Die Nacht von Lissabon

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Die Nacht von Lissabon ist ein Roman von Erich Maria Remarque, der ein deutsches Emigrantenschicksal während der Zeit des Nationalsozialismus vor und während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich, Spanien und Portugal schildert. Die Nacht von Lissabon erschien 1963 und war Remarques vorletzter Roman.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Erzähler ist ein deutscher Emigrant, der sich 1942 im Hafen von Lissabon befindet und ein Schiff betrachtet, das am nächsten Tag nach den USA ablegen wird. Soeben hat er sein letztes Geld im Kasino verspielt, in der Hoffnung, ausreichend Geld für eine Schiffspassage in die USA für sich und seine Frau zu erspielen – ein sinnloses Unterfangen letztlich, da beide keine Visa haben. Er trifft einen zweiten Emigranten, der sich ihm als Josef Schwarz vorstellt und ihm anbietet, ihm zwei Pässe mit Visa für die USA sowie zwei Schiffsfahrkarten zu überlassen, sofern der Erzähler ihm, Schwarz, diese eine Nacht Gehör schenke, so dass er ihm seine Lebensgeschichte erzählen könne. Der Erzähler willigt ein und er und Schwarz ziehen in dieser Nacht von einer Lissaboner Bar zur nächsten, durch Bordelle und Cafés, während Schwarz ununterbrochen die letzten Jahre seines Lebens Revue passieren lässt.

Schwarz ist nicht sein richtiger Name, sondern der eines verstorbenen Emigranten, eines Österreichers, der im Paris der späten 1930er Jahre mit Gemälden gehandelt hatte und dem Emigranten Josef, dessen wahren Namen wir nicht erfahren, kurz vor seinem Tod seinen Pass und ein paar wertvolle Zeichnungen hinterlässt. Josef nimmt Pass und Identität des Verstorbenen an und heißt von nun an Josef Schwarz.

Er reist nach Deutschland zurück, sucht in Osnabrück seine Frau Helen auf, die er verlassen musste, die ihn immer noch liebt und dieses Mal mit ihm gemeinsam Deutschland verlassen will. Schwarz' Gegenspieler ist der Gestapobeamte Georg Jürgens, Helens Bruder.

Josef und Helen fliehen in die Schweiz, weiter nach Frankreich und verleben eine glückliche Zeit, bis der Krieg beginnt und sie als Staatsangehörige einer feindlichen Macht in getrennten Lagern interniert werden. Josef kommt in das Internierungslager Le Vernet, flieht, findet seine Frau wieder und entkommt mit ihr über Umwege nach Marseille, wo sich eine große Zahl von Flüchtlingen aufhält und wo die glückliche Bekanntschaft mit einem reichen Amerikaner dem Paar die Option auf ein US-Visum verschafft.

Doch Josef Schwarz wird vor dem US-Konsulat in Marseille von der Gestapo aufgegriffen und gefoltert – zunächst von einem sadistischen Gestapo-Beamten, dann auch von Helens Bruder Georg, der die Spur der beiden bis nach Marseille verfolgt hat. Noch in derselben Nacht gelingt es Schwarz, Georg vorzugaukeln, er werde ihn zu Helen führen. Auf der anschließenden Autofahrt tötet er Georg und flieht mit dessen Auto. Der Pass des Gestapobeamten verschafft ihm eine machtvolle Identität, die ihm letztlich die Erlangung spanischer und portugiesischer Visa ermöglicht, mit denen Josef und Helen Frankreich verlassen können.

Über der Zukunft der beiden liegt allerdings ein Schatten, denn Helen ist seit langem unheilbar an Krebs erkrankt. Der Leser ahnt es schon lange und Schwarz erfährt es wenige Tage vor der Flucht aus Frankreich. Die beiden erreichen zwar Lissabon; dort erhält Schwarz auch die Visa für sich und Helen, doch am Tag vor der geplanten Abreise nach Amerika nimmt die Todkranke Gift und tötet sich.

Der verzweifelte Schwarz beschließt, der Fremdenlegion beizutreten und gegen die Deutschen zu kämpfen. Durch seine Lebensbeichte einem Fremden gegenüber hofft er, die Erinnerung an seine geliebte Helen in der Welt zu halten, deren Bild in seinem Gedächtnis bereits zu zerfließen beginnt. Die Fahrscheine und Visa, die eigentlich für ihn und Helen gedacht waren, schenkt Schwarz seinem Zuhörer, dem damit die Ausreise nach Amerika gelingt.

Das Buch zeigt auf bedrückende Weise, wie Menschen ohne Schuld in ausweglose Lebenssituationen gedrängt wurden, sich in diesen bis zur Unkenntlichkeit angepasst haben und wie letztlich doch das Schicksal alle Hoffnung zu beenden vermag. Es zeigt letztlich auch, wie sich Remarque selbst mehr als 20 Jahre nach seiner eigenen Emigration nicht von diesen Themen lösen konnte und wie die Naziherrschaft ihre schreckliche Macht auch lange nach Ende des Krieges weiter auf jene Opfer ausübte, die ihr lebend entkommen waren.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich M. Remarque: Die Nacht von Lissabon. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1963.