Eduard Schlagintweit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eduard Schlagintweit. Grafik von Adolf Neumann.
Eduard Schlagintweit
Eduard Schlagintweits Grabmal in Bad Kissingen

Eduard Schlagintweit (* 23. März 1831 in München; † 10. Juli 1866 (gefallen) in Hausen (Bad Kissingen)) war ein königlich bayerischer Offizier, Wissenschaftler und Autor.

Leben[Bearbeiten]

Er war der Sohn des Arztes Joseph Schlagintweit (1791–1854) und der Rosalie Seidel (1805–1839) und der dritte der fünf Gebrüder Schlagintweit, die alle Wissenschaftler und Forschungsreisende wurden. Mit Hermann und Adolph bestieg Eduard während seiner Zeit als Zögling des Bayerischen Kadettenkorps in den Jahren 1846 und 1847 zweimal die Alpen.[1] Auf diesen Reisen sammelte er die Erfahrungen für seine späteren Beobachtungen in Marokko.

Nach seiner Ausbildung im Kadettenkorps war Schlagintweit im Jahr 1849 Unterleutnant und 1850 Leutnant im 6. Königlich Bayerischen Chevauleger-Regiment. Zehn Jahre später nahm er mit Erlaubnis des bayerischen Königs als Oberleutnant am Spanisch-Marokkanischen Krieg (1859/1860) im Hauptquartier des Oberbefehlshabers Leopoldo O’Donnell teil,[2] „um zugleich geographische und ethographische Notizen zu sammeln“.[3] Für seine Verdienste wurde er mit dem spanischen Ferdinandsorden und der Medalla de la Campaña de Africa ausgezeichnet. In Marokko machte er von Köpfen der Einwohner Gipsmasken, nahm Messungen vor und machte Fotos. Alle Unterlagen nahm er nach Deutschland zu weiteren Studien mit.[4]

Später ging Schlagintweit nach England und Frankreich, wo er sein häufig zitiertes Werk Der spanisch-marokkanische Krieg in den Jahren 1859 und 1860 schrieb.

Schlagintweit fiel im Deutschen Krieg als Hauptmann im Generalquartiermeisterstab und Adjutant des Generalkommandanten und Generalleutnants Oskar Freiherr von Zoller (1809–1866) in der Schlacht bei Kissingen.[5] Er wurde an Ort und Stelle gemeinsam mit vier ebenfalls gefallenen Soldaten des 5. Königlich Bayerischen Jäger-Bataillons in der heutigen Gefallenengedenkstätte für 1866 gegenüber dem heutigen Bismarck-Museum (Obere Saline) in Hausen (heute Ortsteil von Bad Kissingen), begraben. Am 28. November 1866, also vier Monate später, ließ sich König Ludwig II. bei einem Kissingen-Besuch trotz schweren Schneegestöbers das Grab von Hauptmann Schlagintweit zeigen.[6]

Schlagintweit war Mitglied mehrerer gelehrter Gesellschaften.[7]

Orden und Ehrenzeichen[Bearbeiten]

  • Ritter des königlich spanischen Ferdinandsordens
  • Inhaber der Medalla de la Campaña de Africa

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1. Bericht über die spanische Armee in Marokko, 1860
  • Die militairischen Verhältnisse des Kaiserthums Marokko; zweiter Bericht, 1860
  • Militärische Skizzen über England und Frankreich, in: Allgemeine Militärzeitung, 1861
  • Der spanisch-marokkanische Krieg in den Jahren 1859 und 1860, 3 Teile, F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1863 (Online-Ausgabe)
  • État militaire de l'empire du Maroc par Edouard Schlagintweit, 1865

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eduard Schlagintweit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eduard Brückner (Hg.): Annales de glaciologie, Commission Internationale des Glaciers (Hg.), Band 26–27, Seite 332 (Auszug)
  2. Blätter für literarische Unterhaltung, 1866, Band 1–2, Seite 591 (Digitalisat)
  3. Wilhelm Eduard Gottfried Seemann,Berthold Seemann: Bonplandia, Deutsche Akademie der Naturforscher (Hg.), Band 8, Seite 109 (Digitalisat)
  4. Bodo von Dewitz, Reinhard Matz: Silber und Salz, Seite 319, Verlag Edition Braus, 1989, ISBN 3925835652 bzw. ISBN 9783925835650 (Auszug)
  5. Militär-Handbuch des Königreich Bayern von 1864, Seite 104 (Digitalisat)
  6. Peter Ziegler: Prominenz auf Promenadenwegen, Seite 45, Verlag Ferdinand Schöningh, Würzburg 2004, ISBN 3-87717-809-X
  7. Grabmalsinschrift in Bad Kissingen