Erwein von Aretin

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Erwein Freiherr von Aretin (* 19. September 1887 in Bad Kissingen; † 25. Februar 1952 in München) war ein bayerischer Journalist und Monarchist und Funktionär der Bayernpartei.

Leben[Bearbeiten]

Er entstammte der Familie Aretin und war ein Urgroßneffe des Historikers Johann Christoph Freiherr von Aretin. Seine Eltern waren Freiherr Anton von Aretin (1847–1921) und Prinzessin Maria Anna von der Leyen und zu Hohengeroldseck (1857–1936). Er hatte noch drei ältere Geschwister: Karl (1884–1945), Adelheid Gräfin von Arco auf Valley (1883–1957) und Elisabeth Gräfin von Bissingen und Nippenburg (1886–1957).

Von Aretin studierte nach dem Abitur 1906 am Wilhelmsgymnasium München[1] Astronomie und Kunstgeschichte und war vor dem Ersten Weltkrieg Assistent an der Kuffner-Sternwarte in Wien-Ottakring.

Im Kriegsjahr 1914 heiratete er die Gräfin Maria Anna von Belcredi (1888–1968). Aus dieser Ehe gingen vier Söhne hervor.

Seit 1924 arbeitete er, zuletzt als Ressortleiter für Innenpolitik, für die Münchner Neuesten Nachrichten, die Anfang der dreißiger Jahre die auflagenstärkste Tageszeitung Süddeutschlands war[2], und nutzte diese Stellung zum Kampf sowohl gegen den Nationalsozialismus als auch gegen die Weimarer Republik. In seiner 1924 erschienenen programmatischen Schrift, Das bayerische Problem, fordert Aretin, dass ein Königreich Bayern anstelle des 1919 zerschlagenen Kaiserreichs Österreich „auf die verödete Ostbastion des deutschen Volkes“ treten müsse, „soll nicht die üble Mischung balkanisch-jüdischen Geistes ihr zersetzendes Gift weiterfressen lassen in den gesunden deutschen Körper“.[3] Die von Aretin verwandte Metapher vom jüdischen Geist als zersetzendes Gift war seinerzeit sowohl in judenfeindlich-katholischen Kreisen als auch in der aufkommenden nationalsozialistischen Bewegung weitverbreitet und ist wesentlicher Bestandteil antisemitischer Ideologien.[4] In politischer Hinsicht war er Vorsitzender des Bayerischen Heimat- und Königsbundes (BHKB), bis dieser 1933 verboten wurde.

Von Aretin wurde am 13. März 1933[2] verhaftet und saß im KZ Dachau ein. Nach der Freilassung am 17. Mai 1934, für die sich der Reichsstatthalter Epp und Rupprecht von Bayern eingesetzt hatte, wurde gegen ihn ein Publikationsverbot und ein Aufenthaltsverbot für Bayern verhängt.[5] Er lebte bis Kriegsende im Schwarzwald. Trotz des Verbotes veröffentlichte er in der Schweiz unter verschiedenen Pseudonymen und bei verschiedenen Zeitungen NS-kritische Artikel.

Ab September 1949 war von Aretin Herausgeber der Wochenzeitung Münchner Allgemeine, die der Bayernpartei nahestand. Er selbst war Bezirksvorsitzender der BP in Niederbayern und Vorstandsmitglied des wiederbegründeten BHKB.

Kinder[Bearbeiten]

Sein ältester Sohn Anton Freiherr von Aretin war für die Bayernpartei Bundestags- und Landtagsabgeordneter, sein dritter Sohn Karl Otmar Freiherr von Aretin war ein bekannter Historiker.

Der zweite Sohn Sebastian (1921–1945) fiel im Zweiten Weltkrieg. Der jüngste Sohn Richard (1926–2006) war Jesuitenpater in München sowie Postulator im Seligsprechungsverfahren für P. Rupert Mayer SJ.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Das Bayerische Problem. J. Lindauersche Universitätsbuchhandlung (Schöpping), München 1924.
  • Wittelsbacher im KZ. Münchener Dom Verlag, München 1946?
  • Kronprinz Rupprecht von Bayern - Sein Leben und Wirken. In: Weiß-blaue Hefte, Folge 4, 1948.
  • Die Sühneseele von Konnersreuth. 2., erheblich erw. Aufl., 6.-10. Tsd. Verlag Hacker, Gröbenzell bei München 1956.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Annette von Aretin

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Jahresbericht vom K. Wilhelms-Gymnasium zu München. ZDB-ID 12448436, 1905/06
  2. a b Peter Langer: Paul Reusch und die Gleichschaltung der „Münchner Neuesten Nachrichten“ 1933 in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 2005, Heft 2, S. 203 (online; PDF; 1,7 MB)
  3. E. v. Aretin: Das bayerische Problem, 1924, S. 26.
  4. S. Wiguläus Dräxelmayr: Erwein von Aretin und die “allzu starke Dosis fremdrassigen Giftes”, 2013 (Bericht auf haGalil, zuletzt aufgerufen Februar 2013)
  5. Elisabeth Chowaniec: Der „Fall Dohnanyi“ 1943–1945. Widerstand, Militärjustiz, SS-Willkür. München 1991, S. 559.