Dyslexie

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Klassifikation nach ICD-10
R48.0 Dyslexie und Alexie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter Dyslexie (von altgriechisch δυς dys ‚schlecht‘, ‚schwer‘, ‚miss‘- [hier = Missverstehen], λέξις léxis ‚Sprache‘, ‚Redeweise‘, ‚Stil‘ [hier = Redeweise] schlechte/falsche Wiedergabe/Redeweise) versteht man Probleme mit dem Lesen und Verstehen von Wörtern oder Texten bei normalem Seh- und Hörvermögen der betroffenen Person. Der Begriff Alexie (von griech. α- a- ‚nicht‘-, ‚un‘-) bezeichnet hingegen das völlige Unvermögen zu lesen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Während im englischen Sprachraum der Begriff Dyslexie weit verbreitet ist und sich als Developmental Dyslexia insbesondere auch auf die Lese-Rechtschreibstörung bezieht, wird Dyslexie im Deutschen vorwiegend auf erworbene Formen von schriftsprachlichen Problemen bezogen, die z. B. bei Hirnschädigungen aufgrund von Unfällen oder Tumoren auftreten können.

Dyslexie ist bei etwa 5 bis 17 % der Gesamtbevölkerung anzutreffen, wobei verschiedene Formen und Ausprägungsgrade zu unterscheiden sind. Oft tritt sie das erste Mal im Rahmen einer so genannten Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) in den ersten Schuljahren zutage. Die Betroffenen fallen beim Lesen- und Schreibenlernen weit hinter ihre Altersgenossen zurück, obwohl sie über eine normale Intelligenz verfügen.

Die besondere Häufung von Dyslexie in bestimmten Familien lässt vermuten, dass diese Störung zumindest teilweise erblich bedingt ist. Neuere Studien unterstützen diese These: Sie zeigen, dass eine bestimmte Region auf Chromosom 6 mit einer Prädisposition für Dyslexie in Zusammenhang steht. Auf dem besagten Chromosomenabschnitt befindet sich ein Gen mit der Bezeichnung DCDC2. Bei Untersuchungen von 153 Familien, bei denen Dyslexie vorkommt, konnte immer dieselbe Deletion (eine bestimmte Chromosomenmutation) im DCDC2-Gen nachgewiesen werden. Die genaue Funktion des Gens ist noch unklar, allerdings gibt es experimentelle Hinweise, dass es eine wichtige Rolle bei der Entwicklung bestimmter Neuronen im Gehirn spielt.[1] Schumacher und Kollegen[2] fanden weitere zwingende Belege für die entscheidende Rolle des DCDC2-Gens bei der Entwicklung einer Dyslexie. Sie konnten bestimmte genetische Variationen, sogenannte Single Nucleotide Polymorphism (SNP), in diesem Gen nachweisen, die den Träger empfänglich für die Störung machen. Hierbei scheinen unterschiedliche SNP-Marker für unterschiedlich schwere Ausprägungen der Dyslexie verantwortlich zu sein.

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Neben genetischen Veranlagungen zu Dyslexie ist auch die Umwelt für das Auftreten von Dyslexie relevant. So tritt (erworbene) Dyslexie bei Kindern und Jugendlichen auf, die durch mangelndes Lese- und Schreibtraining eine unzureichende synaptische Verschaltung der einzelnen Sprachzentren aufweisen. Zunehmend betroffen hiervon sind Heranwachsende in den USA, aber auch in den europäischen Industrienationen.

Eine mögliche Therapieform ist nach Ansicht der Universität Haifa ein Lesetraining unter Zeitdruck, um die beteiligten Gehirnvorgänge zu synchronisieren.[3][4]

Dyslexien können auch durch Hirnschädigungen (z. B. beim Schlaganfall oder nach Schädel-Hirn-Trauma) ausgelöst werden. Manche dieser Menschen lesen Wörter, die so nicht dastehen (z. B. „Katze“ statt „Hund“), als Paralexie bezeichnet, andere lesen nur mühsam buchstabierend. Auch die totale Unfähigkeit zu lesen wird als Dyslexie bezeichnet. Sie ist oft mit Aphasie verbunden.

Dyslexien werden unter anderem von Logopäden, Sprachheilpädagogen und Klinischen Linguisten behandelt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Haiying Meng et al.: DCDC2 is associated with reading disability and modulates neuronal development in the brain. In: PNAS. Bd. 102, Nr. 47, 2005, S. 17053–17058 (Online, abgerufen am 7. April 2014).
  2. Schumacher, J., Anthoni H., Dadouh F., et al.: Strong genetic evidence of DCDC2 as a susceptibility gene for dyslexia.. (PDF) In: The American Journal of Human Genetics. 78, Nr. 1, Januar 2006, S. 52–62. doi:10.1086/498992. PMID 16385449.
  3. Schneller lesen = besser lesen. In: science.ORF.at. Abgerufen am 13. Februar 2013.
  4.  Zvia Breznitz et al.: Enhanced reading by training with imposed time constraint in typical and dyslexic adults. In: Nature Communications. Bd. 4, Nr. 2, 12. Februar 2013, doi:10.1038/ncomms2488.
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