Dies ist der Tag, den Gott gemacht

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Das Weihnachtslied Dies ist der Tag, den Gott gemacht ist ein vor 1755 geschaffenes Kirchenlied des Dichters Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769).

Inhalt[Bearbeiten]

Das Lied besingt in kunstvoll gebauten mit biblischen Zitaten verflochtenen klaren Aussagen Satz für Satz das Geschehen der Menschwerdung Gottes in der Geschichte. Den Hintergrund bildet die biblische Vorstellung vom Tag des Herrn: „Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ (Ps 118,24 LUT) Gellert transformiert hier eine in der Geschichte der Liturgie eigentlich dem Osterfest vorbehaltene Wendung in das Weihnachtsgeschehen hinein. Dabei bildet der Jubel über „diesen Tag“[1] durch die wortgleichen rahmenden Strophen und die Emphase des Textes die Grundstimmung.

Das Lied verzichtet – wohl unter dem Einfluss des zeitgenössischen Rationalismus – weitgehend auf eine Ausschmückung mit konkreten Elementen der traditionellen Weihnachtsgeschichte und macht eher andeutend die „heiligste Geburt“ (Strophe 9 (8.)) zum Zielpunkt seiner Aussage.

Ausgehend von der Erwartung (Str. 2+5) und Vollendung der Zeit (Str. 2) über eine innehaltende Besinnung (Str. 4) erfolgt in den zentralen Strophen (4.–7.) die Anrede („Du“) an den Gott, der durch seine Vereinigung „mit Fleisch und Blut“ die Gotteskindschaft der Gemeinde bewirkt. Gellert hat dies, wohl unter dem Einfluss des Idealismus, in entsprechenden Wendungen in Strophe 7 unterstrichen.

Melodie[Bearbeiten]

Gellert unterlegte dem Lied die Melodie Vom Himmel hoch, da komm ich her von Martin Luther.

Text[Bearbeiten]

1. Dies ist der Tag, den Gott gemacht,
Sein werd in aller Welt gedacht;
Ihn preise, was durch Jesum Christ
Im Himmel und auf Erden ist.[2]

2. Die Völker haben dein geharrt,[3]
Bis daß die Zeit erfüllet ward;[4]
Da sandte Gott von seinem Thron
Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn.

3. Wenn ich dies Wunder fassen will,[5]
So steht mein Geist vor Ehrfurcht still,
Er betet an, und er ermißt,
Daß Gottes Lieb unendlich ist.





4. Damit der Sünder Gnad erhält,
Erniedrigst du dich, Herr der Welt,
Nimmst selbst an unsrer Menschheit teil,[6]
Erscheinst im Fleisch zu unserm Heil.

5. Herr, der du Mensch geboren wirst,
Immanuel und Friedefürst,
Auf den die Väter hoffen sahn,
Dich, Gott, mein Heiland, bet ich an.

6. Du, unser Heil und höchstes Gut,
Vereinest dich mit Fleisch und Blut,
Wirst unser Freund und Bruder hier,
Und Gotteskinder werden wir,[7]

7. Gedanke voller Majestät,
Du bist es, der das Herz erhöht.
Gedanke voller Seligkeit,
Du bist es, der das Herz erfreut.

7. (8.) Durch eines Sünde fiel die Welt,
Ein Mittler ists, der sie erhält;
Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt,
Der in des Vaters Schoße sitzt?[8]

8. (9.) Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt,[9]
Den Tag der heiligsten Geburt,
Und Erde, die ihn heute sieht,
Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied.[10]

9. (10.) Dies ist der Tag, den Gott gemacht,
Sein werd in aller Welt gedacht;
Ihn preise, was durch Jesum Christ
Im Himmel und auf Erden ist.





Das Lied findet sich – ohne die Strophe 7. der Gellertschen Gedankenwelt – im Evangelischen Gesangbuch (EG 42).

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Sitzmann: 42 Dies ist der Tag, den Gott gemacht; in: Gerhard Hahn, Jürgen Henkys (Hrsg.): Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch, Band 3, Heft 3; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2001; ISBN 3-525-50324-5; S. 12–16

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Zeitwort „heute“ (σημερoν griech.: = dieser Tag) findet etwa im lukanischen Schrifttum eine deutliche christologische Betonung.
  2. Gal 3,26 LUT
  3. Röm 15,12 LUT
  4. Gal 4,4 LUT
  5. 1 Joh 3,1 LUT
  6. Phil 2,7 LUT
  7. Gal 4,5 LUT
  8. Joh 1,18 LUT
  9. Jes 44,23 LUT
  10. Ps 98,1 LUT