Kruzifix
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Das Kruzifix (von lateinisch cruci fixus, das heißt ans Kreuz geheftet) ist die künstlerische Darstellung des gekreuzigten Christus. Es besteht aus dem Kreuz und dem Corpus Christi.
Das Kruzifix gilt nach dem Kreuz als das wichtigste und deutlichste Symbol der christlichen Kirchen. Diese Bedeutung wuchs ihm im Mittelalter auch durch die zahlreichen Triumphkreuze in Kirchen und Kathedralen zu.
Zuvor standen der Kreuzesverehrung zwei Faktoren entgegen: 1. Die Auferstehung Jesu Christi wurde als der alleinige Mittelpunkt des Heilsgeschehens angesehen. 2. Die Tötungsart der Kreuzigung galt als so banal, da viele hunderttausende Personen so hingerichtet wurden, bzw. schändlich, dass eine Verehrung dieses Geschehens nicht denkbar war. Ein Spottkruzifix aus der Römerzeit gilt dafür als Beleg.
Die ältesten Kruzifixe zeigen an einer Illustration des Leidens kein Interesse und stellen auch am Kreuz einen leidfreien selbstbewussten ganzen Gott in menschlicher Gestalt dar. Im Mittelalter erfolgt mit dem einsetzenden Interesse am Empfinden des Schmerzes (siehe: Geißler) auch eine Darstellung des leidenden Christus. Das Kölner Gerokreuz ist ein frühes Beispiel hierfür.
Als Flurkreuze dienten (und dienen) Kruzifixe in katholischen Gebieten als Wegemarkierungen.
Heute spielt das Kruzifix eine Rolle in der Schmuckindustrie, aber auch als Symbol bei Religionsstreitigkeiten wie dem Kruzifix-Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes (siehe auch Trennung von Kirche und Staat).
Das größte Kruzifix befindet sich in Lübecker Dom und hat eine Höhe von 17 m.
In Bayern und Österreich ist dies auch ein Schimpfwort (gespr.: gruzefix!)
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[Bearbeiten] Alte Kruzifixe
In Deutschland befinden sich mehrere der ältesten Monumental-Kruzifixe weltweit. Dazu zählen
- das Enghausener Kreuz in Enghausen, entstanden um 890
- das Schaftlacher Kreuz in Schaftlach, um 970
- das Schlehdorfer Kreuz im Kloster Schlehdorf, um 970
- das Gero-Kreuz im Kölner Dom, aus dem 10. Jahrhundert
[Bearbeiten] Rechtsfrage
[Bearbeiten] Deutschland
- siehe Kruzifix-Beschluss des BVerfG
[Bearbeiten] Österreich
In Österreich hängen Kreuze oder Kruzifixe in allen Klassenzimmern, in allen Patientenzimmern der Krankenhäuser und manchmal auch auf öffentlichen Ämtern und Banken (z.B.: Volksbank). Auch im Gericht kommt ein Kruzifix nebst zweier brennender Kerzen bei der Vereidigung von Zeugen zur Anwendung.
[Bearbeiten] Italien
Nach einer monatelangen rechtlichen Kontroverse entschied das italienische Verfassungsgericht, dass Kruzifixe in Italiens Klassenzimmern legitim seien. Zuvor ordnete ein Richter an, das Kreuz aus zwei Klassenzimmern in einer Schule im Abruzzen-Dorf Ofena zu entfernen. Damit entsprach er dem Antrag eines in Italien lebenden Muslim, der argumentierte, der Anblick der Kruzifixe sei seinen Kindern nicht zuzumuten. Das Urteil wurde jedoch später vorläufig ausgesetzt, nachdem der italienische Staat Berufung gegen das Urteil eingelegt hatte. Auch Papst Johannes Paul II. und Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi hatten sich in den Streit eingeschaltet und die Bedeutung des Kreuzes für Italien betont.
Zur gleichen Zeit entbrannte in Italien noch ein Streit um andere christliche Symbole in Schulen. Angesichts des hohen Anteils muslimischer Schüler verzichteten einige Schulen in Norditalien darauf, Krippen mit dem Jesuskind aufzustellen.
In Italien sprach sich nach dem Kruzifixstreit eine Mehrheit von rund 80 Prozent der Bürger für religiöse Symbole in Schulen aus.
[Bearbeiten] Schweiz
Gemäss Ansicht des Bundesgerichts verstossen Kruzifixe in Klassenzimmern gegen die Pflicht zur religiösen Neutralität der öffentlichen Schulen (BGE 116 Ia 252 ff.). [1]
[Bearbeiten] Andere Religionen
Nach der Ansicht der beiden anderen so genannten Abrahamitischen Religionen Judentum und Islam gilt das Kruzifix als Zeichen eines weichen Monotheismus des Christentums, da es ihnen als Götzenanbetung oder Idolatrie gilt.
[Bearbeiten] Geschichte des Kruzifix
In den ersten drei Jahrhunderten nach unserer Zeitrechnung war für die Christen das Fischsymbol (Ichthys) das wichtigste Sinnbild und Erkennungszeichen. Erst als im vierten Jahrhundert unter Kaiser Konstantin das Kreuz zum Sieges-, Herrschafts- und Heilszeichen wurde und Theodosius die Kreuzigung als Hinrichtungsart abschaffte, begann die eigentliche Kreuzeskunst.
In der Romanik wurde Jesus am Kreuz in der Regel als göttlicher Herrscher dargestellt. Er trug teilweise eine Königskrone und war durch die Hände und Füße mit vier Nägeln ans Kreuz geschlagen (Viernageltypus).
Vor 1200 war die Darstellung Jesu am Kreuz als Leidender oder Toter selten. Mit der Gotik setzten sich die Darstellungen Jesu als von Schmerzen geplagter oder bereits toter Figur mit Dornenkrone durch. Die Stellung der Beine war übereinandergeschlagen, die Füße von einem Nagel durchbohrt (Dreinageltypus). Jesus hatte häufig einen ausgezehrten Körper und wies eine seitliche Wunde oder mehrere Wundmale auf.
Die Renaissance zeigte Jesus oft in entspannter Haltung und anmutiger Bewegung. Im Barock trat nach dem Vorbild von Michelangelos Jesusdarstellung eine anklagende Haltung mit sich aufbäumendem Körper hinzu. Mit der Einführung des Kruzifixes für die private Andacht vervielfältigten sich die Stile.
Besonders mit dem Rückgang der Kirche als Hauptträgerin der Kunst lassen sich ab dem 19. Jahrhundert eine immer breitere Gestaltungsvarianz und die Rückkehr und die Vermischung vergangener Stilepochen finden.
Spätestens ab dem 20. Jahrhundert lässt sich nicht mehr von durchgängigen Leitmodellen der Kreuzigungsskulpturen sprechen. Die Persönlichkeit, die Kunstauffassung sowie die religiöse und gesellschaftliche Haltung der Künstler prägen die jeweilige Formfindung.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelhinweise
- ↑ Ulrich Häfelin / Walter Haller, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 6. Auflage, Schulthess Zürich, 2005, S. 127 f., N 423

