Kreuzzeitung

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Titelseite von 1914[1]

Die Kreuzzeitung hieß eigentlich Neue Preußische Zeitung, wurde aber nach dem Eisernen Kreuz im Titel allgemein Kreuzzeitung genannt (führte auch den Untertitel Kreuz-Zeitung) und erschien von 1848 bis 1939.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Kreuzzeitung wurde 1848 von Hermann Wagener als Organ der Christlich-Konservativen um die Brüder Leopold und Ernst Ludwig von Gerlach sowie Hans Hugo von Kleist-Retzow und Ernst Karl Wilhelm Adolf Freiherr Senfft von Pilsach gegründet.

Siehe hierzu auch: Konservative Partei (Preußen)

Ausrichtung[Bearbeiten]

Die Kreuzzeitung galt als sehr konservativ, antidemokratisch und als Unterstützerin der preußisch-deutschen Monarchie. Sie gehörte neben dem Reichsboten und der Staatsbürgerzeitung zu den streng reaktionär-antisemitischen Publikationen.[2] Sie war das „Blatt der Partei der feudalen Junker und orthodox evangelischen Pastoren“.[2]

Chefredakteure[Bearbeiten]

Mitarbeiter[Bearbeiten]

Ernst Ludwig von Gerlach schrieb hier über ein Jahrzehnt monatlich bis vierteljährlich seine politische „Rundschau“. Neben ihm lieferte insbesondere Friedrich Julius Stahl vielbeachtete Beiträge. Weitere Mitarbeiter waren Philipp von Nathusius seit 1848 und sein Sohn Philipp von Nathusius-Ludom (seit 1872).

Der berühmteste Mitarbeiter war ohne Zweifel Theodor Fontane (von 1856 bis 1870), der von 1860 bis 1870 den „englischen Artikel“ redigierte. (George Hesekiel betreute den „französischen Artikel“.) Ein weiterer bedeutender Mitarbeiter war Hermann Goedsche, auch er ein Verfasser vieler – freilich ziemlich kolportagehafter Romane – und maßgeblich mitverantwortlich für die Verbreitung der antisemitischen Weltverschwörungslegende.

Fontane charakterisiert in der Schilderung seines Einstellungsgesprächs mit dem Chefredakteur das Kreuzzeitungsmilieu: „In das Sofakissen war das Eiserne Kreuz eingestickt, während aus dem schwarzen Bilderrahmen ein mit der Dornenkrone geschmückter Christus auf mich niederblickte“ (In: Von Zwanzig bis Dreißig im 7. Kapitel des Abschnitts über den Tunnel über der Spree). Doch verteidigt er die Redaktion auch, indem er betont, er habe dort keinerlei Byzantinismus und Muckertum vorgefunden, und das Wort Julius Stahls zitiert: „Meine Herren vergessen wir’s nicht, auch das konservativste Blatt ist immer noch mehr Blatt als konservativ.“

Geldmangel führte dazu, dass die Redaktion der Kreuzzeitung zuweilen Artikel fremder Zeitungen umschrieb und daraus Beiträge angeblich im Ausland tätiger Korrespondenten konstruierte. Zu diesem Zweck fälschte man Orts- und Datumsangaben als auch Korrespondentenzeichen, was Fontane in seiner autobiografischen Schrift Von Zwanzig bis Dreissig beschreibt.[3]

Die Kreuzzeitung besaß ein beratendes Komitee, das 1895 den Chefredakteur Hammerstein suspendierte. Das Vorgehen rechtfertigte Jordan von Kröcher im Preußischen Abgeordnetenhaus und vor seiner Fraktion, den Deutschkonservativen.

Einstellung der Zeitung[Bearbeiten]

Am 29. August 1937 teilten die Nationalsozialisten den Lesern der Zeitung lapidar mit: „Mit dem heutigen Tage haben wir die ‚Kreuzzeitung‘ übernommen“. Die letzte Ausgabe erschien am 31. Januar 1939, danach wurde die Zeitung eingestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Deklaranten

Literatur[Bearbeiten]

  • Luise Berg-Ehlers: Theodor Fontane und die Literaturkritik. Zur Rezeption eines Autors in der zeitgenössischen konservativen und liberalen Berliner Tagespresse. Winkler, Bochum 1990. ISBN 3-924517-30-4
  • Dagmar Bussiek: „Mit Gott für König und Vaterland!“ Die Neue Preußische Zeitung (Kreuzzeitung) 1848–1892, Lit, Münster u. a. 2002. (= Schriftenreihe von Stipendiatinnen und Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung; 15) ISBN 3-8258-6174-0
  • Theodor Fontane im literarischen Leben. Zeitungen und Zeitschriften, Verlage und Vereine. Dargest. v. Roland Berbig unter Mitarb. v. Bettina Hartz. Berlin u. a.: de Gruyter 2000 (= Schriften der Theodor Fontane Gesellschaft; 3), ISBN 3-11-016293-8, S. 61–70.
  • Hans Leuss: Wilhelm Freiherr von Hammerstein. 1881–1895 Chefredakteur der Kreuzzeitung. Auf Grund hinterlassener Briefe und Aufzeichnungen. Walther, Berlin 1905.
  • Meinolf Rohleder, Burkhard Treude: Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung. Berlin (1848–1939). In: Heinz-Dietrich Fischer(Hrsg.): Deutsche Zeitungen des 17. bis 20. Jahrhunderts. Pullach bei München 1972, S. 209–224.
  • Bernhard Studt: Bismarck als Mitarbeiter der „Kreuzzeitung“ in den Jahren 1848 und 1849. J. Kröger, Blankenese 1903.
  • Burkhard Treude: Konservative Presse und Nationalsozialismus. Inhaltsanalyse der „Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung“ am Ende der Weimarer Republik. Studienverl. Brockmeyer, Bochum 1975. (= Bochumer Studien zur Publizistik- und Kommunikationswissenschaft; 4)
  • Hans Dieter Bernd: Die Instrumentalisierung des Antisemitismus und der Dolchstoßlegende in der Kreuz-Zeitung. In: Die Beseitigung der Weimarer Republik auf „legalem“ Weg: die Funktion des Antisemitismus in der Agitation der Führungsschicht der DNVP, Kap. 6. Dissertation 2004, S. 171ff.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. hier: Morgenausgabe, Nr 367 vom 7. August 1914
  2. a b Heinz-Dietrich Fischer: Geschichte der Parteizeitung. In: Joachim-Felix Leonhardt, Hans-Werner Ludwig, Dietrich Schwarze (Hrsg.): Medienwissenschaft (= Handbücher Zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft. Bd. 15.1). de Gruyter, Berlin / New York 1999, ISBN 3-11-013961-8, S. 944
  3. Helmuth Nürnberger: Fontanes Welt. 1. Auflage. Siedler Verlag, Berlin 1997, S. 193f.