Ernő Szép

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ernő Szép [ˈɛrnøː seːp] (* 30. Juli 1884 in Huszt, seinerzeit Österreich-Ungarn, heute Oblast Transkarpatien, Ukraine; † 2. Oktober 1953 in Budapest[1]) war ein ungarisch-jüdischer Dichter, Schriftsteller und Journalist.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn eines jüdischen Lehrers wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Als Gymnasiast in Debrecen unternahm er seine ersten schriftstellerischen Versuche. Bereits im Jahr 1902 veröffentlichte er einen Gedichtband. Durch seine Gedichte, Chansontexte, Zeitungskolumnen und Kurzgeschichten wurde Ernö Szép, der bereits als junger Mann nach Budapest kam, populär. Älter als Sándor Márai und Antal Szerb, die "Großen Eleganten", zählte er zu den Mitbegründern der ungarischen Moderne und wurde Mitarbeiter der 1908 gegründeten Literaturzeitschrift Nyugat („Westen“).

Im Ersten Weltkrieg war er Krankenpfleger und Kriegsberichterstatter. Nach dem Sturz der ungarischen Räterepublik unter Béla Kun emigrierte Szép 1919 für kurze Zeit nach Wien. In den 1920er Jahren war er ein gefeierter Bühnenautor und Mitarbeiter der Zeitung Az Újság (Die Zeitung), einem Sprachrohr bürgerlich-liberaler Ideen.

In Drei Wochen in 1944 beschreibt Szép seine Zeit als jüdischer Zwangsarbeiter. Im Herbst 1944 wurde er in einem der Budapester Judenhäuser ghettoisiert und zur Zwangsarbeit verpflichtet. In Zusammenhang mit der Rettungsaktion des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg hatte Szép einen schwedischen Schutzpass erhalten. Wallenbergs Abteilung hatte sich drei Tage nach Széps Verschleppung in einer Protestnote u.a. auch für ihn eingesetzt. Als Inhaber eines Schutzpasses wurde er am 8. November 1944 aus der Zwangsarbeit entlassen und überlebte den Krieg in einem der schwedischen Schutzhäuser. Verarmt und nahezu vergessen starb er 1953 in Budapest.

In deutscher Übersetzung erschienen der Roman Lila Akazien, sowie die Bücher Ungarische Skizzen, Drei Wochen in 1944 und Sünden. Im Dezember 2008 erschien in deutscher Erstausgabe der Roman Ádámcsutka (1935) unter dem deutschen Titel Die Liebe am Nachmittag, übersetzt von Ernö Zeltner. Insgesamt schrieb Szép vier Romane, außerdem Theaterstücke und Gedichte.

Film[Bearbeiten]

István Székely (Steve Sekely, 1899-1979) verfilmte die Komödie Lila ákác 1934 und ein zweites Mal 1973.[2].

Werke[Bearbeiten]

  • Die Liebe am Nachmittag. Roman. (Ádámcsutka, 1935), Aus dem Ungar. von Ernő Zeltner, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2008
  • Drei Wochen in 1944. (Emberszag, 1945), Deutsch von Ernst Szep. Verlag Panorama, Wien 1947, (engl. The Smell of Humans, 1994)
  • Die goldene Uhr. Ein Märchen in 3 Akten. Marton Verlag, Berlin 1932
  • Lila Akazien. Ein altmodischer Roman. (Lila ákác, 1919) Drei-Masken-Verlag, München 1922. Verfilmt 1934 von István Székely
  • Sünden. Ein Buch des Gewissens. Merlin-Verlag, Heidelberg 1928
  • Ungarische Skizzen. Ins Deutsche übertr. von Amélie Agoston. Mit 6 Federzeichn. von Schülein u. e. Vorw. von Kasimir Edschmid Falken-Verlag, Darmstadt 1917
  • Zahnarzt sucht Mitgift 10.000. , Komödie . Dt. Bearb.: Robert Vambery, Bloch, Berlin 1920

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Gann: Raoul Wallenberg. So viele Menschen retten wie möglich. dtv, München 2002, ISBN 3-423-30852-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. angabe bei hunlit, im Klappentext der dtv-Ausgabe von 2008 steht als Sterbeort Schweden
  2. 1973 mit Judit Halász, 2003 Unicef-Botschafterin für Ungarn, und András Bálint