Brief des Paulus an die Philipper

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Neues Testament
Evangelien
Apostelgeschichte
Paulusbriefe
Katholische Briefe
Offenbarung

Der Brief des Paulus an die Philipper ist ein Buch des Neuen Testaments der christlichen Bibel. Er wird seit dem Mittelalter in vier Kapitel unterteilt.

Inhalt[Bearbeiten]

Kapitel 1

V. 1–2: Absender, Empfänger, Eingangsgruß

V. 3–11: Der eschatologische Tag Christi

V. 12–26: Der christliche Gewinn des Leidens

V. 27–30: Die Bereitschaft der christlichen Gemeinde zum Leiden

Kapitel 2

V. 1–11: Der Christushymnus (Philipperhymnus), ein christlicher Psalm

V. 12–18: Gott schafft das menschliche Heil

V. 19–30: Rückkehr des Timotheus und des Epaphroditus nach Philippi

Kapitel 3

V. 1–11: Warnung vor einen Rückfall in die Gesetzlichkeit

V. 12–17: Das Ziel des christlichen Glaubens

Kapitel 4

V. 1–9: Mahnung zur Einigkeit

V. 10–20: Paulus bedankt sich bei den Philippern für ihre Gabe

V. 21–23: Schlussgruß

Hintergrund[Bearbeiten]

Die antike makedonische Stadt, die wir heute Philippi (frz. Philippes) nennen, hieß zur Zeit des Paulus Colonia Augusta Iulia Philippensis.[1] Sie wurde von Philipp von Makedonien an der Stelle des älteren Kraenides (Κρηνιδες) angelegt und stand seit etwa 167 v. Chr. unter römischer Herrschaft. Unter ihr war sie eine zweifache römische Koloniegründung.[2] Zuerst durch Marcus Antonius 42 v. Chr. als eine sogenannte Versorgungskolonie (Gegensatz: Siedlungskolonie für römische Stadtbürger) für die Ansiedlung entlassener Söldner gegründet, erfuhr sie nach 31 v. Chr. durch Kaiser Augustus eine Neugründung, der ihre erneute Kolonisierung „zur Stabilisierung seiner persönlichen Herrschaft und der des römischen Reiches“ nutzte.[3]

Der politische Charakter einer römischen Kolonie entspricht nicht demjenigen einer selbständigen Polis, vielmehr versteht sie sich als „eine aus dem Recht der Stadt Rom erwachsene Tochtergemeinde“.[4] Die machtpolitischen Entscheidungsgrundlagen für römische Koloniegründungen (Siedlungskolonien römischer Stadtbürger und Versorgungskolonien entlassener römischer Söldner und Offiziere) bestanden in der Zeit der Republik (ab 509 v. Chr.) entweder in der Deduktion einer lex (senatorisches Gesetz), oder in der Zeit der Bürgerkriege nach 133 v. Chr. in einer Magistratsentscheidung.

Nach Apostelgeschichte (Apg) 16,12 EU heißt Philippi (Φιλιπποι) „eine Stadt (πολις) des ersten Bezirks von Makedonien, eine (römische) Kolonie“. Paulus gründete in Philippi die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden. Im 1. Thessalonicher 2,2 EU schreibt Paulus, dass er in Philippi „gelitten hatte und misshandelt worden war“. Der Verfasser der Paulusakten berichtet von Paulus' Reise von Philippi nach Korinth. In dieser Stadt berichtet Paulus von Zwangsarbeit, die er in Philippi leisten musste. Apg 20,6 EU erwähnt, dass Paulus Philippi mit dem Schiff auf seiner letzten Reise nach Jerusalem verließ. Auch Polykarp schrieb zwei Briefe an die Gemeinde in Philippi.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Kommentare

  • D. Martin Luthers Epistel-Auslegung. herausgegeben von Eduard Ellwein, Bd. 3: Die Briefe an die Epheser, Philipper und Kolosser, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1973, 360 S., ISBN 978-3-525-55633-7
  • Heinrich August Wilhelm Meyer: Kritisch exegetisches Handbuch über den Brief an die Philipper. 1. Aufl. 1847, Als: Kritisch exegetischer Kommentar über das Neue Testament, herausgegeben von Heinrich August Wilhelm Meyer, neunte Abteilung, erste Hälfte, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1847, XIV, 146 S.
  • Heinrich August Wilhelm Meyer: Kritisch exegetisches Handbuch über die Briefe an die Philipper, Kolosser und an Philemon. 2., verbesserte und vermehrte Aufl. 1859, Als: Kritisch exegetischer Kommentar über das Neue Testament, herausgegeben von Heinrich August Wilhelm Meyer, neunte Abteilung Verlag Vandenhoeck & Ruprechtn Göttingen 1859, VI, 343 S.
  • Des Apostels Paulus Brief an die Philipper. Übersetzt und erklärt von Karl Joseph Müller, mit Approbation des hochwürdigen Herrn Erzbischofs von Freiburg, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1899, VIII, 348 S.
  • Der Brief des Paulus an die Philipper. Ausgelegt von Paul Ewald, 1. u. 2. Aufl. 1908, Als: Kommentar zum Neuen Testament, herausgegeben von Theodor Zahn, Bd. 11, Verlag Deichert, Leipzig 1908, 220 S.
  • Adolf Schlatter: Erläuterungen zum Neuen Testament. Bd. 12: Die Briefe an die Thessalonicher und Philipper. Die Briefe des Petrus und Judas, Verlag der Vereinsbuchhandlung, Calw 1910, ISBN 978-3-7668-0191-3
  • An die Thessalonicher I, II. An die Philipper. Erklärt von Martin Dibelius. Als: Handbuch zum Neuen Testament, herausgegeben von Hans Lietzmann, Bd. 3.2., Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1911, 64 S.
  • Der Brief des Paulus an die Philipper. Ausgelegt von Paul Ewald, 3., durchgesehene und vermehrte Aufl. 1923, besorgt von Gustav Wohlenberg, Als: Kommentar zum Neuen Testament, herausgegeben von Theodor Zahn, Bd. 11, Verlag Deichert, Leipzig 1923, VIII, 238 S.
  • An die Thessalonicher I II. An die Philipper. Erklärt v. Martin Dibelius, Als: Handbuch zum Neuen Testament, herausgegeben von Hans Lietzmann, 2., völlig neu bearbeitete Aufl. 1925, Bd. 11, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1925, 2, 76 S.
  • Karl Barth: Erklärung des Philipperbriefes. Verlag Christian Kaiser, München 1928, 126 S.
  • Die Briefe an die Philipper, an die Kolosser und an Philemon. Übersetzt u. erklärt von Ernst Lohmeyer, 8. Aufl. d. Neubearbeitung 1930, Als: Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament, Begründet von Heinrich August Wilhelm Meyer, Abt. 9, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1930, 4, 194, 202 S.
  • An die Thessalonicher I II. An die Philipper. Erklärt v. Martin Dibelius, 3., neubearbeitete Aufl. 1937, Als: Handbuch zum Neuen Testament, herausgegeben von Hans Lietzmann, Bd. 11, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1937, 98 S.
  • Der Philipperbrief. Auslegung v. Joachim Gnilka. Als: Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament, begründet von Alfred Wikenhauser, Bd. 10.3., Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1968, XXII, 226 S.
  • Die Briefe an die Philipper, an die Kolosser und an Philemon. Übersetzt u. erklärt v. Ernst Lohmeyer, 14. Aufl. 1974 und 8. Aufl. der Neubearbeitung 1930, Als: Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament, begründet von Heinrich August Wilhelm Meyer, Abt. 9, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1974, 4, 194, 202 S.
  • Heinrich Schlier: Der Philipperbrief. Als: Kriterien, Bd. 54, Johannes-Verlag, Einsiedeln 1980, 82 S., ISBN 978-3-89411-214-1
  • Ulrich B. Müller: Der Brief des Paulus an die Philipper. 1. Aufl. 1993, Als: Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, neue Bearbeitung, herausgegeben von Erich Fascher, Joachim Rohde, Udo Schnelle und Christian Wolff, Band 11.1, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 1993, XVIII, 211 S.
  • Die Briefe an die Philipper, Thessalonicher und an Philemon. übersetzt und erklärt von Nikolaus Walter, Eckart Reinmuth und Peter Lampe, In: Das Neue Testament deutsch, herausgegeben von Peter Stuhlmacher und Hans Weder, Bd. 8.2, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, 232 S. ISBN 978-3-525-51381-1
  • Ulrich B. Müller: Der Brief des Paulus an die Philipper. 2., verbesserte Aufl. 2002, Als: Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, herausgegeben von Erich Fascher, Joachim Rohde, Udo Schnelle u. Christian Wolff, Bd. 11.1, Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2002, XVIII, 216 S., ISBN 978-3-374-01463-7
  • Wilfried Eckey: Die Briefe des Paulus an die Philipper und an Philemon. Ein Kommentar. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2006, XIV, 242 S., ISBN 978-3-7887-2145-9

Einzeluntersuchungen

  • Otto Schmitz: Zum Verständnis von Philipper 1, 21. In: Neutestamentliche Studien. Georg Heinrici zu seinem 70. Geburtstag (14. März 1914), dargebracht von Fachgenossen, Freunden und Schülern, Als: Untersuchungen zum Neuen Testament, herausgegeben von Hans Windisch, Band 6, Verlag J. C. Hinrichs, Leipzig 1914, XVI, 272 Seiten, S. 155–169
  • Adolf Deißmann: Zur ephesinischen Gefangenschaft des Apostels Paulus. In: Anatolian studies. Presented to Sir William Mitchell Ramsay, herausgegeben von William Hepburn Buckler und William Musgrave Calder, University Press, Manchester 1923, XXXVIII, 480 Seiten, S. 121–127
  • Ernst Lohmeyer: Kyrios Jesus. Eine Untersuchung zu Philipper 2,5–11. Als: Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, 1927/1928, Heft 4, Verlag Winter, Heidelberg 1928, 90 Seiten
  • Percy Neale Harrison: Polycarp's two epistles to the Philippians. Cambridge University Press, Cambridge (England) 1936, XII, 356 S.
  • Paul Collart: Philippes. Ville de Macédoine depuis ses origines jusqu’à la fin de l’époque romaine. Verlag Boccard, Paris 1937, XII, 558 S.
  • Paul Lemerle: Philippes et la Macédoine orientale à l’époque chrétienne et byzantine. Recherches d’histoire et d’archéologie. Verlag Boccard, Paris 1945, VI, 568 S.
  • Ernst Käsemann: Kritische Analyse von Philipper 2,5–11. In: Zeitschrift für Theologie und Kirche, Band 47, 1950. S. 313 – 360, (Wiederabdruck in: ders.: Exegetische Versuche und Besinnungen. Band 1, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1960, 316 Seiten, S. 51–95.)
  • Günther Bornkamm: Der Philipperbrief als paulinische Briefsammlung. In: Neotestamentica et Patristica, eine Freundesgabe, Herrn Professor Doktor Oscar Cullmann zu seinem 60. Geburtstag überreicht, Verlag Brill. Leiden (Niederlande) 1962, XX, 330 Seiten, S. 192–202
  • Otfried Hofius: Der Christushymnus Philipper 2,6–11. Untersuchungen zu Gestalt und Aussage eines urchristlichen Psalms, Als: Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Band 17, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1976, 118 Seiten
  • Berthold Mengel: Studien zum Philipperbrief. Untersuchungen zum situativen Kontext unter besonderer Berücksichtigung der Frage nach der Ganzheitlichkeit oder Einheitlichkeit eines paulinischen Briefes, Als: Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, zweite Reihe, Bd. 8, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1982, 344 S., ISBN 978-3-16-144533-0
  • Rudolf Pesch: Paulus und seine Lieblingsgemeinde. Paulus – neu gesehen. Drei Briefe an die Heiligen in Philippi. Als: Herderbücherei, Band 1208, Freiburg im Breisgau 1985, 126 Seiten
  • Günter Klein: Antipaulinismus in Philippi. Eine Problemskizze. In: Jesu Rede von Gott und ihre Nachgeschichte im frühen Christentum, Beiträge zur Verkündigung Jesu und zum Kerygma der Kirche, Festschrift für Willi Marxsen zum 70. Geburtstag, herausgegeben von Dietrich-Alexander Koch, Gerhard Sellin und Andreas Lindemann, Verlag Mohn, Gütersloh 1989, 476 Seiten, S. 297–313
  • Otfried Hofius: Der Christushymnus Philipper 2,6–11. Untersuchungen zu Gestalt und Aussage eines urchristlichen Psalms. 2., erweiterte Auflage 1991, Als: Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Band 17, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1991, 170 Seiten, ISBN 978-3-16-145672-5
  • Lukas Bormann: Philippi. Stadt und Christengemeinde zur Zeit des Paulus. Als: Supplements to Novum Testamentum, hrsg. von Abraham J. Malherbe und David P. Moessner, Bd. 78, Verlag E. J. Brill. Leiden (Niederlande) 1995, X, 248 Seiten, ISBN 90-04-10232-9
  • Peter Pilhofer: Philippi. Band 1: Die erste christliche Gemeinde Europas. Als: Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Band 87, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1995, XXII, 316 Seiten, ISBN 978-3-16-146479-9
  • Peter Pilhofer: Philippi. Band 2: Katalog der Inschriften von Philippi. Als: Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, 2., überarbeitete und ergänzte Auflage, Band 119, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 2009, XVIII, 1196 Seiten, ISBN 978-3-16-149163-4

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brief des Paulus an die Philipper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. nach Collart: Philippes. Paris 1937: „Colonia Iulia Augusta Philippensis“.
  2. nach Bormann, Philippi, Leiden 1995.
  3. Bormann, S. 19.
  4. Bormann, S. 30.
  5. Harrison: Polycarp's two epistles to the Philippians. 1936.