Dobrica Ćosić

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Dobrica Ćosić

Dobrica Ćosić [ˈdɔbritsa ˈtɕɔsitɕ] (serbisch-kyrill. Добрица Ћосић; * 29. Dezember 1921 in Velika Drenova, Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) ist ein serbischer Schriftsteller, der 1992/1993 Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien war.

Leben[Bearbeiten]

1968, zur Regierungszeit Titos, vertrat Ćosić erstmals öffentlich die Meinung, dass vor allem die im Kosovo lebenden Serben durch andere Völker des damaligen „Vielvölkerstaates“ Jugoslawiens, namentlich die Albaner, unterdrückt würden und eine wichtigere Rolle spielen sollten. Diese Haltung wurden von der kommunistischen Partei Jugoslawiens nicht geduldet; Ćosić verlor alle Parteiämter und wurde wegen Chauvinismus aus der Partei ausgestoßen.

In der Folgezeit verfasste Ćosić eine große Zahl von Romanen und Novellen. Eine gewisse Popularität erlangte er in Serbien durch sein bekanntes Zitat, die Serben seien „Sieger im Krieg und Verlierer im Frieden“. Nach Titos Tod tritt Ćosić als Verfechter einer „jugoslawischen Politik“ auf und will verhindern, dass Albaner im Kosovo einen eigenen Staat gründen. Im Januar 1985 unterzeichneten 216 serbische Intellektuelle unter seiner Führung eine Petition, in der sie die Kosovo-Serben zu Opfern eines Genozids erklären. Zwar bestritt er eine Mitarbeit am Sanu-Memorandum, das in Auszügen am 24. September 1986 in der Zeitung Večernje Novosti veröffentlicht wurde, verteidigte es jedoch als „anti-titoistisch“ und „pro-jugoslawisch“. Mit dem zweitgenannten Begriff begann er eine Umdeutung des Begriffs „Jugoslawien“, der in der serbischen Bevölkerung rasch aufgenommen wurde und später für außenpolitische Verwirrungen sorgte.

Nach dem Zusammenbruch der SFR Jugoslawien wurde Ćosić zum Präsidenten der von Serbien und Montenegro gebildeten Bundesrepublik Jugoslawien gewählt. Dieses Amt hielt er etwa ein Jahr, von 1992 bis 1993, inne.

Seit dem Ende der Jugoslawienkriege ist Ćosićs Popularität deutlich gesunken.

Weblinks[Bearbeiten]