Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn

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Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn
Paderborn Dioezesanmuseum.jpg
Diözesanmuseum Paderborn
Daten
Ort Paderborn
Art Religionsgeschichte
Architekt Gottfried Böhm
Eröffnung 1975
Betreiber Erzbistum Paderborn
Leitung Prof. Dr. Christoph Stiegemann
Website http://www.dioezesanmuseum-paderborn.de
ISIL DE-MUS-111219

Das Erzbischöfliche Diözesanmuseum Paderborn (gegründet 1853) ist das älteste Diözesanmuseum im deutschsprachigen Raum und befindet sich in Trägerschaft des Erzbistums Paderborn. Es beherbergt eine umfangreiche Schausammlung vornehmlich sakraler Kunst des 10. bis 20. Jahrhunderts. Neben der Sammlung mit einem Umfang von ca. 8.000 Exponaten, von denen rund 1.000 ständig in dem modernen Bau präsentiert werden, werden regelmäßig Wechselausstellungen angeboten.

Geschichte[Bearbeiten]

Gegründet am 22. März 1853 fand das Diözesanmuseum seine erste Heimat im ehemaligen Kapitelsaal des Busdorfstifts, einer Gründung des Paderborner Bischofs Meinwerk (1009–1036). Das Museum war als "Rettungsstation" gedacht für christliche Kunstwerke, die in den Kirchen keine Verwendung mehr fanden. Ziel war es, die Kunst vor der Zerstörung zu bewahren und gleichzeitig Künstlern und Handwerkern Inspirationsquellen für ihre Studien zu geben. Da die umliegenden Kirchengemeinden kaum weitere Kunstwerke einreichten, wurde das Museum 1867 geschlossen. Die ursprünglich zusammengeführte kleine Sammlung geriet bald in Vergessenheit. Bischof Karl Joseph Schulte startete 1911 einen zweiten Versuch und rief die Kirchengemeinden erneut dazu auf, Objekte einzuliefern.[1] Mit Erfolg: Am 18. Juni 1913 fand die Wiedereröffnung in provisorischen Räumen des 1912 errichteten Generalvikariats statt. Wie bereits 1853 beherbergte das Museum vor allem Leihgaben, die aus den umliegenden Pfarreien kamen, darunter vermehrt beschädigte und solche Kunstwerke, die in den Kirchen ihre Funktion verloren hatten. Die damals unzulänglich aufgestellten Werke sakraler Kunst bilden bis heute den Kernbestand der Sammlung. Durch den 1993 runderneutern Neubau von 1975 wird die Sammlung seither konservatorisch angemessen bewahrt und Teile davon präsentiert.[2]

Gebäude[Bearbeiten]

Der Bau auf der Südwestseite des Turmes des Paderborner Doms, der an ein Schatzkästchen erinnern soll, wurde vom Kölner Architekten Gottfried Böhm 1967/68 geplant und in den Jahren 1968 bis 1975 errichtet. Nachdem konservatorische Mängel offenkundig wurden, wurde das Gebäude von 1991 bis 1993 völlig neugestaltet. Die ursprünglich großen Glasfronten mussten wegen zu starker Klimaschwankungen und zu großer Helligkeit geschlossen werden. Das Gebäude ist nun ein großer, frei tragender, mit Blei verkleideter Baukörper, der steht.[3] Um die empfindlichen Exponate zu schützen, erhielt das Gebäude zusätzlich eine Klimaanlage.

Sammlungen[Bearbeiten]

Der geöffnete Liborischrein im Jahre 2009.

Die Skulpturensammlung umfasst neben mittelalterlichen Werken auch herausragende Beispiele westfälischer Barockskulptur wie den Liborischrein von 1627 aus dem Paderborner Dom.

Sicherlich die bedeutendste Skulptur ist die vom Paderborner Bischof Imad gestiftete und nach ihm benannte Imad-Madonna (1051-1058), eine der ältesten Darstellungen der thronenden Madonna in der abendländischen Kunst.

Im mittelalterlichen Kellergewölbe des ehemaligen Bischofspalastes befindet sich die Domschatzkammer, in der liturgische Geräte, Reliquiare und andere Werke kirchlicher Schatzkunst gezeigt werden. Die bedeutendsten Stücke sind neben dem vergoldeten Schrein (1625-1627) des Dom- und Bistumspatrons Liborius die beiden außergewöhnlichen Tragaltäre des Goldschmieds Rogerus von Helmarshausen aus dem frühen 12. Jahrhundert.

Außerdem finden sich im Museum kostbare Paramente, Gemälde auf Holz und Leinwand, Handschriften, Schnittglas und ein großer Fundus religiöser Volkskunst.

Wechselausstellungen[Bearbeiten]

Die Verantwortlichen des Erzbistums Paderborn, der Stadt Paderborn und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) verständigten sich 1995 über die Gründung einer gemeinsamen Ausstellungsgesellschaft, um künftige Großprojekte organisatorisch und finanziell abwickeln zu können, und gründeten die Ausstellungsgesellschaft Paderborn mbH, welche seither mehrfach überregional anerkannte Projekte umsetzen konnte.[4]

Das Museum veranstaltet Wechselausstellungen zu wichtigen Themen aus allen Bereichen christlicher Kunst und Kultur.

Vom 23. Juli 1999, dem Namensfest des hl. Dom- und Bistumspatrons Liborius, in Anwesenheit des Bundespräsident (Deutschland)en Johannes Rau im Hohen Dom feierlich eröffnet, bis zum 1. November 1999 war das Diözesanmuseum neben dem Museum in der Kaiserpfalz und der Städtischen Galerie am Abdinghof einer der drei Ausstellungsorte der beiden großen, überregional sehr erfolgreichen Ausstellungen „799 – Kunst und Kultur der Karolingerzeit. Papst Leo III. und Karl der Große in Paderborn“ und „Canossa 1077 – Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik.“[4]

Vom 9. Dezember 2011 bis 6. Mai 2012 zeigte das Museum eine Ausstellung mit dem Titel „Franziskus - Licht aus Assisi“.[5] Eine große Retrospektive des Künstlers HA Schult mit über 100 Werken wurde vom 22. Februar bis 12. Mai 2013 gezeigt.[3]

Vom 26. Juli bis 3. November 2013 wird erneut gemeinsam mit den Häusern der Städtischen Galerie am Abdinghof und dem Museum der Kaiserpfalz eine Ausstellung unter dem Titel „Credo - Christianisierung Europas im Mittelalter“ durchgeführt.[6]

Trivia[Bearbeiten]

Der Standort des Museums ist sehr umstritten, weil es den freien Blick auf den Dom mit seinem Paradiesportal verstellt. Basierend auf diesem Umstand reicht der Ruhm des Museums bis hinein in die Literatur: Robert Gernhardt hat dem Bau ein eigenes Gedicht gewidmet mit dem Titel „Als er zum wiederholten Male das Diözesanmuseum sah“.

„Paderborn, arme Stadt,
wie er dich verschandelt hat,
dieser Architekt.
Hat dir dreist den Dom verstellt,
kriegte dafür auch noch Geld,
dass er den versteckt.
Architekten, holt Freund Hein!
Aber so ein Werk aus Stein
bleibt im Fleisch ein Dorn.
Macht in alle Ewigkeit
sich vor Turm und Kirche breit.
Arme Stadt Paderborn.“

Robert Gernhardt: Deutschlandradio[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Stiegemann (Hrsg.): Diözesanmuseum Paderborn 1913-1993. Festschrift aus Anlaß der Wiedereröffnung am 18. Juni 1993. Bonifatius, Paderborn 1994, ISBN 3-87088-816-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diözesanmuseum Paderborn feiert 160-jähriges Bestehen.
  2. Geschichte – seit 1853. Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  3. a b dapd: Feature : HA Schult bringt Müll in christliche Hallen. In: Welt Online. 21. Februar 2013. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  4. a b „799 | Kunst und Kultur der Karolingerzeit – Karl der Große und Papst Leo III. in Paderborn“ - Rückblick auf ein erfolgreiches Ausstellungsunternehmen (PDF 269 kB) Erzbistum Paderborn. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  5. Franziskus-Ausstellung. Erzbistum Paderborn. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  6. CREDO – wie Europa christlich wurde. In: credo-ausstellung.de. Ausstellungsgesellschaft Paderborn mbH. Abgerufen am 16. Juli 2013.
  7. Gerrit Stratmann: Kunst und Glaube - Museum der Woche Diözesanmuseum Paderborn. In: Deutschlandradio. 21. März 2008. Abgerufen am 16. Juli 2013.

51.7184722222228.7551388888889Koordinaten: 51° 43′ 6,5″ N, 8° 45′ 18,5″ O