Don Camillo und Peppone

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Vor dem Rathaus von Brescello grüßt Peppone

Don Camillo und Peppone sind die Hauptfiguren vieler Erzählungen und mehrerer Romane von Giovannino Guareschi. Sie skizzieren das ländliche Italien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die frühen 1960er Jahre – den Zwiespalt zwischen tradierten Werten, gesellschaftlicher Aufbruchstimmung und politischer Rivalität im Klima des Kalten Krieges.

Handlung[Bearbeiten]

Die Figur des Don Camillo Tarocci ist vermutlich Don Camillo Valota nachempfunden, einem katholischen Priester, Partisanen und Gefangenen der Konzentrationslager Dachau und Mauthausen.[1][2] Er ist ein schlagkräftiger und schlitzohriger Priester in einem fiktiven, Boscaccio genannten Dorf (in den Filmen sieht man die Kulisse von Brescello) in der Poebene in Norditalien, der in ständigem Konflikt mit dem kommunistischen (und ebenfalls schlagkräftigen) Bürgermeister Giuseppe Bottazzi, genannt Peppone, liegt. Beide sind durch ihre gemeinsame Vergangenheit als Partisanen verbunden, konkurrieren um die Lösung der sozialen Fragen ihrer Zeit, setzen dazu aber unterschiedliche Mittel ein und müssen am Ende ihrer Auseinandersetzungen erkennen, dass sie einander näher sind, als sie es wahrhaben wollen.

Guareschi bildete zum Teil selbst das Vorbild für seine beiden Protagonisten, äußerlich entsprach er eher Peppone, seine innere Überzeugung hingegen spiegelte sich aber eher in Don Camillo wider. Seine Erzählungen verstehen sich wohl auch als moralischer Appell an die politischen Lager, den Wiederaufbau nach der Überwindung der faschistischen Mussolini-Diktatur gemeinsam zu gestalten. Dass die Geschichten nicht zur rührseligen Propaganda abgleiten, bewältigt er durch einen Kunstgriff: Eine wichtige Rolle spielt das Kruzifix in der Dorfkirche. Wann immer Don Camillo einen Punktsieg gegen seinen Widerpart erreicht hat, spricht Jesus zu ihm und kritisiert ihn nötigenfalls.

Die Geschichten um Don Camillo und Peppone erschienen erstmals zu Weihnachten 1946 im Satiremagazin Bertoldo, dessen Chefredakteur Guareschi war. Der große Erfolg der ersten Erzählung brachte den Verleger Angelo Rizzoli dazu, ihr in Serie weitere folgen zu lassen und sie ab 1948 gesammelt als Bücher zu veröffentlichen.

Die große internationale Beliebtheit seiner Figuren unterstreicht eine Anekdote, die Guareschi im Vorwort zu Don Camillo und seine Herde erzählt: Nach dem großen Po-Hochwasser von 1951 habe er aus dem Ausland Pakete mit Decken und Kleidern „für Don Camillos und Peppones Leute“ bekommen.

Bücher[Bearbeiten]

Einige der erschienenen Bücher waren:

  • Don Camillo und Peppone (1948, Originaltitel „Mondo piccolo: Don Camillo“)
  • Don Camillo und seine Herde (1953, Originaltitel „Don Camillo e il suo gregge“)
  • Genosse Don Camillo (1963, Originaltitel „Mondo piccolo: Il compagno Don Camillo“)
  • Don Camillo und die Rothaarige (postum hrsg. 1969, Originaltitel „Don Camillo e i giovani d’oggi“)
  • ...und da sagte Don Camillo... (postum 1980, Originaltitel „Gente così/Mondo piccolo“)
  • ...aber Don Camillo gibt nicht auf... (postum 1981, Originaltitel: „Lo spumarino pallido: Mondo piccolo“)
  • ...und Don Camillo mittendrin... (postum 1982/1983, Originaltitel „Il decimo clandestino/Noi del Boscaccio“)
  • Grazie, Don Camillo (postum 1985, Originaltitel: „L'anno di Don Camillo“)
  • Ciao, Don Camillo (postum 1996, Originaltitel: „Ciao, Don Camillo“)

Filme[Bearbeiten]

Kirche von Brescello
Don-Camillo-und-Peppone-Museum
Innenstadt von Brescello
Peppones Moto Guzzi

Die bekanntesten Verfilmungen der Geschichten entstanden zwischen 1952 und 1965 mit Fernandel als Don Camillo und Gino Cervi als Peppone. Gedreht wurden die Filme im italienischen Brescello, einem Ort in der Poebene in der Emilia-Romagna. Noch heute erinnert das 1989 eingeweihte Museum Peppone e Don Camillo an die Filmarbeiten.

Es wurden insgesamt sechs vollständige Filme in Brescello gedreht – aber nur die ersten fünf mit Fernandel und Gino Cervi. Fernandel verstarb 1971 während der Dreharbeiten zum sechsten Film (Don Camillo und das rothaarige Mädchen), der unvollendet und unaufgeführt blieb. Der spätere Film von 1972 ist ein komplettes Remake mit anderen Darstellern.

Jahr Filmtitel Regie Spielzeit
1952 Don Camillo und Peppone
ital.: Don Camillo
franz.: Le petit monde de Don Camillo
engl.: The little world of Don Camillo
Julien Duvivier 107 min
1953 Don Camillos Rückkehr
ital.: Il ritorno di Don Camillo
franz.: Le retour de Don Camillo
engl.: The return of Don Camillo
Julien Duvivier 100 min
1955 Die große Schlacht des Don Camillo
ital.: Don Camillo e l'onorevole Peppone
franz.: La grande bagarre de Don Camillo
engl.: Don Camillo's last round
Carmine Gallone 97 min
1961 Hochwürden Don Camillo
ital.: Don Camillo Monsignore…ma non troppo
franz.: Don Camillo…Monseigneur!
engl.: Don Camillo: Monsignor!
Carmine Gallone 115 min
1965 Genosse Don Camillo
ital.: Il compagno Don Camillo
franz.: Don Camillo en Russie
engl.: Don Camillo in Moscow
Luigi Comencini 95 min
1971 Don Camillo und das rothaarige Mädchen
ital.: Don Camillo e i giovani d'oggi
franz.: Don Camillo et les contestataires
Christian Jaque unvollendet
1972 Don Camillo und das rothaarige Mädchen
ital.: Don Camillo e i giovani d'oggi
franz.: Don Camillo et les contestataires
Mario Camerini 111 min
1983 Keiner haut wie Don Camillo
ital.: Don Camillo
Terence Hill 126 min

Die Filmmusik zu den ersten fünf Don-Camillo-Filmen komponierte Alessandro Cicognini.

Bearbeitungen für die Bühne[Bearbeiten]

  • Gerold Theobalt: Don Camillo und Peppone. Komödie. Ahn & Simrock, München 1999 (frei nach dem Roman Don Camillo und Peppone).
  • Riccardo F. Esposito: Don Camillo e Peppone. Cronache cinematografiche dalla Bassa Padana 1951-1965, Le Mani - Microart's, Recco (Genua, Ligurien, Italien), 2008.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reiner Boller: Don Camillo und Peppone. Die Filme mit Fernandel und Gino Cervi (1952-1970). Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2014, ISBN 978-3-86265-363-8. (Mit zahlreichen Fotos)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

 Commons: Don Camillo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Mauthausen Komitee Österreich
  2. Morto a Bormio don Camillo Il suo nome ispiro' Guareschi Corriere della Sera, 5. November 1998