Mario Adorf

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Mario Adorf bei der Berlinale 2011

Mario Adorf (* 8. September 1930 in Zürich) ist ein deutscher Schauspieler mit – väterlicherseits – italienischen Wurzeln. Er gehört zu den profiliertesten zeitgenössischen Darstellern auf der Bühne, im Kino und im Fernsehen. Daneben betätigt sich Adorf als Autor amüsanter Geschichten.

Leben[Bearbeiten]

Gemälde auf einer Hauswand in Mayen
Auf dem Berlin & Beyond Film Festival 2012 in San Francisco wurde Adorf für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Mario Adorf ist das nichteheliche Kind der aus der Eifel stammenden deutschen Röntgenassistentin Alice Adorf und eines verheirateten Italieners, des kalabrischen Chirurgen Dr. Matteo Menniti. Er wuchs bei seiner Mutter in Mayen in der Eifel auf, wo er nach dem Besuch des Borromäerinnen-Kindergartens und der Volksschule die Oberrealschule absolvierte. Ab 1950 studierte er an der wiedergegründeten Universität Mainz Philosophie, Psychologie, Kriminologie, Literatur, Musikgeschichte und Theaterwissenschaften. Er betätigte sich in einer Studentenboxstaffel sowie an der Studentenbühne.

1953 ging er zur Fortsetzung seines Studiums nach Zürich und arbeitete dort als Statist und Regieassistent am Schauspielhaus Zürich. Kurz darauf brach er sein Studium ab. Es folgte eine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. 1954 trat er mehrmals an den Münchner Kammerspielen auf. Im Anschluss an seine Schauspielausbildung hatte Adorf von 1955 bis 1962 bei den Münchner Kammerspielen ein Engagement als Schauspieler.

Nach einigen kleineren Filmrollen wurde er durch seine Darstellung eines psychopathischen Frauenmörders in Nachts, wenn der Teufel kam allgemein bekannt. Danach war er viele Jahre auf Schurkenrollen festgelegt. In Winnetou 1. Teil übernahm er die Rolle von Winnetous bösartigem Gegenspieler Santer, der Winnetous Schwester Nscho-tschi (Marie Versini) erschoss. In der Kriminalkomödie Die Herren mit der weißen Weste verkörperte er den Ganoven Bruno „Dandy“ Stiegler.

Erfolge feierte Adorf auch im internationalen Kino. Sein schauspielerisches Repertoire drückte sich meist in Charakteren aus, die zwischen raubeinigen Knechten oder Ganoven und edlen Mafiosi oder ehrenwerten Signori liegen. Auffällig zeigt sich auch Adorfs Vorliebe für die italienische Kultur. In dem italienischen Film Die Ermordung Matteottis spielte er den „Duce“ Mussolini. Anderseits konnte Adorf auch sein komödiantisches Talent mehrfach unter Beweis stellen.

Daneben erhielt er Engagements durch den Jungen Deutschen Film. So interpretierte er in der Verlorenen Ehre der Katharina Blum den zwielichtigen Kommissar Beizmenne, in der Blechtrommel den Vater Matzerath. Ab Mitte der achtziger Jahre wandelte sich sein Film-Image indes und Adorf wurde zur Idealbesetzung von Patriarchen, insbesondere von mächtigen Unternehmern wie in dem Fernsehvierteiler Der große Bellheim.

Adorf trat in zahlreichen Fernsehfilmen, vorzugsweise in denen des Regisseurs Dieter Wedel, auf und betätigte sich als Theaterschauspieler. 2007 gehörte er unter dem Vorsitz des US-amerikanischen Filmemachers Paul Schrader zur Jury der Filmfestspiele von Berlin. In mehr als 50 Jahren hat Adorf in über 120 Filmen mitgespielt.[1] In den letzten Jahren trat er zudem mehrfach als Buchautor (und vortragender Sänger) in Erscheinung. Außerdem war er als Synchronsprecher tätig und lieh beispielsweise dem Drachen in Dragonheart seine Stimme.

Seine erste Ehefrau war die Schauspielerin Lis Verhoeven. Aus dieser Beziehung stammt die Tochter Stella Adorf, ebenfalls Schauspielerin. Adorf ist seit 1985 in zweiter Ehe verheiratet.

1999 sprach Adorf den Prolog für den Udo-Jürgens-Song Die Krone der Schöpfung, welcher mit den Berliner Philharmonikern aufgenommen wurde. Außerdem sprach er im selben Jahr den Richter der Toten in dem Musical Elisabeth in Essen.

Seine besondere Verbundenheit zu Mayen (Eifel), der Heimat seiner Kindheit, drückte Adorf wiederholt durch örtliche Engagements, zum Beispiel aktuell als Schirmherr der dortigen Burgfestspiele, aus. Die Stadt Mayen verlieh ihm im Jahre 2001 die Ehrenbürgerschaft.

Seit dem 30. August 2004 ist Adorf Ehrenmitglied von Alemannia Aachen.

Am 7. Februar 2009 erhielt Mario Adorf den Orden wider den tierischen Ernst des Aachener Karnevalsvereins.

Am 19. November 2010 wurde Mario Adorf die Ehrendoktorwürde der Universität Mainz für sein Lebenswerk verliehen. Er ist neben Valéry Giscard d’Estaing die zweite herausragende Persönlichkeit, der diese Ehre zuteilwurde.

Am 30. Juni 2014 wurde der Weg hinauf zur bekannten Genovevaburg in Mayen in Mario-Adorf-Burgweg umbenannt. [2]

Sonstiges[Bearbeiten]

Sein größter Wunsch ist es, in einer Lebensverfilmung von Karl Marx die Hauptrolle zu übernehmen. Adorf prophezeit „das Ende des Kapitalismus.[3]

Filme[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Erzählungen und Geschichten
  • 1992: Der Mäusetöter. Unrühmliche Geschichten. Kiepenheuer & Witsch, Köln, ISBN 3-462-02160-5.
  • 1994: Der Dieb von Trastevere. Geschichten aus Italien. btb Verlag, ISBN 3-442-72038-9.
  • 1996: Der Fenstersturz und andere merkwürdige Geschichten. Kiepenheuer & Witsch, Köln, ISBN 3-462-02576-7.
  • 2000: Der römische Schneeball. Wahre und erfundene Geschichten. Kiepenheuer & Witsch, Köln, ISBN 3-462-03036-1.
  • 2004: Der Fotograf von San Marco: Die italienischen Erzählungen. Kiepenheuer & Witsch, Köln, ISBN 3-462-03354-9.
Personenbeschreibung
  • 2005: Mit einer Nadel bloß. Über meine Mutter. Goldmann Verlag, München 2007, ISBN 3-442-15410-3.
Erinnerungen
Gespräch/ Interview
  • Gero von Boehm: Mario Adorf. 13. September 2006. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S.379-388

Tonträger (Auswahl)[Bearbeiten]

Filmdokumentationen[Bearbeiten]

  • Lebenslänglich Schauspieler – 65 Jahre Mario Adorf Filmporträt von Ilona Kalmbach. Deutschland 1995 (ARD, Eigenproduktion des WDR), 45 Minuten.
  • Die Besten im Westen – Mario Adorf. Filmporträt von Ulrike Brincker. Deutschland 2008 (WDR), 45 Minuten.

Auszeichnungen & Ehrungen[Bearbeiten]

Stern von Mario Adorf auf dem Boulevard der Stars in Berlin (2010)
Adorf bei der Berlinale 2011

Ausstellung[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Meinolf Zurhorst, Heiko R. Blum: Mario Adorf. Seine Filme – sein Leben. Heyne-Filmbibliothek, Band 176. Heyne, München 1992, ISBN 3-453-05972-7.
  • Veronika Moritz: Mario Adorf. in: CineGraph, Lg. 21, edition text+kritik, 1993.
  • Torsten Musial (Hg.): Mario Adorf. … böse kann ich auch. Akademie der Künste Archiv, Berlin 2012, ISBN 978-3-88331-178-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mario Adorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Mario Adorf – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. news.de (Abgerufen am 8. September 2010)
  2. [1]
  3. recklinghaeuser-zeitung.de
  4. ddp Deutscher Depeschendienst GmbH: Mario Adorf bekommt den Orden, vom 6. Februar 2009, abgerufen am 6. Februar 2009
  5. Mario Adorf erhält Ehrendoktorwürde der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Meldung in: Informationsdienst Wissenschaft vom 10. November 2010, abgerufen am 11. November 2010
  6. Mario Adorf erhält die Ehrendoktorwürde der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, mit Bildern und Videolink, vom 19. November 2010, abgerufen am 23. November 2010