cum hoc ergo propter hoc

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Cum hoc ergo propter hoc bezeichnet einen Fehlschluss. Hierbei werden gemeinsam auftretende Ereignisse ohne genauere Prüfung zu Ursache und Wirkung erklärt. Die Zuordnung erfolgt entsprechend willkürlich und ohne fundierte Begründung.

Die lateinische Wendung cum hoc ergo propter hoc lässt sich übersetzen als „mit diesem, folglich wegen diesem“ oder „mit diesem, folglich nahe diesem“ oder auch „mit diesem, folglich daneben dieses“.

Beschreibung[Bearbeiten]

Ein immer wieder beobachtetes Zusammentreffen zweier Ereignisse bietet grundsätzlich Anlass für die Vermutung, dass zwischen diesen Ereignissen ein Zusammenhang bestehen könnte. Keineswegs ist dieses zeitliche Zusammentreffen allein schon ein Beweis für einen kausalen Zusammenhang. Denn eine Entscheidung darüber, welches der Ereignisse Ursache und welches Wirkung wäre, ob beide Ereignisse Auswirkungen einer anderen Ursache seien, oder ob sie denn im Grunde überhaupt nicht zusammenhängen, lässt sich nicht daraus ableiten, dass Ereignisse räumlich und zeitlich zusammen angetroffen wurden. Und so auch nicht aus Wiederholungen ihres Zusammentreffens. Doch mag man Vermutungen anstellen.

Die Situation, dass zwei Ereignisse A und B gemeinsam auftreten, lässt sich logisch einer der folgenden Kategorien zuordnen:

  1. A verursacht B,
  2. B verursacht A,
  3. eine gemeinsame Ursache X hat sowohl A als auch B zur Folge,
  4. eine Ursache Y bringt einerseits x und andererseits x' hervor, aus denen hier A und dort B folgen
    (wobei für x und x' verschiedene Bedingungen gelten können bezüglich des Eintretens von A bzw. B)
  5. A und B treten – ohne weiteren Zusammenhang – zufällig zur gleichen Zeit auf.

Ein kritischer Beobachter muss grundsätzlich davon ausgehen, dass zwei Ereignisse auch in die letzte Kategorie fallen können. Um dafür einen Anhalt zu haben, bedient man sich statistischer Signifikanztests, welche in Zahlen angeben, wie wahrscheinlich das Auftreten des beobachteten Zusammentreffens unter rein zufälligen Voraussetzungen wäre, abhängig von der Anzahl möglicher Konstellationen.

Ist diese Wahrscheinlichkeit hinreichend gering, was durch mehrfache Wiederholung der Untersuchung bewerkstelligt wird, um den Zielscheibenfehler zu vermeiden, wird der Zufall als Erklärungsmöglichkeit zurückgestellt. Man kann dann versuchen, durch wohlüberlegte Experimente oder verbesserte Beobachtungen herauszufinden, ob und wie es um Kausalität bestellt ist.

Beispiele[Bearbeiten]

Ärztedichte und Lebenserwartung[Bearbeiten]

Einer Studie zufolge korreliert eine hohe Ärztedichte negativ mit der allgemeinen Lebenserwartung. Dort, wo es viele Ärzte gibt, sterben die Menschen früher. Der Denkfehler Cum hoc ergo propter hoc wird begangen, wenn man ohne weitere Informationen eine Kausalität bildet und einen der beiden Parameter zur Ursache erklärt.

Die erste Möglichkeit wäre, die Ärzte für die Ursache der reduzierten Lebenserwartung zu halten, die Aussage lautet dann: Ärzte verkürzen die Lebenserwartung ihrer Patienten.

Die zweite Möglichkeit wäre die Umkehrung, die reduzierte Lebenserwartung wird zur Ursache erklärt. Die Aussage lautet dann: An Orten, wo eine reduzierte Lebenserwartung besteht, sind besonders viele Ärzte anzutreffen.

Die dritte Möglichkeit wäre, dass die Korrelation von einer unbekannten Ursache abhängt. Die Aussage wäre dann: Eine noch unbekannte Ursache sorgt dafür, dass Ärzte dort gehäuft auftreten, wo die Lebenserwartung besonders niedrig ist.

Schuhgröße und Intelligenz[Bearbeiten]

Legt man denselben Intelligenztest einer zufälligen Auswahl von Menschen vor, stellt man immer wieder fest, dass die Intelligenz umso höher liegt, je größer die Schuhgröße ist. Daraus ist weder zu schließen, dass Intelligenz in den Füßen steckt, noch dass die Schuhgröße ein Prädiktor der Intelligenz sei. Der genannte Zusammenhang rührt daher, dass bei einer zufälligen Auswahl auch Kinder den Test für Erwachsene ausfüllen. Da Kinder in der Regel kleinere Füße als Erwachsene haben und außerdem mit den Aufgaben eines Tests, der zumeist das Sprachverständnis eines Erwachsenen voraussetzt, oftmals überfordert sind, treten kleinere Füße oft dann mit niedrigerem Testresultat auf.

Schokolade und Akne bei Jugendlichen[Bearbeiten]

  • „Jugendliche haben häufiger Akne.“
  • „Jugendliche essen viel Schokolade.“

⇒ „Daher muss Schokolade Akne verursachen.“

Diese Aussage schließt aus dem gemeinsamen Auftreten auf eine Ursache-Wirkung-Beziehung (Kausalität) zweier Ereignisse, obwohl die Korrelation auch purer Zufall sein könnte. Zudem wird willkürlich ein Ereignis als Ursache, das andere als Wirkung erklärt.

Vielmehr wären hier verschiedene Zusammenhänge logisch vorstellbar:

  • Häufiger Schokoladenkonsum führt tatsächlich zu einer Erkrankung an Akne (z. B. wegen besonderer Inhaltsstoffe von Schokolade, etwa Fette oder Serotoninauslöser).
  • Häufig führt eine Erkrankung an Akne zu einem Heißhunger auf Schokolade.
  • Häufiger Schokoladenkonsum und eine Erkrankung an Akne haben beide etwas Drittes als gemeinsame Ursache (z. B. könnten jugendliche Hormonausschüttungen sowohl zu Appetit auf Schokolade als auch zu Akne führen).
  • Häufiger wird in der Pubertät die eigene Identität in Frage gestellt. Das Gefühl einer Verunsicherung könnte sowohl in äußeren wie in inneren Verhältnissen zu einem veränderten Verhalten führen, das zu stabilisieren versucht. Durch einen vermehrten Genuss von Süßigkeiten kann man sich selbst belohnen wollen und durch eine erhöhte Talgbildung der Haut kann man sich selbst schützen wollen.
  • Häufiger Schokoladenkonsum und eine Erkrankung an Akne haben nichts miteinander zu tun, die festgestellte Korrelation ist rein zufällig zustande gekommen.

Logisch lässt sich allerdings zwischen diesen alternativen Interpretationen ohne weitere Hinweise keine Entscheidung fällen. Man müsste also weitere Untersuchungen vornehmen, um die eingangs aufgestellte Behauptung als Fehlschluss zu widerlegen.

Störche, Geburten und die britische Königin[Bearbeiten]

Dass in Europa die Zahl der Störche ebenso wie die Zahl der Geburten bei Menschen seit Jahrzehnten abnimmt, ist Gegenstand eines weiteren bekannten Beispiels. Dies ist jedoch kein Beleg dafür, dass der Storch die Babys bringt. Die gemeinsame Ursache sind die wirtschaftlichen und sozialen Änderungen in Europa. Intensivere landwirtschaftliche Techniken sowie verstärkter Siedlungs- und Straßenbau auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen beeinträchtigen den Lebensraum der Störche. Gleichzeitig nimmt mit zunehmendem Wohlstand von Familien weltweit deren Geburtenzahl ab.

Das Beispiel mit den Störchen existiert noch in weiteren Varianten. Z. B. lässt sich in Deutschland ein Zusammenhang finden zwischen der Zahl der Geburten und der Anzahl der Störche bezogen auf eine Region. Dahinter steckt aber vermutlich kein kausaler Zusammenhang, sondern vielmehr eine dritte Variable, nämlich der Grad der Urbanisierung: In ländlichen Gebieten gibt es relativ viele Störche und es werden mehr Kinder geboren, in der Stadt gibt es hingegen relativ wenig Störche und es werden weniger Kinder geboren.

Ein anderes Beispiel, das hin und wieder in Lehrbüchern erwähnt wird, ist, dass die weltweite Bevölkerung offenbar an das Alter der britischen Königin gekoppelt sei: beide Größen steigen jedes Jahr. Dabei tritt wieder eine gemeinsame Ursache auf: die Zeit.

Mierscheid-Gesetz[Bearbeiten]

Gemäß dem nach dem fiktiven Bundestagsabgeordneten Jakob M. Mierscheid benannten, im Jahr 1983 als Satire erdachten Mierscheid-Gesetz entspricht der Stimmenanteil der SPD (in Prozent) im jeweiligen Jahr einer Bundestagswahl dem Index der deutschen Rohstahlproduktion (der alten Bundesländer), gemessen in Millionen Tonnen. Bei vorgezogenen Bundestagswahlen sind die Rohstahlwerte des ursprünglichen und tatsächlichen Wahljahres zu mitteln. Zum Zeitpunkt der Formulierung des „Gesetzes“ konnte so lange gesucht werden, bis ein passender Parameter, hier die Rohstahlproduktion, gefunden wurde. Tatsächlich gab das „Gesetz“ allerdings auch noch bei der nächsten Wahl erstaunlich exakt das SPD-Wahlergebnis wieder. Eventuelle Zusammenhänge, die sich auf eine dritte Größe zurückführen lassen, z. B. dass bei verbesserter/verschlechterter Konjunktur ggf. sowohl die Rohstahlproduktion als auch der SPD-Stimmenanteil steigt/sinkt, sind möglich, aber nicht zwingend.

Globale Erwärmung[Bearbeiten]

Der Einfluss der sinkenden Anzahl von Piraten auf die globale Erwärmung

Ein inzwischen berühmtes, aktuelles Beispiel für cum hoc ergo propter hoc als ironisch-belehrendes Stilmittel von Kritikern ist die Aussage des Physikers Bobby Henderson, dass als einzige Ursache für die globale Erwärmung, Orkane und alle anderen Naturkatastrophen die sinkende Zahl von Piraten seit Beginn des 19. Jahrhunderts verantwortlich sei. Dies ist einer der zentralen Glaubensinhalte der von Henderson gegründeten Religionsparodie mit der Gottheit des Fliegenden Spaghettimonsters.

Im Gegensatz zur versehentlichen, fehlerhaften Aussage über eine Relation von Ursache und Wirkung wird hier bewusst ein offensichtlich falscher Schluss gezogen. Henderson will damit den Argumenten der US-amerikanischen Kreationisten auf gleichem Niveau begegnen, um auf deren logische Fehler hinzuweisen (in etwa eine reductio ad absurdum).

Beim Gore-Effekt handelt es sich um eine ironische Bezeichnung für unzeitiges Schneewetter oder Kälteeinbrüche in Zusammenhang mit Veranstaltungen und Demonstrationen zu Gefahren der globalen Erwärmung. Dieser hat sich Bob Marciano von CNN zufolge bei Fachleuten und im Medienumfeld bereits als Running Gag etabliert. „Einfach schlechtes Timing. Immer wenn es eine entsprechende Klimakonferenz gibt, gibt es einen Kälteausbruch.“[1] Die genaueren Hintergründe sind wie beim Pauli-Effekt unbekannt.

Okunsches Gesetz[Bearbeiten]

Das Okun’sche Gesetz beschreibt einen korrelativen Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit. Aus dieser Korrelation werden z. B. Aussagen bezüglich der Beschäftigungsschwelle (erforderliches Wirtschaftswachstum zur Verhinderung steigender Arbeitslosigkeit) abgeleitet, ohne dass ein ursächlicher Zusammenhang aufgezeigt wird, was zur Formulierung sinnvoller Aussagen aber notwendig ist.

Risikofaktor in der Medizin[Bearbeiten]

Ein weiteres Beispiel für cum hoc ergo propter hoc ist die implizite Unterstellung eines kausalen Zusammenhangs zwischen untersuchter Eigenschaft und einer Krankheit beim Auftreten eines Risikofaktors in der Medizin. Der Risikofaktor ist kein Beweis für das Vorhandensein eines solchen Zusammenhangs, sondern gibt lediglich an, wie viel mal häufiger eine Erkrankung bei einer Gruppe mit der entsprechenden Eigenschaft im Vergleich zu einer Kontrollgruppe anzutreffen ist.

Ähnliche Ausdrücke[Bearbeiten]

cum hoc non est propter hoc (Verneinung des Prinzips)[Bearbeiten]

Will man ausdrücken, dass ein Fehlschluss nach dem Muster cum hoc ergo propter hoc vorliegt, so sagt man cum hoc non est propter hoc (lat.; ‚Mit diesem ist nicht deswegen.‘).

post hoc ergo propter hoc (zeitliches Nacheinander)[Bearbeiten]

Mit post hoc ergo propter hoc (lat.; ‚danach, also deswegen‘) ist ein verwandter Fehlschluss gemeint. Post betont dabei im Gegensatz zu cum, dass die vermeintliche Wirkung später als deren Ursache eintritt. Anders als bei „cum hoc“ ist es also bei „post hoc“ ausgeschlossen, dass sich beide Tatsachen in ihrer Ursache-Wirkung-Deutung vertauschen lassen, weil sie nacheinander auftreten.

Beispiel für post hoc ergo propter hoc:

  • „Nachdem ich mit dem linken Fuß aufgestanden bin, fällt mir die Kaffeetasse herunter. Also ist das „falsche“ Aufstehen der Grund dafür, dass mir die Kaffeetasse herunterfällt.“

Diese Schlussfolgerung ist ein logischer Fehler (Paralogismus), da das zeitlich frühere Ereignis zwar Ursache des späteren Ereignisses sein könnte, allein die zeitliche Abfolge aber nicht ausreicht, um eine Kausalverbindung zu begründen. Im Beispiel könnte die Ursache für das Fallenlassen auch darin liegen, dass sich die Person wegen irgendetwas erschreckt hat.
⇒ Also ist die zeitliche Abfolge zwar notwendig für den Schluss auf die Ursache, aber nicht hinreichend (vgl. Notwendige und hinreichende Bedingung).

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiedergabe eines Radiomittschnitts des „American Morning“ Programs auf CNN, 5. Januar 2010

Siehe auch[Bearbeiten]