Deutsche Auslandsschule

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Als Deutsche Auslandsschule werden Schulen im Ausland bezeichnet, an denen der Unterricht zumindest teilweise in deutscher Sprache stattfindet und deren Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden. In der Regel handelt es sich um Privatschulen, die von einem Schulverein getragen werden, zumeist aber aus deutschen öffentlichen Mitteln finanziell gefördert werden. Für die Betreuung der derzeit 140 Schulen auf allen Kontinenten ist die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) im Bundesverwaltungsamt zuständig. Die ZfA unterliegt dabei der Fachaufsicht des Auswärtigen Amtes und arbeitet mit dem Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) zusammen. Über die Befugnis zur Verleihung deutscher Schulabschlüsse entscheidet die Kultusministerkonferenz.

Schultypen[Bearbeiten]

Nach Art und Umfang des deutschsprachigen Angebotes sowie der Abschlüsse werden die folgenden Typen allgemeinbildender Auslandsschulen unterschieden:

  • Deutschsprachige Schulen: Der Unterricht wird vollständig in deutscher Sprache erteilt, es werden ausschließlich deutsche Abschlüsse verliehen. Da diese Schulen vorwiegend von Schülern besucht werden, deren deutsche Eltern als Fachkräfte auf begrenzte Zeit ins Ausland entsandt wurden, ist umgangssprachlich die Bezeichnung Expat-Schulen verbreitet.
  • Zweisprachige Schulen (Begegnungsschulen): Der Unterricht wird sowohl in deutscher als auch in der Landessprache erteilt, die genaue Ausgestaltung ist unterschiedlich; die Landessprache wird als Muttersprache unterrichtet. Die Schulen stehen explizit allen Einheimischen und Kindern anderer Nationalitäten offen. Es werden sowohl deutsche als auch landesspezifische Abschlüsse vergeben. Der interkulturelle Austausch gehört zu den Schulzielen.

Neben den 140 Deutschen Auslandsschulen gibt es 870 landessprachige Schulen mit verstärktem Deutschunterricht, so genannte Sprachdiplom-Schulen: Der Unterricht wird, ggf. mit Ausnahme einzelner Fächer, vollständig in der Landessprache erteilt; es findet jedoch in großem Umfang verpflichtender Deutschunterricht statt, häufig schon in einem integrierten Kindergarten. Die Schulen sind vollständig in das örtliche Schulsystem integriert, es werden die jeweiligen nationalen Abschlüsse sowie das Deutsche Sprachdiplom (DSD) der Kultusministerkonferenz verliehen.

Hinzu kommen deutsche Berufsschulen sowie deutschsprachige Abteilungen an Europäischen Schulen und an sog. Spezialgymnasien in Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

Finanzierung[Bearbeiten]

Die Auslandsschulen finanzieren sich als Privatschulen zu erheblichen Teilen aus Schulgeld und Spenden, hinzu kommt eine Förderung aus öffentlichen Mitteln der Bundesrepublik Deutschland. Diese werden von der ZfA zugewiesen. Einzelne Schulen erhalten auch Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln des Gastlandes. Falls die Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können, besteht häufig die Möglichkeit, dieses ganz oder teilweise zu erlassen oder ein Stipendium zu gewähren.

Die Bundesrepublik Deutschland unterstützt im Jahr 2013 die 141 deutschen Auslandsschulen mit 243 Millionen Euro. Neben rund 1300 aus Deutschland abgeordneten Lehrern arbeiten rund 500 von Ort engagierte Lehrer an den Schulen. Etwa 80 Prozent der Kosten der Auslandsschulen werden durch Gebühren und Zuschüsse ortsansässiger Unternehmen gedeckt.[1]

Im März 2013 billigte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf für ein Auslandsschulgesetz. Damit soll ein Rechtsanspruch auf Förderung für Schulen entstehen, die jeden deutschen Schulabschluss jährlich wenigstens 20-mal vergeben.[1]

Lehrkräfte[Bearbeiten]

Im Rahmen der Förderung durch die Bundesrepublik Deutschland und um deutsche Qualitätsstandards zu gewährleisten, werden deutsche Auslandsdienstlehrkräfte durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen vermittelt und an die Schulen entsandt. Dabei handelt es sich um verbeamtete oder festangestellte Lehrer aus dem innerdeutschen Schuldienst, die für eine begrenzte Zeit (in der Regel maximal sechs Jahre) durch die Bundesländer zur Verfügung gestellt werden. Sie werden von der Bundesrepublik Deutschland finanziert und erhalten ihre reguläre Vergütung nach deutschem Besoldungs- bzw. Tarifrecht sowie zusätzlich eine Auslandszulage. Hinzu kommen Bundesprogrammlehrkräfte, die ebenfalls für begrenzte Zeit aus Deutschland entsandt werden, jedoch zuvor keine feste Beschäftigung im innerdeutschen Schuldienst innehatten. Sie werden von der Schule nach örtlichen Tarifen bezahlt, erhalten jedoch zusätzlich eine Zuwendung aus Bundesmitteln. Schließlich werden deutsch- wie landessprachliche Ortslehrkräfte von den Schulen direkt angestellt und besoldet. Die Schulleitung obliegt zumeist einer Auslandsdienstlehrkraft.

Exzellente Deutsche Auslandsschule[Bearbeiten]

Offizielles Gütesiegel

Das Gütesiegel Exzellente Deutsche Auslandsschule wird an Deutsche Auslandsschulen vergeben, nachdem diese eine Bund-Länder-Inspektion (BLI) erfolgreich durchlaufen haben.

Die BLI wurde 2008 durch die Kultusministerkonferenz (KMK) bzw. den Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland (BLASchA) als Werkzeug des Pädagogischen Qualitätsmanagements (PQM) für Deutsche Auslandsschulen verbindlich eingeführt. Inzwischen (Stand: August 2012) haben gut drei Viertel aller 140 Deutschen Auslandsschulen eine BLI durchlaufen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Barbara Gillmann: Sicherheit für deutsche schulen im Ausland. In: Handelsblatt. Nr. 57, 21. März 2013, ISSN 0017-7296, S. 11.