Ersatzwesen

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Das Ersatzwesen verwaltet beim Militär im weitesten Sinne die Ergänzung der Streitkräfte durch Personal und Material. Im engeren Sinne bedeutet Ersatz die Ergänzung durch Personal, während die Ergänzung an Material als Nachschub bezeichnet wird. Dieser Artikel behandelt den Personalersatz.

Personalersatz im Frieden[Bearbeiten]

Im Frieden erfolgt der Ersatz durch junge Mannschaften, die erst die militärische Ausbildung durchlaufen und dann an die Stelle der nach Hause Entlassenen treten. Die geschieht auf verschiedene Weise, je nach Gesetzeslage entweder durch die Einstellung Wehrpflichtiger und/oder durch angeworbene Zeit- und Berufssoldaten.

Personalersatz im Krieg[Bearbeiten]

Im Krieg müssen der Armee an der Front ausgebildete Kräfte zur Verfügung stehen, die für die Toten, Verwundeten, Gefangenen und Vermissten in die Truppenteile eintreten.

Deutschland[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Alte Armee / Kaiserreich[Bearbeiten]

Nach preußischem Muster wurde die Organisation des Ersatzwesens für das gesamte deutsche Heer ab den 1870er Jahren organisiert. Die gesetzliche Grundlage bildeten das Reichs-Militärgesetz vom 2. Mai 1874 und die Wehrordnung vom 22. November 1888. Die Heeresergänzung wurde im Zusammenwirken ziviler und militärischer Behörden (Landrat, Ersatzkommission, Bezirkskommando, Oberersatzkommission, Ministerialinstanz) in drei Phasen organisiert und zwar 1. Erfassung 2. Musterung und 3. Aushebung (Einberufung). Ihre Organisation wurde bis zum Ersten Weltkrieg durch die Einrichtung von Meldeämtern, Hauptmeldeämtern und Landwehrinspektionen diversifiziert und bildete im Prinzip das Vorbild für alle späteren in Deutschland entwickelten Ergänzungssysteme. Wehrpflichtige, die aus der sogenannten seemännischen bzw. halbseemännischen Bevölkerung stammten, sollten zur Ergänzung der Kaiserlichen Marine herangezogen werden.

Reichswehr[Bearbeiten]

Für die Reichswehr verbot der Friedensvertrag von Versailles Mobilmachungsvorbereitungen. Es gab daher (offiziell) keine Planung für den Personalersatz.

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Die Musterung und die Einberufung zum Grundwehrdienst erfolgte durch das zuständige Kreiswehrersatzamt, dem die Meldebehörden die Wehrpflichtigen melden. Mit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 erfolgt der Personalersatz durch Anwerbung Freiwilliger. Im Rahmen der Umgliederung zur „von Grund auf erneuerten Bundeswehr“ 2001 wurde das Territorialheer und mit ihm die für den Personalersatz vorgesehene Organisation aufgelöst. Ein Aufwuchs der Bundeswehr für den Verteidigungsfall ist aktuell nicht vorgesehen und wäre nur im Rahmen der Rekonstitution (Wiederaufbau der Befähigung zur Landesverteidigung gegen einen Angriff mit konventionellen Streitkräften innerhalb eines überschaubaren längeren Zeitrahmens) [1] möglich.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verteidigungspolitische Richtlinien 2003, Teil I, S.11

Literatur[Bearbeiten]

  • Wörterbuch zur Deutschen Militärgeschichte, Militärverlag der DDR, Berlin (Ost) 1985, S. 176/177
  • Hermann Rahne: Mobilmachung. Militärische Mobilmachungsplanung und -technik in Preußen und im Deutschen Reich von Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Militärverlag der DDR, Berlin (Ost), 1983