Im Westen nichts Neues

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Dieser Artikel behandelt das Buch. Zu den gleichnamigen Filmen siehe Im Westen nichts Neues (1930) und Im Westen nichts Neues (1979).
Verlagsumschlag der Erstausgabe 1929

Im Westen nichts Neues ist ein Roman von Erich Maria Remarque, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert. Das Werk wird oft als Antikriegsroman aufgefasst.

Im Westen nichts Neues erschien als Vorabdruck erstmals seit dem 10. November 1928 in der Vossischen Zeitung, in Buchform beim Propyläen Verlag am 29. Januar 1929. Innerhalb von elf Wochen erreichte es nach Verlagsangaben eine Auflage von 450.000 Exemplaren.[1] Es wurde noch im selben Jahr in 26 Sprachen übersetzt. Bis heute gibt es Ausgaben in über 50 Sprachen, die geschätzten Verkaufszahlen weltweit (Stand: 2007) liegen bei über 20 Millionen.[2]

Bei den Nationalsozialisten hatte sich Remarque mit seinem Antikriegsroman Feinde gemacht. Als Teil ihrer Rufmordkampagne gegen den missliebigen Autor bezweifelten sie dessen Authentizität und verbreiteten das Gerücht, er habe überhaupt nicht am Ersten Weltkrieg teilgenommen. Während der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen 1933 wurden auch zahlreiche Exemplare von Im Westen nichts Neues vernichtet.

Weltweite Bekanntheit erreichte ebenfalls die gleichnamige US-Verfilmung aus dem Jahre 1930 von Lewis Milestone.

Inhalt[Bearbeiten]

Paul Bäumer gehört zu einer Gruppe von Soldaten an der Westfront im Ersten Weltkrieg.[3] In der Ruhestellung hinter der Front erinnert er sich zurück an seine Schulzeit. Die patriotischen Reden seines Lehrers Kantorek hatten die ganze Klasse dazu gebracht, sich freiwillig zum Kriegsdienst zu melden. Unter dem Drill ihres Ausbilders Unteroffizier Himmelstoß lernen sie bereits in der Grundausbildung, dass alle ihnen bislang in der Schule vermittelten Werte auf dem Kasernenhof ihre Gültigkeit verlieren. Sie werden an die Westfront verlegt, wo sie von dem erfahrenen Frontkämpfer Stanislaus Katczinsky auf die Gefahren des Schlachtfeldes vorbereitet werden. Zwischen „Kat“ und Bäumer entwickelt sich ein Vater-Sohn-Verhältnis. Paul lernt zu überleben, die verschiedenen Geschosse schon am Klang zu unterscheiden, auch unter widrigsten Bedingungen noch etwas zu essen zu finden und sich gegen den wahren Feind, den Tod, zu wappnen.

Bei einem kurzen Heimataufenthalt stellt Bäumer fest, wie sehr ihn die Erlebnisse an der Front inzwischen verändert haben. Es ist ihm unmöglich, seiner Familie die grausamen Erfahrungen aus dem Schützengraben mitzuteilen. Enttäuscht kehrt er zu denjenigen Menschen zurück, die ihm nun die nächsten geworden sind, zu seinen Kameraden an der Front. Bei einem Angriff wird er verwundet und verbringt ein paar Wochen im Lazarett, bevor er an die Front zurückkehrt. In den nächsten Monaten wird Bäumers Gruppe nach und nach zerrieben. Einer nach dem anderen stirbt bei den Gas- und Granatenangriffen, im Trommelfeuer oder im Kampf Mann gegen Mann. Schließlich wird auch Bäumer kurz vor Ende des Krieges tödlich getroffen, „an einem Tag, der so ruhig und so still war, daß der Heeresbericht sich auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden.“

Erzählzeit und erzählte Zeit klaffen gegen Ende des Romans immer weiter auseinander, die Handlung beschleunigt sich, die erzählten Episoden werden kürzer, die ausgesparten Zwischenräume länger.

Kapitelübersicht[Bearbeiten]

Kapitel 1[Bearbeiten]

Die Kompanie freut sich über nahezu doppelte Essensrationen, da von 150 nur 80 Mann von der Front zurückgekehrt sind. Der 19-jährige Erzähler Paul Bäumer beschreibt, wie er und seine Mitschüler von ihrem Lehrer Kantorek überredet wurden, sich zur Armee zu melden. Im Rückblick erkennt er, dass die von dem Erzieher vermittelte Weltanschauung nicht mit der an der Front erlebten Realität zu vereinen ist.

Die Kameraden besuchen im Lazarett den schwer verwundeten Franz Kemmerich, der zu diesem Zeitpunkt selbst noch gar nicht weiß, dass man ihm ein Bein abgenommen hat. Die Kameraden sorgen dafür, dass der sterbende Kemmerich vom Sanitäter Morphium erhält; gleichzeitig versucht einer von ihnen, an die guten Stiefel des Verletzten zu gelangen, um sie selbst tragen zu können.

Kapitel 2[Bearbeiten]

Paul macht sich Gedanken darüber, wie ihn das harte Kasernenleben auf den Krieg vorbereitet und wie ihn sein Vorgesetzter Himmelstoß während der Grundausbildung tyrannisiert hat, und fragt sich, wie sein Leben nach dem Krieg aussehen wird. Er glaubt, ohne militärische Ausbildung wäre er im Schützengraben verrückt geworden, und trauert um seinen inzwischen im Lazarett verstorbenen Freund Kemmerich.

Kapitel 3[Bearbeiten]

Katczinsky (von allen nur Kat genannt), der das Soldatenleben immer wieder mit den „wichtigsten“ Dingen verschönert und erleichtert, wird als unentbehrliche Identifikationsfigur für die jungen Soldaten beschrieben. Es folgt ein Gespräch über das Militär, den Krieg und die Quelle von Macht. – Tjaden hat eine Hauptwut auf Himmelstoß, da er besonders unter den Erziehungsmethoden des Unteroffiziers zu leiden hatte. An dem Abend, bevor sie ins Feld fahren würden, fingen die Kameraden Himmelstoß auf seinem Weg ab und verabreichten ihm eine ordentliche Tracht Prügel.

Kapitel 4[Bearbeiten]

Pauls Kompanie wird mit jungen Rekruten aufgefüllt und muss zum Schanzen an die Front. In der Ferne hören sie die durch Mark und Bein gehenden Schreie verwundeter Pferde. Bei der Rückkehr wird die Kompanie überraschend mit Artilleriefeuer und Giftgas angegriffen und versteckt sich auf einem Friedhof, es fallen mehrere Soldaten.

Kapitel 5[Bearbeiten]

Paul und seine Freunde stellen Überlegungen darüber an, was sie nach Kriegsende unternehmen werden. Unterbrochen werden sie von Himmelstoß, der während der Grundausbildung ihr verhasster Ausbilder war; Tjaden und Kropp widersetzen sich ihm und werden dafür milde bestraft. Später beschert ihnen eine Aktion Kats und Paul Bäumers einen Gänsebraten, den alle hungrig und dankbar verschlingen.

Kapitel 6[Bearbeiten]

Wieder geht es an die Front. Drei Tage lang muss die Kompanie unter starkem Artilleriefeuer im Graben ausharren. Dabei setzen knappe Essensrationen, eine Rattenplage und der psychische Druck den Soldaten stark zu, bevor man endlich gegen die Franzosen stürmen kann und so viele Feinde wie möglich zu töten versucht. Am nächsten Tag erfolgt ein erneuter, massiver feindlicher Angriff, der besonders unter den unerfahrenen Rekruten viele Opfer fordert, darunter Pauls Freund Haie Westhus. Von 150 Mann kehren nur 32 ins Lager wieder zurück.

Kapitel 7[Bearbeiten]

Nach dem Fronteinsatz wird die Kompanie ins Feldrekrutendepot zurückverlegt. Paul und seine Freunde lernen drei Frauen kennen, mit denen sie sich auf Französisch unterhalten und die sie des Nachts heimlich besuchen. Später geht Paul für zwei Wochen auf Heimaturlaub und besucht seine kranke Mutter. Er hat jedoch Probleme, sich in der Heimat, wo ein völlig verklärtes Bild von der Frontsituation vorherrscht, wieder zurechtzufinden; denn der Schrecken der Fronterfahrungen lässt den Alltag befremdlich erscheinen. Er besucht den ehemaligen Klassenkameraden Mittelstaedt, der in der Kaserne ihren inzwischen eingezogenen Lehrer Kantorek, welcher sie schikaniert und zum freiwilligen Dienst an der Front bewegt hat, schleift und lächerlich macht. Am Ende des Urlaubs berichtet er Kemmerichs Mutter vom Tod ihres Sohnes. Er denkt über sein Leben und sein Verhältnis zu seiner Mutter nach.

Kapitel 8[Bearbeiten]

Nach dem Urlaub wird Paul für einige Wochen ins Heidelager abkommandiert, wo er russische Gefangene kennenlernt, die dort ein jämmerliches Leben unter elenden Umständen fristen müssen. Er erkennt sie als Menschen und teilt mit ihnen seine Zigaretten. Am Ende seines Aufenthalts wird er von seinem Vater und seiner Schwester besucht und empfängt Kartoffelpuffer, die ihm seine krebskranke Mutter zubereitet hat (sie scheint sich nicht davon zu erholen – es wird zwar nicht erwähnt, wann sie stirbt, aber sicher nachdem sie die Nachricht von Pauls Tod am Ende gehört hat); zwei davon gibt er den Russen.

Kapitel 9[Bearbeiten]

Paul fährt zurück zu seiner Kompanie. Nach einem kurzen Inspektionsbesuch des Kaisers und einer Unterredung über Ursache und Sinn des Krieges geht es wieder an die Front. Bei einem Patrouillengang werden die Soldaten von einem gegnerischen Angriff überrascht. Paul rettet sich in einen Bombentrichter und stellt sich tot. Als ein Franzose ebenfalls in diesen Trichter springt, stößt Paul diesem aus Todesangst seinen Dolch in den Bauch. Aus schweren Schuldgefühlen heraus verspricht er dem Verstorbenen, dass er sich um dessen Familie kümmern werde, obwohl er weiß, dass er diese Zusage nicht einhalten kann. Wegen andauernder Gefahr muss Paul einen ganzen Tag lang neben dem Toten ausharren, bis er zurück in den deutschen Graben kriechen kann. Aufgewühlt erzählt er seinen Freunden von der persönlichen Konfrontation mit dem Feind und seinen Gewissensbissen. Kat und Albert sind bemüht, ihn zu beruhigen.

Kapitel 10[Bearbeiten]

Zunächst bewachen die Soldaten ein verlassenes Dorf, wo sie es sich gut gehen lassen. Doch bei einer gegnerischen Offensive werden Paul und Albert verwundet und kommen zunächst ins Lazarett, wo Paul operiert wird, und anschließend in ein katholisches Hospital. Dort wird Albert das Bein amputiert. Nach einigen Wochen im Hospital erhält Paul Erholungsurlaub und muss sich schweren Herzens von Albert verabschieden. Er wird wieder vom Regiment angefordert und fährt zurück an die Front. – Paul ist inzwischen 20 Jahre alt, also seit zwei Jahren Soldat; er ist rund ein Jahr älter als zu Beginn des erzählten Geschehens.

Kapitel 11[Bearbeiten]

Paul erlebt viele weitere Fronteinsätze. Seine Freunde Berger, Müller, Leer, ihr tapferer Kompanieführer Bertinck und schließlich Katczinsky sterben. Detering desertiert, wird aber wieder aufgegriffen und vermutlich erschossen. Einige junge Soldaten leiden unter Front-Anfällen. Sie sind ihren schrecklichen Erlebnissen nicht gewachsen. Paul beschreibt, wie miserabel die Lage der Deutschen ist und wie sehr die Alliierten überlegen sind; mehrfach beschwört er den Sommer 1918 mit all seinen Qualen. Auch Paul kann die Grausamkeit des Krieges kaum noch ertragen: "Warum? Warum macht man kein Ende?"

Kapitel 12[Bearbeiten]

Paul hat Ruhe, weil er Gas geschluckt hat. Alle seine Freunde sind bereits gefallen, er ist der letzte von sieben Mann aus seiner Klasse; er erwartet den baldigen Waffenstillstand. Er macht sich Gedanken darüber, ob seine Generation sich nach dem Krieg noch zurechtfinden kann; er ist ruhig und gefasst.

Im Oktober 1918, kurz vor Kriegsende, fällt Paul, wie ein anonymer Erzähler berichtet. Sein Gesicht wirkt beinahe friedlich. An der Front ist es an diesem Tage so ruhig, dass der Heeresbericht sich auf den Satz beschränkt, "im Westen sei nichts Neues zu melden".

Zentrale Themen[Bearbeiten]

Traumatisierung durch die Schrecken des Krieges[Bearbeiten]

Das Buch stellt eindringlich die Schrecken des Krieges dar. Im Westen nichts Neues zeichnet das realistische Bild eines durch die Erfindung chemischer Waffen (Giftgas) und den Einsatz moderner Artillerie und Maschinengewehre gekennzeichneten Stellungskrieges. Eindrucksvoll beschreibt Remarque den grausamen Kampf an der Front, die leichenbedeckten Schlachtfelder, das elende Leben in den Schützengräben und den blutigen Alltag im Lazarett.

Diese Schrecken wirken sich desillusionierend auf die Psyche der Soldaten aus: Ständige Angriffe und Gegenangriffe reiben ihre Nerven auf, nie verlässt sie ihre Angst. Ständig von Hunger und Durst gequält, vegetieren sie unter unmenschlichen Bedingungen dahin, verlieren alle ihre Ideale und verwandeln sich zusehends in panische Tiere, nur noch darauf aus, ihre primitivsten Bedürfnisse zu befriedigen. Selbst die Überlebenden, weit davon entfernt, ihre grausamen Erlebnisse verarbeiten zu können, bleiben doch letztlich vom Kriege zerstört und können, wie Paul Bäumers deprimierender Heimaturlaub andeutet, nicht mehr ins normale, zivile Leben zurückfinden.

Der Topos der „verlorenen Generation“[Bearbeiten]

Im Vorwort oder Motto des Buchs wird als Thema vorgegeben, „über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam“. Es geht um die Generation, die von der Schulbank weg in den Krieg geschickt wurde. Den von Gertrude Stein geprägten Begriff "Lost Generation" hat Remarque einem in den USA entstandenen Diskurs entnommen.

Anlässlich eines Briefes Kantoreks erinnert sich Paul, wie jener die ganze Klasse für den Kriegsdienst begeistert hat (S. 15–18). Kantorek und die anderen Lehrer „sollten uns Achtzehnjährigen Vermittler und Führer zur Welt des Erwachsenseins werden“; doch der erste Tote zerstörte die von ihnen vermittelte Weltanschauung und die Annahme, sie besäßen größere Einsicht als die Schüler. „Wir waren plötzlich auf furchtbare Weise allein; – und wir mußten allein damit fertig werden.“ Zu Beginn des 2. Kapitels (S. 23) denkt Paul über die besondere Lage seiner Generation nach: „Die älteren Leute sind alle fest mit dem Früheren verbunden, sie haben Grund, sie haben Frauen, Kinder, Beruf und Interessen. […] Wir waren noch nicht eingewurzelt. Der Krieg hat uns weggeschwemmt.“ Im 6. Kapitel (S. 111) wird berichtet, wie Paul nach einem Nahkampf der Kompanie allein in der Nacht auf Posten ist und sich an die Landschaften seiner Jugend erinnert, die ihm vielleicht für immer fremd bleiben werden: „Wir sind verlassen wie Kinder und erfahren wie alte Leute, wir sind roh und traurig und oberflächlich – ich glaube, wir sind verloren.“

Paul Bäumer ist nicht im christlichen Sinn religiös. Er falsifiziert die These, dass „Not beten lehre“. „Der Zufall“ entscheide (S. 92), wer überlebe und wer nicht. Obwohl Kemmerichs Mutter ihn anfleht, „bei allem, was dir heilig ist“, die Wahrheit zu sagen, lügt er sie an; denn: „Ach Gott, was ist mir schon heilig – so was wechselt ja schnell bei uns.“ (S. 163) Nach ihrer Verwundung liegen Albert Kropp und Paul Bäumer gemeinsam auf einem Zimmer in einem katholischen Krankenhaus. Als eine Schwester „für sie betet“, werfen sie Flaschen auf den Korridor, und die Schwester hört auf, laut zu beten. Der Erzähler freut sich, dass die „Heiden“ gesiegt haben (S. 223f.).

Das Thema der verlorenen Generation muss im Zusammenhang mit der Frage gesehen werden, was der Krieg aus den Soldaten insgesamt gemacht hat.[4]

Positive Elemente im Krieg[Bearbeiten]

Neben dem Grauen des Krieges enthält die Druckfassung von Remarques Roman auch positive Elemente.

Der Mythos der Kameradschaft[Bearbeiten]

In der Endfassung wird die Kameradschaft zwischen den Soldaten als „das Wichtigste“ bewertet: „Das Wichtigste aber war, daß in uns ein festes, praktisches Zusammengehörigkeitgefühl erwachte, das sich im Felde dann zum Besten steigerte, was der Krieg hervorbrachte: zur Kameradschaft!“ (S. 29). Insbesondere Katczinski „ist nicht zu entbehren“ (S. 37). Es ist nur folgerichtig, dass die Kameraden Paul über seine schlimmste Krise hinweghelfen, nämlich das Erlebnis, mit einem von ihm selbst schwer verletzten, zunächst sterbenden und später toten Franzosen zusammen lange Zeit in einem Trichter verbringen zu müssen (S. 185–202).

Im Typoskript wird hingegen Bäumer nach seiner Rückkehr aus dem Trichter noch von seinen „Kameraden“ mit seiner Schuld allein gelassen. In dieser Fassung ist die Vereinzelung des Individuums im Krieg noch ein Teilaspekt des Verlorenseins (S. 449f.). In Remarques Roman Der Weg zurück (1930) zeigt sich, dass die (Front-)Kameradschaft völlig untauglich für die zivile Nachkriegsgesellschaft ist.

Mystifizierung der Erde[Bearbeiten]

Der Erzähler verehrt die Erde wie eine Mutter. Sie erscheint als eine Art Gaia. An der Erde könne sich (so der Erzähler) der Soldat festkrallen, und sie gebe ihm (wie Gaia ihrem Sohn Antaios) auf rational nicht nachvollziehbare Weise Kraft (S. 52f.). Paul selbst denkt auch gelegentlich (v. a. auch im letzten Kapitel) darüber nach, ob „das Leben“ sich nicht gegen alle Hoffnungslosigkeit und Zerstörung durchsetzen wird („das Weiche, das unser Blut unruhig machte, das Ungewisse, Bestürzende, Kommende, die tausend Gesichter der Zukunft, die Melodie aus Träumen und Büchern, das Rauschen und die Ahnung der Frauen“, S. 258).

Erinnerungen an die Friedenszeit[Bearbeiten]

Auch die Landschaft seiner Jugend und ein Wunsch nach kindlicher Geborgenheit bei der Mutter sind Elemente einer rettenden Kraft. Insgesamt bleibt Paul aber ambivalent: Er erlebt sowohl die schreckliche Bedrohung wie auch die Aussicht auf Rettung, ohne dass eine Seite die Oberhand gewänne.[5]

Stil[Bearbeiten]

Der Roman ist im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ verfasst. Auch schlimmste Ereignisse werden überwiegend in einem ruhigen, abgeklärt wirkenden Ton erzählt. An einigen Stellen jedoch geht Remarque zu Ausführungen im expressionistischen Stil über, z.B. in Kapitel 4, wo der Erzähler „Mutter Erde“ direkt voller Pathos anspricht.

Einordnung des Romans[Bearbeiten]

In dem Roman Im Westen nichts Neues werden die Kriegserlebnisse des jungen Kriegsfreiwilligen Paul Bäumer und seiner Frontkameraden im Ersten Weltkrieg geschildert. Als literarische Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse der Kriegsteilnehmergeneration steht das Werk im Kontext einer Reihe anderer, zumeist ebenfalls in den späten 1920er und beginnenden 1930er Jahren veröffentlichter Romane.[6]

Remarque schildert den Krieg aus der Sicht eines einfachen Soldaten und weist selbst darauf hin, dass sein Roman kein objektives Bild des Ersten Weltkrieges vermitteln wolle, sondern die Erlebnisse einer kleinen Gruppe gewöhnlicher Soldaten beschreibe. Die Frage nach den Ursachen des Krieges bleibt in Remarques Roman weitgehend ausgeblendet und wird nur ein einziges Mal zwischen den Soldaten thematisiert.[7]

Remarques Quellen[Bearbeiten]

Dem schon beim Erscheinen von Buch und Film verbreiteten Missverständnis, die Handlung beruhe im Wesentlichen auf eigenen Erlebnissen des Verfassers, traten Verlag und Autor aus Werbegründen nicht ernsthaft entgegen. Tatsächlich hatte Remarque sich nicht freiwillig zum Dienst an der Waffe gemeldet und den Grabenkrieg nur wenige Wochen miterlebt, bis er, durch einen Halsschuss verwundet und durch Granatsplitter an Arm und Bein verletzt, in ein Lazarett verlegt wurde. Dort hat er, da er nur kurze Zeit selbst Fronterfahrungen sammeln konnte, vor allem die Berichte und Erzählungen anderer Kriegsteilnehmer notiert und für seinen Roman verarbeitet.

Viele Aussagen seines ehemaligen Klassenkameraden Georg Middendorf, mit dem er alle Erlebnisse von der Abfahrt aus Osnabrück bis zu seiner Verletzung an der Front teilte und der akkurat Tagebuch führte, lassen sich in Remarques Roman wiederfinden. Durch die Lektüre der Tagebucheintragungen erfährt der Leser z.B., dass das Feldrekrutenlager sich in einem Ort namens Hem-Lenglet bei Cambrai im nordöstlichen Frankreich befand, die Kompanie aber in der belgischen Provinz West-Flandern kämpfen musste, und zwar bei Houthulst. Zwar haben Remark und Middendorf in der Nähe eines bei Hem-Lenglet gelegenen Kanals Schwimmübungen gemacht (vgl. S. 265), aber der Kanal, den es bei Hem-Lenglet tatsächlich gibt, war verseucht und voller Munition, so dass man in ihm nicht schwimmen konnte. Erst recht ist die Episode mit den Französinnen jenseits des Kanals frei erfunden (vgl. S. 129–136). Middendorfs präzise Ortsangaben hingegen sind in Remarques Roman nicht zu finden.

Ein weiterer Kriegsteilnehmer, den Remarque als Quelle benutzte, war August Perk. August Perk berichtete von seinen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg, und viele dieser Erzählungen flossen später in Remarques Antikriegs-Roman Im Westen nichts Neues ein. Neue Osnabrücker Zeitung:

„Was August Perk Schreckliches als Soldat im Ersten Weltkrieg erlebte, hat der weltbekannte Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898–1970) in seinem Buch „Im Westen nichts Neues“ verarbeitet. Das Werk wurde in über 50 Sprachen übersetzt und gilt mit geschätzten Verkaufszahlen zwischen 15 und 20 Millionen als eines der meistgelesenen Bücher in der ganzen Welt.“[8]

Textsorte[Bearbeiten]

Heute gibt es kaum einen Zweifel darüber, dass Erich Maria Remarques Werk Im Westen nichts Neues ein Roman ist: Ein Ich-Erzähler, Paul Bäumer, fungiert als Organisator des Erzählstoffs. Dieser wird vor dem Kapitel 1 und am Schluss von Kapitel 12 in Form eines Rahmentextes durch eine Erzählerinstanz eingebettet, die sich dem Leser nicht vorstellt. Thomas F. Schneider, Herausgeber einer neuen Taschenbuchausgabe des Textes, stellt apodiktisch fest: „Dass Remarque einen fiktionalen und keinen dokumentarischen oder gar autobiografischen Text verfasste, ist aufgrund der Forschungsergebnisse der letzten Jahre unstreitig“ (S. 441).

Trotzdem ist für den Chef-Gutachter des Ullstein-Verlags, Carl Jödicke, der über die Annahme des Typoskripts zu entscheiden hatte, Remarques Text kein Roman, da der Autor die Menschen als „fast willenlose Objekte der Kriegsfurie“ zeige (S. 312). Der Verlag versuchte Schneider zufolge, das Werk als „authentisches Werk“, also als faktualen und nicht als fiktionalen Text zu vermarkten, um das vermeintliche Bedürfnis der Leser nach nicht-fiktionaler Kriegs-Erinnerungsliteratur zu befriedigen (S. 438). Remarque bezeichnete den Text 1946 gegenüber einem US-amerikanischen Journalisten als „Sammlung bester Kriegsgeschichten, geschrieben mit dem Ziel des Geldverdienens“ (S. 439).

Äußerungen Remarques und seines Verlags über den Roman[Bearbeiten]

Der den Roman einleitende Gedanke: „Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam.“ und die Behauptung, Remarques Buch sei „unpolitisch“,[9] sollen den Eindruck erwecken, der Roman sei kein pazifistisches Werk, mithin ein Kriegs-, aber kein Anti-Kriegsroman. Die in der gedruckten Endfassung des Werks enthaltenen Aussagen richten sich nicht explizit gegen den Krieg. Remarque begründet das damit, dass er ein solches Buch für überflüssig gehalten habe, da schließlich doch jeder gegen den Krieg sei.[9] Diese Aussage relativiert er in einem Interview mit Friedrich Luft 1963 allerdings mit den Worten: „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, daß es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.[10]

Dafür, dass beide Äußerungen nicht Remarques tatsächlicher Haltung im Jahr 1928 entsprachen, spricht:

  • Der Erzähler in Remarques Roman trifft während seines Heimaturlaubs „Patrioten“, die trotz der hohen Zahl von 1917 bereits Gefallenen nicht zu der Einsicht gelangt sind, dass der Krieg abgebrochen werden sollte. (S. 149f.)
  • Als „Jüngerleser[11] musste Remarque die „rückblickende[…] Aufwertung des Kriegserlebnisses“, das „Insistieren auf der Nützlichkeit, ja Unumgänglichkeit des Krieges für die stabile, zusammenhaltende Nation, wie auch [das] Nobilitieren bestimmter antipazifistischer Werte (Kampf, Opfer, Führung, Leiden, Unglück, Schmerz)“ kennen.[12]
  • Bereits in dem Tagebuch, das Remarque 1917/1918 im Duisburger Lazarett schrieb, stellte der Autor fest: „Eine Minderheit diktiert, befiehlt der großen Mehrheit: Jetzt ist Krieg! Ihr habt auf alle Pläne zu verzichten, sollt roheste und brutalste Tiere werden, sollt zum fünften Teil sterben“ (S. 287). Mit dieser Äußerung zeigt Remarque, dass er schon 1918 erkannt hat, dass es am Krieg Interessierte gibt, und dass er schon damals ein in politischen Kategorien denkender Mensch war.

Weitere Werke Remarques zum Thema „Krieg“[Bearbeiten]

In Der Weg zurück, der 1930/31 von Remarque verfassten Fortsetzung von Im Westen nichts Neues, beschreibt der Autor, wie die Überlebenden nach dem Krieg versuchen, im Zivilleben wieder Fuß zu fassen.

Rezeption[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

1929 erschien außerdem Im Osten nichts Neues des Autors Carl August Gottlob Otto, das nicht nur dem Namen nach starke Parallelen zu Remarques Werk aufweist.

1930 erschien beim Brunnen-Verlag in Berlin anonym Vor Troja nichts Neues von Emil Marius Requark (in Wirklichkeit Max Joseph Wolff) als Parodie. (Die Eigenbeschreibung „Requarks Buch ist das Denkmal des seit dreitausend Jahren unbekannten Soldaten. Von einem Lebendigen geschrieben“ ist eine Parodie auf den Untertitel der Ullsteinausgabe von Im Westen nicht Neues „Remarques Buch ist das Denkmal unseres unbekannten Soldaten. Von allen Toten geschrieben.“)

Verfilmungen[Bearbeiten]

Der Roman wurde zweimal verfilmt. Die erste Verfilmung, eine US-Produktion aus dem Jahr 1930 von Lewis Milestone, gilt als einer der 100 besten Filme der amerikanischen Filmgeschichte. Der Produzent Carl Laemmle erhielt für diesen Film einen Oscar in der Kategorie „Bester Film“.

Bei der deutschen Uraufführung des Films im Metropol in Berlin kam es zu einem Skandal. Auf Anweisung des damaligen Berliner NSDAP-Gauleiters Joseph Goebbels besetzten nationalsozialistische Schlägertrupps den Saal und hinderten andere Kinogäste am Besuch; die Vorführung musste abgebrochen werden. Nach mehrfacher Wiederholung der Störaktionen im gesamten Deutschen Reich (z. B. durch Legen von Stinkbomben, Aussetzen großer Mengen weißer Mäuse und immer wieder durch Besetzen der Kinos) wurde der Film vorerst abgesetzt. Erst nach einer Novellierung des Lichtspielgesetzes (Lex Remarque), die am 31. März 1931 in Kraft getreten war, wurde der Film am 8. Juni 1931 „für bestimmte Personenkreise und in geschlossenen Veranstaltungen“ wieder freigegeben. Am 2. September 1931 erfolgte die allgemeine Wiederzulassung des Films in einer nochmals gekürzten Fassung. Die Produktionsfirma musste sich überdies verpflichten, „zukünftig auch im Ausland nur noch diese von den deutschen Zensurbehörden genehmigte Fassung zu zeigen“.[13] Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Im Westen nichts Neues endgültig verboten.

Weniger populär, jedoch ebenfalls mit positiven Kritiken bedacht wurde ein 1979 unter der Regie von Delbert Mann als US-amerikanisch-britische Koproduktion für das Fernsehen gedrehtes Remake des Antikriegsfilms. Diese Neuverfilmung wurde 1980 mit einem Golden Globe als bester TV-Film ausgezeichnet.

Musik[Bearbeiten]

Unter dem Titel All Quiet on the Western Front schrieb Elton John 1983 einen kriegskritischen Song, der sich auch auf den Film bezieht.

Die Punkband Die Toten Hosen veröffentlichten 1999 auf der Single Schön sein als Bonustrack das Lied Im Westen nichts Neues, welches den Krieg als Metapher für die Monotonie der Arbeit verwendet, die als „täglicher Kampf“ und Ausbeutung bzw. als Schattenseite der kapitalistischen, westlichen Welt empfunden wird.

Trivia[Bearbeiten]

Erich Maria Remarque benannte die Person des Paul Bäumer nach seinem Zahnarzt. Paul Bäumer war einer der erfolgreichsten deutschen Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Unmittelbar nach dem Krieg legte er sein Examen zum Zahnarzt ab. Er stürzte im Jahr 1927 mit einem Flugzeug in den Öresund und verstarb dabei.[14][15]

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich M. Remarque: Im Westen nichts Neues. Roman. Kiepenheuer und Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-04581-9.
  • Erich M. Remarque: Im Westen nichts Neues. Hörbuch. Der Hörverlag, München 2006, ISBN 3-89940-680-X (5 CDs).
  • Peter Dörp: Medien spezial: Im Westen nichts Neues. Teil 1. Facetten eines nuancenreichen Themas für den Deutschunterricht. Mit Kopiervorlagen: 3 Songtexte (Elton John, Die Toten Hosen, Marius Müller-Westernhagen) zum selben Thema; Der Kampf um Remarque, Aus: Berliner Illustrirte Zeitung, Nr. 27, 1929; Axel Eggebrecht im Gespräch mit Erich Maria Remarque. Aus: Die literarische Welt, 14. Juni 1929. In: Deutschunterricht. Westermann Verlag. Oktober 2003. Heft 5. S. 42–47.
  • Wolfhard Keiser, Erläuterungen zu Erich M. Remarque: Im Westen nichts Neues, Textanalyse und Interpretation (Bd. 433), C. Bange Verlag, Hollfeld 2012, ISBN 978-3-8044-1979-7.
  • Günther Oesterle: Das Kriegserlebnis im für und wider. „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque (1929), in: Dirk van Laak (Hrsg.): Literatur, die Geschichte schrieb, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, S. 213–223, ISBN 978-3-525-30015-2.
  • Hubert Rüter: Erich Maria Remarque. Im Westen nichts Neues. Ein Bestseller der Kriegsliteratur im Kontext. Schöningh, Paderborn 1980, ISBN 3-506-75044-5.
  • R. A. Firda (1993): All Quiet on the Western Front: Literary Analysis and Cultural Context. New York: Twayne.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen und Quellen[Bearbeiten]

  1. Zitiert nach dem Originalverlagsprospekt des Propyläen Verlags, das dem 450.Tausend beilag.
  2. Im Westen nichts Neues, Kiepenheuer und Witsch, 27. Auflage 2007, ISBN 978-3-462-02731-0, Nachwort, S. 200: Im Westen nichts Neues ist in einer Gesamtauflage von mindestens 20 Millionen in 50 Sprachen verbreitet. (deutschsprachig)
  3. In Kap. 7 (S. 146; die Seitenzahlen hier und im weiteren Verlauf des Artikels beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe des KiWi-Verlages 2014; ISBN 978-3-462-04632-8) erteilt Paul Bäumer auf Heimaturlaub einem Offizier die Auskunft, er sei zwischen Langemarck und Bixschoote, also in der belgischen Provinz Westflandern, stationiert.
  4. Remarque: Im Westen nichts Neues – Analyse: die verlorene Generation im Blog norberto.42.
  5. Remarque: Im Westen nichts Neues – über das Rettende (Analyse) im Blog norberto42.
  6. Laut Deutsche Nationalbibliothek, " ... EIN SEHR LEBHAFTES VIELERLEI. DER THEATERMANN UND SCHRIFTSTELLER RUDOLF FRANK" - FÜHRUNG UND VORTRAG – Pressemitteilung vom 14. Oktober 2010 (Memento vom 27. Dezember 2010 im Internet Archive). gehören dazu:
    Ernst Glaeser: Jahrgang 1902 -- 1928
    Ludwig Renn: Krieg -- 1928
    Robert Graves: Good-bye to All That -- 1929
    Ernest Hemingway: In einem andern Land -- 1930
    Edlef Köppen: Heeresbericht -- 1930
    Stratis Myrivilis: Das Leben im Grabe -- 1930. Der Roman wurde schon 1924 als Feuilleton (mit einem anderen Titel) in der literarischen Zeitschrift Καμπάνα [kambána] veröffentlicht (dt. 1986).
    Siegfried Sassoon: The Memoirs of George Sherston (in Teilbänden 1928, 1930 bzw. 1936)
    Rudolf Frank: Der Schädel des Negerhäuptlings Makaua -- 1931
  7. Im Westen nichts Neues aus Kindlers Literaturlexikon
  8. Neue Osnabrücker Zeitung: August Perk – Kritische Äußerung mit dem Leben bezahlt, am 18. Januar 2008
  9. a b  Weltbürger wider Willen. In: Der Spiegel. Nr. 2, 1952 (online).
  10. Hans Beller: Der Film ‚All Quiet on the Western Front‘ und die Feindbildproduktion in Hollywood (PDF, 166 kB)
  11. Stephan Reinhardt: Gegenaufklärer auf dem Podest. Zwei Biografien über Ernst Jünger. Deutschlandfunk. 31. Oktober 2007
  12. Ales Urválek: Konsevativismus in Deutschland. Zur Geschichte eines umstrittenen Begriffs. Brno 2003, S. 269f.
  13. http://www.deutsches-filminstitut.de/zengut/dt2tb00154e.htm
  14. Verhältnis von Paul Bäumer zu Erich Maria Remarque
  15. Foto von Paul Bäumer