Erika (Schiff)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

p1

Erika
p1
Schiffsdaten
Flagge MaltaMalta (Handels- und Dienstflagge zur See) Malta
Schiffstyp Tanker
Heimathafen Valletta
Bauwerft Kasado-Werft
Sonstiges
Klassifizierungen

Registro Italiano Navale

Erika war der Name eines Öltankers, der im Auftrag des französischen Konzerns TotalFinaElf fuhr und 1999 an der Küste der Bretagne eine Ölpest verursachte.

Die Erika wurde 1975 von der Werft Kasado im japanischen Kudamatsu gebaut; der erste Name des Schiffes war Shinsei Maru. Am 12. Dezember 1999 war das in Malta registrierte Schiff des italienischen Eigentümers Giuseppe Savarese von Dünkirchen aus unterwegs nach Livorno. Bei Windstärke zehn und bis zu 14 Meter hohen Wellen zerbrach es in zwei Teile,[1] sank vor der bretonischen Küste südlich der Hafenstadt Brest und verlor dabei rund 17.000 Tonnen seiner Tankladung von 30.800 Tonnen Öl. Zuvor hatten sich im Rumpf des 10 Prozent überladenen Tankers, der nur maximal 28.000 Tonnen Öl hätte laden dürfen, bis zu drei Meter lange und 15 Zentimeter breite Risse gebildet.

Der verursachte Schaden wurde auf 500 Millionen Euro geschätzt; die ökologischen Schäden bei Menschen und Tieren als Folge der Ölpest waren dabei nicht mit einbezogen. Es wurden zwischen 150.000 und 300.000 Seevögel getötet, darunter viele Trottellummen.

Im Laufe des Prozesses, der im Februar 2007 begann, wurde bekannt, dass der italienische Eigentümer der Erika von mangelhaft ausgeführten Reparaturarbeiten wusste. Die Besichtiger der italienischen Klassifikationsgesellschaft RINA bescheinigten dem Schiff wider besseres Wissen Seetüchtigkeit. Das Tribunal Correctionnel von Paris verurteilte am 16. Januar 2008 das Unternehmen TotalFinaElf, den Eigentümer und die RINA zu Strafen und Schadensersatz in Höhe von insgesamt rund 200 Millionen Euro. Die Berufung wurde am 30. März 2010 abgewiesen, das Urteil damit bestätigt.[2] Auch ein französisches Kassationsgericht hat die letztmögliche Berufung im September 2012 abgelehnt.[3][4] Als Reaktion darauf hat sich Total einen Tag später vorgenommen, auf die Ölausbeutung in der ökologisch empfindlichen Arktis zu verzichten und empfiehlt auch anderen Ölkonzernen, dem Beispiel zu folgen.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Höchststrafen für Erika-Ölpest bestätigt. In: taz, 31. März 2010
  2. 12-Uhr-Nachrichtenbulletin des Schweizer Radiosenders DRS vom 30. März 2010
  3. Ein Nachrichtenbulletin von Radio DRS am 25. September 2012
  4. Sven G. Kaufmann: Reformbedarf auf internationaler Ebene für die rechtliche Aufarbeitung von Tankerkatastrophen: Das Erika-Urteil des französischen Kassationsgerichtes vom 25. September 2012, Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht (ZaöRV) 03/2013, 509
  5. Nachrichtenbulletin des Deutschlandfunk vom 26. September 2012, 10.00 Uhr

47.15-4.25Koordinaten: 47° 9′ 0″ N, 4° 15′ 0″ W