Druuna

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Druuna ist eine Heldin in Erotik-, Science-Fiction- und Fantasy-Comicbüchern von Paolo Eleuteri Serpieri. Sie taucht oft in den Magazinen Metal Hurlant und Schwermetall auf und ist meistens die Protagonistin in Serpieris Arbeiten, zum Beispiel in den acht von 1985 bis 2003 erschienenen Bänden der Serie Morbus Gravis (lat.: schwere Krankheit), deren zweiter Band ihren Namen trägt.

Figur[Bearbeiten]

Serpieri hat Druuna als sinnliche, langhaarige und üppige Schönheit von anscheinend mediterraner Abstammung erschaffen. Sie lebt in einer postapokalyptischen und häufig sehr gewalttätigen Endzeit, die von bizarren, oft lüsternen Monstern bevölkert wird; entsprechend wird sie – selbst sexuell durchaus aktiv – oft auch zum Opfer sexueller Übergriffe. Ihre Kleidung fällt in der Regel sparsam aus; große Teile ihrer Abenteuer bestreitet sie nackt oder nur mit einem String-Tanga bekleidet.

Veröffentlichungen und Zensur in Deutschland[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

In Deutschland wurde die meisten Geschichten rund um Druuna im Alpha Comic Verlag veröffentlicht. Aufgrund der Veröffentlichungen kam es wiederholt zu Konflikten mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften und zu mehreren Hausdurchsuchungen.

Zensur[Bearbeiten]

Druuna und die Morbus-Gravis-Reihe sind in Spanien, Frankreich, Italien und anderen Ländern unzensiert verfügbar. Der deutsche Lizenznehmer Alpha hat sich entschlossen, vor Veröffentlichung der Reihe drastische Selbstzensur zu üben. Der Grund liegt in der Angst vor wirtschaftlichen Rückschlägen wegen langwieriger Prozesse. Bereits im Vorfeld wurde im Alphaverlag darüber diskutiert, dass eine Veröffentlichung in Deutschland ohne Zensur nicht möglich ist. Durch die damalige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften waren seit ihrem Bestehen bereits hunderte Comics in Deutschland zensiert worden, in den vorangegangenen zehn Jahren hatten die Antragsteller ihren Schwerpunkt auf die Zensur von Erwachsenencomics gelegt. Eine Indizierung käme hier, durch die Ausgestaltung der Gesetze, einer De-facto-Zensur gleich. Die Maßnahmen wurden mit dem Lizenznehmer Dargaud und dem Künstler Serpieri abgesprochen, um möglichst Balken zu verhindern. Wegen der Bedeutung des Falles hatte sich der Interessenverband Comic (ICOM) zu einer Dokumentation entschlossen.[1] Später, in einer bis dato beispiellosen Beschlagnahmeaktion, wurden 1995, neben Titeln von Ralf König, Art Spiegelmann, Paul Gillon, Walter Moers und Tank Girl, auch Morbus-Gravis-Titel beschlagnahmt.[2] Der Meininger Oberstaatsanwalt Hönninger ließ das Sonneberger Verlagshaus mit 40 Polizisten durchsuchen und die Polizei gegen mehr als 1000 Buchhandlungen ermitteln.[3]

In Morbus Gravis Band 1[4] und Druuna - Morbus Gravis 2[5] wurden jeweils massive Bildveränderungen vorgenommen. In den Vorabveröffentlichungen in Schwermetall von Morbus Gravis 3 - Creatura und Band 5 Mandragora wurden jeweils schwarze Balken eingesetzt.[6] In Band 2 wurde Seite 9 ganz entfernt und in Mandragora wurden für den Vorabdruck im Zeitschriftenhandel neun Seiten komplett entfernt.[7]

Werke mit Druuna[Bearbeiten]

Morbus gravis[Bearbeiten]

  • Morbus gravis (1985)
  • Druuna (1987)
  • Creatura (1990)
  • Carnivora (1992)
  • Mandragora (1995)
  • Aphrodisia (1997)
  • Druuna und der vergessene Planet (La planète oubliée, 2000)
  • Klon (Clone, 2003)

Weitere[Bearbeiten]

  • Exces & Extase (1996)
  • Obsession
  • Druuna X
  • Druuna X 2
  • Croquis
  • Serpieri Sketchbook
  • Serpieri Sketchbook 2
  • The Sweet Smell of Woman

Mit dem Titel Obsession veröffentlichte Serpieri neben der Morbus-Gravis-Reihe ein Hardcover-Skizzenbuch, welches die Geschichte von Druuna zeigt.

Videospiel[Bearbeiten]

Druuna ist die Hauptfigur des am 27. September 2001 von MC2-Microïds veröffentlichten 3D-Videospiels Druuna: Morbus Gravis.[8] In Deutschland verlieh PC Games dem Spiel 38 Punkte, Gamezone wertete es mit 35 Punkten und GameStar verlieh 9 Punkte; wobei jeweils 100 Punkte möglich gewesen wären.[9]

Rezeption[Bearbeiten]

1995 erhielt Eleuteri Serpieri den Harvey Award für „Druuna: Carnivora“ in der Kategorie Beste amerikanische Veröffentlichung von ausländischem Material.[10]

Andreas C. Knigge bezeichnet in Comics – Vom Massenblatt ins multimediale Abenteuer. Druuna als „hyperrealistisch gestaltetes erotisches Science-Fiction-Märchen“.[11]

Die Bücher wurden über eine Million Mal verkauft und in zwölf Sprachen übersetzt.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Georg Czapla: Morbus Gravis (Druuna). In: Lexikon der Comics. Werke, Personen, Themen, Aspekte. Loseblattausgabe. Begründet von Heiko Langhans, fortgeführt von Marcus Czerwionka. Corian Verlag, Meitingen. 33. Ergänzungslieferung März 2000
  • Roland Seim, Josef Spiegel (Hrsg.): Ab 18 – zensiert, diskutiert, unterschlagen. Beispiele aus der Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Telos Verlag, Münster 2002, ISBN 3-933060-01-X.
  • Matthew Jones: Ecofeminist Themes in Paolo Eleuteri Serpieri's Morbus Gravis unter ImageTexT (Interdisciplinary comics studies) (engl.)

Quellen[Bearbeiten]

  1. Paolo Eleuteri Serpieri, Morbus Gravis, Dokumentation der Zensur, Zusammenstellung und Kommentar: Karl Heinz Baal, Herausgegeben von: Interessenverband Comic (ICOM), Wimmelsbach OJ
  2. Presseerklärung von Alpha Comics und Edition Kunst der Comics vom 30. Juli 1995, Dokumentiert in: Roland Seim und Josef Spiegel (Hrsg.), "Ab 18" zensiert - diskutiert - unterschlagen - "Der dritte Grad" - Beispiele aus der Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland", Münster 1995, S. 247f.
  3. Achim Schnurrer, Josef Spiegel, Roland Seim und Dieter Hiebing, Comic Zensiert, Sonnebger 1996, S. 3–6
  4. Vergleich von französischer und deutscher Ausgabe, in: Schnittberichte.com
  5. Vergleich von alter Version und Neuauflage, in: Schnittberichte.com
  6. Roland Seim und Josef Spiegel (Hrsg.), Der kommentierte Bildband zu "Ab 18" zensiert - diskutiert - unterschlagen - Zensur in der deutschen Kulturgeschichte, Münster 2001, S. 141.
  7. Roland Seim, Zwischen Medienfreiheit und Zensureingriffen - Eine medien- und rechtssoziologische Untersuchung zensorischer Einflußnahmen auf die bundesdeutsche Populärkultur, Münster 1997, S. 317
  8. vgl. Druuna: Morbus Gravis unter mobygames.com.
  9. vgl. Druuna: Morbus Gravis – The Press Says unter mobygames.com
  10. Harvey Awards 1995
  11. Andreas C. Knigge: Comics – Vom Massenblatt ins multimediale Abenteuer, S. 304. Rowohlt, 1996.
  12. Lambiek.net über Paolo Eleuteri Serpieri

Weblinks[Bearbeiten]