Es ist für uns eine Zeit angekommen

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Es ist für uns eine Zeit angekommen war ursprünglich ein christliches Sternsingerlied aus der Schweiz und hat im Laufe der Zeit im deutschsprachigen Raum verschiedene Textüberlieferungen gefunden. Als Weihnachtslied ist es 1993/94 in einige Regionalausgaben des Evangelischen Gesangbuchs aufgenommen worden und hat damit den Status eines echten Kirchenliedes bekommen. Eine heute weit verbreitete, 1939 entstandene Umdichtung des Textes hat das Lied zu einem „von allem christlichen Bezug […] entkleidet[en]“[1] Winterlied gemacht.

Melodie[Bearbeiten]

Die populäre Melodie?/i des Liedes stammt aus dem Brauchtum der Sternsinger im schweizerischen Wiggertal im Kanton Luzern. Dort ist das Lied im 19. Jahrhundert in Erscheinung getreten. Der Volksliedsammler Alfred Leonz Gaßmann (1876–1962) berichtete 1906[2] von dem Brauch des Dreikönigssingens, wobei die Sänger am Abend von Haus zu Haus zogen und die Geburt Jesu mit diesem Lied verkündeten. Ein Sänger trug einen Stern voran („Sterndreher“), der mit verschiedenfarbigem Papier überzogen war und mit einer aus dem Innern leuchtenden Kerze ein eindrückliches Bild abgab. Der Sternsingerbrauch im Wiggertal wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts praktiziert, erlosch dann jedoch.

Text[Bearbeiten]

Weihnachtslied[Bearbeiten]

19. Jahrhundert/Kanton Luzern[Bearbeiten]

Vom Wiggertaler Sternsingerlied sind in der zweiten und dritten Strophe zwei Weisen überliefert, aus Uffikon und aus Buchs:

Strophe 1:
Es ist für uns eine Zeit angekommen,
es ist für uns eine große Gnad',
Denn es ist ein Kind geboren
und das der höchste König war,
Unser Heiland Jesus Christ,
der für uns, der für uns,
der für uns Mensch geworden ist.

 

Strophe 2 (Uffikon):
Herodes war so sehr verdrossen,
wiel er dieses nicht leiden mag.
Denn es lag in der harten Krippe
und die gar noch ein Felsen war:
Zwischen Ochs und Eselein
liegst du armes, liegst du armes Jesulein.

Strophe 3 (Uffikon):
In der Krippe muß er liegen
und wenn's der härteste Felsen wär:
Zwischen Ochs und Eselein
liegst du armes, liegst du armes Jesulein.

Strophe 2 (Buchs):
Die Weisen, sie kamen schon zu reisen,
sie kamen aus dem Morgenland.
Ein Stern, der tät' sie schön begleiten
und führte sie nach Bethlehem.
Sie knieten vor dem Kindelein,
großes Opfer, großes Opfer brachten sie dar.

Strophe 3 (Buchs):
Die Könige kamen ihn zu besuchen,
der Stern führt' sie nach Bethlehem,
sie legten ihm Kron' und Szepter ab,
großes Opfer, großes Opfer brachten sie dar.

1902/Kanton Aargau[Bearbeiten]

Das Lied wurde in hochdeutscher Sprache, aber auch in mundartlicher Fassung gesungen, Eine solche Textform stammt aus dem schweizerischen Kanton Aargau, wo es Otto von Greyerz gefunden hat[3]. Die Strophen aus dem Wiggertal bekommen jede sechs weitere Verse in mundartlicher Färbung. Hier war die Melodie nun auch eine andere.

Strophe 1:
Es ist für uns eine Zeit angekommen
sie bringt uns eine große Gnad:
Unser Heiland Jesus Christ,
der für uns, der für uns,
der für uns Mensch geworden ist.
Die Hirten of em Feld
die laufen eso schnell.
Sie laufen und springen
und mänge hört singen:
Die Ehr Gott in der Höh
und Friede sei auf Erd!

Strophe 2:
Jesulein lag in der Krippe
auf einem harten Felsenstein.
Zwischen Ochs und Esulein.
O du armes, o du armes,
o du armes Jesulein.
Ach Gott, erbarm!
Wie ist die Mueter eso arm!
Sie hat ja kein Pfännelein,
zu kochen dem Kindelein,
kein Brot und kein Salz
kein Butter und kein Schmalz.

Strophe 3:
Es kamen drei Könige her zu reisen.
Sie kamen her aus dem Morgenland.
Einen Stern tät sie begleiten
und führte sie bis, führte sie bis,
führte sie bis Bethlehem.
Im Morgenland,
dort ist es eso kalt.
's mueß mänge verfriere
und ds Läbe verliere.
Doch d' Mueter, au no so arm,
sie haltet d's Chindli warm.

Strophe 4:
Über einem Stalle, da hielt der Stern stille.
Sie traten ein in den dunkeln Raum;
kneuleten vor dem Kindelein her;
großes Opfer, großes Opfer,
großes Opfer brachten sie dar.
„Wir kommen hier an,
das wünschen wir euch an:
ein guetes glücksäligs,
gesund und auch fröhlichs,
ein guetes neues Jahr,
das wünschen wir euch an.“

1957/Maria Wolters[Bearbeiten]

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trat das schweizerische Sternsingerlied auch in Deutschland in Erscheinung. Als Gottfried Wolters 1957 das Lied in seine weihnachtliche Volksliedersammlung[4] aufnehmen wollte, war der Ursprungstext bereits durch die Form von Paul Hermann seines Inhalts beraubt worden. Seine Frau Maria Wolters ergänzte die erste überlieferte Strophe aus dem Wiggertal mit acht neuen Strophen. In dieser Form hat das Lied dann 1993/94 auch Eingang in Regionalausgaben des Evangelischen Gesangbuchs[5] gefunden:

Strophe 1:
Es ist für uns eine Zeit angekommen,
die bringt uns eine große Gnad.
Unser Heiland Jesus Christ,
der für uns, der für uns,
der für uns Mensch geworden ist.

Strophe 2:
Es sandte Gott seinen Engel vom Himmel,
der sprach zur Jungfrau Maria:
„Du sollst Mutter Gottes sein,
Jesus Christ, Jesus Christ,
Jesus Christ dein Söhnelein.“

Strophe 3:
Maria hörte des Herren Begehren,
sich neigend sie zu dem Engel sprach:
„Sieh, ich bin des Herren Magd,
mir gescheh, mir gescheh,
mir gescheh, wie du gesagt.“

Strophe 4:
Und es erging ein Gebot von dem Kaiser,
dass alle Welt geschätzet würde.
Josef und Maria zart,
voll der Gnad, voll der Gnad,
zogen hin nach David Stadt.

Strophe 5:
Es war kein Raum in der Herberg zu finden,
es war kein Platz für arme Leut.
In dem Stall bei Esel und Rind
kam zur Welt, kam zur Welt,
kam zur Welt das heilge Kind.

Strophe 6:
Es waren Hirten bei Nacht auf dem Felde,
ein Engel ihnen erschienen ist:
"Fürcht' euch nicht, ihr Hirtenleut!
Fried und Freud, Fried und Freud,
Fried und Freud verkünd' ich heut.

Strophe 7:
Denn euch ist heute der Heiland geboren,
und er ist Christus, unser Herr.
Das soll euch zum Zeichen sein:
s'Kindlein liegt, s'Kindlein liegt,
s'Kindlein liegt im Krippelein."

Strophe 8:
Sie gingen eilend und fanden die beiden,
Maria und Josef in dem Stall
und dazu das Kindelein,
Jesus Christ, Jesus Christ,
Jesus Christ im Krippelein.

Strophe 9:
Vom Morgenlande drei Könige kamen,
ein Stern führt sie nach Bethlehem.
Myrrhen, Weihrauch und auch Gold
brachten sie, brachten sie,
brachten sie dem Kindlein hold.

Im Evangelischen Gesangbuch wird nach der neunten Strophe noch einmal die erste Strophe gesungen.

1966/Kath. Jugend[Bearbeiten]

Aus dem Jahre 1966 findet sich in einem katholischen Liederbuch[6] eine wieder dreistrophige Textform, die die Geburtsgeschichte Jesu nicht derart entfaltet wie die Textform von Maria Wolters, sich dagegen eng an das Ursprunglied anpasst:

Strophe 1:
Es ist für uns eine Zeit angekommen,
die bringt für uns eine große Gnad:
unsern Heiland Jesus Christ,
der für uns, der für uns
der für uns Mensch geworden ist.

Strophe 2:
In einer Krippe der Heiland muß liegen
auf Heu und Stroh in der kalten Nacht.
Zwischen Ochs und Eselein
liegest du, liegest du,
liegest du, armes Jesulein.

Strophe 3:
Es kommen Könige, ihn anzubeten,
ein Stern führt sie nach Bethlehem.
Kron und Zepter legen sie ab,
bringen ihm, bringen ihm
bringen ihm ihre Opfergab.

Winterlied[Bearbeiten]

Im Jahr 1939 entstand eine weltlich-winterliche Umdichtung des Liedes. Der Komponist und Musiklehrer Paul Hermann (1904–1970)[7] textete im Jahre 1939 eine Fassung,[8] die eine idyllische Winterlandschaft beschreibt, aber jeden religiösen Bezug offenlässt. Hier geht es nicht um die „Gnade“ der Geburt Jesu Christi, sondern um die „Freude“ über winterliche Natur. Die Intention dieser Textform entsprach der nationalsozialistischen Ideologie, die alles Christliche, nun eben auch in den Weihnachtsliedern, zu tilgen suchte. Der Text ist damit ein „Beispiel für die Kontrafakturmethoden der Nazi-Liedermacher“.[1] Trotz dieses problematischen Entstehungshintergrundes ist der Text Paul Hermanns in der Gegenwart ungleich bekannter als das ursprüngliche schweizerische Sternsingerlied – wenngleich in einigen Liederbüchern durchaus beide Textfassungen abgedruckt werden –, weil die Textunterlegung zum Lied genau passt und heute an entscheidender Stelle ein christlicher Ansatz zwar unausgesprochen bleibt, aber gleichwohl denkbar ist. Ob die „Freude“ der ersten Strophe sich demnach nur auf die Naturidylle bezieht oder nicht doch auch auf das große christliche Ereignis, bleibt offen.

Strophe 1:
Es ist für uns eine Zeit angekommen,
sie bringt uns eine große Freud'.
Übers schneebeglänzte Feld
wandern wir, wandern wir
durch die weite, weiße Welt.

Strophe 2:
Es schlafen Bächlein und Seen unterm Eise,
es träumt der Wald einen tiefen Traum.
Durch den Schnee, der leise fällt,
wandern wir, wandern wir
durch die weite, weiße Welt.

Strophe 3:
Vom hohen Himmel ein leuchtendes Schweigen
erfüllt die Herzen mit Seligkeit.
Unterm sternbeglänzten Zelt
wandern wir, wandern wir
durch die weite, weiße Welt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. Schott, Mainz 1982, ISBN 3-7957-2061-3, S. 232f.
  2. Das Volkslied im Luzerner Wiggertal und Hinterland. Aus dem Volksmunde gesammelt und herausgegeben von A. L. Gaßmann, Basel, 1906
  3. Im Rösligarte. Schweizerische Volkslieder, hrsg. von Otto von Greyerz, Bern, 1912
  4. Inmitten der Nacht. Die Weihnachtsgeschichte im Volkslied, Wolfenbüttel, 1957
  5. Ausgabe für Niedersachsen/Bremen, Nr. 543; Ausgaben Rheinland-Westfalen-Lippe und Reformierte Kirche, Nr. 545
  6. das bunte boot. Lieder für Jungen und Mädchen, hrsg. durch die Hauptstelle der Deutschen Katholischen Jugend, Freiburg, 1966³
  7. Katalogeintrag zu Paul Hermann bei der Deutschen Nationalbibliothek
  8. erstmals abgedruckt in Georg Blumensaats Sammlung Das Kindelwiegen. Ein Singe- und Spielbuch für die Weihnacht, 1939