Das Unheil

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Filmdaten
Originaltitel Das Unheil
Produktionsland Deutschland, Frankreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1972
Länge 96 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Peter Fleischmann
Drehbuch Peter Fleischmann
Martin Walser
Produktion Peter Fleischmann
Josef Fijalkowski
Musik Xhol Caravan
Kamera Dib Lufti
Schnitt Odile Faillot
Besetzung

Das Unheil ist ein gesellschaftskritisches Filmdrama von Regisseur Peter Fleischmann aus dem Jahr 1970/71. Die Deutschland-Premiere war am 23. März 1972 in einem Münchener Kino. Der Film ist eine deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion von Hallelujah-Film GmbH, München, Artemis Filmgesellschaft mbH, Berlin und Productions Artistes Associés, Paris.

Mit Dialogen von Martin Walser nahm er ein Vierteljahrhundert nach dem Ende von Krieg und NS-Herrschaft das deutsche Kleinbürgertum unter die Lupe und prophezeite in düsteren Bildern, dass diese Gesellschaft dabei ist, sich selbst zu zerstören. Rauchende Industrieanlagen vergiften Wasser und Atemluft, Menschen erkranken, Tiere sterben und über allem schweben drohend Hubschrauber.[1][2]

Handlung[Bearbeiten]

Eine bundesdeutsche Kleinstadt zu Beginn der 1970er Jahre: Hille Vavra steht kurz vor dem Abitur, hat aber große Mühe, sich dafür zu motivieren. Sein Vater Leonard Vavra ist Pfarrer dieser Stadt und bereitet gerade ein Jubiläumsfest der schlesischen Heimatvertriebenen vor, mit dem die Rettung der Kirchenglocken vor dem Nationalsozialismus gefeiert werden soll. Laut Aussagen der Schlesier hat Pfarrer Vavra die Glocken eigenhändig vor Hitler gerettet.

Mit im Pfarrhaus wohnen noch Mutter Vavra, Hilles Schwester Diemuth Vavra und zwei jüngere Brüder, die aus Übermut schon mal vom Dom herab auf Leute pinkeln. Hille hat ein Verhältnis mit der attraktiven Frau eines Industriellen und verführt außerdem eine Mitschülerin. Seine Schwester will nach Italien auswandern und lässt Aktfotos von sich erstellen, die eines Tages für jedermann sichtbar in der Badewanne landen.

Während die Schlesier für das bevorstehende Glockenfest immer wieder üben, braut sich um das Pfarrhaus und den Dom herum allerlei Unheil zusammen. Ein naher Industriekomplex stößt Rauchschwaben aus und vergiftet das Wasser. Ältere Menschen beginnen zu husten, in einer Zoohandlung in der Nähe der Schlote sterben fast alle Tiere. Das Wasser aus der Leitung ist bald ungenießbar. Es kommt zu Protesten und Demonstrationen. Der Direktor des Industrieunternehmens will davon nichts wissen und unterstützt die Festlichkeiten.

Hille versteckt einen Fahnenflüchtigen auf dem Domturm und bekommt deswegen Ärger mit der Polizei. Bald wird ein Student, der die Umweltverschmutzung besonders laut angeprangert hat, tot in einem Fluss gefunden. Die Bewohner der Kleinstadt beginnen nun auch die Zustände zu beklagen, beim Glockenfest kommt es dann zwar zu Zusammenstößen, hinterher beruhigt man sich aber wieder.

Kritiken[Bearbeiten]

Das Unheil verbreitet eine Unerträglichkeit, die nichts als das ist, die nichts veranlaßt als ein Gefühlt der Übelkeit. Den Zorn, den dieser Film auf seinen Gegenstand lenken möchte, zieht er sich selber zu. Es ist nicht schwierig, Aggressionen zu erregen. Es ist eine Kunst, sie zu lenken.“

Wolfgang Limmer, Süddeutsche Zeitung, 24. März 1972

„Fleischmanns entfesselter Bilderbogen, vollgepackt mit lakonischen Details, wirkt überspitzt, manchmal hysterisch, aber erst durch diese Beschwörung des Ungeheuerlichen, die voller Trauer ist, offenbart sich die schleichende Katastrophe als allgemeiner Alltag, der so banal eben nicht ist.“

Siegfried Schober nach der TV-Erstsendung im ZDF, DER SPIEGEL 36/1974

„Regisseur Peter Fleischmann schoss in seiner bösen Politsatire einige Breitseiten auf damalige gesellschaftliche Missstände ab. Dem Traum von der heilen Welt wird, bewusst überspitzt, ein albtraumhaftes Panorama von Verstörung und Zerstörung entgegengehalten. Überdimensioniert wie unter einem Vergrößerungsglas konzentrieren sich in einem fiktiven Provinzort viele negative Elemente der politischen, ökologischen und sozialen Entwicklungen in der Bundesrepublik.“

Filmkritik der Frankfurter Rundschau[3]

Hintergrund[Bearbeiten]

  • Als der Film am 23. März 1972 in einem Münchener Premierenkino uraufgeführt wurde, stieß er bei der Kritik und beim Publikum auf so massive Ablehnung, dass er schon nach wenigen Tagen wieder vom Programm absetzt wurde und auch bundesweit nicht mehr ins Kino kam.[4]
  • Am 26. August 1974 wurde der Film erstmals im ZDF gesendet. Eine Kopie der Erstausstrahlung kann vom dortigen Programmservice erworben werden. In dieser Version ist allerdings ein großer Timecode-Balken im oberen Bildbereich zu sehen.
  • Der Film ist bisher nicht auf VHS oder DVD erschienen.
  • Die im Film zu sehende Stadt ist die mittelhessische industrielle Kleinstadt Wetzlar mit ihrem Dom inmitten der Altstadt.
  • Bei den rauchenden Industrieanlagen handelt es sich um die Buderuswerke in Wetzlar, die zu dieser Zeit noch einen Hochofen besaßen.
  • Die Rolle des Fabrikanten spielte Werner Hess, der damalige Intendant des Hessischen Rundfunks.
  • Im Film tritt auch ein Standortkommandant auf. Wetzlar war zu dieser Zeit einer der größten Standorte der Bundeswehr in Deutschland und die größte Garnisonsstadt Hessens.
  • Die Filmmusik stammt von Xhol Caravan, einer Krautrock-Band aus Wiesbaden, die sich zu dieser Zeit nur noch Xhol nannten und auch im April 1972 auflösten. In einem Filmausschnitt sind sie bei einer Bandprobe zu sehen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Der Film gewann 1972 in Cannes den Prix Luis Buñuel, wobei Regisseur Buñuel die Vorführung vorzeitig verließ.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://sozialgeschichte.deutsches-filminstitut.de/dt024.htm
  2. http://www.feature-film.org/21032/das-unheil/
  3. http://www2.fr-online.de/tv-programm-fr/?aktion=archiv&mid=1970_das_unheil
  4. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41667459.html
  5. http://www.cinema.de/film/das-unheil,1318122.html