Der Panther

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Dieser Artikel behandelt ein Gedicht von Rilke, zu weiteren Bedeutungen siehe Der Panther (Begriffsklärung).

Der Panther (Untertitel: Im Jardin des Plantes, Paris) ist ein Gedicht von Rainer Maria Rilke vom 6. November 1902.[1] Es beschreibt einen gefangenen Panther hinter Gitterstäben, wie sie im Pariser Jardin des Plantes ausgestellt waren.

Inhalt[Bearbeiten]

Maler im Jardin des Plantes, 1902

Das Gedicht besteht aus drei Strophen, die jeweils vier Verse mit abwechselnd weiblicher und männlicher Kadenz enthalten:

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Kommentar[Bearbeiten]

Der Panther gilt als das berühmteste Dinggedicht Rilkes, in denen der Dichter zum Sprecher der „stummen Dinge“ wird. Der Panther wird in drei Strophen von seiner äußeren Erscheinung (Blick, Gang, Auge) beschrieben, um sein Inneres zu erschließen.

Der Entzug der Freiheit wird in der ersten Strophe durch den schleppenden Rhythmus ausgedrückt. Die zweite Strophe zeigt die innere Gefangenschaft des Panthers. Der Panther hat seine natürliche Wesensart verloren. Er ist selbstentfremdet. Die dritte Strophe bestätigt die äußere und innere Gefangenschaft des Panthers.

Es gibt auch andere Interpretationen. Die zweite Strophe zeigt: Der Wille des Panthers ist betäubt, konnte jedoch nicht gebrochen werden. Das Bild der Gefangenschaft, die Umwelt hinter Stäben, lässt er nicht zu seinem tiefsten Inneren hinein, da es für ihn Qual bedeutet. Er lebt sein Leben der Gefangenschaft traumatisiert, mit unerkanntem individuellen Wesen. Der gefangene Panther ist weder „Ding“ noch „Stück“, sondern ein gequältes, leidendes Tier mit Selbstbewusstsein.


Ein motivgleiches Gedicht mit dem Titel Tiger stammt von Alfred Wolfenstein. Dort heißt es:

Die große Sonne scheint in seine Zelle
Und zieht auf seinem bunt gestreiften Felle
Noch andre Striche: schwarzer Stäbe Schatten.

Der Panther in der Schrift über Rodin von 1903[Bearbeiten]

In Rilkes Schrift über Auguste Rodin heißt es: „Es gibt in Rodins Atelier den Abguß eines kaum halbgroßen Panthers griechischer Arbeit (das Original befindet sich im Medaillen-Kabinett der Pariser National-Bibliothek); wenn man unter seinem Leibe durch von vorn in den Raum blickt, der von den vier geschmeidigstarken Tatzen gebildet wird, kann man glauben, in die Tiefe eines indischen Felsentempels zu sehen, so wächst dieses Werk und weitet sich zur Größe seiner Maße.“

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Der deutsche Komponist Karl Marx vertonte den Panther als Kunstlied.
  • In dem Film Zeit des Erwachens von 1990 spielt dieses Rilke-Gedicht in einer Schlüsselszene eine Rolle.
  • In Woody Allens Film Eine andere Frau wird das Gedicht als Metapher für das Seelenleben der Hauptfigur zitiert.
  • 2001 rezitierte Otto Sander das Gedicht für das Rilke Projekt.
  • Der Panther wird in einem gleichnamigen Lied von Chaoze One zitiert.
  • Die Hamburger Skapunk-Band Rantanplan hat Der Panther auf ihrem 1998er Album Köpfer vertont.
  • Der Musiker Udo Lindenberg vertonte das Gedicht Der Panther im gleichnamigen Lied im Album Der Exzessor im Jahr 2000.
  • Im Buch Blinde Vögel von Ursula Poznanski (2013) spielt das Gedicht Der Panther eine entscheidende Rolle in der behandelten Mordreihe.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Hotz: Gedichte aus sieben Jahrhunderten. Interpretationen. Bamberg. C. C. Buchners Verlag, 1993. ISBN 3-7661-4311-5

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. http://rainer-maria-rilke.de/080027panther.html

Weblinks[Bearbeiten]