Belgrad

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Dieser Artikel behandelt die serbische Stadt Belgrad, zum gleichnamigen Ortsteil von Stoltebüll siehe Belgrad (Stoltebüll).
Београд
Beograd
Београд
Wappen von Belgrad
Belgrad (Serbien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Serbien
Okrug: Belgrad
Koordinaten: 44° 49′ N, 20° 28′ O44.82055555555620.462222222222131Koordinaten: 44° 49′ 14″ N, 20° 27′ 44″ O
Höhe: 131 m. i. J.
Fläche: 359,96 km²
Einwohner: 1.233.796 (2011)
Agglomeration: 1.647.490 (2011)
Bevölkerungsdichte: 3.428 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+381) 011
Postleitzahl: 11000
Kfz-Kennzeichen: BG
Struktur und Verwaltung (Stand: 2008)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: 10 Stadtgemeinden und
7 Vorstadtgemeinden
Bürgermeister: Siniša Mali (SNS)
Postanschrift: Grad Beograd
Masarikova 5/XVII
11000 Beograd
Webpräsenz:
Sonstiges
Schutzpatron: Maria (Mutter Jesu)
Stadtfest: Christi Himmelfahrt

Belgrad (serbisch-kyrillisch Београд, Beograd [ anhören?/i], übersetzt „weiße Stadt“, daher der altertümliche Name Griechisch Weißenburg) ist die Hauptstadt der Republik Serbien. Die Stadt gliedert sich in zehn Stadtgemeinden und sieben Vorstadtgemeinden. Die Kernstadt besitzt eine Fläche von 359,96 km², die umgebenden Vorstadtgebiete 2862,72 km², wobei die Fläche einiger Gemeinden teilweise zur Kernstadt und teilweise zur Vorstadt gehört. Zusammen bilden sie den Okrug Beograd mit 1,71 Millionen Einwohnern (Zensus 2011) und gehört somit zu den größten Metropolregionen in Südosteuropa. Mit 1.233.796 Einwohnern[1] ist sie außerdem die serbische Primatstadt.

Mit seinen Universitäten, Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen stellt Belgrad das überragende Bildungszentrum und mit zahlreichen Verlagen, Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie Tages- und Monatszeitungen auch das dominierende Medienzentrum des Landes. Belgrad ist Sitz der Serbisch-Orthodoxen Kirche und Residenz des Serbischen Patriarchen. Das größte christliche Gotteshaus der Balkanhalbinsel, die Kathedrale Hl. Sava, steht in Belgrad.

Dank der Lage an der Mündung der Save in die Donau am südöstlichen Rand der Pannonischen Tiefebene und an der Nordgrenze der Balkanhalbinsel ist die Stadt Dreh- und Angelpunkt für den Verkehr zwischen Mittel- und Südosteuropa sowie dem Vorderen Orient. Daher wird Belgrad oft auch als Tor zum Balkan bezeichnet. Wahrzeichen Belgrads ist die in der Geschichte häufig umkämpfte, über der Save-Mündung in die Donau thronende Festung von Belgrad. In der Nähe befindet sich die historische Universitäts-Sternwarte und jenseits des Flusses (Novi Beograd) das 1977–79 erbaute Sava Centar, das größte Kongresszentrum aller Balkanländer.

Belgrad war erstmals zu Anfang des 15. Jahrhunderts Hauptstadt der mittelalterlichen Serbischen Herrscherdynastien und ist seit dem 19. Jahrhundert Residenzstadt Serbiens. Im 20. Jahrhundert war es die Hauptstadt des Königreichs Jugoslawien und sozialistischen Jugoslawiens. Durch die jugoslawische Ablehnung sowjetischer Hegemonie und Stalinismus und als Versammlungsort der Blockfreien war Belgrad in der Zeit des Kalten Krieges ein bedeutendes politisches Zentrum.

Inhaltsverzeichnis

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Luftbild mit Zusammenfluss von Save und Donau an der Festung von Belgrad
Hauptplatz und geografischer Mittelpunkt Belgrads ist der Terazije mit der Terazijska česma

Die günstige Lage im Südosten Europas an zwei schiffbaren Flüssen und an der Kreuzung mehrerer Handels- und Wanderungswege trugen Belgrad den Titel „Pforte des Balkans“ und „Tor Mitteleuropas“ ein.

Auch lokalgeografisch und strategisch ist die Stadt begünstigt, vor allem durch die Topografie hoch über der weiten Sremer und Banater Niederung. Sie grenzt an die Landschaftsräume der äolisch und fluvial geformten Pannonischen Tiefebene und der jungalpidischen Faltengebirgssysteme der Balkanhalbinsel.

Mit Ausnahme des im Mittelalter besiedelten Donaubetts in der Unterstadt (Donji grad) dehnte sich Belgrad erst nach dem Zweiten Weltkrieg über das im 19. und 20. Jahrhundert in den Hängen und Plateaus der hügeligen Šumadija gewachsene Siedlungsgebiet nach Westen in die Ebenen des Srem weiter aus.

Der geografische Mittelpunkt der Stadt ist am Ende der Altbelgrader Prachtstraße Knez Mihailova ulica (Fürst-Michael-Straße) festgelegt. Diese folgt dem antiken Cardo von der Festung kommend bis zur Einmündung in den langgezogenen Platz Terazije (44.81520.4675). Hier beginnen die zwei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Hauptstraßen ausgebauten Alleen, die Ulica Kralja Milana mit dem wichtigsten Verkehrsknoten Belgrads, der Slavija und der Bulevar Kralja Aleksandra. Von diesen südwestlich in die Šumadija führenden, eben auf dem Plateau verlaufenden Hauptstraßen fallen die teils sehr steilen Querstraßen am Save- und Donauhang ab (Brankova ulica, Kamenička ulica, Balkanska ulica, Nemanjina ulica, Ulica Kneza Miloša, Bulevar Despota Stefana, Takovska ulica und Ruzveltova ulica). Drei Savebrücken (Brankov most, Savski most, Gazela) führen über den hier etwa 400 Meter breiten Fluss und eine Donaubrücke (Pančevački most) quert die zirka 750 Meter breite Donau. Die Bauwerke verbinden die Altstadt mit den gegenüberliegenden Stadtteilen wie der Neustadt Novi Beograd, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg im ehemaligen Überschwemmungsgebiet im Winkel zwischen Donau und Save-Delta errichtet wurde. Novi Beograd ist mit dem ein Stück donauaufwärts gelegenen historischen Stadtteil Zemun (deutsch auch Semlin), zur Zeit der Türkenkriege eine habsburgische Donaustadt und heute Gemeinde von Belgrad, zusammengewachsen.

Topografie[Bearbeiten]

Belgrad in einer Aufnahme von der ISS (Aufnahmedatum: 5. März 2013)

Belgrad breitet sich über die am linken Ufer der Save und Donau gelegenen Ebenen des Banats und Syrmiens, mit ihren großen Getreide- und Maisfeldern, und auf dem rechtsseitig liegenden, waldreichen hügeligen Mittelgebirge der Šumadija, mit ihren Obst- und Weingärten, aus.

Die Altstadt Stari Grad und die Festung liegen auf den 125 m. i. J. hohen nordwestlichsten Ausläufern der Šumadija 50 Meter über der Savemündung, die ihrerseits nur 75 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Als amtliche Durchschnittshöhe Belgrads gilt die Höhe der Wetterwarte mit 132 m. i. J..

Der landschaftliche Gegensatz zwischen der Niederung der Überschwemmungsebene und den von Flüssen und Hügeln zerteilten Flächen innerhalb des Stadtgebietes bewirkt ein abwechslungsreiches Relief. Namentlich verlaufen hier die Flüsse und Bäche Topčiderska reka, Željeznička reka, Ostružnička reka, Mirijevski potok, Kummodražki potok, Mokroluški potok, Bolečica und die Bergrücken der Šumadija (Banovo brdo, Lekino brdo, Topčidersko brdo, Kanarevo brdo, Julino brdo, Petlovo brdo, Zvezdara, Vračar und Dedinje). Die Berge Kosmaj (628 m) und Avala (511 m) sowie das höchstgelegene Gebäude der Stadt, die Dreifaltigkeitskirche auf dem 303,1 Meter hohen Torlak (Voždovac), erheben sich mehrere hundert Meter über dem mit 70,15 m tiefstgelegenen Punkt, der Insel Ada Huja an der Donau. Der hypsometrische Höhenunterschied beträgt daher im Bezirk maximal 450 Meter und innerhalb der engeren Stadt noch 175 Meter.[2] Die einförmigen alluvialen Ebenen der Save und Donauauen werden durch den 30 Meter hohen Steilhang der äolischen Löss-Terrasse der Bežanijska kosa strukturiert.

Geologie[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet erstreckt sich großteils über drei geologisch verschieden alte und auch evolutionär unterscheidbare Formationen. Neben jüngeren äolischen und fluvialen Sedimenten des Quartärs der Flusstäler und Niederung sind die Lehm- und Sandsedimente des Neogens an den Terrassenhängen und Plateaus die flächenmäßig ausgeprägtesten. Die geringste Ausdehnung nehmen kreidezeitliche Kalksteine ein, die aber insbesondere im Felsen der Festung von Belgrad und ehemaligen Steinbruch im Tašmajdan prominent hervortreten. Die südlichen Belgrader Stadtteile werden dann von kreidezeitlich harten, klastischen Sedimenten gebildet.[3]

Hydrologie[Bearbeiten]

Hydrologische Situation Belgrads am Zusammenfluss zweier Tieflandströme

Von Stari Banovci bis Grocka fließt die Donau im Stadtgebiet Belgrads auf einer Länge von 60 Kilometer. Die Save erstreckt sich von Obrenovac bis zur Mündung auf einer Länge von 30 Kilometer. Auf 60 Flusskilometern liegen 16 Inseln, deren bekannteste Ada Ciganlija, Veliko ratno ostrvo (Große Kriegsinsel) und Gročanska Ada (Grocka-Insel) sind. An einem abgetrennten Flussarm der Save, 5 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums, befindet sich der Belgrader Stadtstrand – das Kupalište.

Die Hydrologie im Stadtgebiet ist sehr vielfältig. Sie ist einerseits geprägt von sehr durchlässigen Sedimentakkumulationen im Überschwemmungsbereich der Tieflandströme und andererseits von kaum durchlässigen, sehr dichten äolischen Lößen. Weiterhin trifft man auf eine in Kalksteinen entwickelte unterirdische Karsthydrologie.[4]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Belgrad (serbisch Град Београд/Grad Beograd) hat innerhalb der Verwaltungsbezirke Serbiens einen Sonderverwaltungsstatus. Unter den 17 Stadtbezirken besitzen zehn den Status von Stadtgemeinden (serbisch Градска општина/Gradska opština), sieben den Status von Vorstadtgemeinden (serbisch Приградска општина/Prigradska opština). Die Stadtgemeinden sowie der Bezirk der Stadt Belgrad sind Einheiten mit lokaler Selbstverwaltung, die Vorstadtgemeinden haben ein höheres Niveau der lokalen Selbstverwaltung.[5] Die meisten Gemeinden liegen südlich der Save und der Donau. Drei Gemeinden (Zemun, Novi Beograd und Surčin) befinden sich auf der nördlichen Seite der Save, während die Gemeinde Palilula beide Seiten der Donau einnimmt.

Gemeinde Fläche (km²) Einwohner (1991) Einwohner (2002) Einwohner (2011) Stadt/
Vorstadtgemeinde
Barajevo 213 20.846 24.641 27.036 Vorstadtgemeinde
Čukarica 156 150.257 168.508 179.031 Stadtgemeinde
Grocka 289 65.735 75.466 83.398 Vorstadtgemeinde
Lazarevac 384 57.848 58.511 58.224 Vorstadtgemeinde
Mladenovac 339 54.517 52.490 53.050 Vorstadtgemeinde
Novi Beograd 41 218.633 217.773 212.104 Stadtgemeinde
Obrenovac 411 67.654 70.975 71.419 Vorstadtgemeinde
Palilula 451 150.208 155.902 170.593 Stadtgemeinde
Rakovica 31 96.300 99.000 108.413 Stadtgemeinde
Savski venac 14 45.961 42.505 38.660 Stadtgemeinde
Sopot 271 19.977 20.390 20.199 Vorstadtgemeinde
Stari grad 5 68.552 55.543 48.061 Stadtgemeinde
Surčin 285 war bis 2004
Teil von Zemun
14.292 42.012 Vorstadtgemeinde
Voždovac 148 156.373 160.768 157.152 Stadtgemeinde
Vračar 3 67.438 58.386 55.463 Stadtgemeinde
Zemun 138 176.158 191.645 166.292 Stadtgemeinde
Zvezdara 32 135.694 132.621 148.014 Stadtgemeinde
Belgrad 3.211 1.552.151 1.576.124 1.639.121 Metropolregion
Karte mit Belgrader Gemeinden

Quelle: Stadt Belgrad[6]

Klima[Bearbeiten]

Belgrad liegt direkt auf dem 45. Grad nördlicher Breite. Es herrscht ein gemäßigtes kontinentales Klima mit den für Europa üblichen vier Jahreszeiten. Der Herbst stellt sich als typischer Altweibersommer ein und hat längere Sonnentage und wärmere Zeitabschnitte als der Frühling. Für die Situation im Winter ist ein kalter Nordost-Wind, die Košava, charakteristisch. Sie dauert jeweils zwei bis drei Tage mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 25 bis 43 km/h, doch es können in Böen auch maximale Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h vorkommen. Als größter „Luftreiniger“ Belgrads hat sie eine besondere bioklimatische Funktion.

In der CLINO-Periode 1961 bis 1990 betrug die jährliche Durchschnittstemperatur 11,9 °C. Die wärmsten Monate sind Juli (21,7 °C) und August (21,3 °C).[7] Als kältester Monat verzeichnet der Januar eine Durchschnittstemperatur von 0,4 °C. 62 Tage im Jahr sind Frost- und 25 tropische Tage.[7] Der Frühling ist kurz und regnerisch. Der Übergang zum heißen Sommer erfolgt plötzlich, denn schon im März werden positive Einstrahlungswerte erreicht.[8]

Im Mittel scheint die Sonne an 2025 Stunden im Jahr. Die tägliche Sonneneinstrahlung beträgt im Juli 9,2 Stunden, 8,2 im Juni und 8,6 im August, während das Minimum im Dezember 2 Stunden aufweist. Schneefalltage sind an 33,7 Tagen bei einer Schneedeckendauer von 42,7 Tagen zu verzeichnen. Die Höhe der Schneedecke beträgt dabei zwischen 14 und 25 Zentimetern.[9]

Als Extremwerte der seit 1888 erfolgten meteorologischen Aufzeichnung wurden −26,2 °C am 10. Januar 1893 sowie 42 °C am 12. August 1921 und am 9. September 1946 gemessen. Im Messzeitraum 1888–2003 wurden nur zwölf Tage mit Temperaturen über 40 °C registriert.

Die Niederschläge haben im Frühsommer ihr Maximum. Im Jahresdurchschnitt fallen 685 mm/m².

Belgrad
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
48
 
3
-3
 
 
46
 
5
-2
 
 
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11
2
 
 
56
 
18
7
 
 
75
 
23
12
 
 
95
 
26
15
 
 
67
 
28
17
 
 
53
 
28
17
 
 
51
 
24
13
 
 
42
 
18
8
 
 
55
 
11
4
 
 
57
 
5
0
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: http://www.wetterkontor.de/de/klima/klima2.asp?land=RS
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Belgrad 1981–2010
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,9 5,4 11,0 17,5 22,5 26,0 28,3 28,1 24,3 17,6 10,5 5,4 Ø 16,7
Min. Temperatur (°C) -3,2 -1,9 2,1 7,3 12,0 15,1 16,9 16,9 13,2 8,2 3,9 -0,2 Ø 7,6
Niederschlag (mm) 48 46 49 56 75 95 67 53 51 42 55 57 Σ 694
Sonnenstunden (h/d) 2,3 3,1 4,6 6,1 7,2 8,4 9,4 8,8 7,3 5,6 3,0 2,0 Ø 5,7
Regentage (d) 8 8 9 10 10 10 7 8 6 6 9 8 Σ 99
Luftfeuchtigkeit (%) 82 77 66 60 63 65 63 62 66 70 78 81 Ø 69,4
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
2,9
-3,2
5,4
-1,9
11,0
2,1
17,5
7,3
22,5
12,0
26,0
15,1
28,3
16,9
28,1
16,9
24,3
13,2
17,6
8,2
10,5
3,9
5,4
-0,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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d
e
r
s
c
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a
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95
67
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Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Belgrads
Ein Antoninianus unter Carausius geprägt. Auf der Rückseite findet sich der Löwe, das Symbol der Legio IV. Flavia Felix und die Inschrift LEG IIII FL.

Antike[Bearbeiten]

Hauptartikel: Belgrad in der Antike
Lage Singidunums und der Legio IIII Flavia Felix

Das Gebiet am Zusammenfluss von Save und Donau war seit der Mitte bis zum späten Paläolithikum besiedelt. Die neolithische Vinča-Kultur wurde nach einem Belgrader Vorort benannt.[10]

Vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. wanderten thrakische und skythische Stämme ein, die eine erste Befestigung im 3. Jahrhundert v. Chr. anlegten. Später kamen keltische und illyro-thrako-keltische Stämme, die Skordisker, die durch die römische Erwähnung um 279 v. Chr. belegt sind. Die Römer latinisierten den Namen Singidun zu Singidunum, was wahrscheinlich runde Festung oder runde Stadt bedeutet.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. eroberten die Römer die Gebiete bis zur Donau. Neben Sirmium und Viminatium bildete Singidunum einen wichtigen strategischen Punkt an der Via Militaris und dem danubischen Limes. Durch die 86 n. Chr. zur Verstärkung der Reichsgrenzen nach Singidunum verlegte Legio IV. Flavia Felix erlebte die Römerstadt ihre Blütezeit, die durch Kaiser Hadrian in der Ernennung zum Municipium und später auch im Rang einer Colonia durch die Ansiedlung von Veteranen noch an Bedeutung gewann.

Kušadak-Kamee („Belgrader Kameo“): Triumphierender Imperator zu Pferde über gefallenen Barbaren, Ende IV. Jh., Serbisches Nationalmuseum

Singidunum war nach der Reichsteilung im Jahr 395 nordwestlicher Grenzposten des östlichen Imperiums und wurde während der Völkerwanderung häufig durch die barbarischen Völker heimgesucht. Die Stadt fiel 441 an die Hunnen und wurde später durch die Völker der Sarmaten, Ostgoten und Gepiden während deren Umherziehens verwüstet.

Nach 510 war Singidunum in das konsolidierte Byzantinische Reich eingegliedert, das mit der von Justinian I. betriebenen Restauratio imperii den Donaulimes absicherte. Die im Brennpunkt stehende Stadt Singidunum wurde dabei in Form eines wesentlich verkleinerten, aber mit starken Mauern befestigten byzantinischen Kastrons innerhalb des alten aufgegebenen Legions-Standlagers (Castra) erneuert. Die awaro-slawische Eroberung von Sirmium bedeutete für Singidunum die Einbindung in die Abwehrkämpfe der Balkanfeldzüge des Maurikios. Die Stadt war in der Zeit Operationsbasis der römischen Armee.[11]

Mittelalter[Bearbeiten]

Hauptartikel: Belgrad im Mittelalter

Letztlich konnte die Landnahme der Slawen auf dem Balkan ab 612 nicht verhindert werden, wenngleich Singidunum bis 625 einen römischen Festungskommandanten hatte.[12] Der Name Beograd (štokavisch seit ca. 1400, zuvor mit silbenschließendem -l: Bel-grad) war seit der Wanderung der Slawen Anfang des 7. Jahrhunderts etabliert. Im Jahr 878 wurde der Name in einem Brief des Papstes Johannes VIII. an den ersten christlichen Knjas der Bulgaren Boris I.: episcopus Belogradensis erstmals erwähnt.

Durch die Grenzlage blieb Belgrad auch im Mittelalter zwischen Byzanz, dem Königreich Ungarn und dem Ersten Bulgarischen Reich umstritten. Im Jahr 1018 verleibte Basileios I. die Stadt dem wiedererstarkten Byzantinischen Reich ein. Unter Kaiser Manuel I. wurden die Mauern der Stadt 1153 in Form eines byzantinischen Kastrons erneuert. Damit wurden die Nordgrenzen des Byzantinischen Reichs gegen Ungarn gefestigt und die Stadt von da an geläufig als Griechisch Weißenburg (in byzantinischen Quellen Βελιγράδον, Veligradon) bezeichnet,[13] was noch bis zum 16. Jahrhundert der gebräuchliche Name Belgrads blieb.[14]

Schon 1154 berichtete der arabische Kartograf Idrisi, dass Belgrad eine lebhafte Stadt mit vielen Kirchen sei.[15] Nach der Schlacht bei Sirmium rang Manuel I. dem ungarischen König Stephan III. im Frieden von Belgrad weitreichende Gebietsverluste ab. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts gewannen die Serben an Bedeutung. Stefan Nemanja wurde 1166 von Manuel I. der Titel Großžupan gewährt, und nach Manuels Tod fiel Stefan 1183 zusammen mit dem ungarischen König Béla III. in byzantinisches Gebiet ein und sie eroberten Belgrad.

Belgrad war während der Kreuzzüge wichtige Station der französischen, deutschen und ungarischen Ordensritter auf dem Weg ins Gelobte Land. Die ersten drei Kreuzzüge führten 1096, 1147 und 1189 durch die Stadt. Im Jahr 1189 verweilte Kaiser Friedrich Barbarossa nach Konrad III. als zweiter deutscher Kaiser in Belgrad. Mehr als 700 Jahre danach besuchte auch der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., die Stadt.[16]

Der erste serbische König, der die Stadt regierte, war Stefan Dragutin, der von 1282–1316 eine eigene Regentschaft in Konkurrenz zu seinem jüngeren Bruder Stefan Uroš II. Milutin aufbaute. Nach seinem Tod fiel Belgrad Milutin zu, doch die Ungarn unter Karl I. entrissen sie ihm im Jahr 1319 wieder.

Glanzzeit als Hauptstadt des Serbischen Despotats[Bearbeiten]

Situation der Festung um 1460
Das Tor des Despoten auf der Nordostseite der Burg war unter Stefan Lazarević Haupteingang der Oberstadt

Nach den Ereignissen auf dem Amselfeld verlagerte sich das serbische Kernland nach Norden, und Stefan Lazarević (1389–1427) wich, den osmanisch-mongolischen Hegemonialstreit ausnutzend, mit der Residenz 1403 von Kruševac nach Belgrad aus.[17] Mit den Einnahmen aus dem Erzhandel mit Venedig und Ragusa prosperierte das erstarkte Despotat, sodass Stefan Lazarević seine Residenz großzügig ausbauen ließ. Die elementar erneuerte Stadt wurde in den 23 Jahren als Residenzstadt ein kulturelles Zentrum, in dem sich Händler und Handwerker wie gelehrte und wohlhabende Bürger verschiedener Nationalitäten (Ungarn, Venezianer, Ragusaner) durch Edikte des Despoten (die Bürger, die ein Siegelbrief des Despoten besaßen, waren von vielen Abgaben befreit) ansiedelten.[17] Die Kolonien der Griechen, Zinzaren, Armenier und Ragusaner befanden sich auf einem eigenen Gebiet, dem heutigen Dorćol.[18] In der Stadt entstanden in dieser Zeit die Residenz des Despoten, eine Bibliothek, die Belgrader Stadtkathedrale Mitropolija mit der Kirche der entschlafenen Muttergottes (Uspenija prečiste Vladičice), die Kirche der Heiligen Petka Paraskeva, das Franziskanerkloster, ein Donauhafen, ein Krankenhaus und eine für Reisende bestimmte Herberge. Die Neubauten waren durch die Erweiterung der Belgrader Stadtmauern und durch Trennung von Ober- (Residenz) und Unterstadt (Zivilstadt) möglich geworden.[19] Der Hof des literarisch aktiven Stefan Lazarević erlebte eine nachdrückliche kulturelle Blüte (Palaiologische Renaissance) und war wichtige Zufluchts- und Sammelstätte orthodoxer Gelehrter, die zur Etablierung einer bedeutenden spätmittelalterlichen Schreibschule (Belgrader Schreibschule) beitrug.[20] In dieser Zeit lebten in Belgrad 40.000–50.000 Einwohner. Zu den bekanntesten Bewohnern gehörte der Neuplatoniker und Hagiograph Stefan Lazarevićs. Konstantin Kostenezki wurde wichtigster Zeuge der Stadterneuerung und pries Belgrad als neues Jerusalem: „Und wer hat je beschrieben wie die Lage, Aussehen und Schönheit Belgrads ist! (Stefan) ließ für die Menschen drinnen und draußen viel errichten; diese Bauwerke sind so gewaltig wie Salomons Tempel in Jerusalem: der Schatten der Gebäude fällt auf die Umgebung wie vom babylonischen Turm; und den Hängenden Gärten, … Diese wahrhaft zarenhafteste aller Städte war auch die schönste … und der Despot ließ auch die kaiserliche Residenz auffallend ausschmücken und um die Stadt Gräben und einen zweifachen Wall ziehen.“[21]

Osmanische Eroberung ab dem 15. Jahrhundert und Türkenkriege[Bearbeiten]

Türkische Miniatur der Belagerung von Belgrad 1456
Prinz Eugen in der Schlacht bei Belgrad im Jahr 1717 (HGM)

Der Stefan Lazarević nachfolgende Despot, Đurađ Branković, musste Belgrad an den ungarischen König Sigismund zurückgeben. Für Sultan Mehmed II. waren – nach dem Fall von Konstantinopel – Belgrad und der Abschluss der Eroberung Serbiens die Voraussetzung zum Griff nach Mitteleuropa. Am 4. Juli 1456 befehligte er die erste große Belagerung Belgrads und führte sie selbst an. Die christlichen Verteidiger, geführt von Johann Hunyadi, konnten diesen Angriff der neuen osmanischen Weltmacht nicht nur erfolgreich abwehren, sondern vielmehr den im Kampf verwundeten Sultan und das osmanische Heer in panikartiger Flucht vertreiben. Ein wesentlicher Faktor war die von Stefan Lazarević zuvor nach Erkenntnissen orientalischer und Kreuzfahrerburgen ausgeführte aufwendige Neukonstruktion der Burg, mit einer turmreichen und wassergrabenbewehrten Kastellburg, mit mächtigem Donjon und einer äußeren grabenumgebenen großen Doppelmauer, mit stark geschützten Toren.[22][23] Nach dem Sieg, der nach damaliger Ansicht das Schicksal der Christen entschied, ordnete Kalixt III. das Mittagsläuten an, das bis heute in allen Kirchen der Welt ertönt. Auch das Fest der Verklärung Christi erinnert daran, da die Nachricht über den christlichen Sieg am 6. August in Rom eintraf.[24]

Erst unter Süleyman I. konnte Belgrad am 28. August 1521 eingenommen werden.[25] Der Verlust der Schlüsselfestung war, wie der zeitgenössische Diplomat Busbecq am Hofe Süleymans berichtete,[26] verantwortlich für den folgenden Verlust Ungarns sowie die Ausweitung des osmanischen Reiches über Buda hinaus bis vor die Tore Wiens.

Die ungarischen Truppen zogen sich zurück, die serbischen Einwohner nach Konstantinopel umgesiedelt, und einige der serbischen Besatzungen der Donauflotte traten als Segler in die osmanische Marine ein. Die Stadt avancierte zum Verwaltungszentrum des Sandschaks Smederevo.[27] So wurden neben der Donauflotte auch die serbischen Martolos hier stationiert. Die Christen der Stadt brauchten keine Steuern zu bezahlen, hatten aber für den Erhalt der Festung zu sorgen. Im Jahr 1594 wurde ein serbischer Aufstand gewaltsam unterdrückt und als Rache dafür die Reliquie des serbischen Nationalheiligen Sveti Savas auf dem Vračar verbrannt. Zur Erinnerung an diesen Frevel wurde an dieser Stelle im 20. Jahrhundert die Gedenkkathedrale des Heiligen Sava errichtet.[28] In osmanischer Zeit war Belgrad eine wichtige Handelsstadt an der Karawanenstraße zwischen Buda und Konstantinopel, in der Kaufleute und Händler unterschiedlicher Herkunft (Türken, Armenier, Griechen und Roma) lebten. Nach Evliya Çelebi hatte Belgrad im Jahr 1660 98.000 Einwohner, von denen 21.000 nicht islamischen Glaubens waren.[27] Durch die lange osmanische Herrschaft prägten orientalische Wohnbauten die Stadt noch zu Anfang des 20.Jahrhunderts.[29] Dennoch wurde fast das gesamte osmanische kulturelle Erbe vernichtet: Von den im 17. Jahrhundert erwähnten 217 Moscheen, 160 Palästen (Sarays), sieben öffentlichen Bädern (Hammāms), zahlreichen Märkten mit ihren Basarbauten, sechs Karawansereien und mehreren Hanen, 17 Derwischklöstern (Tekken), acht islamische Hochschulen (Medresen) und neun Rechtshochschulen (darülhadis), haben nur eine Moschee und ein Mausoleum (Türbe) die Zeitläufte überdauert.[30]

Karte von Belgrad und Umgebung zur Zeit der Josephinischen Landesaufnahme 1769–1772

Nach der erfolgreichen Abwehr der Türken vor Wien 1683 konnte die Heilige Liga im Großen Türkenkrieg die Osmanen bis hinter Belgrad zurückdrängen. Die Belagerung Belgrads unter dem Kommando von Max Emanuel endete am 6. September 1688 mit der Einnahme der Stadt. Die kaiserlichen Truppen konnten Belgrad insgesamt drei Mal erobern (1688–1690, 1717–1739, 1789–1791), jedoch nicht dauerhaft halten. Wegen dieser ständigen Kämpfe gaben die Osmanen Belgrad die Bezeichnung Dar Ul Jihad (Haus des Krieges).[27] Die Eroberung Belgrads unter Eugen von Savoyen in der Doppelschlacht von Belgrad brachte im Jahr 1717 das spätere Volkslied Prinz Eugen, der edle Ritter hervor, das in seiner Adaption als Kunstlied noch in den Balladen der Klassik bis zur Musikmoderne rezipiert wurde.[31]

Seit dem 18. Jahrhundert etablierte sich das Thema der Türkenkriege um Belgrad weithin in der europäischen Kunstszene (u. a. Alaric Alexander Watts, The Siege of Belgrade,[32][33] Julius Beckers komische Oper Die Belagerung von Belgrad, Stephen Storaces' Opera buffa The siege of Belgrade, Die Lügengeschichten des Baron Münchhausen, Victor Hugo Der Zürnende Donaufluß, Hans Christian Andersen Ein Bild von Türken und Europa, Ján Kollár Belehrad, Therese von Jacob Belgrad in Flammen sowie in Alexander William Kinglakes Eothen).

Deosmanisierung Belgrads im 19. Jahrhundert und Aufbau der nationalen Kapitale[Bearbeiten]

Ehemalige größte Moschee Belgrads, die Batal-Moschee, wurde für den Bau des Parlaments, der Skupština, abgerissen.
Ansicht Belgrads 1890

Im Jahr 1804 begannen die Serben unter Führung von Karađorđe die erste Serbische Revolution gegen die Osmanen, die sich insbesondere gegen die einflussreichen Janitscharen richtete. Die Aufständischen hielten Belgrad vom 8. Januar 1806 bis 1813.[34] Im Jahr 1815 erfolgte unter Miloš Obrenović die zweite Serbische Revolution, die zu einer Anerkennung eines autonomen Fürstentums führte. Belgrad wurde mit Ausnahme der Festung, in der ein osmanisches Regiment noch bis 1867 verblieb, Bestandteil des neuentstandenen Fürstentums Serbien. Die Stadt, bis in die 1870er Jahre praktisch auf die Fläche innerhalb der eigentlichen Belgrader Schanze beschränkt, behielt noch lange ihr orientalisches Gepräge. Innerhalb der Schanze war Belgrad in einen westlichen christlich-serbischen und östlichen muslimisch-jüdischen Teil gegliedert. Einer einzigen Kirche, die im Jahr 1841 erbaut wurde, standen über ein Dutzend Moscheen gegenüber. Belgrad war außerdem noch lange in den levantinischen Wirtschaftskreislauf eingebunden. So erreichte auch eine Kamelkarawane aus Serres kommend zuletzt noch 1854 Belgrad.[35]

Nach dem Zwischenfall an der Čukur Česma vom 15. Juni 1862 und dem daraus resultierenden ethnisch motivierten Volksaufstand zwischen serbischen und türkischen Bewohnern Belgrads sowie dem Bombardement der Stadt durch die Festungskommandantur wurde auf Druck der Großmächte in der Konferenz von Kanlidzi die Aussiedlung der muslimischen und türkischen Bewohner Belgrads nach Istanbul beschlossen.[36] Am 18. April 1867 musste auch der letzte osmanische Festungskommandant das Fürstentum verlassen, und die Residenz wurde endgültig von Kragujevac nach Belgrad verlegt, was das Ende der 346-jährigen Herrschaft der Osmanen in der Stadt besiegelte. Dieses Ereignis leitete auch die allgemeine „Deosmanisierung“ und Modernisierung des Stadtbildes ein, indem zwar für die nationalen Institutionen zeitgemäße und repräsentative Bauwerke geschaffen wurden, jedoch auch alle Moscheen, mit Ausnahme der Bajrakli-Moschee, sowie die meisten türkischen Denkmäler diesen Vorhaben zum Opfer fielen. Dieser nebenbei betriebenen „Deregulation“ der osmanischen Bauwerke, um Platz für die Neubauten zu schaffen, fiel beispielsweise auch die größte Moschee Belgrads für den Neubau der Skupština zum Opfer. Daher zeigen nur wenige Teile der Altstadt noch die alte orientalische Bausubstanz. Einige türkischsprachige Bezeichnungen von Stadtteilen und Plätzen haben sich aber erhalten.

Im Ergebnis des Berliner Kongresses 1878 entwickelte sich Belgrad zu einer Schlüsselstadt des Balkans, die insbesondere von einer schnellen Modernisierung der Hauptstadt begleitet wurde.[34][37] Die Einwohnerzahl stieg bis 1900 auf 69.100, doch schon 1905 waren es über 80.000 Einwohner und vor dem Ersten Weltkrieg um die 100.000.[38][39][40]

Der Sturz der Obrenović‐Dynastie 1903 veränderte das politische Klima im Königreich Serbien. Aus dem latenten Konflikt um die Vormacht im Westbalkan zwischen Österreich-Ungarn und Serbien, der durch die bosnische Annexion und die Balkankriege weiter genährt wurde, erwuchs aus dem Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 ein enthemmter Konflikt, der die europäische Julikrise auslöste. Der balkanische Regionalkonflikt schaukelte sich so zum Ersten Weltkrieg hoch. Belgrad wurde am 29. Juli 1914, einen Tag nach der Kriegserklärung, angegriffen. Die serbischen Truppen verteidigten die Stadt letztlich erfolgreich, die zweimal von Österreich-Ungarn eingenommen wurde, aber nicht gehalten werden konnte. Durch Eingreifen des Deutschen Reiches fiel Belgrad am 9. Oktober 1915 in die Hand der Mittelmächte, die sich bis zum 5. November 1918 dort hielten.

Nach dem Krieg wurde Belgrad Hauptstadt des neu gegründeten Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen. In der Zwischenkriegszeit erlebte die Stadt ein schnelles Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum mit einer raschen Modernisierung, was 1923 einen Stadtentwicklungsplan erforderlich machte.[41] Die Bevölkerung wuchs von 239.000 Einwohnern 1931 auf 320.000 Einwohner im Jahr 1940. Das Bevölkerungswachstum zwischen 1921 und 1948 lag bei durchschnittlich 4,08 Prozent pro Jahr.[40] Im Jahr 1927 wurde in Belgrad der erste Flughafen eröffnet, und 1929 nahm die erste Radiostation ihren Betrieb auf.[42]

Besatzung und Zerstörung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Zerstörungen im Jahre 1941
„Erfassung von Juden“, Aufnahme der Propagandakompanie im April 1941

Am 25. März 1941 unterzeichnete Prinzregent Paul von Jugoslawien den Dreimächtepakt, was eine Straßenrevolte in Belgrad auslöste und als Reaktion zum deutschen Angriff am 6. April 1941 auf das Königreich Jugoslawien führte. Das schwere Bombardement der deutschen Luftwaffe zerstörte große Teile der Stadt, u. a. brannte die Nationalbibliothek aus, und das Neue Schloss wurde schwer beschädigt. Tausende Menschen starben bei dem Angriff.[43]

Serbien wurde als „Deutsches Schutzgebiet“ okkupiert und unter deutsche Militärverwaltung gestellt. In Belgrad wurde ein Militärstab der Wehrmacht mit einem „Militärbefehlshaber für Serbien“, ab September 1941 dem „bevollmächtigten kommandierenden General für Serbien“ eingerichtet. Dieser bestand aus zwei Stäben, einem zivilen unter Harald Turner und einem Kommandostab des Generalstabs für Serbien. Eine formelle serbische Marionettenregierung unter Führung von Milan Nedić wurde diesen zur Seite gestellt. Belgrad selbst sollte zu einer „Deutschen Reichsfestung“ ausgebaut werden, die die Donauzugänge zwischen Eisernem Tor und Wien sichern sollte.[44] Dazu standen die Überlegungen, Belgrad nach einem Sieg des Dritten Reichs nach dem Feldherrn Eugen von Savoyen in Prinz-Eugen-Stadt umzubenennen.[45] Im Zuge der Ressourcensicherung und wirtschaftlichen Ausbeutung des Balkanraumes und der Kontrolle der militärischen Versorgungskorridore zum Mittelmeer wurde Belgrad ein zentraler Verkehrsknoten der deutschen Wehrmacht. Durch die allabendliche Ausstrahlung der Erkennungsmelodie des Belgrader Soldatensenders Lili Marleen wurde dieses zu einem späteren Welterfolg.

Eine Anti-Freimaurer-Ausstellung begleitete die im Sommer und Herbst 1941 beginnenden Übergriffe auf die zivile Bevölkerung. Die Belgrader Juden wurden im Messegelände in das KZ Sajmište in der Stadt sowie am Stadtrand in das KZ Banjica deportiert. Bis Kriegsende wurden hier über 100.000 Menschen umgebracht. Die jüdische Gemeinschaft, die seit der Pestseuche 1643 am Donauhang in Dorčol im Stadtteil Stari Grad siedelte, zählte vor dem Zweiten Weltkrieg 12.000 Personen. Nur 1115 überlebten die Okkupation. An den Holocaust erinnert ein Mahnmal beim ehemaligen jüdischen Viertel am Donauufer.[46]

Der Terror an der Zivilbevölkerung fand mit dem als Racheakt aufzufassenden Erschießungsbefehl des deutschen Militärgouverneurs von Serbien, General Franz Böhme, an die Soldaten der Wehrmacht, für jeden getöteten deutschen Soldaten 100 Serben oder Juden zu erschießen, einen grausamen Höhepunkt.[47][48]

Im Zuge der alliierten Angriffe auf die rumänischen Ölfelder bei Ploiești wurde Belgrad als Ausweichziel erstmals am 16. April 1944 bombardiert, was 1600 Menschen das Leben kostete. Weitere Angriffe der alliierten Bomberflotten, die sich insbesondere auf die militärische Infrastruktur der deutschen Okkupationstruppen richteten, fanden noch bis zum 19. September 1944 statt. Mit der Niederlage der Wehrmacht in Rumänien gelangte ab Ende September 1944 einer Großeinheit der Roten Armee, die 3. Ukrainische Front unter Marschal Fjodor Iwanowitsch Tolbuchin, nach Serbien. Unter dem Kommandierenden Vladimir Schdanow wurde in einer mit der 1. Proletarischen Brigade der Jugoslawische Volksbefreiungsarmee unter Leitung von Peko Dapčević abgestimmten gemeinsamen militärischen Operation die Stadt gegen die sich aus dem Balkanraum zurückziehenden Heeresgruppen F und E genommen und von der deutschen Besatzung befreit. Die letzten Wehrmachts-Soldaten verließen nach schweren Straßenkämpfen am 20. Oktober 1944 ihre Stützpunkte in der Stadt. Die Befreiung Belgrads besiegelte dabei auch den innerserbischen Machtkampf zwischen Partisanen und Tschetniks und bildete mit der Besetzung aller Führungsebenen Serbiens durch die Tito-Partisanen ein unmissverständliches Signal für die zukünftige politische Neuordnung Jugoslawiens. Marschall Josip Broz Tito proklamierte dort am 29. November 1945 die Föderative Volksrepublik Jugoslawien, deren zukünftige Hauptstadt Belgrad bilden sollte.

Von der sozialistischen Großstadt bis zum Zerfall Jugoslawiens[Bearbeiten]

Von 1944 bis 1991 war Belgrad sowohl die Hauptstadt des blockfreien sozialistischen Jugoslawiens als auch der Teilrepublik Serbien. Die Stadt erhielt in dieser Zeit repräsentative Herrschaftsbauten mit Bezug auf die ehemaligen Königsresidenzen und neue Präsidentenvillen auf dem Dedinje. Außerdem wurden die Regierungsgebäude Jugoslawiens und der Stadtteil Neu-Belgrad (Novi Beograd) in modernistischer Architektur gestaltet.

Nach dem Bruch mit der Sowjetunion 1948 sah sich Jugoslawien als Vorreiter in der Bewegung der Blockfreien Staaten. So war Belgrad vom 1. bis 6. September 1961 Gastgeberin der Gründungskonferenz dieser Bewegung. Nachdem es 1968 in der Stadt bereits erste Studentenunruhen gegen die sich verschärfenden sozialen Unterschiede gegeben hatte, führte die Verabschiedung einer neuen jugoslawischen Verfassung 1974 und die damit verbundene Stärkung föderativer Elemente zu weiteren Unruhen auf den Straßen Belgrads, die Ausdruck der Hinterfragung der politischen Richtungsvorgaben Titos in dieser Zeit waren.[49]

Die Normalisierung der Beziehungen zur Sowjetunion und die offenen Grenzen nach Westen führten dazu, dass Belgrad in den 1970er und 1980er Jahren eine über die Staatsgrenzen hinweg bedeutende kulturelle Metropole wurde. In dieser Zeit eröffnete beispielsweise der Denkmalsarchitekt Bogdan Bogdanović 1977 eine liberale Sommerschule für Philosophie und Architektur. Der informelle Maler Mića Popović, auch Regisseur zahlreicher Filme, sowie jugoslawische Musiker feierten im Ausland Erfolge und nahmen westliche Strömungen des New Wave auf. Als Literaturzentrum erlangte Belgrad durch politisch und künstlerisch unabhängige Autoren wie den Modernen Danilo Kiš, den Dissidenten Milovan Đilas und den Journalisten und Essayisten Dedijer eine bemerkenswerte Stellung in Osteuropa. Der Oktobersalon war in der Zeit eine der wichtigsten Buchmessen Europas. Belgrad wurde Veranstaltungsort von Film- („FEST“), Theater- und Tanz- („BITEF“) sowie Musikfestspielen („BEMUS“). Als Sportstadt nahmen Teams aus Belgrad an wichtigen europäischen Wettbewerben teil, gleichzeitig war die Stadt Veranstaltungsort zahlreicher internationaler Turniere. Im eigens dafür errichteten Sava Centar fand vom Oktober 1977 bis zum März 1978 die erste Nachfolgekonferenz der KSZE statt.

Belgrad ab 1991[Bearbeiten]

Durch NATO-Angriffe zerstörtes Verteidigungsministerium in Belgrad

Nach dem Zerfall des Zweiten Jugoslawien 1991 wurde Belgrad Hauptstadt der neu gebildeten Bundesrepublik Jugoslawien, die zu politischen und gesellschaftlichen Unsicherheiten in Serbien führte. Dies zeigte sich einerseits in Unruhen vom 9. März 1991 sowie in Massendemonstrationen 1996/1997. Die späten 1990er Jahre waren geprägt von der Niederschlagung von Bürgerprotesten sowie der Unterdrückung und Liquidierung oppositioneller Politiker während des Regimes von Slobodan Milošević. Kriegsbedingte Mangelwirtschaft und ein Wirtschaftsembargo brachten Schwarzmarkt und Kriegsgewinnlertum hervor. Das führte auch zu einer neuen Wirtschaftsschicht, den serbischen Oligarchen, auch Taikune genannt. Die Krisenjahre gipfelten im Kosovokrieg mit der am 24. März 1999 beginnenden Operation Allied Force: Die NATO begann ihre 78-tägigen Luftangriffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien, von der Belgrad besonders schwer betroffen war. An einzelnen Stellen sind im Stadtbild nach wie vor Kriegsruinen zu sehen, die weder abgetragen noch wiederaufgebaut wurden.[50]

Am 5. Oktober 2000 stürzten revolutionär gesinnte Bürger, die sich den Protesten der Studentenbewegung Otpor! anschlossen, weitgehend gewaltlos das Regime des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milošević in Belgrad. Dabei wurde das Parlamentsgebäude der Bundesrepublik Jugoslawien von der aufgebrachten Menge zum Teil in Brand gesetzt.

Vom 4. Februar 2003 bis zum 3. Juni 2006 war Belgrad Hauptverwaltungssitz der Staatenunion Serbien und Montenegro und ist seit der Loslösung Montenegros Hauptstadt der unabhängigen Republik Serbien.[51]

Politik[Bearbeiten]

Die Rolle der Stadt in Serbien[Bearbeiten]

Das Parlament der Republik Serbien (Dom Narodne Skupštine)
Oberbürgermeister Dragan Đilas
Das alte Stadtschloss beherbergt heute das Rathaus (Skupština grada Beograda)

Belgrad ist Regierungssitz des Präsidenten und der Regierung Serbiens sowie Sitz zahlreicher Behörden und Ministerien. Seit der staatlichen Eigenständigkeit haben sich die meisten Konsulate in der Stadt angesiedelt, unter anderem die amerikanische und die israelische Botschaft im Stadtviertel mit der Sava-Kirche, die französische Botschaft in der Nähe der ehemaligen Festung.

Stadtregierung[Bearbeiten]

Die Stadt bildet eine eigenständige politische Einheit, die von der Stadtregierung verwaltet wird. Die Politik der Stadtverwaltung ist naturgemäß durch Koexistenz, aber auch von Konflikten mit der Staatsregierung geprägt. Dabei ist Belgrad immer Brennpunkt politischer, sozialer und gesellschaftlicher Ereignisse des Landes. So beorderte der damalige Bürgermeister Milorad Unković am 9. März 1991 ein Großaufgebot von Polizei, Armee und Panzern der JNA auf die Straßen Belgrads, um die Massendemonstration der Opposition unter Vuk Drašković niederzuschlagen. Am 5. Oktober 2000 brachte eine Massendemonstration die Regierung Milošević durch Sturm des Parlaments zu Fall.[52] Seit 1839 hatte Belgrad 65 Bürgermeister, darunter Nikola Pašić (1889-1891, 1896-1897) und Zoran Đinđić (1997). Erste Bürgermeisterin war Slobodanka Gruden (1993-1994).[53] Herausstechend war die lange Amtsperiode von Branko Pešić (1965-1974), von Kontroversen und Konflikten die von Bogdan Bogdanović (1982-1986) geprägt. Der erste demokratisch gewählte Bürgermeister seit dem Zweiten Weltkrieg war 1989 Milorad Unković. Von 2004 bis zu seinem Tod am 27. September 2007 war Nenad Bogdanović von der Demokratischen Partei (DS) Bürgermeister Belgrads. Die Nachfolge trat Zoran Alimpić an (bis 10. Mai 2008).

Als Ergebnis der Kommunalwahl vom 11. Mai 2008 einigten sich die Koalition von Für ein europäisches Belgrad (DS, G17+, SPO, u. a.), Sozialisten (SPS) und Liberalen (LDP) auf Dragan Đilas (DS) als amtierenden neuen Bürgermeister.[54]

Sitzverteilung der Stadtverordnetenversammlung
Partei Stimmen  % Sitze
Für ein europäisches Belgrad 354.462 38,87 45
Serbische Radikale Partei 316.357 34,69 40
Demokratische Partei SerbiensNeues Serbien 100.459 11,02 12
Liberale Demokratische Partei 62.419 6,84 7
Sozialistische Partei SerbiensPartei der vereinigten Pensionäre SerbiensEiniges Serbien 47.266 5,18 6
Die Grünen EKO 3.738 0,41 -
Bewegung der Kraft Serbiens 2.698 0,3 -
Union der Roma Serbiens 1.452 0,16 -
Partei der Roma 1.404 0,15 -
Radikale Volkspartei – Nationale Bewegung für Belgrad 1.230 0,13 -
Total Stimmen (Wahlbeteiligung: 58,74 %) 891.485 100 110
Quelle: Civic Electoral Commission of the City of Belgrade

Bevölkerung[Bearbeiten]

Stadtentwicklung[Bearbeiten]

Stadtentwicklung Belgrads von 1815 bis 1900

Die historische Altstadt, heute Großteil von Stari Grad, war noch bis 1850 deckungsgleich mit dem Stadtgebiet. Sie wurde durch einen Palisadenschanze mit drei Toren (Vašarska kapija, Stambol kapija, Vidin kapija) zwischen Save und Donau eingegrenzt. Innerhalb der Schanze bildeten die Stara Caršija, Dorčol und der Stari Vašar (Marktplatz) Bezirke der Zivilstadt. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich dabei von 1840 auf 1860 auf etwa 20.000. Die von den Osmanen mit einem osmanischen Militärgouverneur verwaltete Festung blieb noch bis 1867 politisch und territorial unabhängige Einheit. Nachdem die Osmanen 1804 und 1813 kurzzeitig die Kontrolle über den Großteil der ländlichen Gebiete im Paschalik von Belgrad verloren hatten, legalisierten sie ab 1830 in einem Abkommen mit Miloš Obrenović die Oberhoheit des Fürsten über die christlichen Bewohner im Paschalik von Belgrad. Die muslimischen Bewohner wurden osmanischen Behörden, christliche und jüdische Einwohner, die 1836 etwa die Hälfte der Bevölkerung stellten, dagegen der Autorität des Magistrats der Stadt unterstellt. Den Muslimen war es dabei auch bis zum Ende der osmanischen Militärverwaltung verboten, eigenen Grundbesitz in der Stadt zu verkaufen.[55] Erst 1841 wurde es erstmals gestattet, innerhalb der Schanze ein christliches Gotteshaus zu errichten (Saborna Crkva, 1841). Nach 1833 verlor das Osmanische Reich zunehmend das Interesse an den öffentlichen Verwaltungsaufgaben, und der Magistrat übernahm auch die öffentliche Wasserversorgung der Brunnen (çesme/česme). Durch den 1862 an einem Brunnen (çükür çemse/Čukur čemsa) entbrannten Aufstand von Belgrad, der sich aus innerethischen Konflikten von Christen und Muslimen entwickelte, wurde die Übergabe der osmanischen Militärverwaltung bis zu einer Übergangszeit in 1867 an die serbischen Behörden beschlossen. Die osmanische Flagge verblieb aber noch bis 1878 auf der Festung als Symbol imperialer Zugehörigkeit zum Osmanischen Reich.

Nach dem militärischen Abzug, den die weitläufige Migration der muslimischen Einwohner Belgrads begleitete, wurde eine generelle Regulierung des Stadtgebietes innerhalb der Schanze ausgearbeitet, die durch die entleerten muslimischen Stadtviertel notwendig wurde. In der „Deosmanisierung“ des orientalisch geprägten Charakters und der geplanten städtebaulichen Vollendung der nationalen Kapitale, in der der überwiegende Anteil osmanischer Bauwerke abgerissen wurde (von ehem. 16 Moscheen fielen dabei alle bis auf eine der Regulierung zum Opfer), wurde auch der großzügige Aufbau moderner Verwaltungsviertel begonnen. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wuchs die Stadt so in südlicher Verlängerung der Sava Mala (heute Savski Venac) und Vračar mit der älteren Siedlung Palilula zusammen. Nach 1918 kamen auch die ehem. habsburgisch verwalteten linksseitigen Ufer der Save und Donau zum Stadtgebiet Belgrads hinzu, doch erst 1948 wurde hier mit dem Bau von Novi Beograd eine Stadtregulierung vollzogen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Statistik

Zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert verdoppelte sich die Einwohnerschaft, im Jahr 1284 waren rund 25.000 Personen registriert, 1426 bereits 50.000[56]. Die stark rückläufigen Zahlen bis zum beginnenden 19. Jahrhundert sind in den zahlreichen Kämpfen und Eroberungen zu suchen. Weitere Details siehe unter Geschichte.

Jahre 1660-1895
Bevölkerungsentwicklung
1660 1683 1820 1834 1846 1850 1854 1859 1863 1867 1874 1878 1884 1890 1895 1900
98.000[27] 100.000[57] ca. 5.000 ca. 8.450 14.386 15.485 16.733 18.890 14.760 24.612 27.605 50.000 35.483 54.249 59.115 69.100[38]
069.769
Jahre 1901-2000
Bevölkerungsentwicklung
1910 1914 1919 1920 1931 1940 1941 1959 1965 1981 1991
89.876 100.000[39] ca. 0090.000 112.000[58] 0238.775 ca. 430.000 340.000[59] 542.000[58] 1.000.000[59] 1.480.000[59] 1.552.151
ab 2001
Bevölkerungsentwicklung
2002 2008 2011
1.546.812[60] 1.650.000 1.659.440[61]

Weitere Quellen: Bevölkerungsentwicklung 1834–1940[62]

Einige Gründe der offensichtlichen Veränderungen im 20. Jahrhundert

Zum Zeitpunkt der letzten Volkszählung 2008 waren etwa 1,65 Millionen Bürger in Belgrad registriert. Durch die anhaltende Bevölkerungsmigration steht der jährlichen natürlichen Bevölkerungsabnahme Belgrads von 4.000 Menschen ein jährliches Migrationssaldo von 11.000 Zuzüglern gegenüber.[63] Nach vorläufigen Schätzungen des Städtischen Amtes für Statistik und Informatik ist die Stadtbevölkerung seit der letzten Volkszählung um 150.000 Menschen angewachsen. Damit kann heute von ca. 1,7 Mio. Menschen im engeren Stadtgebiet ausgegangen werden. Um verlässliche Zahlen zu bekommen, fand bis zum 15.April 2009 eine stichprobenartige statistische Bevölkerungserhebung statt. Eine generelle Volkszählung wurde 2011 durchgeführt und ergab für Belgrad 1,659440 Millionen Einwohner.[64]

Die Einwohnerentwicklung in Belgrad erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg sehr dynamisch. Die Transformation Belgrads als Hauptstadt eines Agrarstaates in der Zeit des Königreichs zu einer Industriestadt im sozialistischen Jugoslawien war aber auch mit Auflösung des Staates nicht abgeschlossen. So war in Jugoslawien noch Anfang der 1990er ein Urbanisierungsgrad von nur 53 Prozent erreicht.[65] Die Anstrengungen einer rapiden Industrialisierung und der damit verbundene Arbeitskräftebedarf erforderten den Zuzug von Personen aus ländlichen Gegenden. Das ließ die Einwohnerzahlen auf das mehr als Zweieinhalbfache (in der Agglomeration) ansteigen, von 634.000 im Jahr 1948 auf 1.621.000 im Jahr 1999.[65]

Die Land-Stadt Migration war noch bis in die 1980er sehr hoch, fiel danach aber merklich ab. Während der 1980er nahm dagegen der tägliche Pendelverkehr zu, was sich durch die nicht adäquate Verkehrsinfrastruktur und der Überdimensionierung der Stadt als nachteilige Entwicklung des schnellen Bevölkerungswachstums herausstellte.[65] So halten sich in der Stadt täglich 60.000 Pendler auf, die aufgrund ihres Arbeitsplatzes, Ausbildung oder Studiums in die Stadt kommen (Stand 2011).[63]

Die Einwohnerzahlen verringerten sich ab den 1980er Jahren vor allem durch Diskontinuität ökonomischer und sozialer Entwicklung und durch Auswanderung akademisch Ausgebildeter. Das wurde in den krisenhaften 1990ern nicht durch den Zuzug von Flüchtlingen der im Bürgerkrieg Vertriebenen ausgeglichen.[66] Zuletzt haben seit 1999 weitere 136.000 Binnenflüchtlinge den Kosovo verlassen und sich in Belgrad niedergelassen.

Seit Mitte der 1980er gehörte zu den besonders augenfälligen Entwicklungen auch die Gründung großer Roma-Armutssiedlungen. Laut unbestätigten Angaben sollen bis zu 100.000 Roma insbesondere in Armutsgettos in Novi Belgrad leben.[67] Das führte zu sozialen Konflikten mit der Stadtverwaltung und Anwohnern.[68] Die größte Siedlungen, Karton city oder Gazela, liegt zwischen den Blöcken 19 und 21 am linken Saveufer unweit der Gazela-Brücke und beherbergt ca. 130 Familien mit über 1.000 Bewohnern. Über eine Umsiedlung konnte man sich auch nach langjähriger Planung nicht einigen, doch begann die Stadt Anfang April 2009, kleinere Roma Slum-Siedlungen zwangszuräumen.[69]

Bevölkerungsstruktur[Bearbeiten]

Die Serben stellen mit 1.417.187 Einwohnern die klare Mehrheit in Belgrad. Es folgen Jugoslawen (22.161), Montenegriner (21.190), Roma (19.191), Kroaten (10.382), Mazedonier (8.372) und Bosniaken (4.617).[70]

Die größten Gruppen der melderechtlich in Belgrad registrierten Ausländer kommen aus dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Die größte außereuropäische Ethnie stellen die Chinesen, die in den 1990er Jahren nach Belgrad kamen. Der Neu-Belgrader Block 70 ist unter den Belgradern als Chinatown bekannt.[71][72]

Durch die exponierte Stellung des ehemaligen Jugoslawien in der Bewegung der Blockfreien und den guten Beziehungen zu den arabischen Staaten kamen in den 1970er Jahren zahlreiche arabische Studenten nach Belgrad.[73][74] Der größte Teil der Araber, die in Belgrad leben, ist syrischer, jordanischer oder irakischer Abstammung.

Religionen[Bearbeiten]

Tašmajdan und Markuskirche

Gemäß der Volkszählung von 2002[75] gehören 90,68 Prozent der Belgrader der orthodoxen Kirche an, rund 1,03 Prozent der römisch-katholischen und circa 0,24 Prozent der evangelischen. Etwa 1,29 Prozent bekennen sich zum Islam, 0,03 Prozent zum Judentum, 2,02 Prozent zu anderen Konfessionen, und 3 Prozent erklären sich als Nichtgläubige.

Belgrad ist Sitz des orthodoxen Patriarchen der serbisch-orthodoxen Kirche, eines römisch-katholischen Erzbischofs (Erzbistum Belgrad) und verschiedener evangelischer Landeskirchen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Belgrad werden mehr als 30 Prozent des serbischen BIPs erwirtschaftet. Die Stadt beschäftigt auch mehr als 30 Prozent der serbischen Bevölkerung.[76] Das durchschnittliche monatliche Pro-Kopf-Einkommen in Belgrad beträgt 47.500 RSD. Dies entspricht einem Pro-Kopf-BIP von 6.864 EUR oder 10.836 US-Dollar, nach Kaufkraftparität (PPP) 18.204 US-Dollar. 2007 besaßen 45,4 Prozent der städtischen Haushalte einen Computer. Nach der gleichen Umfrage haben 39,1 Prozent der Haushalte einen Internetanschluss.[77]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Modernes Bürogebäude in Neu Belgrad

Der Dienstleistungssektor entwickelte sich durch die Ansiedlung von Verwaltungen, Banken und Versicherungen sowie als Sitz von Verlagen und Medienunternehmen aufgrund des Status als Hauptstadt Serbiens und ehemaligen Hauptstadt Jugoslawiens schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg rasch. Im Dienstleistungssektor arbeiten im 21. Jahrhundert 72 Prozent, in der verarbeitenden Industrie 25 Prozent und in der Land- und Forstwirtschaft 3 Prozent der Beschäftigten.[78] Die verarbeitende Industrie besteht vor allem aus dem Maschinenbau (IMT Rakovica - Fabrik für Motoren und Traktoren) aus Gießereien. Dazu kommen die Bau- und Ingenieurswirtschaft (Mostogradnja), Energiebetriebe (Energoprojekt), Fahrzeug- und Rüstungsindustrie (Vojnotehnički Institut VTI, Tehnički opitni centar), der Schiffbau sowie die Textil- und chemische Industrie (Prva Iskra, Galenika, Tehnogas, Beopetrol, Tehnohemija). Die petrochemische Industrie in der Umgebung von Pančevo ist durch eine Großraffinerie (Rafinerija Beograd) vertreten. Besondere außenwirtschaftliche Bedeutung hatte und hat die Rüstungsindustrie, deren Exporte zentral über das in Belgrad ansässige Unternehmen Yugoimport laufen. In der Umgebung Belgrads ist zudem die Luftfahrtindustrie durch die Unternehmen Utva in Pančevo, die JAT Tehnika in Surčin und Moma Stanojlović in Batajnica vertreten.

In Belgrad haben auch viele multinationale Unternehmen ihren Sitz, zu denen die Société Générale, Intel,[79] Motorola, Mondelēz International,[80] Metro Cash & Carry, Unilever, OMV, Carlsberg,[81] Microsoft und Japan Tobacco gehören. Die Stadt ist zudem Sitz der Serbischen Nationalbank und bedeutender Staatsunternehmen wie Air Serbia, Telekom Srbija, Telenor Srbija sowie Zentrum der einheimischen Privatwirtschaft (Delta Holding).

Im neu entstandenen Gewerbegebiet der Airport City sind neben Mercedes-Benz, DHL, Siemens und andere Unternehmen in den ersten aus zwölf Glassbürotürmen bestehenden Business Park eingezogen.

Die regional bedeutende Belgrader Messe (Beogradski Sajam) stellt den wichtigsten Messeplatz des Landes. Auf 84.000 m² Fläche finden sich 16 Hallen, in denen jährlich über 40 Messen stattfinden. Darunter sind der Oktobersalon, die Militärmesse Partner sowie der Belgrader Autosalon die bekanntesten.[82]

Tourismus[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Lage, der repräsentativen wie auch historischen Denkmäler, vielfältiger Kulturangebote, Shopping- und Flaniermeilen und des Rufs als Ausgehstadt ist Belgrad Serbiens Tourismuszentrum mit einer großen Anzahl von Hotels sowie Hostels.

Die drei schon bestehenden großen Shoppingmalls der Stadt (Usce, Mercator, Delta City) werden im Frühjahr 2014 durch die Mall Delta Planet an der Autokommanda ergänzt.[83] Die Malls sind neben der Einkaufsmeile Knez Mihailova im Stadtteil Stari Beograd für ihr breites, überwiegend international geprägtes Sortiment bekannt.

Medien[Bearbeiten]

Die staatliche Presseagentur der Republik Serbien, TANJUG
Rundfunk und Fernsehen

Belgrad ist der wichtigste Medienstandort in Serbien. Hier befindet sich der Sitz des öffentlich-rechtlichen Fernsehens RTS. Zu RTS gehört das Plattenlabel PGP RTS, das über eigene Musikstudios verfügt. Zu den privaten Sendern der Stadt gehören Pink International sowie B92, welche neben der Fernsehstation eigene Hörfunkprogramme führen. Der Sender B92 steht für ein westlich orientiertes und pro-europäisches Serbien und setzte sich in den 90er Jahren stark gegen das Milošević-Regimes ein.[84][85] Weitere Fernsehsender sind Košava, Avala, FOX Televizija, der lokale öffentlich-rechtliche Sender Studio B sowie verschiedene Kabelsender.

Presse

Belgrad beherbergt darüber hinaus die staatliche Presseagentur der Republik Serbien Tanjug. Landesweit bedeutsam sind die Tageszeitungen Politika, Borba, Blic, Večernje novosti und Glas javnosti. Bekannt sind auch das liberale Blatt Danas und die Boulevardzeitungen Kurir, Press, ALO! und Prawda. Zu den politischen Wochenmagazinen gehören die international renommierten Ausgaben von NIN und Vreme. Die ältesten Unterhaltungsmagazine des Landes Ilustranova politika sowie Politikin zabavnik erscheinen ebenso in Belgrad. Zahlreiche internationale Lizenzausgaben wie Playboy, CKM, BRAVO, Cosmopolitan, JOLIE, Burda und viele weitere haben ebenfalls Niederlassungen in Belgrad. Die erfolgreichsten einheimischen Boulevardmagazine sind Svet und SCANDAL!.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Gedenksäule des Despoten Stefan Lazarevićs, Marmor-Obelisk in Crkvina, 1427

Belgrad ist das wichtigste serbische Literaturzentrum. Die ersten namhaften Schriftsteller Belgrads sind der Despot Stefan Lazarević und Konstantin Kostenezki aus der ersten Hälfte des 15. Jh. Aus der Zeit ist in der Kirche in Crkvine bei Mladenovac der 2 m hohe Obelisk Stefan Lazarevics erhalten, der eine Inschrift zum Tode des Despoten enthält.[86] Die mittelalterliche literarische Tradition wird aber erst zu Anfang des 19. Jh. wiederbelebt. Herausragend sind hier zuallererst der Aufklärer Dositej Obradović und der Sprachreformer, Linguist und Sammler serbischer Volksepen Vuk Stefanović Karadžić. Mit der Romantik nimmt die Serbische Literatur die europäischen Strömungen auf, und Belgrad wird neben Wien zum Zentrum des literarischen Schaffens der Serben. Unter den bedeutenden Belgrader Autoren sind beispielsweise der Romantiker Đura Jakšić, der dem Realismus zugehörige Autor Simo Matavulj und, als erster herausragender Dramatiker, Branislav Nušić.

Von den zeitgenössischen Belgrader Schriftstellern gelten zwei als Klassiker der serbischen Literatur: Ivo Andrić und Miloš Crnjanski. Der Nobelpreisträger Andrić schrieb während seines Hausarrestes zur Zeit der Deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg hier seine drei großen historischen Romane, darunter den international bekanntesten serbischen Roman, Die Brücke über die Drina, für den Andrić 1962 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.[87] Andrićs einziger zeitgenössischer Roman, der in Belgrad spielt, ist Das Fräulein (serb. Gospođica). Crnjanski bleibt aber für die neuere serbische Literatur der bedeutendere Wegbereiter, dem Branko Ćopić, Borislav Pekić und Mehmed Meša Selimović folgen.[88][89][90] Mit den modernen Autoren und auch experimentellen Stilen von Danilo Kiš, Milorad Pavić und Bora Ćosić finden serbische Autoren erstmals international große Beachtung und sind Leitbilder des modernen serbischen Romans. Zu den einflussreichsten Belgrader Autorinnen ihrer Zeit zählte unter anderen Svetlana Velmar-Janković, die in ihren Werken die politischen Verhältnisse im historischen und im gegenwärtigen Belgrad thematisierte.

Das Theater erlebt mit den Werken von Dušan Kovačević und Biljana Srbljanović eine Autorengeneration, die das Zeitgeschehen und die Gesellschaft kritisch hinterfragt und neuen Tendenzen des Dramas den Weg weist. Zu den bedeutendsten Emigranten unter den Belgrader Autoren gehört heute zweifellos der amerikanische Lyriker und Übersetzer südslawischer Literatur Charles Simic, dessen Autobiographie A Fly in the Soup: Memoirs die Belgrader Jugendtage und die Zeit der Luftangriffe auch mit der typischen Komik serbischer Autoren kommentiert.

Die Nationalbibliothek, deren ursprünglicher Bau auf dem Košanićev Venac 1941 ausgebombt und 1972 durch die neue Serbische Nationalbibliothek auf dem Vračar ersetzt wurde, ist die größte Bibliothek der Stadt und wird momentan zeitgemäß erneuert.

Architektur[Bearbeiten]

Kathedrale des hl. Sava auf dem Vračar
Scheich Mustafa Türbe
Konak der Fürstin Ljubica

Übersicht[Bearbeiten]

Belgrad bietet eine große Anzahl von Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Epochen und historischen Bauwerken unterschiedlicher Kulturen. Der moderne Ausbau Belgrads und die Rolle als Hauptstadt verlangte repräsentative Bauwerke, die in den Residenzen der serbischen Herrscher, Verwaltungs- und Regierungsgebäude demokratischer Regierungen sowie der Architektur autoritativer sozialistischer Machthaber auch jeweils einen anderen Topos verlangte. Die Stadt verdankt ihr heutiges Aussehen überwiegend den stadtplanerischen Erweiterungen nach dem Ersten und insbesondere dem Zweiten Weltkrieg. Nur in der Altstadt, im Stadtteil Stari Grad, sowie in der Festung von Belgrad haben sich auch ältere historische Bauwerke aus dem Mittelalter und der türkischen Epoche erhalten.

Dass Belgrad noch Anfang des 20. Jahrhunderts ein kleiner, mehr orientalisch als europäisch anmutender Markt mit wenig repräsentativer Architektur sowie unharmonisch strukturiertem Stadtbild war, bezeugt unter anderem auch der Reisebericht des jungen Le Corbusiers, der die Stadt 1910 wenig rühmlich beschrieb: Ganze zwei Tage haben wir uns von der Illusion von ihr (Belgrad) befreit, und das so endgültig und gründlich, da die Stadt tausendmal weniger definiert ist als Budapest. Wir hatten uns das Tor nach Osten vielfach ausgemalt, eine von bunter Lebhaftigkeit vibrierende Stadt und sie uns mit geschmückter und mit Federschmuck und lackierten Stiefeln ausstaffierter Kavallerie vorgestellt. Dies ist eine lächerliche Hauptstadt; sogar noch schlimmer, eine anrüchige Stadt, schmutzig und desorganisiert. Ihre Lage aber ist umwerfend.[91]

Erst nach dem Ersten Weltkrieg nahm Belgrad modernere Konturen an, die durch ein urbanes Bildungsbürgertum auch im Inneren modernisiert wirken. Die ehem. wenig repräsentativen Gebäude der Verwaltung und Regierung werden jetzt von international erfahrenen Architekten zeitgemäß gestaltet. Auch die Residenzen der serbischen Könige kontrastieren zu den orientalisch anmutenden Konaken (Konak der Fürstin Ljubica und der Konak des Fürsten Miloš) des 19. Jahrhunderts. Die Konake weichen den europäischen Königshäusern würdigen klassizistischen Residenzen (Altes und Neues Schloss, Königliche Schloss und Beli dvor), die niedrigen Gaststätten (CAFÉ "?" (1823)) modernen und luxuriöseren Restaurants (Restaurant London, Restaurant Ruski Car (1890)), die ebenerdigen Stadthäuser (Kosaničev Venac) mehrgeschossigen Wohnhäusern (Knez Mihailova ulica).

Belgrad wandelte sich in der Zwischenkriegszeit zu einerechten Großstadt, mit einem Nebeneinander architektonischer Strömungen der Moderne, wie des Bauhausstiles (Palata Albanija), des Neoklassizismus (Skupština) sowie des pseudobyzantinischen Stils (Kirche des Hl. Marko). Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmt wiederum eine historische Diskontinuität die stadtplanerische Entwicklung. Mit Ende der Monarchie und der Übernahme der Macht durch die Kommunisten orientieren sich auch die Architekten an der sozialistischen Architektursprache. Besondere Förderung erlangen aber die kulturellen Institutionen des Landes, und sowohl die zahlreichen Theater wie Museen werden während dieser Epoche besonders gefördert. Auch entstehen erstmals größere Sportstätten, und die Industrialisierung der Vororte durch sozialistische Großbetriebe und neuerrichtete bevölkerungsreiche Stadtteile (Novi Beograd) verändern das Stadtbild. Ein Hemmnis des schnellen Bevölkerungswachstums für die Stadtentwicklung nach 1945 stellt der nicht adäquate Ausbau der Verkehrsinfrastruktur dar, da bis heute kein modernes kapazitätsstarkes Personennahverkehrssystem eingerichtet worden ist.

Gotteshäuser[Bearbeiten]

  • Kathedrale des Hl. Sava (1894–1985)
  • Muttergotteskirche Ružica (17. Jhd. Neubau)
  • Kapelle der Hl. Para Scheva (1867; 1937 Neubau)
  • Himmelfahrtskirche (1860; 1937 Neubau)
  • Nikolaj-Kirche (1725–1731)
  • Alexander-Newski-Kirche (1877–1891; 1912–1929 Neubau)
Kirche Hl. Vasilije Ostroški in Novi Beograd

Festung von Belgrad[Bearbeiten]

Das doppeltürmige Zindan Tor

Das bedeutendste Bauwerk und bekannteste Wahrzeichen Belgrads ist die Belgrader Festung. Die strategische Lage begünstigte hier seit der Antike eine städtische Befestigung. So befestigten die Römer das Plateau nach der ersten kelto-thrakischen Siedlung im 1. Jh. n. Chr. durch ein Castrum, die Byzantiner im 6. Jahrhundert durch ein Kastell sowie der serbische Despot Stefan Lazarević durch eine weitläufige mittelalterliche Burg mit Doppelmauer, Wassergräben und einem Schloss.

Im Zuge der Türkenkriege wurde die Burg nach Eroberung von Prinz Eugen zu einer Festung mit Artillerie-Bastionen ausgebaut. Nach mehrmaligen Zerstörungen und Rekonstruktionen der Festung besteht sie im Kern aus einer Anlage des 15. Jahrhunderts mit Erweiterungen des 17. und 18. Jahrhunderts.

Die Festung teilt sich in die Ober- und Unterstadt. Die Oberstadt thront auf einem Kalksporn in 125 m Höhe, 50 m darunter erstreckte sich die Unterstadt auf der Alluvialebene im Save-Delta. Im Mündungsdelta der Save in die Donau liegt die Große Kriegsinsel.[2]

Die seit der Wiedererrichtung des byzantinischen Kastrons und einer deltoiden Burg im 12. Jh. unter dem byzantinischen Kaiser Manuel I. ständig weiter ausgebaute Festung erstreckt sich heute mit den Grünanlagen über 50 ha. Innerhalb des Komplexes liegen zwei Kirchen, mehrere Tore und Kettenbrücken, zwei Brunnen, mehrere Denkmäler, die Ausstellungspavillons des Naturkundlichen Museums, das Militärmuseum mit einem Arsenal an Panzern, Gewehren und Raketen, die Kunstgalerie Pavilion Cveta Zuzorić und der Zoologische Garten.

Jedes Jahr werden am Tag der Republik am 15. Februar die Feierlichkeiten durch Artilleriesalutschüsse der Garde von der Festung aus eingeleitet.

Monument des Ferman

Das Monument des Ferman vor dem Stambol Tor im Kalemegdan erinnert an den 19. April 1867, als ein Ferman (Dekret) des Sultans Abdul Aziz den Abzug des letzten türkischen Festungskommandanten Ali-Pascha Rizas und der türkischen Besatzung einleitete und Fürst Mihailo symbolisch die Stadtschlüssel überreicht wurden. Damit endeten fast 350 Jahre türkischer Herrschaft in Belgrad.

Auf dem Vorfeld der Festung erstrecken sich auf dem Gelände des ehemaligen Glacis der große und der kleine Kalemegdan-Park. Im Kalemegdan sind zahlreiche bronzene Büsten bedeutender serbischer Gelehrter, Schriftsteller und Künstler aufgestellt. Seit 1948 befindet sich auf einer Terrasse das kommunistische Grabmal der Nationalhelden. Hier sind die Partisanen und Kommunisten Đuro Đaković (1886–1929), Ivan Milutinov (1901–1944), Ivo Lola Ribar (1916–1943), und Moša Pijade (1890–1957) beerdigt.

Traditionelle balkanische Architektur[Bearbeiten]

Altbelgrader Café Fragezeichen

Mit der Befreiung Belgrads verschwanden die meisten osmanischen Bauwerke mit Ausnahme der Bajrakli-Moschee, der Türbe von Damad Ali-Paşa sowie der Balkanischen Konaken (Residenzen) und Stadthäuser mit der (Residenz) der Fürstin Ljubica, (Konak der Fürstin Ljubica) (1829–1831), dem CAFÉ "?" (1823) und des Manak Hauses (um 1830) sowie des Vuk- und Dositej Museums (Vukov i Dositejev muzej). Es ist im Gebäude der einstigen Großen Schule untergebracht, die 1808 der serbische Aufklärer und erste serbische Bildungsminister Dositej Obradović als Lyzeum eröffnete.

Außerhalb der Stadt liegt der Konak des Fürsten Milos im Park Topčider. Nach den Konaken für seine Ehefrau und Kinder in der Stadt ließ Fürst Miloš Obrenović diesen 1831–1834 bauen. Zu den Außenbezirken hin wird die Bausubstanz zunehmend moderner und zeigt kaum Stilelemente des typisch Balkanischen.

Europäischer Klassizismus[Bearbeiten]

Historistisches Gebäude der Serbischen Akademie, 1923–1924
Das neue Schloss, Sitz des Serbischen Präsidenten, Stojan Titelbah, 1911–1922
Regierungsgebäude Serbiens, Nikola Petrovič Krasnov, 1926–1928
Dom Sindikata, Versammlungsort der KP Jugoslawiens
Betonriese des Genex-Turms, der auch als das Westliche Tor Belgrads bezeichnet wird.

Die städtebauliche Erneuerung Belgrads ist eng mit dem Namen Emilijan Josimović verbunden, dessen 1867 ausgearbeiteter Regulierungsplan angenommen wurde. Er ließ die Stadtmauer mit dem verhassten Stadttor der Stambol kapija schleifen, Straßen begradigen und in der Folgezeit Gebäude im gängigen Stil der Neoklassik errichten.

Die Serbischen Architekten des 19. Jahrhunderts griffen westliche Stile wie den Neoklassizismus, die Romantik und die akademischen Kunst auf. So entstanden das Nationaltheater (1868/1869) auf dem Trg Republike an Stelle des Stambol Kapija nach Plänen des Architekten Aleksandar Bugarski. Der Bau entspricht dem allgemeinen Typ der Theaterhäuser jener Zeit, besonders dem Gebäude der Mailänder Scala, deren Renaissance-Konzeption und dekorative Bearbeitung übernommen wurden. Des Weiteren ließ die Stadtverwaltung bis zum Jahr 1902 am Platz der Republik das Serbische Nationalmuseum nach Plänen von Andre Stevanović und Nikola Nestorović errichten. Vor dem Museum befindet sich das Reiterstandbild des Fürsten Mihailo Obrenović von Enrico Pazzi von 1882. Von den vielen klassizistischen Gebäuden der Prachtstraße Belgrads, der Knez Mihailova ulica (Fürst-Michael-Straße), ragt besonders die 1924 fertiggestellte Serbische Akademie der Wissenschaften und Künste nach 1912 ausgearbeiteten Entwürfen von Dragutin Đorđević und Andre Stevanović im akademischen Stil mit Elementen der Sezession heraus. Eines der wenigen Bauwerke der Sezession in Belgrad ist das Hotel Moskva. Es stammt von 1908 und liegt prominent auf dem Terazije.

Eine Verlängerung der Prachtstraße Knez Mihailova erfolgte mit der Ulica Kralja Milana Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, vom Terazije aus. Hier entstanden das Alte Schloss, die offizielle Residenz der Obrenović-Dynastie. Diese wurde 1882–1884 ebenfalls von Aleksandar Bugarski im akademischen Stil erbaut und übertraf in Größe und Ausstattung alle bisherigen Residenzen der serbischen Herrscher in der Stadt. Darin ist im 21. Jahrhundert die Stadtverordnetenversammlung von Belgrad untergebracht. Gegenüber befindet sich das Neue Schloss, zwischen 1911 und 1922 erbaut. Ursprünglich von König Peter I. Karađorđević geplant, war es bis 1933 die offizielle Residenz von König Alexander I. Karađorđević, der 1933 nach der Verlegung seiner ständigen Residenz auf den Dedinje das Gebäude als Museum König Peters I. der Stadt übergab. Hier residiert seit den 1990er Jahren der Präsident von Serbien.

Außerhalb der Stadt, auf dem Dedinje ist das königliche Schloss zusammen mit dem Beli dvor mit der Kapelle des Hl. Apostel Andreas zu finden. Von 1903 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges residierte hier die Karađorđević-Dynastie. Das Königliche Schloss ist im Neobyzantinischem Stil errichtet und ahmt in seinen Innenräumen die Prachträume im Moskauer Kreml nach.

Sozialistischer Klassizismus[Bearbeiten]

Die Ada-Brücke wurde 2013 eröffnet und ist eines der neuen Wahrzeichen Belgrads.

Nach dem für Serbien siegreichen Ersten Weltkrieg wurde Belgrad als Hauptstadt des zur Regionalmacht gewachsenen Königreichs Jugoslawien baulich angepasst. Es entstanden großzügige Regierungs- und Repräsentationsbauten und präsentierten sich als Metropole der westlichen Balkanhalbinsel.

Auf dem Gipfel des 511 Meter hohen Avalas südlich von Belgrad erinnert das Denkmal des Unbekannten Soldaten an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Das Monument gilt als Hauptwerk des Hauskünstlers der Karadordevic Dynastie, des kroatischen Bildhauers Ivan Meštrović. Für den Bau des Denkmals wurden insgesamt 8000 m³ Granit aus Jablanica beschafft. Die Monumentalfiguren der acht Karyatiden, die die jugoslawischen Völker verkörpern, wurden aus Blöcken von bis zu 15 Tonnen Gewicht gearbeitet. Das siegreiche Ende des Krieges wurde dagegen mit dem bronzenen Siegesmonument des Pobednik auf der Terrasse der Belgrader Festung sichtbar gemacht.

Hervorhebenswert sind die Bauten russischer Architekten in der Stadt. Diese waren während und nach der Russischen Oktoberrevolution aus Moskau und Sankt Petersburg emigriert. Der Monarch Aleksandar Karađorđević beauftragte sie mit der Errichtung weiterer Monumentalbauten, wie bereits mit dem Hotel Moskva begonnen. Der bedeutendste russische Architekt dieser Zwischenkriegsperiode war Nikola Petrovič Krasnov. Von Krasnov stammen das während der NATO Bombardierung 1999 schwer beschädigte heutige Regierungsgebäude Serbiens (Zgrada Vlade Srbije 1926-1928, vormals Finanzministerium), das Außenministerium (1926–1929), die Innenarchitektur der Skupština und die Räume des Königlichen Schlosses auf dem Dedinje.[92] Weitere russische Emigranten wie Vasilij Fjodorovič Baumgarten errichteten das Generalstabsgebäude (1924–1928), Viktor Lukomski das Gebäude des Serbischen Patriarchats (1936), und von Valerij Staševski stammt die russisch-orthodoxe Kirche im Tašmajdan. An der endgültigen Gestaltung der Alexander-Newski-Kirche wirkte der russische Architekt Vasilij Androsov.[93]

Der mittelalterliche serbisch-byzantinische Stil wurde mit dem Ende der 1930er im Stadtteil Vračar begonnenen Kathedrale Hl. Sava als größter christlich-orthodoxer Kathedrale Südosteuropas wieder belebt. Mit einer Grundfläche von 3500 m² zu 7570 m² entspricht sie ungefähr den Dimensionen der Hagia Sophia in Istanbul. Zeitgleich wurde die zweitgrößte Kirche, die Markuskirche, begonnen, die erst 1941 vollendet werden konnte. Sie steht unweit der Nationalversammlung Serbiens, der Skupstina, und ahmt den Stil des Klosters Gračanica nach, welches das herausragende sakrale Bauwerk der Palaiologischen Renaissance und eines der bekanntesten Bauwerke der byzantinischen Kunst überhaupt ist.

Die nach dem Zweiten Weltkrieg an die Macht gekommenen Kommunisten Titos übernahmen die klassizistischen monarchistischen Bauwerke und -traditionen. Sie griffen zugleich auf zeitgenössische Modelle des Sozialistischen Klassizismus und nach 1948 auf den Internationalen Stil, der durch die Schule von Le Corbusier geprägt ist, zurück. Dem kommunistischen Baugedanken entsprachen die Monumental-Gedenkstätten sowie die mit zahlreichen heroischen Darstellungen von Partisanenschlachten geschmückten Inneneinrichtungen der Regierungsgebäude. Zu den wenigen zum Sozialistischen Klassizismus zählenden Bauwerken in Belgrad gehören die säulen- und turmgeschmückte Glavna Posta, das Gebäude der Eisenbahndirektion und das Haus Dom Sindikata am Platz Trg Nikole Pašića (ehemaliger Marx-Engels-Platz).

Außer den zahlreichen Wohnblöcken in Novi Belgrad entspricht auch der Genex-Turm (Mihajlo Mitrović; 1970-1980) dem von Le Corbusier geprägten Begriff der Brutalist Architecture. Die Einflüsse des westeuropäischen Baustils führten in den 1960er Jahren dazu, dass Architekten des ehemaligen Jugoslawien Wolkenkratzer mit Glasfassade errichten konnten, darunter der Palata Ušče (Mihajlo Janković; 1961) und die Beograđanka (1979).

Die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgende Stadterweiterung auf der linken Save-Seite führte zur Konzeption der völlig neuen Großstadtgemeinde Novi Beograd. Hier plante um 1947 das Team von Anton Urlih, Vladimir Potočnjak, Zlatko Najman und Dragica Perak das heute Palata Srbije genannten Gebäude, das 1959 unter der leitung von Mihajlo Janković vollendet wurde. Daneben schufen Stojan Maksimović (Sava Kongresszentrum, 1977, Hotel Interkontinental, 1979) und Branislav Jovin (Mostarska petlja) weitere bedeutende moderne Bauwerke Belgrads. Zu den überregional künstlerisch herausragenden Architekturen der Modernen Zeit in Belgrad gehören der Palata Srbije und das Museum für Moderne Kunst.

Moderne[Bearbeiten]

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--Zazu-srb (Diskussion) 04:47, 27. Mär. 2014 (CET)

Die serbische Regierung hat mit dem Investitionsfonds „Emaar Properties“ in Dubai das gemeinsame Bauprojekt „Belgrad am Wasser“ ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, eine neue Geschäftsdrehscheibe in Belgrad zu schaffen. Dieses Projekt sieht den Bau von etwa 1,5 Mio. m² Nutzfläche auf einer Gesamtfläche von 88 Hektar vor. Das ambitionierte Stadterneuerungsvorhaben soll in fünf bis sechs Bauphasen umgesetzt werden. Das ganze Projekt dürfte laut Meinung der Investoren in fünf bis sieben Jahren umsetzbar sein. Dieses soll auf dem Areal des derzeitigen Belgrader Hauptbahnhofs mit allen Haupt- und Nebengleisen entstehen. Ein neuer Hauptbahnhof soll in etwa zwei Kilometer Entfernung vom derzeitigen Bahnhof gebaut werden.[94]

Der Mangel an Finanzmitteln und zahlreiche administrative Probleme hatten bislang den Bau des neuen Bahnhofs verzögert. Dieser soll aus einem Kredit des kuwaitischen Fonds zur arabischen Wirtschaftsentwicklung, im Wert von 25 Millionen Euro, fertiggestellt und die Fläche für den neuen Stadtteil frei gemacht werden. Die gesamten Investitionskosten des Projekts „Belgrad am Wasser“ sollen sich auf knapp 3 Milliarden Euro belaufen.[95]

Verkehrsinfrastruktur[Bearbeiten]

Luftverkehr[Bearbeiten]

Flughafen „Nikola Tesla“ in Surčin

Der 1962 eröffnete Flughafen Belgrad „Nikola Tesla“, liegt 18 km vom Stadtzentrum entfernt in Surčin. Er ersetzte die vorhergehenden internationalen Flughäfen Pančevo (1923) und Beograd (1927; zwei Kilometer südlich Zemun).[96] Am Flughafen „Nikola Tesla“ befinden sich die Technischen Basen der Fluggesellschaften Air Serbia und Aviogenex sowie das Luftfahrtmuseum und die Hubschrauberstaffel der Polizei. Direkte Linienflüge gibt es zu allen Metropolen Europas. Während der Urlaubssaison verbinden zudem Charterflüge Belgrad mit den Touristikzentren am Mittelmeer. Die Anzahl der Passagiere stieg von 1.621.798 im Jahr 2002 auf 3.124.633 im Jahr 2011.[97] Neben dem Flughafen in Surčin gibt es noch die Flughäfen Batajnica und Pančevo bei Belgrad, die allerdings nicht für Linienflüge genutzt werden.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Hauptartikel: Eisenbahnknoten Belgrad
Eisenbahn- und Straßenbrücken über der Save (Gazela, Alte- und Neue Eisenbahnbrücke)

Neben dem historischen Hauptbahnhof, ehem. Haltestation von Orient- und Akropolis-Express, ist der Bahnhof Novi Beograd wichtigster Bahnhof der Stadt. Ferner befindet sich seit nun fast vier Jahrzehnten der als neuer Hauptbahnhof geplante Bahnhof Belgrad Zentrum im Ausbau. Noch immer wird dieser Bahnhof jedoch nur von einem S-Bahn-ähnlichen Vorortbahnverkehr bedient. Der jetzige Belgrader Kopfbahnhof am Save-Ufer (44.80777777777820.45444444444475) ist der wichtigste Fernverkehrsbahnhof der Železnice Srbije.[98] Außer den mehrmals täglich verkehrenden Zugverbindungen in Richtung Adriaküste auf der Bahnstrecke Belgrad–Bar bestehen von hier weitere internationale Zugverbindungen. Im Jahr 1971 wurde eine elementare Rekonstruktion der Eisenbahninfrastruktur als integraler Bestandteil des Großprojekts des Belgrader Eisenbahnknotens beschlossen, die die Realisierung einer intermodalen Gütervernetzung, sowie die Bedienung von Fernbahn, Stadtbahn und U-Bahn über zentrale Verkehrsknoten vorsah. So konnte ab 1974 mit dem Bau der Neuen Belgrader Eisenbahnbrücke (44.820.43611111111175)[99] sowie ab 1977 dem neuen, als Durchgangsbahnhof konstruierten Bahnhof Belgrad Zentrum,(44.79361111111120.45388888888975), meist Prokop genannt, begonnen werden. Am linken Save-Ufer entstand so auch der Bahnhof Novi Beograd mit einem auf unabhängigen Gleisführungen basierenden schienengebundenen Schnellbahn-Verkehrssystem. Dieses soll zusammen mit dem weiteren Ausbau von S- und der Anlage einer U-Bahn das Rückgrat des ÖPNV werden.[100]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Nachtszene der Straßen Belgrads von der ISS aus aufgenommen

Belgrad ist an das europäische Fernstraßennetz über den Paneuropäischen Verkehrskorridor X angebunden, der in seiner Straßenvariante dem ehemaligen Autoput Bratstvo i jedinstvo entspricht und zu dem die Stadtautobahn mit der Brücke Gazela(44.80277777777820.44083333333395) als Hauptarterie des Transitverkehrs dient. Bestehende Autobahnen verbinden Belgrad mit Novi Sad, Niš und Zagreb. Die abschnittsweise fertiggestellte Belgrader Ringautobahn sowie der im Bau befindliche Innere Magistralen-Halbring (Unutrašni magistralni poluprsten) mit der Neuen Savebrücke sind die derzeit bedeutendsten Straßenverkehrsprojekte.[101] Zentraler Verteiler im Straßenbahn- und Busverkehr und daher Hauptverkehrsknoten sowie verkehrsreichster Platz der Metropole ist die Slavija. Hier fällt die Fernverkehrs-Magistrale der Kralja Milana mit der Nemanjina ulica zusammen. Besonders neuralgisch ist das Bahnhofsviertel, in dem die zusätzlich den Straßenbahnverkehr bedienende Savska ulica den Straßenverkehr an den Belgrader Hauptbahnhof und den Fernverkehrs-Busbahnhof anbindet und diesen von und zur Gazela sowie den weiteren Flussbrücken Brankov Most und Savski most leitet.

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Hauptartikel: GSP Beograd
Station der Stadtbahn Beovoz Vukov spomenik

Straßenbahnen, Omnibusse[Bearbeiten]

Das städtische Verkehrsunternehmen GSP Beograd ist Hauptträger des öffentlichen Personennahverkehrs. Es unterhält die Straßenbahn Belgrad (zwölf Linien), den Oberleitungsbus Belgrad (sieben Linien) sowie 112 Autobuslinien. Zusätzlich verkehren einzelne private Autobuslinien. Die Vorstadtgemeinden sind zumeist nur mit Autobussen des Verkehrsunternehmens Lasta zu erreichen. Innerstädtisch bedient die GSP die BG:Voz genannte Stadtbahn mit acht Bahnhöfen. An drei Umsteigebahnhöfen ist diese mit den Vorortzügen des Beovoz der Železnice Srbije verbunden. Zahlungsmittel für die meisten Verkehrsmittel (außer Beovoz und Taxi) ist die berührungslos abbuchende BusPlus-Karte.

S-Bahn[Bearbeiten]

Hauptartikel: Beovoz
Liniennetz der Belgrader Stadtbahnen

Das Liniennetz der Beovoz wurde 1991/1992 im Fahrplan der damaligen ŽTP-Beograd eingeführt. Seitdem wurde es auf fünf Linien mit insgesamt 330 km Länge ausgebaut. Es quert das zentrale Stadtgebiet in zwei in Nord-Süd-Richtung verlaufenden, insgesamt 35 km langen und bis zu 43 m tiefen Tunneln.[102] Über die Stationen Beograd centar, Karadordev park und Vukov spomenik wird das engere Stadt-Zentrum angebunden. Im Jahr 2010 wurde BG:Voz gegründet. Diese befördert die Fahrgäste auf der Stammstrecke des neuen Belgrader Eisenbahnknotens, der Verbindung BatajnicaPančevački most. Die Beovoz-Zuggarnituren ergänzen den innerstädtischen S-Bahn-Verkehr auf den Verbindungen nach Valjevo, Inđija, Resnik, Pančevo und Mladenovac mit den Umstiegsbahnhöfen zum BG:Voz in Batajnica, Beograd Centar und Pančevački Most.[103] Zentraler Knoten im Schienenfern- und -nahverkehr ist der Bahnhof Novi Beograd (im Jahr 2012). Über Vukov Spomenik und Beograd centar soll die Stadtbahn an die zukünftige U-Bahn angebunden werden. Ein Ausbau zum Flughafen Surčin wird erörtert. Die Stadt sieht für die kurz- bis mittelfristige Verkehrsplanung das S-Bahn-Netz als wichtigsten zu entwickelnden Verkehrsträger.[104] In Stoßzeiten wird auf der Stammlinie des BG:Voz eine Taktfrequenz von 15 Minuten gewährleistet. Während der Beovoz von den Železnice Srbije betrieben wird und Fahrscheine an den Bahnschaltern der Bahnhöfe gekauft werden müssen, ist der BG:Voz in das integrierte System der GSP-Beograd eingebunden. Das benutzt die oben genannten elektronischen Chipfahrkarten BusPlus, die nicht an den Bahnschaltern bezogen werden können.

Metro Belgrad[Bearbeiten]

Hauptartikel: Metro Belgrad

Der Plan für den Bau einer U-Bahn für Belgrad bestimmt seit etwa 2005 die Verkehrsplanung der Stadt.[105] Der serbische Staat hat das Projekt in seine Agenda der drei wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen mit aufgenommen.[106][107] Die Stadt hatte für die weitere Realisierung eine Kommission von Fachleuten großer U-Bahnsysteme in Europa einberufen,[108] die getrennt Expertisen abgaben.[109] Mit der Grundsatzentscheidung zum U-Bahn Bau ist ein Schlussstrich unter zwei Jahrzehnte kontroverser Debatte gezogen worden.[110] Der Stopp der Metro-Planung durch die Stadt 1982 gilt den heutigen Verkehrsplanern als gravierender Fehler, da trotz der geschätzten Kosten von umgerechnet 1,1 Mrd. Euro für 14 km Streckenlänge eine tragfähige Verkehrsentwicklung ohne ein unabhängiges Nahverkehrs-Schienensystem nicht möglich scheint.[111]

Schiffsverkehr[Bearbeiten]

Belgrad liegt an der Donau, dem Schifffahrtsweg, der die Länder West- und Mitteleuropas mit den Ländern Südost- und Osteuropas verbindet. Durch die Errichtung des Stausees und des Wasserkraftwerkes Eisernes Tor an der Donau entwickelte sich Belgrad zu einem wichtigen Flusshafen. Seit der Inbetriebnahme des Rhein-Main-Donau-Kanals besitzt Belgrad eine Wasserverbindung zur Nordsee. Der Hafenkomplex an der Donau nimmt eine Fläche von 120 Hektar ein und ist eines der Zentren für den Gütertransport. Auf dieser Fläche befinden sich 290.000 m² geschlossene Lagerhallen und 650.000 m² offene Lagerplätze sowie ein Container-Terminal von 44.000 m². Seit dem Ende der Jugoslawienkriege wird Belgrad vermehrt von Donaukreuzfahrtschiffen angesteuert, die teilweise bis ins Biosphärenreservat Donaudelta fahren. Für die Kreuzfahrtschiffe gibt es einen eigenen Hafen an der Mündung der Save.

Soziale Infrastruktur und Bildungswesen[Bearbeiten]

Schulwesen und Universitäten[Bearbeiten]

Das Kapetan Mišino Zdanje, der Kolarac ist neben seiner Funktion des Rektorats der Universität Belgrad auch die wichtigste Heimstätte der Belgrader Sinfoniker und Veranstaltungsort klassischer und moderner Konzerte.
Elektrotechnische Fakultät der Universität Belgrad
Die berufsausbildende Technische Luftfahrtschule „Petar Drapsin“, eine Mittelschule für Luftfahrttechniker mit ausgemusterter Mig-21 im Schulhof

Belgrad besitzt 280 kommunale Schulen mit einem zweigliedrigen Schulsystem. Davon vermitteln 195 die achtjährige Grundschulbildung und 85 gehören der Mittelstufe an, darunter 51 berufsbildende Mittelschulen. 21 Gymnasien und 8 Kunstschulen ermöglichen eine weitergehende Hochschulausbildung. Die Belgrader Gymnasien sind überwiegend nach Nummern geordnet (Erstes-, Zweites Gymnasium… etc.). Im Jahr 2008 waren insgesamt 230.000 Schüler registriert, die in 22.000 Klassenzimmern in über 500 Gebäuden verteilt sind. Die Gesamtfläche der Schulunterrichtsräume beträgt 1.100.000 Quadratmeter.[112]

Belgrad ist Standort zweier staatlicher Hochschulen, einer privaten Hochschule sowie zahlreicher wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen, der Serbischen Akademie und weiterer staatlicher höherer Bildungsinstitutionen. Die Universität Belgrad ging hervor aus der Großen Schule, die zwischen 1808 und 1813 bestand und sich ursprünglich im Konak der Fürstin Ljubica befand. Anlässlich der Neueröffnung 1863 zog die Große Schule in das Kapetan Mišino Zdanje, ein repräsentatives Gebäude im Stadtteil Stari Grad. Fast 50 Jahre später, 1905, wurde sie zur Universität. Sie ist damit die früheste Institution für höhere Bildung in Serbien und eine der ersten der Balkanhalbinsel.[113] Mit mehr als 89.000 Studenten an 31Fakultäten und 8 wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen ist sie im 21. Jahrhundert auch eine der größten der Region. Die einzelnen Fakultäten liegen weit über das Stadtgebiet verstreut. Um den Studentski trg sammeln sich die Fakultäten für Philosophie, Philologie und die Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften unterhalb des Zeleni Venac sowie die Medizinischen Fakultäten unterhalb des Vračar befinden sich im Stadtteil Savski Venac. Im Stadtteil Palilula sind die Rechtswissenschaftliche Fakultät, die Universitätsbibliothek Belgrad sowie die Fakultät für Bergbau und Geologie, die Technische Fakultät, die Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen untergebracht. Anfang der 1990er bezogen einige Fakultäten einen Campus am Stadtrand: die Fakultäten für Pharmazie und Pharmakologie konnten in mehrere Gebäudekomplexe im Stadtteil Kumodraž umziehen und sich durch eine moderne wissenschaftlich-technische Ausstattung und die großzügigen Laboratorien zu führenden Instituten in Europa entwickeln. Ein neuer Standort für die bisher auf mehrere Gebäude verteilten Einrichtungen der Biologischen Fakultät ist, nach fast zwanzigjähriger Baupause im ursprünglich nur für die Botanischen Institute im Botanischen Garten Jevremovac vorgesehenen halbfertigen Rohbau, durch Erweiterung der ursprünglichen Baupläne und einer gemeinsamen Integration der Institute von der Universitätsleitung im Oktober 2008 beschlossen worden.

Wissenschaftliche Forschungseinrichtungen[Bearbeiten]

Der große Windtunnel T-35 im ehemaligen Vazduhovoplovni Institut und heutigem VTI in Žarkovo

Das Institut für Nuklearwissenschaften „Vinča“ mit dem einzigen experimentellen Kernreaktor des Landes, das „VTI“ („Vojno Tehnički Institut“) in Žarkovo als einziges Institut Südosteuropas der aerodynamischen Forschung im Flugzeug- und Raketenbau der ehemaligen JNA und heutigen VJ, das acht große Windkanal-Anlagen, darunter mehrere Anlagen mit Windkanälen, die Überschallgeschwindigkeit erreichen, unterhält, und das Militärgeografische Institut („Vojno-geografski Institut“) (VGI) unweit des Zentralfriedhofs „Novo Groblje“, nehmen unter den mathematisch-technischen Forschungseinrichtungen eine bedeutende Stellung ein.

Dem Umweltschutz widmet sich das Biologische Institut „Siniša Stanković“, der Landeskunde, geomorphologischen und anthropogeographischen Forschung das Geographische Institut „Jovan Cvijić“, der Erhaltung der Biodiversität das Naturkundemuseum Belgrad und der Erforschung von Medizinalpflanzen das Institut „Josif Pančić“. Eine weitere Einrichtung ist das Institut für Immunobiologie und Virusologie „Torlak“. Zentrales historisches Archiv des Landes ist das „Istorijski Arhiv Srbije“ (Historisches Archiv Serbiens), bedeutende historische und ethnologische wissenschaftliche Forschungsinstitute die sich in ihren geisteswissenschaftlichen Fächern der Kenntnis der Balkanhalbinsel verpflichten, sind der Serbischen Akademie der Wissenschaften angegliedert, neben dem genannten „ Geographischen Institut Jovan Cvijić“, das „Balkanologische Institut“ (Balkaološki Institut), „Institut für Byzantistik“ (Vizantijski Institut), „Institut der Serbischen Sprache“ (Institut za Srpski jezik) sowie das „Ethnographische Institut“ (Etnografski Institut).[114]

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Belgrad verfügt über 59 Gesundheitseinrichtungen und zwar 16 Gesundheitszentren, 4 Klinik- und Krankenhauszentren, 3 Spezialkrankenhäuser, 5 Kliniken, 1 Klinikzentrum, 14 Anstalten und Institute mit stationärer Behandlung, 12 Einrichtungen ohne stationäre Behandlung, 3 Anstalten für den Schutz der Gesundheit und die Apothekengesellschaft „Beograd“ mit über 100 Apotheken. Die Gesundheitseinrichtungen mit stationärer Behandlung verfügen über insgesamt 12.035 Standardbetten.

In Belgrad befindet sich zudem die Militärmedizinische Akademie. Sie wurde im Jahre 1884 eröffnet und ist inzwischen das größte Krankenhausbauwerk in Serbien.

Kultur[Bearbeiten]

Restaurant in der Skadarlija

Grundsätzliches[Bearbeiten]

Belgrad ist durch eine dynamische und vielfältige Kultur geprägt. Dabei vermittelt die Stadt durch ihre ehemalige Grenzlage zwischen Orient und Okzident sowie der Position Jugoslawiens im Kalten Krieg eine eigenwillige kulturelle Mischung. Eine gewisse Nostalgie an die große Zeit als ehemalige Residenzstadt des sogenannten „Roten Monarchen“, Marschall Josip Broz Tito, als die Stadt auch „Hauptstadt“ der Blockfreien Bewegung war, schwingt bei den Einwohnern in der von sozialistischer Stadtplanung geprägten modernen Architektur noch immer deutlich mit. Titos nachhaltiges Erbe wird daher auch touristisch allenthalben gewinnbringend vermarktet. Exemplarisch dafür wird eine Sightseeing-Rundfahrt vom Bahnhof-Donauhafen um die Landzunge des Kalemegdans herum bis zum ehemaligen königlichen Bahnhof Topčider in Titos Luxuszug mit seinen im Art Deco Stil gehaltenen Salons angeboten.[115][116][117][118][119]

Musik[Bearbeiten]

Die Stadt war eines der wichtigsten Zentren der jugoslawischen Rockmusik der 1980er: VIS Idoli, Ekatarina Velika and Šarlo Akrobata stammten aus Belgrad. Andere bekannte Belgrader Rockmusikgruppen sind Riblja čorba, Bajaga i Instruktori.[120] Die Stadt ist zudem Zentrum des Turbo-Folk, dessen international bekannteste Epigonin Ceca Ražnatović hier lebt. Heute ist die Stadt mit den Gruppen Beogradski sindikat, Škabo und Marčelo auch wichtigster Treffpunkt der heimischen Hip-Hop-Szene sowie der serbischen Blasmusik, darunter das Boban Marković Orchester.[121][122]

Theater und Oper[Bearbeiten]

Das nach einem Brand 1997 wiederaufgebaute Jugoslawische Schauspieltheater (Jugoslovensko Dramsko pozorište)

Aus den zahlreichen Theatern ragen die renommierten Bühnen des Belgrader Nationaltheaters, des Theaters am Terazije, des Jugoslawischen Schauspieltheaters – Jugoslovensko dramsko pozorište, des Belgrader Schauspieltheaters – Beogradsko dramsko pozorište und des Ateliers 212 heraus. Das Jugoslovensko dramsko pozorište zeigt herausragende Werke von Autoren aus dem ehemaligen Jugoslawien, darunter die Theaterstücke von Dobrica Ćosić, Jovan Hristić, Velimir LukićSlobodan Šnajder, Dušan Kovačević, Dejan Dukovski und Biljana Srbljanović.[123]

Das Belgrader Schauspieltheater ist mehr auf die klassischen und avantgardistischen internationalen Werke spezialisiert, darunter zeichnen sich die Aufführungen von Arthur Miller, Tennessee Williams und Bertolt Brecht aus.[124]

Im Atelier 212 fand unter anderem die erste Aufführung in Osteuropa von Becketts Warten auf Godot statt. Daneben finden sich Stücke von fast allen bedeutenden modernen Autoren. Im Atelier 212 fand auch 1967 zum ersten Mal das Belgrader Theaterfestival BITEF statt.[125]

Eines der jüngsten Theater Belgrads ist das erst 1984 gegründete Zvezdara-Theater. Durch die Aufführung zeitgenössischer Werke von Dušan Kovačević, Aleksandar Popović und Siniša Kovačević ist es schnell zu einer bedeutenden Institution geworden. Unter den hier auftretenden Schauspielern finden sich viele bekannte Film- und Fernsehschauspieler: Danilo-Bata Stojković, Bogdan Diklić, Lazar Ristovski (u. a. in Underground), Ljiljana Dragutinović, Danilo Lazović, Bora Todorović, Mihajlo-Miša Janketić, Dragan Jovanović, Milena Dravić u. a.[126]

Oper und Ballett werden im Nationaltheater sowie in Zemun im Madlenijanum-Opernhaus gezeigt. Ballett wird in Belgrad seit 1923 gezeigt. Dabei waren es in der Anfangszeit insbesondere russische Emigranten, die hier alle großen Klassiker wie Ludwig Minkus Don Quichotte, Adolphe Adams Giselle, Strawinskys und Vaslav Nijinskys Petrushka, Léo Delibes Coppelia, Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Dornröschen, Nussknacker und Schwanensee, Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakows Scheherazade und andere etablierten. Einer der ersten männlichen Solisten dieser russischen Emigranten-Generation, Ballettmeister und Komponist im Nationaltheater von Belgrad von 1924-1946 war Oleg Sergeevič Grebenščikov,[127] in dessen Zeit 1928 auch der Besuch der großen Primaballerina der Ballets Russes in Belgrad, Tamara Karsawina, fiel. Im Repertoire sind die Aufführung aller klassischen europäischen Choreografien, darunter insbesondere Petipas, sowie die vor allem dem einheimischen Publikum bekannten Stücke zu Goran Bregovićs Kraljica Margo und Stevan Hristićs Ballett Ohridska legenda.[128] Der Ausbildung der Bühnentänzer des Nationaltheaters widmet sich die staatliche Ballettschule “Lujo Davico”. Unter den hier ausgebildeten Balletttänzern und ehemaligen Solisten des Belgrader Balletts ist insbesondere Ašhen Ataljanc international bekannt geworden. An eine denkwürdige Ballettaufführung des Royal Ballet im Belgrader Nationaltheater erinnert Dame Margot Fonteyn, die sie in den 1950ern mit ihrem damaligen Partner Robert Helpman durch einen überwältigenden Empfang des Belgrader Publikums als herausragendste Aufführung in ihrer annähernd fünfzigjährigen Weltkarriere beschreibt.[129]

Die Belgrader Philharmonie existiert seit 85 Jahren (1923 gegründet), hat aber bis jetzt noch keinen eigenen philharmonischen Bau. Klassische Konzerte finden vor allem im Konzertsaal der Zadužbini Ilije M. Kolarca (kurz Kolarac Kapetan Mišino Zdanje) statt.

Das einzige Musical- und Revuetheater Südosteuropas ist das seit 1948 bestehende Theater am Terazije – Pozorište na Terazijama. Es zeigt Aufführungen bekannter Musicals von Gershwin, Cole Porter, Bernstein, Bob Fosse, Richard Rodgers, Oscar Hammerstein und anderen.[130]

Museen[Bearbeiten]

Das Miroslav-Evangelium in der Nationalbibliothek ist das älteste serbische schriftliche Zeugnis und seit 2005 UNESCO-Weltdokumentenerbe

Das bedeutendste Museum ist das 1844 gegründete Serbische Nationalmuseum. Es beherbergt eine Kollektion von 400 000 Ausstellungsstücken (mehr als 5600 Gemälde sowie 8400 Zeichnungen und Drucke), darunter mehrere ausländische Meisterwerke sowie das Miroslav-Evangelium aus dem 12. Jahrhundert.[131]

Das Armeemuseum zeigt die Militärgeschichte des Landes von der Antike bis zu den NATO-Luftangriffen 1999, darunter Teile der in Srem abgeschossenen Lockheed F-117.[132][133]

Luftfahrtmuseum Belgrad

Das Luftfahrtmuseum am Flughafen zeigt mehr als 200 Flugzeuge mit Konzentration auf die inländische Luftfahrtgeschichte sowie den während des NATO-Luftkrieges eingesetzten Waffen und Flugzeugen. Viele Flugzeuge befinden sich auch im Außenbereich des Museums.[134] Das Ethnografische Museum birgt eine reiche Auswahl an Volkstrachten des ehemaligen Jugoslawiens mit über 150.000 Objekten.[135] Das Museum für moderne Kunst besitzt 8540 Werke, die auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien entstanden sind.[136] Das Nikola-Tesla-Museum wurde 1952 gegründet und zeigt Memorabilien des Physikers sowie Nachbauten seiner Erfindungen. Das Museum verwaltet auch den reichen Nachlass des Wissenschaftlers.[137] Ein dem Wirken der Sprachreformatoren Vuk Stefanović Karadžić und Dositej Obradović gewidmetes Museum ist das Vuk- und Dositej-Museum.[138] Eines der ungewöhnlicheren Museen in Belgrad ist das Museum afrikanischer Kunst, gegründet in den Tagen der Solidarität mit den Entwicklungsländern.[139]

Gedenksäule Titos vor dem Gebäude-Komplex der Museen der Geschichte Jugoslawiens

Das meistbesuchte der Belgrader Museen ist zweifellos das dem früheren Präsidenten Jugoslawiens, Marschall Josip Broz Tito gewidmete Museum des 25 Mais. Es liegt in der ehemaligen verbotenen Stadt im Stadtteil Savski Venac auf dem Dedinje. Der Museumskomplex besteht seit 1980 mit dem Mausoleum Titos, das sogenannte Haus Kuča cveča, das der Erinnerung an den Präsidenten und kommunistischen Machthaber sowie Kriegshelden gewidmet ist. Da ein nicht unerheblicher Teil der verbotenen Stadt aber bis 2002 in Teilen noch von Slobodan Milošević bewohnt war und von einer hohen Betonmauer, dem Beogradski zid, von dem Memorialkomplex der Kuča cveča getrennt war, konnte man erst Ende 2008 den ganzen Komplex an das Memorialmuseum 25. Mai anschließen.[140] Damit gehören auch die ehemalige Residenz Titos und Miloševićs, die Villa in der Užička ulica 11, die während der Nato-Bombardierung Ziel eines Angriffes war und heute als einziges Objekt in einem schlechten Zustand ist, das Jagdhaus sowie die legendäre ovale Geheimresidenz Miloševićs, die Villa Mir,[141] in der die Verhandlungen mit Milošević zu seiner Übergabe an das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag geführt wurden,[142] zum Museum.[143]

Im Stadtbezirk Savski Venac befindet sich das Serbische Eisenbahnmuseum mit rund 4.000 Ausstellungsstücken.

Mit 95.000 Kopien von einheimischen und internationalen Filmen ist das Jugoslawische Filmarchiv das größte der Region und befindet sich unter den 10 größten weltweit.[144]

Ess- und Trinkkultur[Bearbeiten]

Die traditionelle Belgrader Küche ist geprägt von den Einflüssen der türkischen, österreichisch-ungarischen und allgemein der Balkan-Küche. Bedingt durch die Lage der Stadt nahe der Grenze zu Ungarn sowie durch osmanische und balkanische Einflüsse finden sich Speisen verschiedener Länder. So stammen Fleischgerichte aus türkischer und ungarischer Küche, Mehlspeisen kamen aus Österreich oder der böhmischen Küche (z. B. Palatschinken serb. palačinke). Zum Essen wird insbesondere in den Restaurants des Bohèmeviertels Skardarlija die Starogradska muzika gespielt.

Belgrad bietet eine Anzahl großer traditioneller Bauernmärkte, deren bekanntester der Zeleni venac ist.

Zum Stadtbild Belgrads gehören in belebten Gegenden Grillimbisse mit verschiedenen Grillfleischsorten und gegrilltem Gemüse.

Belgrader Kafana

Eine weitere Besonderheit der Belgrader Kultur stellt die Kafana, das Belgrader Kaffeehaus, dar. Hier wird neben dem typischen Turska kafa (entspricht einem Mokka) eine Vielzahl anderer Kaffeespezialitäten sowie Grillgerichte wie die Ćevapčići (oft mit Ajvar und einem Fladenbrot) serviert. Dazu reicht man gern Obstbrände – Rakija –, insbesondere Slivovic und verschiedene Süßspeisen. In den zahlreichen auf Süßspeisen spezialisierten Poslastičarnica findet sich auch die bekannte Belgrader Mandeltorte (Beogradska torta od badema), wie beispielsweise im prachtvoll dekorierten Kaffeehaus Ruski Car, das aus dem Jahre 1890 stammt.

Rakiakultur

Belgrad liegt inmitten eines bedeutenden Obstanbaugebietes, der Šumadija. Da Serbien zudem weltweit zweitgrößter Pflaumen-Produzent ist, aus denen die traditionelle Šlivovica gebrannt wird, verwundert es nicht, dass dieses typische Nationalgetränk bei vielerlei Anlässen angeboten wird.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Belgrad ist Veranstaltungsort vieler jährlicher kultureller Großveranstaltungen. Dazu gehören das Belgrader Filmfest FEST und das Belgrader Theater- und Tanzfest BITEF (Belgrade International Theatre Festival, Belgrader Theaterfestspiele), eines der ältesten Theaterfestivals, das seit den 1970er-Jahren zu den wichtigsten Theaterfestivals in Europa zählt. Weiterhin zu nennen sind das Belgrader Sommerfest BELEF, das Belgrader Musikfest BEMUS, der Oktobersalon und die Internationale Belgrader Buchmesse.[145]

Zahlreiche in Belgrad ansässige ausländische Kulturorganisationen führen Theater- oder Kinovorstellungen und Konzerte durch. Zu diesen Organisationen gehören das Instituto Cervantes, das Goethe-Institut und das Centre Culturel Français, die alle in der Ulica Knez Mihailova liegen. Andere Kultureinrichtungen sind der American Corner, das Österreichische Kulturforum, der British Council und das Russische Zentrum für Wissenschaft und Kultur (Российский центр науки и культуры), das Confucius Institute, das Canadian Cultural Center, das Istituto Italiano di Cultura und das Culture Center of the Islamic Republic of Iran.

Die von zahlreichen Veranstaltungen begleiteten Tage Belgrads finden jedes Jahr am 16. und am 19. April statt. Sie gehen auf die zwei Daten der ersten urkundlichen Nennung, den 16. April 878 im Brief des Papstes Johannes VIII. an den bulgarischen Fürsten Boris und den 19. April 1867 zurück, als der letzte osmanische Kommandant der Festung von Belgrad, Ali Risa Pascha, Fürst Mihailo Obrenović die Schlüssel der Stadt übergab.

Seit 1996 findet zweimal jährlich die Modemesse Belgrade Fashion Week (Beogradska nedelja mode) statt. Mit einer zunehmenden internationalen Beteiligung soll die Stellung Belgrads als Modezentrum in Südosteuropa gefestigt werden.[146]

Freizeit[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Belgrad war im Laufe seiner Geschichte immer wieder Austragungsort von Welt- und Europameisterschaften und anderen internationalen Wettkämpfen, wie der ersten Schwimmweltmeisterschaft des Jahres 1973 oder der 34. Basketball-Europameisterschaft im Jahre 2005. Die Stadt besitzt mehr als 1000 Sportobjekte, unter ihnen 8 Stadien, 16 Sportzentren, 6 Schwimmhallen, 6 Sporthallen, eine Pferderennbahn, einen Golf Club u. a.

Im Amateurboxen wurden in Belgrad der Weltcup von 1987, die Weltmeisterschaften 1978, die Europameisterschaften der Jahre 1961 und 1973 sowie die Balkan-Meisterschaften von 1966 ausgetragen.

Im Profiboxen war Belgrad am 10. Juli 1976 Austragungsort des Europameisterschaftskampfes der EBU im Halbschwergewicht zwischen Domenico Adinolfi und Mate Parlov, den Parlov durch K.o. in der elften Runde gewann. Am 17. Juni 1978 wurde hier zudem der Weltmeisterschaftskampf der WBC im Halbschwergewicht zwischen Mate Parlov und John Conteh ausgetragen, den Parlov nach Punkten gewann.

Die größten Sportstätten der Hauptstadt sind:

Mit dem Roter-Stern-Stadion entstand eines der modernsten Stadien im sozialistischen Jugoslawien. Eingeweiht wurde es am 1. September 1963 mit dem Fußball-Ligaspiel Roter Stern Belgrad gegen HNK Rijeka (2:1). Neben den Heimspielen des Clubs Roter Stern Belgrad finden hier immer wieder auch Länderspiele der serbischen Nationalmannschaft sowie vereinzelte Europapokal-Spiele diverser Belgrader Clubs statt.

Die Ada Ciganlija ist eine ehemalige Insel an der Save und ist heute das größte Belgrader Sport- und Freizeitobjekt. Nach seiner Verbindung mit dem Ufer wurde ein See geschaffen. Sie ist eine der beliebtesten Ziele für die Belgrader während des heißen Sommers. Die Ada verfügt über 7 km Strand und Objekte für verschiedene Sportarten.[147]

Vom 1. Juli bis zum 12. Juli 2009 war Belgrad Gastgeber der 25. Sommer-Universiade. Für die Unterbringung der Sportler wurde die Universitätssiedlung Belville mit 14 Apartmenthäusern und 120.000 m² Wohnfläche gebaut.

Die bekanntesten Fußballvereine der Stadt sind Roter Stern und Partizan Belgrad. Aber auch OFK Belgrad, einer der ältesten Vereine Serbiens, Rad und der FK Zemun zählen zu den bedeutenderen.

Nachtleben[Bearbeiten]

Das alte Bohèmeviertel Skadarlija

Sehenswerte Clubs befinden sich in schwimmenden Booten am Ufer der Save und der Donau.[148][149][150] Seinen Ruf als Stadt mit pulsierendem Nachtleben bewahrt sich Belgrad bis heute.[151]

Die Stadt ist häufig Wochenendziel für zahlreiche Touristen aus benachbarten Ländern, insbesondere aus dem ehemaligen Jugoslawien, durch das große Angebot an Clubs, Bars und Restaurants.[152][153] Auch international besitzt das pulsierende Nachtleben Belgrads den Ruf einer führenden europäischen Partystadt.[151][154]

Clubs wie das Akademija und KST (Klub studenata tehnike) befinden sich im Keller der Universität Belgrad und sind deshalb bei Studenten beliebt. Einer der bekannten Plätze für kulturelle Ereignisse ist das SKC (Student Cultural Centre) gegenüber dem Wahrzeichen Beograđanka. Viele nationale und internationale Stars treten im SKC auf.

Die Skadar-Straße ist mit ihren zahlreichen Cafés und Restaurants (serb. Kafana genannt) bekannt. Viele dieser Gastronomiebetriebe stammen aus dem späten 19. sowie frühen 20. Jahrhundert und haben durch ihre lange Geschichte einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Eine der ältesten Kafanas ist das Znak pitanja. Am Ende der Straße befindet sich die älteste Belgrader Brauerei, welche im 19. Jahrhundert gegründet wurde.

Belgrader Parks, Naherholungsgebiete und Auenlandschaften[Bearbeiten]

Im Mali Kalemegdan steht die zum Amselfeldzyklus gehörende Bronze Meštrovićs Anđeo smrti (deutsch Engel des Todes). Die Großplastik wurde erstmals 1911 auf der Weltausstellung in Rom ausgestellt.
Konak von Miloš Obrenović in Topčider
Park 25. Maj umfasst den Museumskomplex der Geschichte Jugoslawiens
Von August von Mackensen beauftragtes Denkmal für die 1915 in Serbien gefallenen deutschen Soldaten, Košutnjak

In Belgrad sind – abgesehen von natürlichen Wald- und Grünflächen – insgesamt 65 Parks mit einer Gesamtfläche von 362 ha ausgewiesen.[155]

Der bedeutsamste Park Belgrads ist der Kalemegdan. Im ehemaligen Glacis der Belgrader Festung sind heute unter anderem der 7 ha große Zoo, das Militärhistorische Museum von Belgrad, das Serbische Naturkundemuseum, die Galerie Cvijeta Zuzorić sowie die Bronzestatuen von Simon Roksandić (Borba, Kampf des Fischers mit der Schlange, 1906) und Ivan Meštrović (Pobednik, 1928, Merci à la France, 1934, Anđeo smrti, 1911) zu finden.

Gegenüber der Skupština liegt der Pionirski Park, der ursprünglich Bestandteil des Alten Schlosses war. Hier steht auch das Neue Schloss, der heutige Regierungssitz des Präsidenten Serbiens, sowie als Erinnerung an den Durchbruch der Entente an der Saloniki-Front und der Befreiung im Ersten Weltkrieg der Beobachtungsturm des serbischen Generalstabs vom Kajmakčalan. Zwischen Pionirski Park und der Straße Kralja Milana führt der Andrićev venac, der mit einer Bronze an den Schriftsteller Ivo Andrić erinnert.

Der 10,9 ha große Tašmajdan wurde in einem einstigen Steinbruch angelegt. Darin finden sich auch etliche Kavernen sowie ehemalige Militärschanzen. Der Park teilt sich in den Kleinen und Großen Tašmajdan. Im Großen Tašmajdan steht die Kirche Sv. Marko sowie eine russisch–orthodoxe Kirche.

Anstelle des aufgelösten türkischen Friedhofs, gegenüber der heutigen Universität Belgrads, wurde 1869 der erste Park Belgrads eingerichtet. Heute heißt er Akademski (Univerzitetski) Park. Von 1827 bis 1927 fand sich noch auf einer Seite des türkischen Friedhofs auch der zentrale offene Markt der Stadt.

Der Botanische Garten Jevremovac im Stadtteil Stari Grad gilt als einer der ältesten botanischen Gärten der Balkanhalbinsel. Im Jahr 1874 ursprünglich in Dorčol eingerichtet, stellte König Milan I. Obrenović 1889 4,5 ha seiner Obstgärten zur Verfügung mit der Auflage, den botanischen Garten nach seinem Großvater Jevrem zu benennen.

Um die Sava-Kathedrale und die Nationalbibliothek Serbiens liegt der Park des Heiligen Sava, dem sich der 2,86  ha große Karađorđev Park anschließt, in dem 1806 das Lager der serbischen Freiheitskämpfer unter Karađorđe beim Sturm auf die Festung lag.

Mit 211 ha sind die Veliko ratno ostrovo und mit 800 ha die Ada ciganlija sowie die waldreichen Košutnjak (330  ha) und Topčider-Hügel (111  ha) die größten Grünanlagen der Stadt. Oberhalb der Topčiderska reka auf dem Topčider liegen der Beli dvor der Karađorđević-Dynastie und das Königliche Schloss, die zwischen 1945 und 2000 auch als repräsentative Residenzen der sozialistischen Regierungen Jugoslawiens genutzt wurden. Im Tal der Topčiderska reka im heutigen Topčider-Park steht der in altbalkanischer Manier erbaute Milošev konak, die ehemalige Residenz Fürst Miloš Obrenović.

Der Erinnerung der jugoslawischen Geschichte widmet sich der Park 25. Maj, der aus der Residenz sowie der Begräbnisstätte (Kuča cveča) Josip Broz Titos besteht, dem heutigen Komplex des Museums der Geschichte Jugoslawiens. Zum Geburts- und Todestag Titos (4. Mai und 25. Mai) versammeln sich hier noch immer zahlreiche Anhänger des ehemaligen kommunistischen Partisanenführers und langjährigen Präsidenten Jugoslawiens.

In Novi Beograd bestehen an den Ufern von Save und Donau mehrere große Grünflächen. Im Mündungswinkel der Flüsse liegt der 14 ha große Park prijateljstva, der anlässlich der Ersten Konferenz der Blockfreien Bewegung 1961 eingerichtet wurde. In der Allee des Friedens wurden die Tafeln zahlreicher bedeutender Staatschefs, die symbolisch hier einen Baum pflanzten, aufgestellt. Neben dem Museum für Moderne Kunst findet sich auch das Denkmal der ewigen Flamme als Erinnerung an die Nato Bombardierung von 1999.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Belgrad unterhält Städtepartnerschaften mit folgenden Städten:[156]

Eine Zusammenarbeit und Freundschaft pflegt Belgrad mit:

Wappen[Bearbeiten]

Das kleine Wappen

Die erste Erwähnung des Belgrader Wappens datiert von 1403, als Belgrad zum ersten Mal Hauptstadt des serbischen Despotats wurde. Das Belgrader Wappen von 1555 unter Ungarn trägt den Namen Fuggerspiegel der Ehre. Mit der österreichischen Eroberung Belgrads im 18. Jahrhundert wurde die unter den Osmanen eingestellte Wappen-Tradition wiederbelebt und 1725 auf Vorschlag des kaiserlichen Gouverneurs Alexander von Württemberg ein neues Wappen gezeichnet.

Erst 1931 regte Belgrads Bürgermeister Milan Nešić die Neugestaltung des heutigen Belgrader Wappens an, für das ein Gremium aus Künstlern, Heraldikern, Historiker, Generälen und Staatsräten gebildet wurde. Das Wappen sollte in seiner Darstellung:

  1. die Form eines Schildes, der nach unten in einer sanften Spitze endet,
  2. die Landesfarben, die Flüsse, eine römische Triere und einen Befestigungswall mit Turm und offenem Tor,
  3. sowie farblich den Boden als Zeichen des häufigen kriegerischen Leids rot, die Flüsse und Mauern als Zeichen der „weißen Stadt“ weiß und den Himmel als Symbol der Hoffnung und des Glaubens an eine bessere Zukunft blau zeigen.

Die Ausschreibung gewann der Entwurf Ðorđe Andrejević-Kuns, der in der „Belgrader Allgemeinen Zeitung“ veröffentlicht wurde.

Stadtfest[Bearbeiten]

Bronzerelief Charta von Belgrad, Bahnhof Vukov spomenik

Das Stadtfest beruht auf der Charta von Stefan Lazarevićs, der nach der glücklichen Rückkehr vom Schlachtfeld bei Ankara von König Sigismund 1403 Belgrad erhielt und in der neuen Residenzstadt seines Despotats den Himmelfahrtstag als Tag des Schutzpatronenfestes bestimmte.[157][158] Mit der Übertragung zur Hauptstadt wählte er in der Povelja grada Beograda (dt. Charta von Belgrad) die Gottesgebärerin als Schutzherrin der Stadt.

„Vom Amselfeld (Kosovo) den Ismailern (Osmanen) Gefangener, bis der Zar der Perser und Tartaren ankommend diese niederschmetterte und mich mit göttlicher Milde aus ihrem Griff frei ließ. Von dort, also, kommend, fand ich bei meiner Rückkehr den berückendsten Platz, wo jeher die große Stadt Beligrad stand und ich sie jetzt zerstört und verlassen fand. Ich entschied sie neu aufzubauen und der Mutter Gottes zu weihen und ihren Bewohnern Freiheit zu schenken.“

Stefan Lazarević: Charta von Belgrad (Povelja grada Beograda), 1405, erhalten in der Vita des Despoten von Konstantin Philosoph[157][159]

Die ursprüngliche Ikone der Muttergottes als Beschützung der Stadt hing im 15. Jh. über dem Tor des Despoten in der Festung von Belgrad. Gerade an diesem Tor fand am 22. Juli 1456 auch die entscheidende Schlacht zwischen den Ungarn unter Johann Hunyadi und den Osmanen unter Mehmed II. bei der ersten Türkenbelagerung der Stadt statt.

Diverses[Bearbeiten]

Kaum eine Stadt des europäischen Kontinents kann sich aufgrund ihrer wechselvollen Geschichte so vieler Namen in unterschiedlichen Sprachen rühmen wie Belgrad. Vom keltischen und römischen Singidunum über das byzantinische Singidon hieß die strategisch wichtige Festung und Siedlung bis ins 19. Jahrhundert auch Alba Graeca (lateinischer Name). Dieser Name deutet auf die Zeit der byzantinischen (graeca – griechischen) Vormachtstellung in dieser Region. In byzantinischen Quellen wurde die Stadt als Veligradon bezeichnet – eine leichte Abwandlung von Belgrad.[14] Auch wurde die Stadt als Alba Bulgarica (Name der Stadt durch den Einfall der Protobulgaren), Bello grado (italienisch), Nándorfehérvár und Landorfehérvár (während der Herrschaft der Ungarn im Mittelalter) oder Griechisch Weißenburg, wie man sie damals im 19. Jahrhundert im Deutschen Reich kannte. Während der Herrschaft der Osmanen wurden Belgrad auch die Beinamen wie Dar Ul Jihad, was so viel bedeutete wie Haus des Krieges, Haus der Freiheit sowie Hügel des Kampfes und Ruhmes verliehen. Als Beograd, die weiße Stadt, tauchte die serbische Metropole erstmals bereits im Jahr 878 in einem Brief des Papstes Johannes VIII. an den bulgarischen Fürsten Boris I. als episcopus Belogradensis auf. Der Name geht wahrscheinlich auf die helle Farbe des Kalksteins, der für den Bau der Befestigung genutzt wurde, zurück, während der awarische Name historisch verloren ging.[160]

Drei Schiffe der jugoslawischen Marine wurden als Belgrad-Klasse bezeichnet.

Orden der Ehrenlegion

Die Stadt Belgrad erhielt im Laufe der Geschichte folgende Auszeichnungen:

Die vier genannten Orden befinden sich zudem auf dem Großwappen Belgrads abgebildet zusammen mit dem Wappen Belgrads.

  • 2006 wurde die Stadt vom renommierten fDi Magazine (Herausgeber: Financial Times) als „Stadt der Zukunft Südeuropas“ ausgezeichnet.[161][162][163]

Literatur[Bearbeiten]

  • Branislav Dimitrijević: Sozialistischer Konsumismus, Verwestlichung und kulturelle Reproduktion. Der „postkommunistische“ Übergang im Jugoslawien Titos, in: In: Zurück aus der Zukunft. Osteuropäische Kulturen im Zeitalter des Postkommunismus. Hg. von Boris Groys et Aleja Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2006, S. 195–277, S. 221, ISBN 3-518-12452-8 (Zur Bedeutung der ersten Konferenz der Bewegung der Blockfreien Staaten 1961 für die Belgrader Kultur.)
  • Holm Sundhaussen: Geschichte Serbiens: 19.–21. Jahrhundert. Böhlau, Wien 2007, ISBN 978-3-205-77660-4.
  • Adolph Stiller (Hrsg.): Belgrad. Momente der Architektur. Architektur im Ringturm XXV. Müry Salzmann Verlag, Salzburg 2011, ISBN 978-3-9901404-9-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Belgrad – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Belgrad – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Belgrad – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://pod2.stat.gov.rs/ObjavljenePublikacije/Popis2011/Starost%20i%20pol-Age%20and%20sex.pdf
  2. a b Beograd u brojkama
  3. Ekološki Atlas Beograda - Ekološka Karta Područja JP
  4. Ekološki Atlas Beograda - Hidrogeološka Karta Područja JP
  5. src
  6. Verwaltungsgliederung der Stadt Belgrad. Stadt Belgrad. Abgerufen am 16. Dezember 2010.
  7. a b Republički Hidrometeorološki Zavod Srbije - Srednje Mesečne, Godišnje i ekstremne vrednosti 1961-1990
  8. Wolfgang Weischet & Willfried Endlicher: Regionale Klimatologie. Teil 1: Die Neue Welt: Amerika, Neuseeland, Australien.(1996)
  9. http://www.hidmet.sr.gov.yu/ciril/meteorologija/stanica_sr.php?moss_id=274
  10. Geschichte Belgrads
  11. Die byzantinische Periode, Offizielle Seite der Stadt Belgrad
  12. vgl. Michael Witby: The Emperor Maurice and his Historian – Theophylact Simocatta on Persian and Balkan Warfare. Oxford 1988., Seite 187
  13. Paul Stephenson: Byzantium's Balkan frontier: a political study of the Northern Balkans, 900-1204. Cambridge University Press, 2008.
  14. a b Erläuterung zur lateinischen Bezeichnung
  15. Homepage der Stadt Belgrad, Byzanz Byzanz
  16. New York Times, 21. Januar 1916 Kaiser at Belgrade - First German Emperor in Belgrade since Barbarossa
  17. a b Serbisches Archiv
  18. Screenshot Politik illustriert (serbisch) (Version vom 25. Februar 2008 im Internet Archive)
  19. Regierung Serbiens, 600 Jahre serbische Residenz ŠEST VEKOVA SRPSKE PRESTONICE
  20. Stadt Belgrad – Belgrader Festung
  21. Projekt Rastko, Sveta loza kneza Lazara [1]
  22. Османско-мађарски ратови: Опсада Београда 1456, Том Р. Ковач (-{Historynet.com}-)
  23. Tom R. Kovach: Ottoman-Hungarian Wars: Siege of Belgrade in 1456. Military History magazine. Abgerufen am 10. Juli 2007.
  24. St. John Capistran auf „The Roman Breviary“
  25. Illustration von Johan Sibmacher von 1665: Conterfactur Der Stadt Und Vöstung Griechisch Weissenburg Vom Turcken Eingenommen, Anno 1521 (Digitalisat)
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