Paderborner Dom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dom zu Paderborn (Südseite)
...bei Nacht als Panorama
Blick von der Libori-Galerie auf den 93 Meter hohen Westturm

Der Hohe Dom Ss. Maria, Liborius und Kilian ist die Kathedralkirche des Erzbistums Paderborn und liegt im Zentrum der Paderborner Innenstadt, oberhalb der Paderquellen. Die ortsbildprägende Anlage mit dem markanten mächtigen Westturm über dem Chor, der von zwei runden Türmen flankiert wird, ist überwiegend in spätromanischen und gotischen Formen gehalten.[1]

Patron[Bearbeiten]

Erster Patron der Stadt und des Bistums und dritter Patron des Doms ist der Heilige Liborius von Le Mans. Seine Gebeine wurden 836 unter Kaiser Ludwig dem Frommen im Rahmen der damals üblichen Reliquientranslationen aus Frankreich in die Bischofsstadt Paderborn geholt. Als die Gruppe Geistlicher, die nach Le Mans aufgebrochen war, Paderborn wieder erreichte, geschah das unter großer Teilnahme des Volkes. Zum Gedenken an dieses Ereignis findet jährlich im Juli das Libori-Fest statt.

Die weiteren Patrone des Domes sind die Heiligen Maria (Mutter Jesu) und Kilian.

Architektur und Geschichte[Bearbeiten]

Der Dom 1891 (Südostansicht)
Der Turm des Doms in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts
Ein Turm hat bereits das neue Dach (24. Februar 2014)

Der imposante Dom stammt im Wesentlichen aus dem 13. Jahrhundert. Er präsentiert sich als dreischiffige Hallenkirche mit Querhaus und Paradiesportal.[2] Besonders charakteristisch ist der mächtige romanische Westturm aus dem frühen 13. Jahrhundert, der mit einer Höhe von 93 Metern die Innenstadt weit überragt. In der Krypta, die mit einer Länge von 32 m eine der größten in Deutschland ist, werden die Gebeine des Hl. Liborius aufbewahrt.

Das Langhaus des Paderborner Domes wurde epochemachend für das ganze westfälische Hallensystem: Erstmals wurde in diesem lichtdurchfluteten Kirchenschiff ein neueres, freieres Raumgefühl wirksam, das dann typisch für die westfälischen Kirchen wurde. Hier war nur noch eine mehr äußerliche Verwandtschaft zu den westfranzösischen frühgotischen Hallenkirchen spürbar, die genau wie die französische Plastik eigentlich vorbildgebend waren.

Während der Turm im romanischen Stil erbaut ist, zeigen die fünf großen seitlichen Fenster - bedingt durch die lange Bauzeit - in der zunehmenden Feinheit der Steinmetzarbeiten die Entwicklung gotischer Formen: Jedes Fenster ist kunstvoller ausgeführt als das vorhergehende, und erst der letzte Spitzbogen am Querschiff zeigt vollendet gotische Proportionen.

Es gab verschiedene An- und Umbauten in späterer Zeit, die den Gesamteindruck des Domes jedoch nicht entscheidend verändert haben. Hier seien vor allem im 17. Jahrhundert die Wiederherstellung und Barockisierung nach der Plünderung im Dreißigjährigen Krieg und ab 1945 der Wiederaufbau nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs genannt.

Nördlich des jetzigen Doms wurde 776 die Karlsburg erbaut mit der Königspfalz im Nordwesten. Durch die Zusammenkunft Karls des Großen mit Papst Leo III. im Jahr 799 entstand das Bistum Paderborn. Nördlich der Karlsburg liegt die Kaiserpfalz. Neben und unter dem Dom wird mit umfangreichen Ausgrabungen die über 1200jährige Geschichte der Kathedralkirche erforscht.

Dem Dom angegliedert ist auch die 1017 geweihte Bartholomäuskapelle. Sie gilt als ältester Hallenkirchbau nördlich der Alpen.

Pfalz und Dom entstanden direkt oberhalb der Quellbecken der Dielenpader und der Rothobornpader, zweien der sieben Quellarme der Pader, die auch Namensgeber der Stadt Paderborn ist.

Der Altarraum wurde 1982 von Heinrich Gerhard Bücker umgestaltet.[3] Ab September 2013 ist eine Erneuerung der kupfernen Dacheindeckung geplant.[4]

Außenmaße des Domes[Bearbeiten]

  • Länge: 104 Meter
  • Höhe des Turmes: 93 Meter
  • Breite (über die Querschiffe): 52 Meter
  • Breite (mit Seitenkapellen): 37 Meter
  • Höhe des Hauptschiffs: 28 Meter

Eingangshalle und Paradiesportal[Bearbeiten]

Paradiesportal
Blick auf den Altarraum

Der Dom ist eine Doppelchoranlage, hat also keine Fassade mit entsprechendem großem Eingangsbereich. Deshalb hat man auf der Südseite eine Eingangshalle mit einem aufwendigen Figurenportal versehen. Die Gruppe wird nach neueren Forschungen auf das erste Drittel des 13. Jahrhunderts datiert. Die Vorhalle, die bis 1859 noch doppelt so groß war, wird als Aufenthaltsraum für Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela gedeutet. Sie hat große Ähnlichkeit mit den Vorhallen weiterer hauptsächlich französischer Pilgerkirchen auf dem Weg nach Santiago, woher sich möglicherweise auch die generell starke Ausrichtung dieses Baues an französischen Vorbildern erklärt. Zeitweilig haben hier wahrscheinlich auch Gerichtsverhandlungen stattgefunden.

Die Statuengruppe in der Vorhalle ist in dieser Form für Deutschland sehr selten. Es ist das größte romanische Portal in Westfalen und nicht nach einem einheitlichen Plan ausgeführt, sondern, wie die Unstimmigkeiten im Aufbau beweisen, zunächst als reines Säulenportal begonnen und erst unter dem Einfluss der französischen Kathedralgotik als Figurenportal vollendet.

In der Mitte steht die Muttergottes als Himmelskönigin, eine der frühesten stehenden Madonnen in Deutschland. In einer einfühlsamen Geste wendet sich das Kind mit einer Armbewegung seiner Mutter zu. Die noch sichtbaren Farbreste beweisen, dass im Mittelalter fast alle Plastik bemalt war. Über den Eingangstüren, rechts und links von der Madonna, stehen die noch älteren, aus dem 12. Jahrhundert stammenden Figuren der Dompatrone Liborius und Kilian.

Nicht alle Figuren des Portals sind sicher zuzuordnen. Direkt links neben Maria steht Petrus – erkennbar an dem seit Jahrhunderten festliegenden Kopftyp. Der Apostel mit der Pilgermuschel in der Hand links daneben ist Jakobus der Ältere. Die sich dann auf der linken Seite anschließende Figur ist nicht zu identifizieren, da sie durch die Schriftrolle nur ganz allgemein als Apostel gekennzeichnet ist.

Direkt rechts neben Maria steht Paulus. Die bartlose Figur an zweiter Stelle von rechts ist wahrscheinlich Jesu Lieblingsjünger Johannes. Als Einzelfigur ist rechts außen die Hl. Katharina interessant: Sie tritt den heidnischen Kaiser Maxentius mit ihren Füßen nieder, gegen den sie das Christentum in einer Disputation siegreich verteidigt hatte.

Die Kapitellzone unterhalb der Figurenreihe ist mit großem plastischen Aufwand gestaltet. Auf die Kapitellkerne sind flächige Blattmuster gelegt, teilweise in mehreren Schichten übereinander, die sich auch über die Mauerstücke dazwischen erstrecken. Die Kämpferzone darüber ist, wie häufig im Mittelalter, von einem Gemisch aus Pflanzenranken und Fabelwesen überzogen.

Kapellen[Bearbeiten]

An der Nord- und Südseite des Domes befinden sich Kapellen, die überwiegend im 14. Jahrhundert entstanden sind. Die Domherren stammten aus westfälischen Adelsfamilien, die mit ihrem Vermögen für die Stiftungen aufkam, die für den Unterhalt des Domes notwendig waren. Einige dieser Familien beanspruchten einen besonderen Platz, der nach ihren Vorstellungen und Wünschen ausgestaltet war und die Familienwappen und Inschriften zeigten. Dieser Gebetsort sollte auch gleichzeitig der Begräbnisort für die angehörigen Domherren sein. Etwa von der Mitte des 17. bis zum 18. Jahrhundert, veränderte sich der Zeitgeschmack. Es kam die Zeit des Barock und die Kapellen wurden gründlich umgestaltet; sie erhielten in etwa ihr derzeitiges Aussehen. Sie wurden immer wieder beschädigt und auch geplündert, letztmals im Zweiten Weltkrieg, die Schäden und Verluste wurden repariert oder ersetzt. Die Räume sind vor Diebstahl und Vandalismus durch kunstvoll geschmiedete Gitter geschützt, die zum Teil in der Manier des optisch täuschenden perspektivischen Durchblicks angefertigt wurden. Durch die Gitter ist die Innenausstattung nur schwer zu erkennen. Ergänzt werden diese acht Kapellen durch die Brigidenkapelle, die Westphalenkapelle und die Gedächtniskapelle.[5]

Marienkapelle[Bearbeiten]

Die Marienkapelle an der Südseite, ist die größte und vermutlich die älteste der Kapellen. Sie wurde 1227 erwähnt[6], die Einrichtung erfolgte 1237. Hier wurden häufiger Gottesdienste gefeiert. Die schwere Tür, durch die sie erschlossen ist, wirkt ähnlich wie eine Laubsägearbeit. Aus zwei aufeinander geklebten Brettern wurden Öffnungen ausgestanzt, so dass die aufgemalte und von Engeln umgebene Madonna mit Kind vor einer perspektivisch vorgetäuschten Architektur Platz findet. Das Bild malte Anton Willemssens aus Flamen, von ihm stammen auch die Stuckarbeiten.[6] Die Tür ist von einer wuchtigen Portalrahmung mit zwei schweren Säulen umgeben. Die Decke wurde mit wirkungsvollen Stuckarbeiten versehen. Der kleine Rokokoaltar zeigt auf dem Altarblatt die Maria Immaculata. Zu beiden Seiten stehen die Figuren des Liborius und des Johannes Nepomuk, die in weiß und Gold gefasst sind. Der kleine Rokokoaltar aus der Zeit um 1760 bis 1765[6] Altar stammt aus einer Privatkapelle und wurde im 20. Jahrhundert hier aufgestellt. An der Nordwand steht das Grabmal für den Domherren Freiherr von Ketteler.[7]

Vituskapelle[Bearbeiten]

Die Vituskapelle wurde durch den ehemaligen Abt von Corvey und danach Bischof Heinrich III so benannt. Die Ausstattung stammt von den Gebrüdern Plettenberg und wurde zu Anfang des 18. Jahrhunderts aufgestellt. Die prachtvolle Portalrahmung ist von einer Figur des Vitus, dargestellt mit einem Löwen und einem Adler, bekrönt. Die großen Medaillons mit den Portraits des Antonius von Padua und des Franz Xaver werden von Engeln gehalten. Das Altarbild wird von Figuren Karls des Großen, Heinrich II, Meinolf und Liborius begleitet. Das Antependium zeigt auf einem auf Leder gemalten Bild, einen nicht bezeichneten Papst, in der Pose eines Baumeisters. Das Altarblatt wurde nach 1987 von Richard Sehrbrock aus Elsen gemalt. Es zeigt den Weihbischof Nils Stensen. Das Bild im oberen Teil des Altares zeigt den sein Schöpfungswerk segnenden Gottvater. An den Seitenwänden der Kapelle stehen die Figuren der Agatha im Feuer und eines unbekannten Bischofs.[8]

Meinolphuskapelle[Bearbeiten]

Die Meinolphuskapelle richtete Ambrosius von Oelde 1687 aus dem Nachlass Friedrichs von Oienhausen zu Eichholz ein, der 1681 starb. Vorher stand hier die Andreaskapelle, die 1377 gebaut wurde.[6]

Josefskapelle[Bearbeiten]

Die Josefskapelle zeigt über dem Portal ein Brustbild des Josef von Nazareth. Früher unterstand diese Kapelle dem Patrozinium der Heiligen drei Könige, das bekannte Relief mit der Darstellung der Könige wurde an dem südlichen Pfeiler vor dem Hauptaltar befestigt. Das Dreikönigsgemälde ist nicht erhalten. Das Gemälde im Innenraum über dem schlichten Altar zeigt die Vermählung von Josef und Maria. An der östlichen Wand hängt ein Bild, das die Ursula mit weiteren Heiligen und Gefährten zeigt.[9]

Matthiaskapelle[Bearbeiten]

Die Matthiaskapelle wechselte häufig die dafür verantwortlichen Familien. Ursprünglich wurde die Familie des Matthias von der Reck mit der Verantwortung betraut, das Wappen und die Inschrift beziehen sich aber auf die Familie Wolff-Metternich. Die eindrucksvollen Reliefs an der Portalrahmung stellen die Berufung und das Martyrium des Apostels Matthias dar. Die großen Medaillons darüber zeigen Liborius und Judas Thaddäus. Hinter dem schlicht gehaltenen Altar hängt eine Bildhauerarbeit von guter Qualität; es werden Beispiele aus der Leidensgeschichte Christi gezeigt. Die Reliefs zeigen die Geißelung, die Dornenkrönung, und die Kreuzigung. Bis zu den Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg war der Hintergrund bemalt und wurde unifarben restauriert. Die Figuren des Johannes d. T. und des Abtes Wilhelm, ein Gründer einer Eremitengemeinschaft, ergänzen die Ausstattung.[10]

Hippolytkapelle[Bearbeiten]

Die Hippolytkapelle steht in der Nähe des Paradiesportales. Sie wurde 1306 urkundlich erwähnt, eine Erneuerung durch den Domküster und Drost in Neuhaus und Boke Matthias von der Reck[11] ist für 1688 belegt. Reck fand hier seine letzte Ruhe. Die Portalrahmung wurde von Ambrosius von Oelde entworfen und ist von der Figur des Hippolyt als Polizeihauptmann, mit Panzerhemd und Hellebarde, bekrönt. Nach einer Legende soll dieser erste Gegenpapst als Offizier der römischen Polizei fungiert haben. Das Altarblatt zwischen zwei Säulen zeigt die Aufnahme der Maria in den Himmel. Die ausgestellte Grabplatte wurde für Mordianus von Kleve angefertigt.[12]

Schützenkapelle[Bearbeiten]

Altar der Schützenkapelle

Die Schützenkapelle wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und von den Paderborner Schützen wieder erneuert. Früher wurde sie als Andreaskapelle und auch Meinolfuskapelle bezeichnet. Das Glasfenster zeigt den Schutzpatron der Schützen, den Hubertus. Die Kapelle wird derzeit überwiegend als Beichtkapelle genutzt.[13]

Elisabethkapelle[Bearbeiten]

Die bekrönende Figur über der Portalrahmung der Elisabethkapelle zeigt die Elisabeth von Thüringen. Die prächtige Rahmung ist mit wirkungsvollen Reliefs geschmückt, es werden Medaillons tragende Engel dargestellt und Füllhörner mit Trauben. Das zentrale Altarbild zeigt die heilige Sippe, Maria und Josef mit dem Kind, den Zacharias und seine Frau Elisabeth. Die Sippe wird als verspielte Gruppe mit Rosen dargestellt. Das Grabdenkmal des Fürstbischofs Werner von Wolff-Metternich steht an der westlichen Seite. Der Bischof kniet in vollen Ornat vor einem Engel, der ein Kreuz schultert. Zwei allegorische Figuren, eine schwerttragende Frau und eine Frau die von einer Schlange umspielt in einen Spiegel blickt, umrahmen die Szenerie. Die Apostel Petrus und Paulus, sowie die Heiligen Aloysius und Antonius von Padua ergänzen die Ansicht.[14]

Dreifaltigkeitskapelle[Bearbeiten]

Altar in der Dreifaltigkeitskapelle

Der Franziskanerbruder Gerhard Mahler war seit 1652 mit der Wiederherstellung der Kirche befasst. Die Portalumrahmung zeigt im Gewände die Figuren des Meinolfus als Augustinerchorherr mit dem Prädikat eines Modelles der Klosterkirche von Böddeken, sowie des Liborius und des Kilian. Im Hintergrund ist die Begegnung von Joachim und Anna, der Eltern der Maria, an der goldenen Pforte zu sehen. Das Altarbild ging in Kriegswirren verloren, die begleitenden Figuren der Ursula und der Mauritius sind erhalten. Die Kappen der Gewölbe sind mit den Darstellungen der vier Evangelisten, sowie viel Schmuckwerk und Engelsköpfen, verziert. Ein durch das Gewölbe reichendes Schriftband mit dem Text des Ave Maria wird von Engeln gehalten.[15]

Engelkapelle[Bearbeiten]

Die Engelkapelle beherbergt das Grab des Bekennerbischofs Konrad Martin. Der Bischof wird auf der Tumba kniend, mit einem Kreuz in den Händen gezeigt. Die Darstellung ist eines der Hauptwerke des Bildhauers Georg Busch aus dem Jahre 1915. Daneben hängt eine Goldschmiedearbeit des Walter Cohausz, sie beinhaltet eine Reliquie der Pauline von Mallinckrodt. Das Altarblatt wurde im Krieg zerstört, die Signatur blieb erhalten. Es wurde unter Hinzufügung einer Abbildung der Pauline von Mallinckrodt mit einem blinden Kind, von dem Maler Richard Sehrbrock erneuert.[16]

Brigidenkapelle[Bearbeiten]

Die Brigida von Irland war eine gewisse Zeit Mitpatronin der Kirche. Ihre Kapelle befindet sich im Atrium. Bischof Meinwerk ließ sie abgesetzt von Chor in der Nähe des Domes errichten.[17] Im Mittelalter wurden in den Ecken zwei Säulen aus Kalksinter aufgestellt. Sie sind vermutlich noch aus dem Dom des Badurads erhalten. Der partiell erhaltene Fußboden aus der Zeit um 1020 mit schwarz-weißen Mustern aus Stein aus der Wirkensperiode des Meinwerk, wurde in neuerer Zeit wiedergefunden.[18]

Westphalenkapelle[Bearbeiten]

In der Westphalenkapelle wird ein Relief aus der Zeit um 1517 ausgestellt. Es zeigt den Heinrich von Brabender mit Philippus, Jakobus und Liborius. Der Altar auf dem es steht, ist schlicht gehalten. An den Wänden hängen eine Rüstung aus dem Türkenkrieg und eine Pauke. Sie wurden dem Liborius 1719 als Weihegeschenke gestiftet. Einige Grabplatten aus Stein und Eisenguss vervollständigen die Einrichtung.[19]

Gedächtniskapelle[Bearbeiten]

Die Gedächtniskapelle wurde von Agnes Mann gestaltet. Sie erinnert an vierzehn Menschen, die bei einem Luftangriff im Jahr 1945 im Kreuzgang starben. Agnes Mann zeigt in einem großen farbigen Mosaik den Lobgesang der drei Jünglinge im Feuerofen.[20]

Liborischrein[Bearbeiten]

Beisetzung des Liborischreins im Dom nach der Festandacht am Dienstag
Darstellung des Kalvarienberges auf dem Paderborner Liborischrein

Der mittelalterliche Vorgängerschrein wurde 1622 aus Anlassung der Plünderung des Domes durch den tollen Christian, eingeschmolzen[21] und teilweise zu Pfaffenfeindtalern geprägt.[22]

Der Liborischrein ist das wichtigste Stück des Domschatzes. Der Goldschmied Hans Krako aus Dringenberg fertigte ihn 1627 über einem Kern aus Holz[23] aus vergoldetem Silber an, es wurden auch Kupfer und Bronze verwendet. Er dient zur Aufnahme der Reliquien des Liborius und wurde von dem Landdrosten Wilhelm von Westphal aus Paderborn und seiner Ehefrau Elisabeth von Loe gestiftet.[21] Die Stirnseite zeigt, zwischen jeweils zwei Rundsäulen, in einem Rundbogen, die reliefartige Darstellung des Kalvarienberges. Im Giebelfeld darüber ist die Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm zu sehen.[21] An den Seiten des Schreines stehen jeweils sechs Figuren der Apostel in Rundbogennischen. Die Schrägen des Daches sind mit den Figuren der Heiligen Liborius und Kilian geschmückt. Sie werden von runden Medaillons mit den Darstellungen der vier lateinischen Kirchenväter Augustinus, Gregorius, Hieronymus und Ambrosius begleitet.[21][24] Die Rückseite ist mit der Stifterschrift und 32 Ahnenwappen der Stifter versehen. Unter der Stifterschrift wird Hans Krako erwähnt.[21] Der Schrein wird zum Liborifest in einer feierlichen Prozession durch die Innenstadt getragen und im Hochchor ausgestellt. Das Behältnis in Form eines einschiffigen Kirchengebäudes wurde wohl in Anlehnung an den verlorenen gegangenen Schrein aus dem Mittelalter gebaut. Eine letzte umfassende Renovierung wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführt, konservatorische Maßnahmen beschloss das Domkapitel 2009. Mit der Ausführung wurde der Goldschmied Thomas Schnorrenberg aus Paderborn beauftragt. Es waren Fehlstellen zu ersetzen, Lötarbeiten und Fixierungen vorzunehmen, sowie Brüche zu bearbeiten.[25]

Krypta[Bearbeiten]

Eingang zur Grablege der Erzbischöfe in der Krypta

Der Bischof Rethar war ein Vorgänger Meinwerks; schon in seiner Baumaßnahme war eine Krypta vorhanden. Die Krypta in ihrer heutigen Form ist erst seit 1100 vorhanden. Sie gilt zusammen mit den Krypten in Bamberg und Speyer, als größte Hallenkrypta in Deutschland. Sie ist die Grablege des Liborius und wirkt schlicht. Auch Paderborner Bischöfe sind in der Grablege beigesetzt.[26]

Dreihasenfenster[Bearbeiten]

Dreihasenfenster
Der Hasen und der Löffel drei, und doch hat jeder Hase zwei.

Dieser kurze und prägnante Vers beschreibt wohl am besten das Motiv des Dreihasenfensters. Das Anfang des 16. Jahrhunderts geschaffene Kunstwerk aus rotem Wesersandstein zeigt drei springende Hasen, die kreisförmig angeordnet sind. Es befindet sich an der Nordseite im Innenhof des Domkreuzgangs und ist auf den ersten Blick recht unscheinbar. Dieses Motiv des Dreihasenbildes ist allerdings nicht auf den Paderborner Dom allein beschränkt, sondern findet sich auch andernorts, zum Beispiel im Haslocher Wappen, und auch außerhalb der christlichen Kultur.

Das Fenster ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Paderborns und ein altes Wahrzeichen der Stadt. In früheren Zeiten war es auch ein Glücksbringer, den jeder durch Paderborn wandernde Handwerksbursche gesehen haben musste.

In unmittelbarer Nähe des Dreihasenfensters befindet sich der Teil einer britischen Fliegerbombe, die am 22.03.1945 über Paderborn abgeworfen wurde. Dieses Bruchstück wird aufgrund seiner Form und der Nähe zum Dreihasenfenster von den Bürgern der Stadt Paderborn "Britische Eierschale" genannt.

Ausstattung[Bearbeiten]

Hochaltar[Bearbeiten]

Der Hochaltar aus Basaltlava steht im Joch vor der Vierung im Osten, er ist zusammen mit der Kathedra das Zeichen für die Einheit der Gemeinden in der Diözese. Der Altar wurde 1982 von Heinrich Gerhard Bücker aus Beckum angefertigt, ein mit Medaillons verziertes Band aus Alabaster umläuft ihn. An der Schauseite wird eine Kreuzigungsszene mit Jesus, Maria und Johannes gezeigt, auf der Gegenseite die Heiligen Kilian und Liborius und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. An den schmalen Seiten befinden sich die Apostel Petrus und Paulus.[27]

Margarethenaltar[Bearbeiten]

Der Margarethenaltar ist ein Flügelalter, der von Gert van Loon angefertigt wurde. Van Loon wurde um 1465 geboren und starb nach 1521. Dieser Flügelaltar ist der einzig noch erhaltende des Domes, er stand ursprünglich im Pfarrwinkel und wurde nach dem Wiederaufbau der Kirche in der Turmhalle aufgestellt. Bei geöffneten Flügeln werden Szenen aus dem Leben Christi präsentiert: die Anbetung der Könige, Christus in der Vorhölle, die Auferstehung Christi, die Himmelfahrt Christi und die Sendung des Heiligen Geistes. Auf den äußeren Flügeln befinden sich Darstellungen aus dem Leben der Hl. Margaretha.[28]

Fürstenberggrabmal[Bearbeiten]

Das Fürstenberggrabmal ist eine Arbeit des Heinrich Gröninger, er schuf es von 1616 bis 1622. Es gilt als wichtiges Zeugnis der Zeit zwischen der Zeit des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Zeit des Barock. Das Grabmal im manieristischen Stil für den Fürstbischof Dietrich Theodor von Fürstenberg wurde von ihm selbst noch zu Lebzeiten in Auftrag gegeben. Das Grabmal mit einer Höhe von 17,87 Metern hing ursprünglich an der Nordwand im Ostchor. Von Fürstenberg wollte sich in die Geschichte des Domes und des Bistums eingebunden wissen. In den Seitenteilen des Altaren befinden sich Figuren von Karl dem Großen und Heinrich II. Den Mittelpunkt bilden Reliefs mit der Vision der Auferstehung des Propheten Ezechiel; darüber ist die Szene mit der Auferweckung des Lazarus dargestellt.[29] Die lebensgroße Figur des Fürstbischofs kniet auf dem Sockel, er zeigt sich dem Betrachter im Profil. Der Bischof ist mit einem prachtvollen Chormantel bekleidet. Die Figur des Liborius steht auf der linken Seite im Obergeschoss, sein Kopf ist in Richtung des Mittelteils des Grabmales geneigt. Der Bischof trägt seinen Bischofsstab und als Attribut ein Buch mit drei Nierensteinen. Kilian steht auf der rechten Seite und trägt außer dem Bischofsstab noch die Märtyrerpalme. Die Figuren Karls des Großen und Heinrich II. stehen im Innenteil des Obergeschosses. Kaiser Karl ist mit einer Ritterrüstung und einer Puffhose gewandet, das Bruststück ist geriffelt. Der Kaisermantel, Reichsapfel und Krone betonen seine Würde. Das Schwert wurde in späterer Zeit ergänzt. Heinrich II war ein Freund Meinwerks, er trägt römische Kleidung und die Insignien es Kaisers: Szepter, Krone, Reichsapfel und den Krönungsmantel.[30] In den Seitenteilen stehen Figuren des Jesus und der Maria. Das Jesuskind, das von Maria mit beiden Händen getragen wird, legt eine Hand auf die Schulter seiner Mutter. In der anderen Hand hält es einen Apfel, den es dem Betrachter entgegenhält. Der Faltenwurf im Mantel der Muttergottes folgt mehrfach der Lage des Kindes. Auf der linken Seite im Untergeschoss ist Maria Magdalena zu sehen, sie steht neben Jesus. In der Hand trägt sie ein Gefäß, dessen Inhalt zur Salbung díent; in der christlichen Kunst wird sie häufig so dargestellt. Kunigunde war die Frau von Heinrich II, sie wurde 1002 gekrönt. Ihre Figur steht ohne Krone, bekleidet mit einem Kleid mit Spitzenkragen, neben der Maria.[31]Das Obergeschoss des Mittelteiles ist nahezu quadratisch, hier ist die Auferstehung des Lazarus dargestellt. Die äußeren Figuren sind vollplastisch. Der Bildhauer Gröninger zeigt die Szenerie so, wie sie im Johannes-Evangelium geschildert wird. Jesus geht, von zwei Soldaten begleitet, auf das Bildinnere zu und begegnet dort Maria, einer Schwester des Lazarus. Sie bittet ihn um Hilfe, zwei Männer helfen dem Lazarus aus seinem Grab.[32]

Taufstein und Taufschranke[Bearbeiten]

Die sogenannte Taufschranke wurde 1626 von Gerhard Gröninger im Stil des Manierismus geschaffen. Von den zwölf Apostelfiguren, mit denen sie verziert ist, wurden später sechs von Dietrich Gröninger erneuert. Der Taufstein von 1924 steht inmitten der Taufschranke im südlichen Nebenjoch in der Nähe des Paradiesportales.[33]

Chorfenster[Bearbeiten]

Walther Klocke fertigte 1953 den Entwurf für das dreiteilige Fenster im Ostchor, die Ausführung oblag der Glasmalerei Otto Peters aus Paderborn. Die Baumeister des Mittelalters ließen an dieser Stelle ein großen Fenster ein. Die einzelnen Bilder zeigen Szenen der Heilsgeschichte, wie z. B: Die Vertreibung aus dem Paradies, die Geburt Jesu und seine Kreuzigung. Das Fenster wirkt insgesamt wie eine leuchtende Wand.[34]

Gedenkplatte für Meinwerk[Bearbeiten]

Im Vorraum der Bischofsgruft hängt eine Gedenkplatte für den Bischof Meinwerk, der in der Kirche des Klosters Abdinghof beigesetzt wurde. Meinwerk setzte wichtige Akzente beim Bau des Domes und der Stadt.

Bischofsgräber[Bearbeiten]

Die Bischöfe des 19. Jahrhunderts sind überwiegend im Mittelschiff beigesetzt. Ihnen zum Gedenken sind Grabplatten in den Boden eingelassen, die die ungefähre Lage ihrer Ruhestätte bezeichnet. Die drei Erzbischöfe Lorenz Kardinal Jäger, Caspar Klein und Johannes Joachim Kardinal Degenhardt wurden in der Krypta, in der Bischofsgruft, in gemauerten Wandnischen beigesetzt.[35]

Kathedra[Bearbeiten]

Die Kathedra ist der Bischofssitz des Erzbischofs. Ursprünglich standen diese Sitze um eine Stufe erhöht, den Sitzen der anderen Priester gegenüber. Um den Beschlüssen des Zweiten Vatikanischen Konzils bezüglich der Liturgie, gerecht werden zu können, wurde der Sitz an die Stirnwand des Unterchores versetzt.[36]

Chorgestühl[Bearbeiten]

Das Chorgestühl ist von 23 Figuren mit Darstellungen von wichtigen Menschen aus der Kirchengeschichte bekrönt, die der Bildhauer Heinrich Gerhard Bücker schnitzte. Sie sind in zwei Reihen angeordnet und stehen auf kantigen Säulen. Sie führen durch die Glaubensgeschichte und beginnen mit einer Figur Karls des Großen und enden mit Pauline von Mallinckrodt.[37]

Doppelmadonna[Bearbeiten]

Die Doppelmadonna ist in der Nähe des Paradies-Portales mittig im Gewölbe. Sie stammt aus der Zeit um 1480. Hans Leo Drewes sagte: Unübersehbar groß ist sie wie ein Verkehrszeichen Gottes angebracht. Die Besucher des Domes mögen hier verweilen. Sie mögen dabei ihren eigenen Lebensweg zu Christus mit allen Umleitungen und Umwegen betrachten und die Wege ihrer Lieben dem Geleit der Gottesmutter anvertrauen. Maria ist als neue Eva dargestellt, sie zertritt den Kopf einer Schlange. Den Jesusknaben´, der eine Weintraube in der rechten Hand hält, hat sie auf dem Arm.[38]

Figuren der Apostel[Bearbeiten]

Im Langhaus, in der Westvierung und in der Ostvierung, stehen an den wuchtigen Pfeilern je vier Figuren der Zwölf Apostel auf Podesten. Sie wurden 1609 von dem damaligen Domdechanten Arnold von Horst gestiftet und von Heinrich Gröninger gefertigt. Die Apostel sind als Zeugen des Glaubens dargestellt. Die Figuren des Petrus und des Paulus stehen in Rundbogennischen. Über jeder Figur wurde eine Schrifttalfel mit einem Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses aufgehängt.[39]

Rotho-Grabmal[Bearbeiten]

Das Rotho-Grabmal steht an der Nordwand des Hasenkamps, es wurde um 1450 von Wilhelm von Büren-Büsigheim und seiner Frau Irmgard zur Lippe für den Bischof Rotho gestiftet. Das Grabmal stand ursprünglich im Chor und wurde 1925 in den Hasenkamp versetzt. Der Sarkophag ist mit sechs Halbfiguren geschmückt, unter anderem sind Meinwerk, Karl der Große, Papst Leo III. und Kilian dargestellt. Die Madonna auf dem Grabmal ist mit dem Kind auf dem Arm, in einer Schriftrolle lesend, dargestellt.[40]

Reliquienretabel[Bearbeiten]

Das Reliquienretabel steht vor der Ostwand des Chores. Es stammt aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts. Das aus Baumberger Sandstein gefertigte Retabel diente der Zurschaustellung von Reliquien. Im unteren, offenen Geschoss wurde der Liborischrein ausgestellt, im oberen Geschoss, dessen rautenförmige Gitter vergoldet sind, fanden andere Reliquiare Platz. Die Wimperge gehen zuerst nach Außen und biegen sich dann in Form eines sogenannten Eselsrücken nach Innen. Die Giebel sind mit Maßwerk verziert, dazwischen ragen Fialen auf. Das Gesprenge hinter dem mittleren Giebel reicht bis in eine Höhe von 10,75 Metern, im unteren Teil steht in einer Nische eine Muttergottes. Sie hält das Jesuskind auf dem linken Arm und streichelt mit der rechten Hand einen Vogel, der dem Jesusknaben in den Finger zwickt. Das Retabel stand bis 1655 im Ostchor, wurde dann in den Hasenkamp verbracht und steht seit 1956 im Chor.[41]

Sonstige Ausstattung[Bearbeiten]

Standbild des Bischof Balduin
  • In der Gruft der Bischöfe hängen zwei aus Bronze gegossene Platten. Auf ihnen sind die Namen aller bis 1920 amtierenden Bischöfe verzeichnet. Der erste Bischof war Hathumar.[42]
  • Über dem Ausgang nach Osten hängt eine große Christophorus-Figur. Sie wurde 1619 von Heinrich Gröninger angefertigt.[43]
  • Das Dreikönigsrelief wurde um 1360 aus Alabaster angefertigt. Es war ehemals das Mittelteil eines Altares, der in der Dreikönigskapelle stand.[44]
  • Auf der Grabplatte für den Bischof Bernhard V. Edelherr zu Lippe ist der Verstorbene in Lebensgröße dargestellt, er trägt den vollen Ornat. Außerdem werden Sein Bischofs- und sein Hauswappen, sowie die lippische Rose und das Paderborner Kreuz gezeigt.[44]
  • Pietà (um 1380)
  • gotischer Hochaltar (spätes 15. Jahrhundert)
  • Doppelmadonna (um 1480)
  • Drei-Hasen-Fenster (frühes 16. Jahrhundert)
  • Grabmal des Fürstbischofs Dietrich IV. von Fürstenberg
  • Kanzel im Régence-Stil (1736)
  • Die Tabernakelstele wurde 1982 von Heinrich Gerhard Bücker gegossen. Sie steht im Chor vor dem Reliquienretabel. Sie ist achteckig gearbeitet und mit Motiven aus dem Alten Testament verziert. Gezeigt werden: Das Opfer des Abel, die Brandopfer des Noah, das Opfer des Melchisedek, Abraham in Mambre, die Jakobsleiter, sowie die Opferung des Isaak.[45]
  • Das Reliquiar für Pauline von Mallinckrodt hängt in der Konrad-Martin-Kapelle. Es ist eine Arbeit des Goldschmiedes Walter Cohausz und 1986 angefertigt. Feingliedriges Astwerk bewegt sich über den Kämpfer des Wandpfeilers. Die Weintrauben sind vergoldet, die Blätter versilbert. Die Partikel der Reliquie werden in einem Bergkristall bewahrt. Eine Emailplatte in der Mitte des Reliquiars zeigt ein Portrait der Pauline.[46]
  • An der Wand zwischen Schützen- und Elisabethkapelle befindet sich eine Johannes Paul II. zeigende Plastik. Sie wurde 1999 vom damaligen Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt enthüllt und erinnert an den Papstbesuch von 1996. Die etwa 110 cm hohe, 100 cm breite und 50 kg schwere Ausführung basiert auf einem Entwurf von Prof. Duttenhoefer.[47]

Chöre[Bearbeiten]

Im Paderborner Dom wirken insgesamt vier Chöre. Der älteste ist der von Bischof Hathumar gegründete Paderborner Domchor; er lässt sich bis 806 zurückverfolgen.

Orgel[Bearbeiten]

Die Paderborner Domorgel ist mit 151 Registern die drittgrößte Kirchenorgel Deutschlands. Die dreiteilige Orgelanlage wurde in der heutigen Form im Jahre 1981 durch die Firma Siegfried Sauer, Höxter-Ottbergen, erbaut und 2004-05 erweitert. Umfang und Anordnung der Teilwerke berücksichtigen optimal die spezifische Akustik des großen Kirchenraumes, in dem einzelne Schallquellen nur schwer ortbar sind - der Zuhörer ist vollständig vom Orgelklang umgeben.

  • Die Turmorgel bildet mit 81 Registern das größte Teilwerk. Sie ist bis zum akustischen 64' ausgebaut, die tiefsten von ihr erzeugbaren Töne liegen damit unterhalb der menschlichen Hörschwelle. Die Turmorgel steht auf vier von Gröninger gebauten Säulen.[48]
  • Die Chororgel hat 53 Register und eine warme, grundtönige Disposition. Sie geht auf die Feith-Turmorgel von 1948 bis 1952 zurück. Im Jahre 2004 wurde sie unter anderem um ein Hochdruckwerk erweitert. Das Pfeifenwerk ist in einer Kammer oberhalb der Sängerempore des Chores untergebracht, mit Schallöffnungen zum Chor und zum nördlichen Schiff.
  • Die Kryptaorgel ist mit 15 Registern das kleinste Teilwerk. Anton Feith jr. hat sie 1971 errichtet, Siegfried Sauer 2005 geringfügig verändert. Das zweimanualige Instrument ist fast unsichtbar in Kammern links und rechts des südlichen Treppenaufganges untergebracht. Trotz des geringen Registerumfangs füllt diese Orgel klanglich mühelos die große Krypta und wird im Gesamtensemble für Echo- und Fernwerksfunktionen verwendet.

Die Domorgel verfügt über zwei Generalspieltische. Zusätzlich sind Turmorgel und Kryptaorgel über eigene Spieltische mechanisch bzw. elektrisch anspielbar. Domorganist war von 2003 bis 2011 Gereon Krahforst. 2011-2013 wurde die Stelle von Sebastian Freitag vertreten. Seit 1. Oktober 2013 ist Tobias Aehlig neuer Domorganist[49]

Glocken[Bearbeiten]

Nordansicht mit Westturm und Dachreiter

Bis zu ihrer Zerstörung im Jahre 1886 hingen zwei wertvolle Glocken des 13. Jahrhunderts mit den Namen Gloria und Clara im Westturm des Domes.[50] Das heutige Geläut stammt aus der Nachkriegszeit. Es besteht aus sechs Gussstahlglocken, die im Jahre 1951 beim Bochumer Verein gegossen wurden, sowie aus zwei kleinen Bronzeglocken der Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock im Dachreiter.[51] Die Glocken wurden in der sogenannten Versuchsrippe 7 (V7), einer Moll-Oktav-Rippe, gegossen und gelten als das erste Großgeläut in der damals neu entwickelten Rippe.[52] Das 1954 gegossene Gussstahlgeläut des Osnabrücker Domes erklingt in der gleichen Disposition.[53] Die große Liboriusglocke ist die tiefstklingende Glocke Paderborns und eine der schwersten Gussstahlglocken Deutschlands. Die Glocken von St. Ulrich sind auf die des Domes abgestimmt und erklingen mit den Schlagtönen d1, fis1, a1 und h1 im sogenannten Salve-Regina-Motiv.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(HT-1/16)
Turm
 
1 St. Liborius 1951 Bochumer Verein 2345 4835 fis0 –3 Westturm
2 Regina Pacis 1975 2800 a0 ±0 Westturm
3 St. Johannes 1796 2230 h0 –1 Westturm
4 St. Kilian und St. Sturmius 1597 1570 cis1 –2 Westturm
5 St. Meinolph 1350 940 e1 –1 Westturm
6 St. Heinrich 1185 620 fis1 –1 Westturm
7 St. Maria 1984 Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher e2 Dachreiter
8 St. Martha a2 Dachreiter

Kapitelsfriedhof[Bearbeiten]

Reste der 1945 detonierten Luftmine

Der Innenhof des Kreuzganges ist eine Stätte des Gedenkens. Hier sind Angehörige des Domkapitels begraben. Eine Bronzeplatte an der Ostseite wurde von den Gebrüdern Winkelmann aus Günne geschaffen. Sie bedeckt eine Kammer, in der Gebeine aus früheren Gräbern liegen. Sie zeigt die Darstellung des Jona, der von einem Walfisch verschlungen und nach drei Tagen wieder ausgespuckt wurde. An der Nordseite steht ein Brunnen, der mit einem Pfau geschmückt ist. Im Zweiten Weltkrieg, im März 1945, wurde Paderborn bombardiert, der Dom wurde stark beschädigt. Eine Luftmine schlug in den Kreuzgang ein, vierzehn Menschen starben dabei. Reste dieser Luftmine werden zum Gedenken hier ausgestellt.[54]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7.
  • Uwe Lobbedey: Der Dom zu Paderborn (Westfälische Kunststätten, Heft 33). Bonifatius-Druckerei, Paderborn 1984, ISBN 3-87088-423-1.
  • Uwe Lobbedey: Der Paderborner Dom (Westfälische Kunst). München/Berlin 1990.
  • Margarete Niggemeyer: Bilder und Botschaften – Der Dom zu Paderborn als Sehschule des Glaubens. Bonifatius-Druckerei, Paderborn 1996, ISBN 3-87088-881-4.
  • Bernhard Elbers: Wiederaufbau des Hohen Domes zu Paderborn 1945-1949 und die Geschichte der Dombauhütte. Metropolitankapitel Paderborn (Hg.), Paderborn 1995.
  • Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992.
  • Dehio, Georg, Unter Wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paderborner Dom – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dehio, Georg, Unter Wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 837.
  2. Baubeschreibung
  3. Umgestaltung des Altarraumes
  4. Paderborner Dom wird umfassend saniert, in: Die Tagespost, 20. August 2013, S. 4.
  5. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 5.
  6. a b c d Dehio, Georg, Unter Wissenschaftlicher Leitung von Ursula Quednau: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen II Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 848.
  7. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 6−10.
  8. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 10−15.
  9. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 16−19.
  10. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 20−23.
  11. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 234.
  12. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 24−25.
  13. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 26−27.
  14. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 30−33.
  15. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 34−35.
  16. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 38−41.
  17. Brigidenkapelle
  18. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 42−43.
  19. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 44−45.
  20. Hans Leo Drewes Die Kapellen am Paderborner Dom, gedruckt bei Typographen GmbH, Paderborn 1992, S. 46−47.
  21. a b c d e Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 230.
  22. Pfaffenfeindtaler
  23. Holzkern
  24. Namen der Kirchenväter
  25. Renovierung
  26. Krypta
  27. Hochaltar
  28. Margarethenaltar
  29. Fürstenmberggrabmal
  30. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 216−221.
  31. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 216−222.
  32. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 228.
  33. Taufstein und Taufschranke
  34. Glasfenster im Chor
  35. http://www.erzbistum-paderborn.de/dom/
  36. Kathedra
  37. Chorgestühl
  38. Doppelmadonna
  39. Apostelfiguren
  40. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 196.
  41. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 200−202.
  42. Bischöfe
  43. Christophorus-Figur
  44. a b Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 190.
  45. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 246.
  46. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 248.
  47. Kondolenzbuch zum Tod Papst Johannes Pauls II. liegt im Hohen Dom bereit, Erzbistum Paderborn, Nachrichten, Paderborn, 2.4.2005, in: http://www.erzbistum-paderborn.de/?ber_id=38&inh_id=2094, Stand: 29.7.2014
  48. Heinz Bauer, Friedrich Gerhard Hohmann: Der Dom zu Paderborn. Bonifatius-Druckerei, Paderborn, 4., überarbeitete Auflage 1987, 1. Auflage 1968, ISBN 3-87088-529-7, S. 240.
  49. Tobias Aehlig neuer Organist des Hohen Domes zu Paderborn; Pressemitteilung vom 29. Juli 2013.
  50. Claus Peter: Die Deutschen Glockenlandschaften. Westfalen. Deutscher Kunstverlag, München 1989, ISBN 3-422-06048-0, S. 6.
  51. Aufnahme des Vollgeläuts (29′24″) auf YouTube.
  52. Claus Peter: Die Deutschen Glockenlandschaften. Westfalen. DKV, München 1989, S. 71–72.
  53. Kurt Kramer (Hg.): Die Glocke und ihr Geläute. Geschichte, Technologie und Klangbild vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Deutscher Kunstverlag, München 1990, S. 50.
  54. Kapitelsfriedhof.

51.7188888888898.7552777777778Koordinaten: 51° 43′ 8″ N, 8° 45′ 19″ O