Domus (Zeitschrift)

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Domus ist ein italienisches Architekturmagazin. Es erschien erstmals 1928 als eines der ersten Magazine dieser Art.

Domus
Beschreibung Architekturmagazin
Erstausgabe 15. Januar 1928
Erscheinungsweise monatlich
Chefredakteur Flavio Albanese
Herausgeber Stefano Boeri
Weblink Internetaufritt von Domus (englisch)

Geschichte[Bearbeiten]

Gegründet durch Initiative von Gio Ponti, der während der gesamten Domusperiode eine wichtige Rolle für das Magazin spielt, und damals herausgebracht von dem Verleger Gianni Mazzocchi, kam das Domus Magazin zum ersten Mal am 15. Januar 1928 heraus. Der Untertitel der ersten Zeitschrift war „Architettura e arredamento abitazione moderna in città e in Campagna“, was soviel bedeutet wie: „Architektur und Innenarchitektur für moderne Wohnungen in der Stadt und auf dem Land einrichten“: Es war die erste Veröffentlichung überhaupt, die mit dem klaren Ziel, Architektur, Raumgestaltung und italienische dekorative Künste zu erneuern, spielte. Sie behandelte auch Themen für weibliche Leser wie Haushandwerke, Gartenarbeit und Kochen.

Bis 1940 blieb Gio Ponti Herausgeber von Domus. Im Juli 1941 wurde die Redakteurstelle Massimo Bontempelli, Giuseppe Pagano und Melchiorre Bega übertragen und von Pagano später im Oktober 1942 komplett übernommen. Genau ein Jahr später wurde Bega der alleinige Herausgeber. Die Kriegsjahre bewirkten wieder Änderungen der Chefredakteurstelle und führten zu der Entscheidung, die Zeitschrift Bergamo anzuvertrauen, was sich allerdings als Fehler herausstellte. Noch bis 1944 erscheint Domus monatlich, aber schon 1945 wurde die Publikation vollständig eingestellt. Nach diesem schweren Imageschaden brauchte das italienische Magazin ein neues Gesicht, welches es unter der Leitung von Ernesto N. Rogers bekam. So wurde im Jahre 1946 die Arbeit wieder aufgenommen, die erste Ausgabe zu dieser Zeit war die Nummer 205. Diese waren die Jahre der Innovation. Die Zeitschrift führte zu neuen kulturellen Stimmungen, nicht nur durch ein geändertes graphisches Format. 1948 kehrte Gio Ponti als Herausgeber der Zeitschrift zurück, die nun zweimal im Monat erschien. Aber schon 3 Jahre später kehrte Domus zu seinen Anfangswurzeln zurück und erschien nur noch einmal im Monat, was sich bis heute nicht mehr geändert hat.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Die 1950er- und 1960er-Jahre waren geprägt durch eine große Vielfalt an neuen Errungenschaften in der Architektur, in der Kunst und im Design. Domus registrierte und förderte diese neuen Tendenzen und Trends in der Architektur, schenkte aber auch noch den „echten künstlerischen Werten“ Aufmerksamkeit. Dadurch wurde die Zeitschrift ein einflussreicher Orientierungspunkt in der internationalen Debatte welche Stilrichtung denn nun richtig sei.

1968 feierte Domus mit der Ausgabe Nr. 459 seinen 40. Jahrestag und erreichte im Juli 1971 seine 500. Ausgabe. Im Juli 1976 wurde Gio Ponti als Herausgeber von Cesare Casati abgelöst. Ponti wurde Redakteur. In dieser neuen Periode wurde die Zeitschrift durch Übersetzungen auf Englisch und Französisch international berühmt, bevor sie kurz darauf ihre gegenwärtige zweisprachige Form von Italienisch und Englisch annahm. Im Dezember 1978 feierte Domus seinen 50. Jahrestag mit einer großen Ausstellung am „Palazzo delle Stelline“ in Mailand.

Nach dem Tod von Gio Ponti wurde im Juli 1979 die Redakteurstelle an Alessandro Mendini übergeben. Das graphische Design wurde Aufgabe von Ettore Sottsass. 1985 wurde Domus auf Probe von Lisa Licitra Ponti, Gio Pontis Tochter übernommen. Mario Bellini wurde neuer Redakteur und vertraute das neue graphische Design Italo Lupi an. Die Zeitschrift etablierte sich weiter im internationalen Raum. Von 1988 bis 1990 wurden sogar sechs Ausgaben mit einer russischen Übersetzung veröffentlicht. Seit 1989 wird eine chinesische Ausgabe veröffentlicht.

Im Januar 1992 übernahm Vittorio Magnago Lampugnani die Redakteurstelle und vertraute das graphische Design Alan Fletcher im Januar 1994 an. Die komplette Zeitschrift war an diesem Punkt zweisprachig und wurde in vielen Ländern um die Welt verkauft. Vom Februar 1996 bis Juli 2000 wurde Domus vom Schweizer François Burkhardt editiert. Zum ersten Mal in der Geschichte von Domus führte ein nichtitalienischer Redakteur eine internationale Redaktion.

Um den 70. Jahrestag von Domus zu feiern, schrieb Bob Wilson das Stück „70 Engel über die Fassade“, der am Nuovo Piccolo Teatro in Mailand präsentiert wurde. Deyan Sudjic übernahm die Chefredaktion von Domus im September 2000. Das neue grafische Design der Zeitschrift, durch Simon Esterson, antwortet auf ein Bedürfnis nach Einfachheit und Klarheit. Die Herausgeberstruktur besteht aus drei Makroabteilungen und erlaubt mehr Raum für Meinungen, Ansichten und Kritik. Deyan Sudjics Hauptzielsetzung war es, den Leserkreis mittels klarer Texte und Designs, sowie der Einführung von neuen Themen wie Autodesign und Mode zu verbreitern, ohne das Traditionelle zu verändern.

Aktuelle Ereignisse[Bearbeiten]

Seit Januar 2004 ist der Architekt Stefano Boeri der neue Herausgeber von Domus. Er hat das Magazin Domus seit seinem Antritt als Chefredakteur radikal verändert und ist von einer Objektdarstellung abgewichen. Schon das erste Cover (Januar 2004) verdeutlichte dies mit einem Foto des Triennale-Aufruhrs 1968, der zur Schließung bzw. Zerstörung der Ausstellung „Large Numbers“ geführt hat. Mit der Wahl dieses Fotos will Boeri an die Tradition von Architektur in Verbindung mit Gesellschaft und Politik anknüpfen.

Seine vielfältigen Forschungsprojekte und sein Interesse für Architektur im täglichen Leben sowie für die Probleme zeitgenössischer Planung führen klar zu interessanten neuen Fragestellungen in der Zeitschrift. Zusätzlich zur Architektur und dem Industriedesign, den verschiedenen Disziplinen wie Kunst, Kino, Anthropologie, Fotografie, wird Philosophie auch thematisiert. Wie der Verlag bekannt gab, soll ab April 2010 erneut Alessandro Mendini für elf Ausgaben Chefredakteur von Domus sein.

Komplett zweisprachig auf Italienisch und Englisch, wird Domus 52.800 mal im Monat gedruckt und wird in 88 Ländern vertrieben.

Leserschaft[Bearbeiten]

Die meisten der Kernleser haben einen Universitätsabschluss (78.8 %) oder einen allgemeinen Abschluss (19.2 %). Nach Berufsgruppen aufgeschlüsselt, ergibt sich folgendes Bild: Architekten (45.7 %), Ingenieure und Fachleute des Baugewerbes (15.4 %) Innenarchitekten (14.8 %), Designer (9.7 %), Professoren und Studenten (9.6 %), Firmeninhaber und Manager (4,8 %).

Auflage[Bearbeiten]

  • Druckauflage (national + international) 61.300
  • Verbreitete Auflage (national + international) 52.300

Marktsituation von Architektur-Zeitschriften[Bearbeiten]

Im Jahre 2003 musste der Markt von Architektur-Zeitschriften Einbußen von 4,5 % im Vergleich mit dem vorherigen Jahr hinnehmen. Der Marktanteil von Domus hat im selben Zeitraum nur 2,3 % Punkte verloren. Dieser Umstand kam zustande, da der durchschnittliche Verkauf von Domus hauptsächlich aus Abonnements und der Auslandsauflage stammt.

Literatur[Bearbeiten]

Kasiske, Michael, Der absolute Wille zur Avantgarde und Eleganz. In: Welt am Sonntag, No. 44, 29. November 2006, S. 80/81