Unterdrückung

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Unterdrückung ist die einem Individuum, einer Gesellschaft oder Menschengruppe leidvoll zugefügte Erfahrung gezielter Willkür, Gewalt und des Machtmissbrauchs.

Der Ausdruck Unterdrückung bezeichnet vor allem das Niederhalten einer bestimmten sozialen Gruppe durch missbräuchlichen Einsatz gesellschaftlicher Organe, ihrer Autorität oder sozialer Maßnahmen. Mehr oder weniger offiziell in einer Gesellschaft institutionalisiert, vermag dies zur „systematischen Unterdrückung“ anzuwachsen. Unterdrückung entsteht durch die allgemeine, auch unbewusste, Annahme, eine bestimmte Menschengruppe sei minderwertig. Unterdrückung beschränkt sich selten allein auf regierungsamtliche Aktivitäten. Auch bestimmte Einzelpersonen können Opfer einer Unterdrückung werden und können in solchem Fall nicht auf die Solidarität einer Gruppe bauen.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und der Begriff der Menschenrechte wurden als Kritik der Unterdrückung geschaffen, indem die Macht klar beschränkt und ein Machtmissbrauch gegen Einzelpersonen oder eine Menschengruppe verhindert würde.

Psychologie der Unterdrückung[Bearbeiten]

In der Psychologie gelten Rassismus, Sexismus und andere auf Vorurteilen basierende Diskriminierungsformen gleichsam als Glaubenssysteme, die, wenn auch nicht notwendigerweise von sich aus unterdrückend, doch zur Unterdrückung führen können, sobald sie in die Tat umgesetzt oder gesetzlich verordnet werden. In der Soziologie gelten diese Vorurteile häufig als institutionalisierte Unterdrückungssysteme bestimmter Gesellschaften. Als Instrumente der Unterdrückung gelten Diffamierung, Perhorreszierung und Dämonisierung, wodurch häufig ein Sündenbockmechanismus geschaffen wird, der Übergriffe auf bestimmte Gruppen und Einzelpersonen rechtfertigen soll.

Politische Unterdrückung[Bearbeiten]

Wird Unterdrückung systematisiert, durch Zwang, angedrohte oder ausgeübte Gewalt, seitens des Staates oder paramilitärischer nichtamtlicher Organisationen, nennt man sie politische Unterdrückung. Subtilere Formen politischer Unterdrückung (Repressalien) können schwarze Listen sein oder ideologisch motivierte Hysterien und Verfolgungen, wie der McCarthyismus in den USA.

Hierarchie der Unterdrückung[Bearbeiten]

Eine Hierarchie der Unterdrückung ist eine Rangfolge (Hierarchie) unterschiedliche Unterdrückungsmaßnahmen nach Willkür und Grausamkeit bzw. den erlittenen negativen Erfahrungen unterdrückter Gemeinschaften. Hierarchien der Unterdrückung gelten vielen Menschenrechtsaktivisten als problematisch, obwohl bestimmte Hierarchien der Unterdrückung weithin verbreitet sind. So wird an bestimmten marxistischen Positionen kritisiert, dass sie die Klassenunterdrückung als wichtiger erachten als andere Unterdrückungsformen, da diese der Hauptwiderspruch der Gesellschaft, eine Frauenunterdrückung hingegen nur ein Nebenwiderspruch der Gesellschaft sei. Inzwischen wird auch kritisiert, dass eine „in der Frauenforschung weit verbreitete Sichtweise […] eine Unterdrückungshierarchie [konstruiert], in der die rassistische Diskriminierung zum Nebenwiderspruch erklärt wird.“[1] Unterdrückungshierarchie wird oft auch als „Diskriminierungshierarchie“ bezeichnet, die es beispielsweise in Europa nach einem Entschluss des Europäischen Parlaments zur Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen nicht geben solle.[2]

Eine schwarze lesbische Frau kann stärker unterdrückt erscheinen als eine weiße heterosexuelle Frau. Dennoch finden politisch und sozial engagierte Aktivisten und Theoretiker solche Hierarchisierungen von Unterdrückung unproduktiv, da sie Koalitionen unterdrückter Gruppen und Einzelpersonen verhindern können.[3] Eine Hierarchisierung von Unterdrückung kann zudem zu einer Hierarchisierung von Schuldzuschreibung führen. Unter einer Hierarchie der Unterdrückung wird eine Gruppe von schwarzen Lesben wahrscheinlich keine Koalition mit einer aus überwiegend weißen heterosexuellen Feministinnen bestehenden Gruppe bilden aufgrund einer Hierarchie der Notwendigkeiten und der unterschiedlichen Wahrnehmungen von Unterdrückung.[4]

Die Hierarchie der Unterdrückung wird vor allem kritisiert im Mehrfachunterdrückungs-Ansatz und der Intersektionalitätsforschung (Intersection = Überschneidung).

Widerstand gegen Unterdrückung[Bearbeiten]

Transnationale Unterdrückungssysteme wie Kolonialismus oder Imperialismus können Widerstandsbewegungen gegen den Unterdrückungszustand provozieren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unterdrückung (oppression) – Bilder und Mediendateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helma Lutz: „Rassismus und Sexismus, Unterschiede und Gemeinsamkeiten.“
  2. Entschließung des Europäischen Parlaments. 30. November 2006.
  3. Audre Lorde: "There is no hierarchy of oppressions." Homophobia and Education. New York: Council on Interracial Books for Children, 1983.
  4. Warren J. Blumenfeld: "How Does Homophobia Hurt Us All?" 1992.