISBN 978-2-7089-6874-5, p. 518
  7. Grégoire Tafankejian: "Mémoire en images. L'Arménie et les Arméniens", Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2010, ISBN 978-2-8138-0125-8, Seite 106
  8. a b Adana Tarihi (türkisch) Mekan360. Abgerufen am 25. Januar 2012.
  9. Gizli Ermeniler (Turkish). AZSAM. Abgerufen am 27. Dezember 2008.
  10. "Adana". Catholic Encyclopedia. New York: Robert Appleton Company. 1913.