Elektrosmog

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Elektrosmog oder E-Smog (aus Elektro- und Smog) ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für die Gesamtheit an elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern, von denen teilweise angenommen wird, dass sie (unerwünschte) biologische Wirkungen haben könnten[1].

Die Verträglichkeit nachweisbarer Immissionen von elektromagnetischen Feldern für die Umwelt insbesondere die gesundheitliche Verträglichkeit und Zumutbarkeit für den Menschen, werden mit dem Begriff der elektromagnetischen Umweltverträglichkeit (EMVU) bezeichnet. Lebewesen, die solche Wirkungen verspüren, gelten als elektrosensibel. Die dazu zulässigen Grenzwerte sind im Rahmen der elektromagnetischen Umweltverträglichkeit in verschiedenen Richtlinien, Normen und Gesetzen geregelt. Einflüsse elektromagnetischer Felder auf technische Einrichtungen werden im Rahmen der elektromagnetischen Verträglichkeit beschrieben.

Das dem Begriff Elektrosmog zugrunde liegende Wort Smog beschreibt eine Kombination von englisch smoke (Rauch) mit fog (Nebel) in der Luft, die besonders bei Inversionswetterlagen zu einer gesundheitsschädlichen überhöhten Konzentration an Luftschadstoffen in der Luft führen kann. In Anlehnung daran benennt der Begriff Elektrosmog eine überhöhte „Konzentration“ elektromagnetischer Felder mit möglicherweise gesundheitsschädlichen Auswirkungen auf die belebte Natur, Menschen, Tiere, Pflanzen, sonstige Lebewesen und einzelne Zellen. Der Begriff Elektrosmog wird im Sinne des Begriffes oft abwertend gebraucht. Sprachlich lässt sich der Ausdruck Elektrosmog als Dysphemismus einstufen, da er negativ bewertet wird.

Abgrenzung

Der nicht exakt definierte Begriff Elektrosmog und unscharfe Abgrenzung schließen üblicherweise thermische Wärmestrahlung, ebenso wie höherfrequente ionisierende Strahlung als Folge von Radioaktivität aus, obwohl es sich dabei ebenfalls um elektromagnetische Wellen handelt.

Ursachen und Wirkungen von auch technisch erzeugten elektromagnetischen Feldern auf die Umwelt, insbesondere auch den Menschen, sind unter elektromagnetischen Umweltverträglichkeit (EMVU) angeführt. Die grundlegenden Prinzipien sind dabei der Umstand, dass rund um einen gleichstromdurchflossenen elektrischen Leiter ein magnetisches Gleichfeld entsteht. Rund um einen wechselstromdurchflossenen Leiter entsteht ein sich änderndes elektromagnetisches Wechselfeld. Im Rahmen der EMVU werden statische, niederfrequente und hochfrequente Wechselfelder mit verschiedenen potenziellen biologischen Wirkungen unterschieden.

Geschichte

Historische Illustration einer Schutzkleidung die gegen die Wellen von Funktelegraphen schützen soll

Ängste rund um mögliche schädliche Wirkungen von Hochspannungsleitungen und elektromagnetischer Felder auf die Umwelt und Menschen sind nicht neu und bestehen seit den Anfängen der technischen Nutzung Mitte des 19. Jahrhunderts, wie folgendes Beispiel aus dem Bereich der Anfänge der elektrischen Energietechnik darstellt:

Im Jahr 1890 war es Beamten der Königlichen Generaldirektion in Bayern verboten, an der Eröffnungsfeier des ersten deutschen Wechselspannungs-Kraftwerks, den Elektricitäts-Werken Reichenhall, teilzunehmen oder den Maschinenraum zu betreten. Das erste öffentliche E-Werk in Bayern diente der öffentlichen Beleuchtung in Bad Reichenhall und als Grund für das Verbot wurde die für damalige Verhältnisse einmalige Hochspannung von 2 kV angegeben.[2] Gleichwohl bestehen bei Arbeiten mit Hochspannung zur Vermeidung von Stromunfällen sehr wohl besondere Sicherheitsvorschriften, wie sie heute unter anderem in den Fünf Sicherheitsregeln genormt und in Regeln, wie Arbeiten unter Spannung, festgelegt sind.

Auch Ängste zu den technischen Vorläufern der heute üblichen Basisstationen aus dem Bereich der Nachrichtentechnik gab es mit dem Aufkommen der ersten Funktelegrafie und deren Telegrafenstationen. So wurde im April 1911 in der US-Zeitschrift The Atlanta Constitution über die mögliche Gefahr der Wellen von Funktelegrafen berichtet, die neben Zahnausfall, im Laufe der Zeit auch zu Haarausfall führen soll und Personen verrückt machen soll.[3]

When the wireless age arrived – and wireless telephony will soon be added to wireless telegraphy – our air will be so charged with electricity that human beings will feel its influence in a hundred different ways. Already it seems to have attacked our teeth. Tomorrow we may find, that our hair is dropping out from the same cause, and eventually it may deprive us of our senses and even our lives.

Rolf Hensingmüller: The Atlanta Constitution, Seite C6, 30. April 1911 Online

Als Abhilfe wurde eine Schutzkleidung, welche wie ein Regenmantel aussieht, vorgeschlagen. Sie sollte den Träger gegen die schädlichen Auswirkungen der Wellen von Funktelegraphen schützen:

Unless some process of insulation of this character is adopted, however, the only course for us to pursue will be to wear insulated garments to protect us. This garment will take the form of a rubber coat, with a helmet of the same material. The entire face will have to be kept covered, goggles being provided for the purpose of sight, and an air valve for breathing purposes.

Rolf Hensingmüller: The Atlanta Constitution, Seite C6, 30. April 1911

Wissenschaftliche Untersuchungen

Nachgewiesen ist bisher generell die thermische Wirkung von Hochfrequenz auf wasserhaltiges Gewebe, woran sich auch die Grenzwertfestlegungen im Bereich der elektromagnetischen Umweltverträglichkeit orientieren. Mögliche Wirkungen auf Zellverbände und gegebenenfalls mögliche Resonanz in einzelnen Zellen und Wirkungen im Gehirn oder entlang der Nervenbahnen sind bisher ohne stichhaltige Nachweisführung der Schädlichkeit. Das EMF-Portal nannte im Februar 2010 einen Stand von 13.391 Publikationen zu den biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder (EMVU/EMF).[4] Im Folgenden sind einige Studien zu diesem Themenkomplex umrissen dargestellt.

In den 1990er Jahren gab es verschiedene Untersuchungen von elektromagnetischen Feldern auf die Blut-Hirn-Schranke bei Ratten mit unterschiedlichen Ergebnissen. So wurden von einer Arbeitsgruppe um die Wissenschaftler Leif G. Salford und Bertil Persson verschiedene Studien veröffentlicht,[5][6] die bereits bei einer SAR von 0,002 W/kg (1/1000 des heutigen Grenzwertes) gehäuft abnormale Nervenzellen festgestellt haben. Dieser Effekt wurde bis zu einer SAR von 0,2 W/kg stärker, weitere Erhöhungen waren dagegen wirkungslos. Von dem BfS wird die Studie vor allem für die subjektive Kategorisierung der Ergebnisse in keine, wenig und viele abnormale Zellen kritisiert. Ebenso wird die indirekte Messmethode der SAR kritisiert. Salfords Arbeitsgruppe selbst konnte die Ergebnisse dieser Studie in einer Kontrollstudie nicht reproduzieren.[7]

Eine ähnliche Studie von 1997[8] zeigte hingegen bei 0,3 und 1,5 W/kg keinen signifikanten Anstieg, sondern erst bei 7,5 W/kg, also weit über dem Grenzwert. Auch eine japanische Untersuchung[9] kommt auf keinerlei signifikanten Anstieg bei 2 W/kg. Eine australische Studie[10] konnte keinen Zusammenhang zwischen der SAR und den Folgen feststellen.

In der sogenannten Naila-Studie[11] wurde untersucht, ob ein zahlenmäßiger Zusammenhang zwischen der Nähe zu einem Mobilfunksender und der Zahl der Krebserkrankungen in einer Region festzustellen ist. Hierbei war eine deutliche Zunahme bei der Gruppe in einem Umkreis von weniger als 400 m gegenüber der Vergleichsgruppe außerhalb dieses Bereiches festzustellen. Vom BfS wird diese Studie vor allem dafür kritisiert, dass sie Felder und Erkrankungen als Ursache und Wirkung definiert, ohne zu prüfen, ob überhaupt ein Zusammenhang besteht (cum hoc ergo propter hoc).[12] Dazu werden weitere Schwächen benannt, wie etwa, dass die Gesamtzahl der Krebserkrankungen deutlich geringer ist, als zu erwarten wäre und dass die Einordnung in nah und fern zu ungenau sei.

Die REFLEX-Studie hatte zunächst scheinbar gezeigt, dass bei extrem starken Feldern ein reproduzierbarer Zusammenhang zwischen alltäglicher elektromagnetischer Strahlung und Zellschädigungen bestehen kann.[13] Diese Laborergebnisse ließen, selbst wenn sie wahr gewesen wären, keinen Schluss auf Krankheiten zu, die durch derartige Strahlung hervorgerufen werden.[14] Die Reflex-Studie ist inzwischen laut Medienberichten hinsichtlich dort festgestellter Strangbrüche im Erbgut in Verdacht geraten, da eine Mitarbeiterin des Projektleiters Franz Adlkofer, zugegeben hat, in anderen Untersuchungen bewusst Laborergebnisse gefälscht zu haben.[15]

Eine kontrollierte Doppelblind-Studie über Wirkungen von GSM-Mobilfunksignalen auf Menschen wurde 2007 veröffentlicht. Wissenschaftler der Wayne State University & Uppsala University, USA und des schwedischen Karolinska Institutet fanden nach dreistündiger Mobiltelefon-typischer Bestrahlung des Kopfes unter anderem mit Elektroenzephalografie ein gestörtes Schlafverhalten bei einer signifikant hohen Anzahl der Probanden. Die Kontrollgruppe wurde einer scheinbaren Bestrahlung (ohne GSM-Mobilfunksignale) ausgesetzt. Die Gruppenzuordnung (echte/scheinbare Bestrahlung) wurde von den Probanden nur mit Zufallswahrscheinlichkeit erraten. Verwendet wurde ein GSM-Signal von 884 MHz mit gemitteltem SAR-Wert von 1,4 W/kg. Ausgewertet wurden von den Probanden berichtete Beobachtungen und neurophysiologische Messdaten.[16]

Im Jänner 2008 wurde in Österreich die Umweltepidemiologische Untersuchung zur Krebsinzidenz in den Gemeinden Hausmannsstätten und Vasoldsberg von der Salzburger Landessanitätsdirektion veröffentlicht.[17] Auslöser zur Studie war die Beobachtung einer Häufung von Krebsfällen in den genannten Gemeinden. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass ein erhöhtes Krebsrisiko in der Nähe eines einzigen Mobilfunksenders der damaligen Firma Mobilkom Austria vorliege und führte eine signifikant erhöhte Krebsrate von Anrainern auf die angeblich von 1984 bis 1997 in Hausmannstätten betriebene Mobilfunksendeanlage im C-Netz zurück. Im Februar 2008 stellte sich heraus, dass für diesen Zeitraum kein C-Netz-Mobilfunksender am fraglichen Standort existierte.[18] Die Mobilkom Austria legte in einem Gerichtsprozess gegen den Urheber der Studie neben Luftbildern aus 1989 vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, auf denen am fraglichen Standort kein Sendemast erkennbar ist, die amtliche Chronologie des Wählamts vor, aus der auch hervorgeht, dass am Standort in jenem Zeitbereich kein Mobilfunksender betrieben wurde.[19] Die Studie wurde im November 2008 zurückgezogen.[20]

Die IARC stuft Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend ein.[21][22] Sie verweist dabei auf eine Studie aus dem Jahr 2004, die bei intensiver Nutzung von Mobiltelefonen ein um 40 % erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Glioms ermittelte.[23][24]

Stellungnahmen

Die Landessanitätsdirektion des Landes Salzburg warnte (2003), ohne Nachweise anzuführen: Elektrosmog kann unter anderem das vegetative und zentrale Nervensystem, Hormone, Chromosomen und Zellen beeinflussen und stören. Eine zu starke und zu lange Elektrosmogbelastung kann darüber hinaus zu verschiedenen Krankheiten führen (zitiert aus[25])

Die WHO beschreibt „Niederfrequente elektrische Felder beeinflussen den menschlichen Körper genauso, wie sie jedes andere aus geladenen Teilchen bestehende Material beeinflussen. Wenn elektrische Felder auf leitfähige Materialien treffen, beeinflussen sie die räumliche Verteilung von elektrischen Ladungen auf der Materialoberfläche. Sie bewirken einen Stromfluss durch den Körper hindurch zur Erde. Niederfrequente magnetische Felder induzieren im menschlichen Körper Ströme, die auf geschlossenen Kreiswegen fließen. Die Stärke dieser Ströme hängt von der Stärke des äußeren Magnetfeldes ab. Sind diese Ströme stark genug, dann können sie Nerven und Muskeln stimulieren oder andere biologische Vorgänge beeinflussen.[26]

Dabei kommt die WHO „zu dem Schluss [...], dass die derzeitige Kenntnislage die Existenz irgendwelcher gesundheitlichen Folgen einer Exposition durch schwache elektromagnetische Felder nicht bestätigt. Allerdings gibt es noch einige Wissenslücken bei biologischen Effekten, was weitere Forschungen nötig macht.[26]

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die Teil der WHO ist, hat niederfrequente Magnetfelder (wie z. B. von Hochspannungsleitungen) 2002 als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft (siehe karzinogen Kategorie 3).[27]

In einer Stellungnahme des deutschen Bundesamt für Strahlenschutz zu verschiedenen öffentlich diskutierten Studien, welche auf mögliche Schäden durch elektromagnetische Strahlung hinweisen, werden ausnahmslos alle Studien wegen verschiedener methodischer Fehler oder mangelnder Wiederholbarkeit der angeblichen Ergebnisse bemängelt.[28] Gleichzeitig warnt das Bundesamt für Strahlenschutz, dass nichtionisierende Strahlung gesundheitliche Folgen haben könnte: Um möglichen gesundheitlichen Risiken vorzubeugen, empfiehlt das BfS, die persönliche Strahlenbelastung durch eigene Initiative zu minimieren.[29][30]

Subjektive Auswirkungen

Bei der subjektiven Festlegung, was Elektrosmog auslösen könnte, spielen nicht nur physikalische Zusammenhänge eine Rolle, sondern auch verschiedene Formen von Wissenschafts- und Technikangst. Die Diskussion um Auswirkungen von Elektrosmog wird häufig emotional, subjektiv und unwissenschaftlich geführt. In diesem Zusammenhang nicht ungewöhnlich sind diverse Warnungen in den Medien vor negativen Auswirkungen. Zu Studien werden gegenseitig Manipulierungsvorwürfe erhoben, in Bezug auf die Art der Datenerhebung und die Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen. Subjektive Eindrücke sagen nichts über die Existenz einer Schädigung aus, da sie suggestiven Einflüssen unterliegen und deshalb nicht verwertbar sind.

Eine offene Diskussion wird oft mit ideologischer Härte unterbunden, um den Aufwand für eine ausgewogene Bewertung zu sparen, oder weil unbequeme Ergebnisse befürchtet werden. Man wirft einander vor, Studien im eigenen Sinne zu manipulieren oder absichtlich falsche Schlüsse zu ziehen und konstruiert Verschwörungstheorien. Oft wird zudem ein genereller Nachweis für die Unschädlichkeit, auch für noch unbekannte, vermutete Wirkmodelle gefordert, der aus erkenntnistheoretischen Gründen nicht erfüllbar sein kann. Prinzipiell könnte nur eine bestimmte Schädlichkeit nachgewiesen werden.

Vermutete Schädlichkeit

Anhänger der These „Elektrosmog ist schädlich“ vermuten, dass die im Alltag derzeit übliche elektromagnetische Strahlung sich schädlich auf den menschlichen Organismus auswirke, auch wenn die Pegel gering sind und thermische Wirkungen angesichts der geringen Energien vernachlässigbar sind. Hierfür spräche nach deren Ansicht zum Beispiel eine von einer Gruppe oberfränkischer Hausärzte erstellte Studie, die mit einer bestimmten statistischen Signifikanz eine schädigende Wirkung festgestellt hätte[11] und eine große Anzahl subjektiver Äußerungen über Befindlichkeitsstörungen.

Es wird argumentiert, dass bei vielen Technologien und Substanzen auch erst zu einem späteren Zeitpunkt ihre Schädlichkeit festgestellt wurde und daher sei auch bei elektromagnetischen Feldern Vorsicht geboten. Als Beispiele werden ionisierende Strahlungen wie Röntgenstrahlen, Radioaktivität oder bestimmte chemische Substanzen wie Asbest oder Contergan genannt. Belege für die gesundheitlichen Wirkungen beruhen vor allem auf anekdotischen Berichten.[31]

Verneinte Schädlichkeit

Befürworter der These „Elektrosmog ist unschädlich“ argumentieren, dass es nicht ausreiche, statistisch signifikante Studien anzugeben, die eine Schädigung belegen sollen. Denn auch dann, wenn der Effekt nicht existiert und alle Studien fehlerfrei sind, ist zu erwarten, dass in 5 % der Studien irrtümlich ein „statistisch signifikanter“ Effekt gefunden wird. Dazu kämen häufig Fehler im Versuchsaufbau oder bei der Datenerhebung, die einen signifikanten Effekt vortäuschten. Aussagekräftig sind nur unabhängig reproduzierbare signifikante Studien. Studien, die eine schädigende Wirkung feststellten, hätten jedoch bisher nicht reproduziert werden können oder es seien methodische oder systematische Fehler gemacht worden. Studien, die schädigende Wirkung durch Elektrosmog feststellten, seien ohne Berücksichtigung der realen Bedingungen nur im Labor, der ohne die Berücksichtigung weiterer lokaler Zusammenhänge vor Ort (beispielsweise zusätzliche Belastungen) erfolgt. Studien zeigten keinen Zusammenhang bei angeblich elektrosensiblen Personen zwischen Strahlungsexposition und Auftreten von Beschwerden, dies wird als Nocebo-Effekt bezeichnet, zudem traten mehrfach Beschwerden auch bei neuen aber noch nicht angeschlossenen Sendemasten auf.[32][33][34]

Am Markt angebotene Gegenmaßnahmen

Mitunter werden sogenannte Elektrosmog- oder Handystrahlenfilter angeboten, die ins Handy eingebaut vor der Strahlung schützen sollen. Die Wirkung ist aus Sicht der elektromagnetischen Umweltverträglichkeit zweifelhaft, da diese „Filterung“ keine geschlossene Abschirmung erzeugt. Deren Verwendung könnte den Funkkontakt des Geräts beeinträchtigen und den zwischen Mobiltelefon und Basisstation bestehenden Regelkreis stören. Als Reaktion würde das Mobilfunkgerät mit höherer Leistung senden, als ohne den „Filter“ erforderlich wäre, und eine eventuelle Schädlichkeit wäre eher erhöht als verringert.

Zur Verringerung der elektrischen Felder die von der Elektroinstallation ausgehen werden Netzfreischalter am Markt angeboten. Ein solcher Schalter im Stromzähler- und Sicherungsschrank nach den Sicherungen eingebaut, trennt die Leitung in der Haus-Verteilanlage vom Stromnetz ab, solange ihr kein Strom entnommen wird, verbindet sie aber automatisch wieder, sobald ein Verbraucher eingeschaltet wird.

Hochfrequente elektromagnetische Wechselfelder können mit elektrisch leitfähigen, allseitig geschlossenen Abschirmungen reduziert werden. Die Wirkung nicht ferromagnetischer, metallischer Gehäuse gegen magnetische Wechselfelder beruht auf Wirbelströmen im Gehäuse, deren Magnetfeld die auftreffenden Felder teilweise kompensiert. Die Quantität der Schirmwirkung wird mit der Größe Schirmdämpfung erfasst, deren Beschreibung und Erfassung Arbeitsbereich der Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) ist.

Literatur

  •  Andras Varga: Grundlage des Elektrosmogs in Bildern. Messung, Berechnung, biologische Auswertung. Umwelt und Medizin, Heidelberg 2002, ISBN 3-00-009180-7.
  •  Norbert Leitgeb: Machen elektromagnetische Felder krank? - Strahlen, Wellen, Felder und ihre Auswirkungen auf unsere Gesundheit. 3. Auflage. Springer, Wien 2000, ISBN 3-211-83420-6.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Umweltbundesamt, Bundesamt für Strahlenschutz, Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg.) (2005): Gesünder Wohnen – aber wie, Praktische Tipps für den Alltag. S. 39, pdf-Datei, abgerufen am 26. November 2011
  2.  Toni Schmidberger: Das erste Wechselstrom-Kraftwerk in Deutschland. Bad Reichenhall 1984.
  3. 100 Jahre Elektrosmog-Panikmache, Informationszentrum gegen Mobilfunk, abgefragt am 4. August 2012
  4. EMF-Portal – wissenschaftliche Literaturdatenbank des FEMU Aachen zu den biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder (EMVU/EMF)
  5. Leif G. Salford, Arne E. Brun, Jacob L. Eberhardt, Lars Malmgren, Bertil R. R. Persson: Nerve Cell Damage in Mammalian Brain after Exposure to Microwaves from GSM Mobile Phones. In: Environmental Health Perspectives. Nr. 111, 29. Januar 2003, S. 881-883. doi:10.1289/ehp.6039.Deutsche Übersetzung (pdf)
  6. Stellungnahme des BfS
  7. Gustav Grafström, Henrietta Nittby, Arne Brun,Lars Malmgren,Bertil R.R. Persson,Leif G. Salford, Jacob Eberhardt (2008): Histopathological examinations of rat brains after long-term exposure to GSM-900 mobile phone radiation. Brain Research Bulletin Volume 77, Issue 5: 257–263. doi:10.1016/j.brainresbull.2008.08.004
  8. K. Fritze, C. Sommer, B. Schmitz, G. Mies,K.-A. Hossmann, M. Kiessling, C. Wiessner: Effect of global system for mobile communication (GSM) microwave exposure on blood-brain barrier permeability in rat. In: Acta Neuropathol. 94 (1997), S. 465–470.
  9. G. Tsurita, H. Nagawa, S. Ueno, S. Watanabe, M. Taki: Biological and morphological effects on the brain after exposure of rats to a 1439 MHz TDMA field. In: Bioelectromagnetics. 21 (2000), S. 364–371.
  10. J. W. Finnie, P. C. Blumberg, J. Manavis, D. Utteridge, V. Gebski, R. A. Davies, B. Vernon-Roberts, T. R. Kuchel: Effect of long-term mobile communication microwave exposure on vascular permeability in mouse brain. In: Pathology, 34 (2002), S. 344–347.
  11. a b Horst Eger, Klaus Uwe Hagen, Birgitt Lucas, Peter Vogel, Helmut Voit: Einfluss der räumlichen Nähe von Mobilfunksendeanlagen auf die Krebsinzidenz (Version vom 21. September 2008 im Internet Archive) umwelt·medizin·gesellschaft Nr. 17, April 2004 (Artikel nicht Peer-Reviewed, jedoch ist die Stellungnahme des BfS im Zweiten Bericht der Bundesregierung über die Forschungsergebnisse in Bezug auf die Emissionsminderungsmöglichkeiten der gesamten Mobilfunktechnologie und in Bezug auf gesundheitliche Auswirkungen, zur Naila-Studie auf p.6, verfügbar)
  12. BfS-Stellungnahme zu Naila, vorletzter Absatz
  13. REFLEX Projekt In-vitro-Experimente von EM-Bestrahlung an Einzelzellen
  14. Stellungnahme zum Abschlussbericht des REFLEX-Forschungsverbundes (5. EU-Rahmenprogramm) (Version vom 20. August 2010 im Internet Archive) Bundesamt für Strahlenschutz, 13. April 2004.
  15. Beim Tricksen ertappt. In: Der Spiegel. Heft 22/2008 und Spiegel Online.
  16. Bengt Arnetz et al.: The Effects of 884 MHz GSM Wireless Communication Signals on Self-reported Symptoms and Sleep. An Experimental Provocation Study (PDF; 275 kB) PIERS ONLINE, VOL. 3, NO. 7, 2007, pp.1148-1150
  17.  Gerd Oberfeld, Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Fachabteilung für das Gesundheitswesen (Landessanitätsdirektion) (Hrsg.): Umweltepidemiologische Untersuchung der Krebsinzidenz in den Gemeinden Hausmannstätten & Vasoldsberg. 2008 (Online (PDF; 2,3 MB)).
  18. Senderkataster Österreich
  19. Presseaussendung: Dr. Gerd Oberfeld zieht Mobilfunk-Studie zurück
  20. Krebs-Studie: Mobilfunkkritiker räumt Fehler ein
  21. Weltgesundheitsorganisation - Krebsrisiko bei intensiver Handy-Nutzung. auf: sueddeutsche.de, 31. Mai 2011.
  22. Auswertung - WHO sieht möglichen Zusammenhang zwischen Handys und Krebs. auf: spiegel.de, 1. Juni 2011.
  23. IARC press release 208. (PDF; 257 kB) 31. Mai 2011.
  24. IARC press release 200. (PDF; 180 kB) zur Interphone Studie vom 17. Mai 2010.
  25. Land Salzburg: Elektrosmog und Gesundheit, Was jeder selbst tun kann, (pdf-Datei; 359 kB), Broschüre Stand 19. November 2003, abgerufen (November 2012) bei salzburg.gv.aty
  26. a b World Health Organization: Was sind elektromagnetische Felder? Gesundheitliche Wirkungen im Überblick (pdf-Datei; 64 kB)
  27. IARC Monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans. Volume 102. Non-ionizing Radiation, Part 2: Radiofrequency, Electromagnetic Fields. Lyon, France 2013 PDF Evaluation, p.419
  28. Zusammenstellung der Studien, die öffentliches Interesse erweckt haben, und deren Bewertung durch das BfS. (PDF; 53 kB) Bundesamt für Strahlenschutz, undatiert
  29. Bundesamt für Strahlenschutz – Elektromagnetische Felder
  30. Bundesamt für Strahlenschutz: DECT – Strahlenquelle in der Wohnung
  31. Schweizerische Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener: Die eingebildeten Kühe und ängstlichen Schweine von Beromünster. 19. Februar 2009.
  32. Forschungsgemeinschaft Funk: Newsletter 3/2006 (Version vom 21. September 2008 im Internet Archive) S. 28.
  33. Gerlinde Kaul (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Berlin Nov.2006) online: http://www.baua.de/nn_49914/de/Themen-von-A-Z/Elektromagnetische-Felder/pdf/Vortrag-05.pdf
  34. Stacy Eltiti, Denise Wallace, Anna Ridgewell, Konstantina Zougkou, Riccardo Russo, Francisco Sepulveda, Dariush Mirshekar-Syahkal, Paul Rasor, Roger Deeble, Elaine Fox (2007): Does Short-Term Exposure to Mobile Phone Base Station Signals Increase Symptoms in Individuals Who Report Sensitivity to Electromagnetic Fields? A Double-Blind Randomized Provocation Study. In: Environmental Health Perspectives vol 115, number 11: 1603-1608. doi:10.1289/ehp.10286