Edgar Bonjour

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Edgar Bonjour (* 21. August 1898 in Bern; † 26. Mai 1991 in Basel) war ein Schweizer Historiker. Bonjour war ein Altmeister der schweizerischen Geschichtswissenschaft. Bekannt wurde er vor allem durch die mehrbändige Geschichte der Schweizerischen Neutralität und des Bonjour-Berichtes an den Bundesrat.

Leben[Bearbeiten]

Edgar Bonjour wuchs in Bern auf und die Schulen und das Studium durchlief der vornehmlich französischsprachige Bonjour, mit Ausnahme eines Genfer Semesters, in Bern. Sein wichtigster Lehrer war Richard Feller und Bonjour promovierte im Jahr 1923 mit seinem Aufsatz „Die Bauernbewegung des Jahres 1525 im Staate Bern“. Nach einem Aufenthalt in Paris und Berlin unterrichtete er am Städtischen Gymnasium Bern. Danach wirkte er von 1933 bis 1935 als Vizedirektor des Schweizerischen Bundesarchivs und habilitierte sich 1935 an der Universität Bern mit dem Thema „Die Vorgeschichte des Neuenburger Konfliktes“.

1935 wurde Bonjour als ordentlicher Professor für Schweizer Geschichte und Neuere Allgemeine Geschichte an die Universität Basel berufen. 1946 wurde er deren Rektor und blieb der Universität bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1968 und gar darüber hinaus treu. So nahm er ab 1980 in begrenztem Umfang, aber mit beträchtlichem Erfolg, wieder die Vorlesungstätigkeit auf. Auch an der Volkshochschule und in der Seniorenuniversität wirkte Bonjour unter grossem Publikumszulauf bis in die letzten Lebensjahre. Seine letzte Vorlesung im Rahmen des regulären Lehrprogramms hielt er noch zwei Wochen vor seinem Tod vom 26. Mai 1991.

Sein Lebensthema wurde die Geschichte der schweizerischen Neutralität. Nach einer ersten kleineren Schrift im Jahre 1943 entfaltete er das Thema in mehreren Etappen zwischen 1965 und 1970 zu einem sechsbändigen Monumentalwerk, wobei die letzten drei Bände, die er ab 1962 in bundesrätlichem Auftrag verfasste, als Bonjour-Bericht in die schweizerische Geschichtsschreibung eingingen. Bonjour übernahm diese Aufgabe nur unter der Bedingung, dass sein Bericht, ob veröffentlicht oder nicht, niemals zensuriert werde. Um seine Unabhängigkeit zu wahren, verzichtete er sogar auf eine Entschädigung. Bis 1976 folgten noch drei weitere Bände mit Dokumenten aus der Kriegszeit und 1978 eine Kurzfassung. Er publizierte zahlreiche Aufsätze zum Thema in den Schweizer Monatsheften.

Auch andere Gebiete der Schweizer Geschichte bearbeitete Bonjour und es folgten verschiedene Veröffentlichungen. Bonjour hat eine ganze Generation von Historikern massgeblich geprägt und seine Leistungen fanden entsprechende Anerkennung und es wurden ihm die Ehrendoktorwürden der Universität Neuenburg und der Wirtschaftshochschule St.Gallen verliehen. Daneben wurde er 1965 in die Historische Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Nachlass[Bearbeiten]

Der Nachlass von Edgar Bonjour wurde von seinen Erben im Jahr 2004 als Leihgabe dem Staatsarchiv Basel-Stadt übergeben. Neben den wissenschaftlichen Arbeiten findet man darin Material zu seiner Tätigkeit als Universitätslehrer, seinen Vorträgen, Ansprachen und Interviews zu aktuellen Fragen, sowie persönliche Papiere. Es ist auch Material vorhanden, das sein Wirken für das Basler Kammerorchester und dessen Gründer Paul Sacher dokumentiert. Sein Nachlass ist öffentlich zugänglich.

Werke[Bearbeiten]

  • Die Schweiz und Europa – Ausgewählte Reden und Aufsätze von Edgar Bonjour. 8 Bände, Basel 1958–1988.
  • Die Universität Basel von den Anfängen bis zur Gegenwart 1460-1960, Basel 1960 (2. Aufl. 1971)
  • Erinnerungen. Basel 1983 (2. Aufl. 1984)
  • Freundesbriefe, Basel 1987 (enthält nur Briefe an Edgar Bonjour)
  • Geschichte der schweizerischen Neutralität – Vier Jahrhunderte eidgenössischer Aussenpolitik. 9 Bände, Basel 1965–1976
  • (Herausgeber) Johannes von Müller – Schriften in Auswahl, Basel 1953 (2. Aufl. 1955)
  • Englands Anteil an der Lösung des Neuenburger Konflikts 1856/57, Basel 1943
  • Vor hundert Jahren – Die Wiederherstellung der Volksherrschaft im Kanton Bern, Bern 1931
  • mit Albert Bruckner Basel und die Eidgenossen, Basel 1951
  • Werden und Wesen der Schweizerischen Demokratie, Basel 1939
  • Geschichte der schweizerischen Neutralität – Drei Jahrhunderte eidgenössischer Außenpolitik. Basel, Helbing & Lichtenhahn, 1946.
  • Die Gründung des schweizerischen Bundesstaates, Basel 1948
  • (mit Richard Feller) Geschichtsschreibung der Schweiz – Vom Spätmittelalter zur Neuzeit, 2 Bände, Basel 1962 (2. Aufl. 1979)

Festschrift[Bearbeiten]

  • Discordia concors. Festgabe für Edgar Bonjour zu seinem siebzigsten Geburtstag am 21. August 1968, 2 Bände, Basel/Stuttgart 1968

Weblinks[Bearbeiten]