Diagonalmethode

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Diagonalmethode

Die Diagonalmethode (DM) ist eine Kompositionsregel in der Fotografie, der Malerkunst und der Zeichenkunst. Der niederländische Fotograf und Lehrer Edwin Westhoff kam auf diese Methode, als er visuelle Experimente durchführte, um zu untersuchen, warum die Drittel-Regel so ungenau ist. Nachdem er viele Fotos, Gemälde und Kupferstiche untersucht hatte, kam er zu der Entdeckung, dass die starken Punkte vielmehr auf den Diagonallinien eines Quadrats liegen. Ein Foto ist normalerweise ein rechteckiges Bild mit den Maßen 4:3 oder 3:2, wobei man sich auf die vier Winkelhalbierenden der Ecken konzentrieren soll. Das Bild mutet angenehmer an, wenn bestimmte Elemente über diese Linien verlaufen.[1]

Theorie[Bearbeiten]

Die starken Punkte befinden sich nach der DM oft bis auf einen Millimeter genau auf einer der Diagonallinien von 45 Grad aus einer der vier Ecken des Bildes. Im Gegensatz zu den anderen Kompositionsregeln wie der Drittel-Regel und dem Goldenen Schnitt legt die DM kaum Wert auf die Stellen, wo die Linien sich kreuzen und erlaubt, dass ein starker Punkt sich auf einer willkürlichen Position auf der Diagonallinie befindet. Solange die Einzelheiten sich auf den Linien befinden, ziehen sie die Aufmerksamkeit an sich.[2] Die DM erfordert jedoch wohl, dass die starken Punkte sehr genau auf der Diagonallinie positioniert werden, mit einer Höchstabweichung von einem Millimeter auf A4-Größe. Anders als bei den übrigen Kompositionsregeln wird die DM nicht angewendet, um die Komposition zu verbessern.

Anwendung[Bearbeiten]

Die DM ist entstanden aus einer Analyse der Methode, wie Künstler Einzelheiten gefühlsmäßig komponieren und kann dazu auch eingesetzt werden. So entdeckte Westhoff, dass man sehen kann, auf welche Einzelheiten die Aufmerksamkeit des Künstlers sich richtete, wenn man die Linien unter einer Ecke von 45° aus den Ecken eines Bildes zeichnet. Künstler und Fotografen positionieren die starken Punkte gefühlsmäßig in einer Komposition. Mit der DM kann man nachgehen, welche Einzelheiten der Urheber des Bildes, des Gemäldes oder des Kupferstichs extra betonen wollte. Aus der Untersuchung von Westhoff ging zum Beispiel hervor, dass wichtige Einzelheiten in den Gemälden und Kupferstichen von Rembrandt van Rijn sich punktgenau auf den Diagonallinien befinden. Denken Sie dabei an Augen, Hände oder Gebrauchsgegenstände.

Weiterhin ist die DM auch einsetzbar als Methode beim Beischneiden eigener Werke.[3] Seit 2007 enthält Photoshop Lightroom dazu ein Hilfsprogramm, um Bilder nach der DM neben Anwendungen für andere Kompositionsregeln nachzubereiten. Seit 2009 sind auch Skripts verfügbar für Photoshop (mittels Golden Crop), Paintshop Pro, GIMP und Picture Window Pro. Es ist äußerst schwer, während des Fotografierens oder Malens die starken Punkte genau auf die Diagonallinien zu positionieren. Das lässt sich aber während der Nachbearbeitung sehr gut machen. So kann zum Beispiel das Hauptthema mit Hilfe der DM weiter in eine der Ecken umpositioniert werden.[4]

Die DM ist nur anwendbar bei Bildern, die bestimmte Einzelheiten hervorheben oder betonen wollen, wie zum Beispiel ein Porträt, in dem ein bestimmter Körperteil etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Oder ein Werbefoto, womit ein Produkt präsentiert werden soll. Auf manchen Landschaftsbildern sind ebenso wichtige Einzelheiten sichtbar, wie Menschen, (allein stehende) Bäume und Gebäude, die sich auf den Diagonallinien befinden können. Aber meistens geht es bei Landschaftsbildern oder Aufnahmen von Gebäuden um das Gesamtbild, wobei oft andere Linien den Bildaufbau bestimmen, wie z.B. der Horizont.[5]

Fundament[Bearbeiten]

Allgemein bekannt ist, dass die Diagonallinien - ebenso wie die mittelsenkrechten Linien, die Schwerpunkte und die Ecken – zu den Kraftlinien eines Quadrats gehören und als kräftiger als alle anderen Teile des Vierecks betrachtet werden.[6] Inwiefern sich diese Befunde auf Rechtecke übertragen lassen, wie zum Beispiel auf Bilder mit den Seitenverhältnissen 4:3 und 3:2, wurde bis heute noch nicht untersucht. Neben der praktischen Bestätigung der DM durch die verschiedenen Analysen liegen vorerst noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor, die die DM auch theoretisch bestätigen können.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hartel, M. (2008). Urban expression. Digital Photographer, 74(September), 30-42.
  2. Westhoff, E. (2009). De diagonaal-methode. (Die Diagonalmethode.) Zoom.nl Digitale Fotografie & Video, 2009(10), 82-87.
  3. Westhoff, E. (2007). De Diagonaal Methode. (Die Diagonalmethode.) FocusXtra 2007(Februar), 18-19.
  4. Elzenga, J. W. (2009). Digitale fotografie natuur: Tips en technieken voor het fotograferen van landschap en dieren. Amsterdam: Pearson Education. Pp. 47-49.
  5. Elzenga, J. W. (2009). Digitale fotografie natuur: Tips en technieken voor het fotograferen van landschap en dieren. Amsterdam: Pearson Education. P. 49.
  6. Arnheim, R. (1954). Art and visual perception: A psychology of the creative eye. (Kunst und Sehen. Eine Psychologie des schöpferischen Auges.) Los Angeles: University of California Press.

Weblinks[Bearbeiten]