Deutsche Auslandsschule

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Als Deutsche Auslandsschule werden Schulen im Ausland bezeichnet, an denen der Unterricht zumindest teilweise in deutscher Sprache stattfindet und deren Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden. In der Regel handelt es sich um Privatschulen, die von einem gemeinnützigen Schulverein getragen werden, zumeist aber aus deutschen öffentlichen Mitteln finanziell gefördert werden. Für die Betreuung der derzeit 142 Schulen auf allen Kontinenten ist die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) im Bundesverwaltungsamt zuständig. Die ZfA unterliegt dabei der Fachaufsicht des Auswärtigen Amtes und arbeitet mit dem Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) zusammen. Über die Befugnis zur Verleihung deutscher Schulabschlüsse entscheidet die Kultusministerkonferenz. Der 2003 gegründete Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) vertritt die freien Schulträger der Deutschen Auslandsschulen. Dem Verband gehören 109 Deutsche Auslandsschulen an.[1]

Schultypen und Schüler[Bearbeiten]

Nach Art und Umfang des deutschsprachigen Angebotes sowie der Abschlüsse werden die folgenden Typen allgemeinbildender Auslandsschulen unterschieden:

  • Deutschsprachige Schulen: Der Unterricht wird vollständig in deutscher Sprache erteilt, es werden ausschließlich deutsche Abschlüsse verliehen. Da diese Schulen vorwiegend von Schülern besucht werden, deren deutsche Eltern als Fachkräfte auf begrenzte Zeit ins Ausland entsandt wurden, ist umgangssprachlich die Bezeichnung Expat-Schulen verbreitet.
  • Zweisprachige Schulen (Begegnungsschulen): Der Unterricht wird sowohl in deutscher als auch in der Landessprache erteilt, die genaue Ausgestaltung ist unterschiedlich; die Landessprache wird als Muttersprache unterrichtet. Die Schulen stehen explizit allen Einheimischen und Kindern anderer Nationalitäten offen. Es werden sowohl deutsche als auch landesspezifische Abschlüsse vergeben. Der interkulturelle Austausch gehört zu den Schulzielen. Der überwiegende Teil der Deutschen Auslandsschulen ist heute als Begegnungsschule konzipiert.[2] Im Jahr 2013 besuchten knapp 82.000 Schüler die Deutschen Auslandsschulen, 20.810 waren deutsche, 61.000 nichtdeutsche Schüler.[3]

Neben den 142 Deutschen Auslandsschulen in 72 Ländern gibt es weltweit mehr als 1.000 Schulen mit verstärktem Deutschunterricht, so genannte Sprachdiplom-Schulen (DSD-Schulen): Dort wird der Unterricht, ggf. mit Ausnahme einzelner Fächer, vollständig in der Landessprache erteilt; es findet jedoch in großem Umfang verpflichtender Deutschunterricht statt, häufig schon in einem integrierten Kindergarten. Die Schulen sind vollständig in das örtliche Schulsystem integriert, es werden die jeweiligen nationalen Abschlüsse sowie das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz verliehen.

Hinzu kommen deutsche Berufsschulen sowie deutschsprachige Abteilungen an Europäischen Schulen und an sog. Spezialgymnasien in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Außerdem gibt es mehrere Hundert sogenannte FIT-Schulen, an denen der Deutschunterricht auf- oder ausgebaut wird.[4]

Aufgaben und Rolle der Deutschen Auslandsschulen[Bearbeiten]

Im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik sollen die Deutschen Auslandsschulen folgende Ziele verwirklichen:

  • Förderung der deutschen Sprache
  • Begegnung mit Kultur und Gesellschaft des Gastlandes
  • Schulische Versorgung deutscher Kinder im Ausland
  • Stärkung des Studien- und Wirtschaftsstandorts Deutschland

Eine gemeinsame Untersuchung von Weltverband Deutscher Auslandsschulen (WDA) und Universität St. Gallen belegt die bedeutende Rolle der Deutschen Auslandsschulen in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Der "Studie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen" zufolge leisten die Schulen aus Sicht von Experten aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Verwaltung und Verbänden einen wichtigen Beitrag zum Ansehen Deutschlands in der Welt. Ausbildung und Abschlüsse der Schulen genießen demnach international hohe Anerkennung; deutsche Unternehmen, die Mitarbeiter ins Ausland entsenden, profitieren stark von den schulischen Angeboten. Für die Studie zum Public Value der Deutschen Auslandsschulen wurden repräsentative Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Verbänden in Deutschland interviewt. An einer parallel durchgeführten Onlinebefragung beteiligten sich 285 Vorstände, Schul- und Verwaltungsleiter der Deutschen Auslandsschulen weltweit. Die Untersuchung erfasst den gesellschaftlichen Nutzen der Auslandsschulen anhand verschiedener Dimensionen wie Wirtschaftlichkeit, Bildung und sozialem Zusammenhalt.[5]

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Deutschen Auslandsschulen werden in der Regel von gemeinnützigen Schulvereinen gegründet und getragen, die öffentlich gefördert werden (Public-Private-Partnership). Die Auslandsschulen finanzieren sich als Privatschulen zu erheblichen Teilen aus Schulgeld und Spenden, hinzu kommt die Förderung aus dem Schulfonds des Auswärtigen Amtes. Diese Mittel werden von der ZfA zugewiesen. Einzelne Schulen erhalten auch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln des Gastlandes. Falls die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können, besteht häufig die Möglichkeit, dieses ganz oder teilweise zu erlassen oder ein Stipendium zu gewähren.

Die Bundesrepublik Deutschland unterstützte im Jahr 2013 die 142 Deutschen Auslandsschulen mit 243 Millionen Euro. [6] Die freien Träger der Deutschen Auslandsschulen erwirtschaften den Großteil ihrer Haushalte in Eigenverantwortung: Etwa 80 Prozent der Kosten der Auslandsschulen werden durch Gebühren und Zuschüsse ortsansässiger Unternehmen gedeckt.[7]

Am 22. März 2013 billigte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf für ein Auslandsschulgesetz.[7] Am 13. Juni 2013 wurde das Gesetz im Bundestag mit den Stimmen der damaligen schwarz-gelben Regierungskoalition verabschiedet.[8] Zum 1. Januar 2014 trat das Auslandsschulgesetz in Kraft. Damit wurde erstmals, nach einem mehrjährigen Reformprozess, eine eigene gesetzliche Regelung für die Förderung der Deutschen Schulen im Ausland geschaffen.

Gemäß Auslandsschulgesetz werden Förderverträge mit den freien Schulträgern der Deutschen Auslandsschulen geschlossen, die über drei Jahre einen gesetzlichen Anspruch auf die personelle und finanzielle Förderung erhalten. Förderfähig ist eine Deutsche Auslandsschule laut Auslandsschulgesetz (§ 8), wenn sie "deutschsprachigen Unterricht anbietet und deutschsprachig geprägte Abschlüsse“ anbietet; sie muss weiterhin in den letzten drei Jahren vor der Antragsstellung "mindestens 12 Abschlüsse“ derselben, im Gesetz festgeschrieben Kategorie von Abschlüssen vergeben haben (dazu zählen u.a. das Abitur, die mittlere Reife und das Gemischtsprachige International Baccalaureate).[9] Zu den weiteren Voraussetzungen für die gesetzliche Förderung zählen wirtschaftliche Tragfähigkeit, Gemeinnützigkeit und die Ausrichtung an den demokratischen Werten Deutschlands. Schulen, die den gesetzlichen Anspruch der Mindestzahl an Abschlüssen pro Jahr nicht erfüllen, können weiter auf der Basis des freiwilligen Zuwendungsrechtes gefördert werden. Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten, können ebenfalls freiwillig auf der Basis des Zuwendungsrechts Fördermittel erhalten.[10]

Lehrkräfte[Bearbeiten]

Im Rahmen der Förderung durch die Bundesrepublik Deutschland und um deutsche Qualitätsstandards zu gewährleisten, werden deutsche Auslandsdienstlehrkräfte durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen vermittelt und an die Schulen entsandt. Dabei handelt es sich um verbeamtete oder festangestellte Lehrer aus dem innerdeutschen Schuldienst, die für eine begrenzte Zeit (in der Regel maximal sechs Jahre) durch die Bundesländer zur Verfügung gestellt werden. Sie werden von der Bundesrepublik Deutschland finanziert und erhalten ihre reguläre Vergütung nach deutschem Besoldungs- bzw. Tarifrecht sowie zusätzlich eine Auslandszulage. Hinzu kommen Bundesprogrammlehrkräfte, die ebenfalls für begrenzte Zeit aus Deutschland entsandt werden, jedoch zuvor keine feste Beschäftigung im innerdeutschen Schuldienst innehatten. Sie werden von der Schule nach örtlichen Tarifen bezahlt, erhalten jedoch zusätzlich eine Zuwendung aus Bundesmitteln. Schließlich werden deutsch- wie landessprachliche Ortslehrkräfte von den Schulen direkt angestellt und besoldet. Die Schulleitung obliegt zumeist einer Auslandsdienstlehrkraft. Im Jahr 2013 waren 1.340 aus Deutschland vermittelte Lehrkräfte und 6.835 Ortslehrkräfte an den Deutschen Auslandsschulen tätig.[11]

Exzellente Deutsche Auslandsschule[Bearbeiten]

Offizielles Gütesiegel

Das Gütesiegel Exzellente Deutsche Auslandsschule wird an Deutsche Auslandsschulen vergeben, nachdem diese eine Bund-Länder-Inspektion (BLI) erfolgreich durchlaufen haben.

Die BLI wurde 2008 durch die Kultusministerkonferenz (KMK) bzw. den Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) als Werkzeug des Pädagogischen Qualitätsmanagements (PQM) für Deutsche Auslandsschulen verbindlich eingeführt. Alle Deutschen Auslandsschulen werden im Rahmen der BLI in einem Zyklus von etwa sechs Jahren besucht. Bis 2013 haben laut BLASchA 112 der Deutschen Auslandsschulen eine BLI durchlaufen.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. https://www.auslandsschulnetz.de/wws/weltkarte_mitgliedsschulen.php
  2. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/KulturDialog/SchulenJugend/Uebersicht_node.html
  3. http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_ZfA/DieZfA/ZahlenausderZfA/AuslandsschulwesenZahlen2013.pdf?__blob=publicationFile&v=3
  4. http://weltkarte.pasch-net.de
  5. https://www.auslandsschulnetz.de/wws/publicvalue.php
  6. http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_ZfA/DieZfA/ZahlenausderZfA/AuslandsschulwesenZahlen2013.pdf?__blob=publicationFile&v=3
  7. a b  Barbara Gillmann: Sicherheit für deutsche Schulen im Ausland. In: Handelsblatt. Nr. 57, 21. März 2013, ISSN 0017-7296, S. 11.
  8. http://dbtg.tv/fvid/2438463
  9. http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_ZfA/Auslandsschularbeit/Auslandsschulgesetz/faq_node.html
  10. https://www.auslandsschulnetz.de/wws/auslandsschulgesetz_in_kraft.php
  11. http://www.bva.bund.de/DE/Organisation/Abteilungen/Abteilung_ZfA/DieZfA/ZahlenausderZfA/AuslandsschulwesenZahlen2013.pdf?__blob=publicationFile&v=3
  12. http://www.bva.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/ZfA/Publikationen/BLI2.0-Folgezyklus.pdf?__blob=publicationFile&v=3