Christoph Friedrich Leers
Christoph Friedrich Leers (* 12. Juni 1769 in Wunsiedel; † 14. September 1825 in Bayreuth) war ein deutscher Kaufmann, Fabrikant und Magistratsrat der Stadt Bayreuth. Bekanntheit erlangte er vor allem durch sein soziales Engagement. Zu Lebzeiten förderte Leers unter anderem die Armenfürsorge in Bayreuth und war an der Gründung mehrerer gemeinnütziger Einrichtungen beteiligt. Er bestimmte seinen Nachlass als Stiftung zur Errichtung des Leers’schen Waisenhauses. Die Bibliothek des Waisenhauses ist die älteste bekannte und noch existierende Kinder- und Jugendbibliothek von Bayreuth.
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[Bearbeiten] Leben
Christoph Friedrich Leers stammte aus einer Familie mit holländischen Ursprüngen, er selbst wurde in der benachbarten Stadt Wunsiedel als Sohn des Kaufmanns, Bürgermeisters und Spitalverwalters Georg Christioph Leers geboren. Dem Vater war eine strenge und gottesfürchtige Erziehung wichtig. Christoph Friedrich verbrachte seine freie Zeit regelmäßig am väterlichen Schreibtisch mit Rechnen und Schreiben.[1] Beim Bruder des Vaters, Fabrikbesitzer in Gera, verbrachte er ab 1784 zwei Jahre, bis er eine Ausbildung bei dem Kaufmann Haas in Hamburg aufnahm und erfolgreich beendete.
Er begann seine Geschäfte mit Garn-, später mit Papierhandel, und lieferte in großem Umfang auch nach Sachsen. Nach der Übernahme des väterlichen Betriebes gelang ihm durch Verträge mit den Erzeugern von Tuch aus Baumwolle ein deutlicher wirtschaftlicher Aufschwung. Er war in der Lage, mehrere Hundert Arbeiter zu beschäftigen. 1806 kaufte er im heutigen Bayreuther Stadtteil St. Georgen eine heruntergewirtschaftete Fayencen- und Steingutfabrik auf. Trotz des Kriegsausbruchs 1806, der für das neue, unmittelbar an der Heerstraße gelegene Unternehmen mit Einquartierungen und anderen Entbehrungen verbunden war, gelang auch dieser Start. Auch als später Konkurrenzbetriebe den Markt schmälerten, nahm Leers, der sich den Familien seiner Arbeiter verpflichtet fühlte, keine Entlassungen vor.[2] Das kaufmännische Handeln von Leers war begleitet von der Absicht, seinen Arbeitern eine sichere Existenzgrundlage zu bieten und sich auch für Bedürftige zu engagieren.[3]
Leers beteiligte sich in hohem Maße am öffentlichen Leben, verbunden mit der Gründung und Verwaltung öffentlicher bzw. sozialer Einrichtungen. Er verzichtete dabei mehrfach auf seinen Anspruch auf ein Gehalt.[4] Bei der Neuordnung des Armenwesens wurde er 1816 zum Armenpflegschaftsrat ernannt. Er verwaltete die neugegründete Armenbeschäftigungsanstalt und half dem städtischen Krankenhaus bei Anschaffungen. Auf eigene Kosten kauften Mitglieder einer aus „achtbaren Männern aller Klassen“ gebildeten Armenkommission, zu denen er gehörte, ausländisches Getreide zur Linderung der Hungersnot in den Jahren 1816 und 1817. Für seine Verdienste wurde er 1818 mit der goldenen Zivilverdienstmedaille geehrt, die ihm auf seinen Wunsch hin ohne größere Feierlichkeiten von dem Staatsrat, Gerneralkomissär und Regierungspräsidenten Freiherr von Welden übergeben wurde.[5] Leers engagierte sich mit finanziellen Zuwendungen auch über die Stadtgrenzen Bayreuths hinaus, z. B. für die Blindeninstitute von Erfurt und Nürnberg. Er förderte vereinzelt die Erziehung armer Kinder und ermöglichte Jugendlichen Ausbildung oder Studium. Zusammen mit Dekan Pflaum sorgte er für den Druck und den preisgünstigen Verkauf des Neuen Testamentes, das in drei Auflagen schnell Absatz fand.
Er wurde zweimal zum Magistratsrat gewählt. Dabei verwaltete er ab 1818 unentgeltlich das Gravenreuther Stift und die Ordenskirche St. Georgen. Weiterhin war er an der Gründung der städtischen Armenschule, eines Getreidemagazins, der Sparkasse (1823) und eines Leih- und Pfandhauses beteiligt, das dem aufkommenden Wucher entgegentreten sollte.
Leers selbst lebte eher kärglich.[6] Er starb unerwartet am 14. September 1825[7]. Da die Ehe mit Marianne Katharina Rose (* 4. Oktober 1764; † 22. Dezember 1832 in Bayreuth), Tochter eines Bayreuther Weinhändlers, kinderlos geblieben war, hatte das Paar bereits 1821 testamentarisch arme Waisenkinder bedachte. Die Ornamente der Grabanlage[8] sind deutliche Hinweise darauf, dass Leers den Freimaurern angehörte.
[Bearbeiten] Vermächtnis
[Bearbeiten] Leers’sches Waisenhaus
Die Leers’sche Stiftung für arme Waisenkinder [9] sah die Errichtung eines Waisenhauses vor, in dem sechs Jungen und sechs Mädchen ein Zuhause finden sollten. Zur Ausstattung zählte weiterhin Grundbesitz mit Feldern und Wiesen. Bei einer Mehrung des Startkapitals in Höhe von 31.200 fl. war eine Aufstockung der Plätze vorgesehen. Testamentarisch wurden weitere Beträge für Stipendien und zur Unterstützung sozialer, medizinischer und schulischer Einrichtungen bestimmt.
Das Waisenhaus war zunächst im rechten Flügel des Ordensschlosses von St. Georgen untergebracht. 1901 wurde anstelle des Wohnhauses der Familie Leers, Bernecker Straße 11, ein Neubau errichtet, der erhalten geblieben ist.
Nach dem Ersten Weltkrieg und der folgenden Inflation war das Stiftungsvermögen soweit aufgezehrt, dass es nicht mehr möglich war, das Kinderheim und das Gebäude weiter zu unterhalten. So überließ man das Haus ab 1919 zur weiteren Nutzung der Stadt Bayreuth, die es schließlich 1958 erwarb. Das Haus erfuhr unterschiedliche Nutzungen, zunächst als Säuglingskrippe (1919–1932), Mietwohnungen (1932–1958), Hort und Kinderheim (1951–1967) und Heilpädagogische Tagesstätte und Sonderschule (1967–1975). Heute ist es u. a. Sitz des Deutschen Schreibmaschinenmuseums. Nur wenige Meter entfernt davon befindet sich die Leersstraße, die zu Ehren Christoph Friedrich Leers benannt ist.
[Bearbeiten] Bibliothek des Leers’schen Waisenhauses
Bestandteil der Stiftung war eine Bibliothek, bestehend laut Bestandsliste des Testamentsvollstreckers von 1833 aus 187 Titeln und 322 Bänden. Laut Stiftungsurkunde von 1821 war sie dazu bestimmt, dass sie unter Anleitung des Ordenspredigers durch die Pflegeeltern zusammen mit den Waisenkindern genutzt werden sollte. Der Buchbestand gelangte geschlossen über die Stadtbibliothek Bayreuth 1995 als Dauerleihgabe in den Bestand der Universitätsbibliothek Bayreuth. Eigentümer ist das Stiftungsamt der Stadt Bayreuth, welches bis heute die Reste der Leers’schen Stiftung verwaltet.
In der Arbeit von Rainer-Maria Kiel[10] kommt dem Buchbestand und seiner geschichtlichen Einbettung besondere Bedeutung zu: Die Bücher sind geprägt vom Geist des Philanthropismus. Unter den Vorbesitzern einzelner Bücher befindet sich auch der bekannte Pädagoge Johann Baptist Graser. Die Zusammenstellung der Bücher spiegelt wider, welche erzieherischen Vorstellungen herrschten. Gängige Bildungspraxis vollzog sich in den Bürgerschulen, wo auf handwerkliche oder kaufmännische Berufe vorbereitet werden sollte. Friedrich Christoph Leers war mit der Einrichtung einer Bibliothek für Kinder und Jugendliche für deutsche Verhältnisse ausgesprochen fortschrittlich. Die Auswahl zahlreicher Bücher aus dem religiösen Bereich ist als liberal zu beurteilen. Ein hoher Anteil der Bücher gehört zur damaligen Kinder- und Jugendliteratur. Weitere Bücher dienten der Allgemeinbildung (Deutsch, Naturwissenschaften, Mathematik, Erdkunde). Eine kleine Gruppe von Büchern über Obstbau und Landwirtschaft scheint mit der Idee des Schulgartens verbunden zu sein.
[Bearbeiten] Literatur
- Carl Burger: Christoph Friedrich Leers (...). In: Neuer Nekrolog der Deutschen. S. 960–968.
- Rainer-Maria Kiel: Die Bibliothek des Leers’schen Waisenhauses: Bayreuths älteste Kinder- und Jugendbücherei. In: Archiv für die Geschichte von Oberfranken. Band 77. Bayreuth 1997. S. 429–448. (Zusammenfassung online)
- Wilhelm Kneule: Kirchengeschichte. Band 2. S. 141f. und 150.
- Die Eröffnung und Einweihung der Stadtrath Leersischen Waisen-Anstalt zu St. Georgen am 12. Juni den zweiten Sonntag nach Trinitatis 1836. Bayreuth 1836. (Expemplar der Universität Bayreuth 45/NS 2580 H143 E7)
- Sabine Lang: Tradition, Fortschritt, Vertrauen. 175 Jahre Stadtsparkasse Bayreuth 1823–1998.
- Johann Gottlieb Reuter: Trauer-Rede bei der Beerdigung des weiland Herrn Christ. Fried. Leers, Magistratsraths der Kreishaupstadt Baireuth und Fabrikbesitzers zu St. Georgen. Bayreuth 1825.
[Bearbeiten] Weblinks
-
Commons: Christoph Friedrich Leers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien - Biografie bei barnick.de
- Offizielle Webpräsenz des Deutschen Schreibmaschinenmuseums
- Luftbild des Leers’schen Waisenhauses (=Schreibmaschinenmuseum) und Leersstraße
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Burger, S.960.
- ↑ Burger, S.966.
- ↑ Burger, S.961.
- ↑ Burger, S.964f.
- ↑ Burger, S. 965.
- ↑ Burger, S.967.
- ↑ Todesanzeige in der Bayreuther Zeitung, 15.09. 1826
- ↑ August Gebessler: Stadt und Landkreis Bayreuth. Die Kunstdenkmäler von Bayern, Kurzinventare, VI. Band. Deutscher Kunstverlag. München 1959. S.21.
- ↑ Bekanntmachung der Stiftung im Regierungsblatt für das Königreich Bayern
- ↑ Rainer-Maria Kiel: Die Bibliothek des Leers’schen Waisenhauses: Bayreuths älteste Kinder- und Jugendbücherei. In: Archiv für die Geschichte von Oberfranken. Band 77. Bayreuth 1997. S. 429–448.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Leers, Christoph Friedrich |
| KURZBESCHREIBUNG | Stifter des Leer’schen Waisenhausen samt Bibliothek, Magistratsrat und Fabrikant |
| GEBURTSDATUM | 12. Juni 1769 |
| GEBURTSORT | Wunsiedel |
| STERBEDATUM | 14. September 1825 |
| STERBEORT | Bayreuth |
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