Kanton Aargau
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| Kanton Aargau | |
|---|---|
| Wappen des Kantons Aargau | |
| Basisdaten | |
| Hauptort: | Aarau |
| Fläche: | 1'404 km² |
| Einwohner: | 586'792 (2007) |
| Bevölkerungsdichte: | 409 |
| Beitritt zur Eidgenossenschaft: | 1803 |
| Abkürzung: | AG (ISO:CH-AG) |
| Sprachen: | Deutsch |
| Website: | www.AG.ch |
| Karte | |
| Lage des Kantons | |
Der Kanton Aargau ist ein Kanton im Norden der Schweiz.
Deutsch: Aargau; Französisch: Argovie; Italienisch: Argovia; Rätoromanisch: Argovia; Englisch: Aargau (veraltet: Argovia).
Der Kanton Aargau wird im Volksmund auch als das „Rüebliland“ bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geographie
Der Aargau liegt im Norden der Schweiz, im Mittelland und in den östlichen Ausläufern des Juras. Seinen Namen hat der Kanton vom Fluss Aare. Er grenzt im Norden an den Rhein und somit an Baden-Württemberg (Deutschland), im Osten an den Kanton Zürich, im Süden an die Kantone Luzern und Zug, und im Westen an die Kantone Bern, Solothurn und Basel-Landschaft.
Der Aargau weist eine starke naturräumliche Gliederung auf. Der nördliche Kantonsteil wurde durch die Gebirgsbildung des Juras geprägt, der im Mittelland gelegene südliche Teil durch die Gletscherbewegungen der Eiszeiten geformt. Die Riss-Eiszeit, die vor rund 140'000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte, bedeckte fast das gesamte Gebiet des heutigen Kantons, mit Ausnahme des westlichen Fricktals um Rheinfelden sowie einiger Juragipfel, die aus dem Eismeer ragten.
Während der Würm-Eiszeit war die Vergletscherung zwar weitaus geringer (nur der südöstliche Teil des Kantonsgebiets war von Eis bedeckt), doch sie prägte die Landschaft nachhaltig. Der Reussgletscher und der Linthgletscher, die vor rund 20'000 Jahren ihre grösste Mächtigkeit erreicht hatten, hinterliessen zahlreiche Findlinge, die aus dem Alpenraum in die Ebene verschoben wurden. Die einstige Ausdehnung dieser Gletscher ist heute noch gut erkennbar an den Endmoränen bei Killwangen, Mellingen, Othmarsingen, Seon, Staffelbach, Würenlos und Zetzwil. Die bei der Moräne von Seon zurückgelassenen Gesteinsmassen stauten den Hallwilersee, der am Ende der Eiszeit etwa doppelt so gross war wie heute und innerhalb von einigen tausend Jahren durch Auffüllung des ehemaligen Seebeckens mit Sedimenten auf die heutige Grösse zurückschrumpfte. Die Flüsse lagerten in den Tälern im Vorfeld der Gletscher ausgedehnte Schotterfelder ab, die wichtige Grundwasserleiter darstellen.
Der höchste Punkt des Kantons liegt auf dem Geissflue-Grat auf 908 m. ü. M.
[Bearbeiten] Flächennutzung
(Stand: 1994)
| Typus | Fläche | Anteil |
|---|---|---|
| Wald/bestockte Flächen: | 517,9 km² | 37,0 % |
| Landwirtschaftl. Nutzfläche: | 635,6 km² | 45,3 % |
| Siedlungsflächen: | 216,7 km² | 15,4 % |
| unproduktive Flächen: | 33,5 km² | 2,4 % |
| gesamt: | 1.403,7 km² | 100 % |
[Bearbeiten] Gewässersystem
Ein besonderes Kennzeichen des Kantons Aargau ist die Vereinigung derjenigen grossen Schweizer Flüsse, die über den Rhein in die Nordsee entwässern. Der Rhein bildet die Nordgrenze des Kantons und bildet gleichzeitig die Staatsgrenze zu Deutschland. Bei Koblenz fliesst die Aare in den Rhein, nur zwölf Kilometer nach der Vereinigung der grössten Flüsse des Schweizer Mittellandes im Wasserschloss. Kurz nacheinander münden im Gebenstorfer Ortsteil Vogelsang Reuss und Limmat in die Aare. Die Limmat kommt dabei von Südosten her und bringt das Wasser von Furtbach, Reppisch und vom Egelsee mit, die Reuss kommt von Süden. Die Aare, die zwischen Murgenthal und Aarburg die Kantonsgrenze zum Kanton Solothurn bildet, nimmt die Wigger, die Suhre und die Bünz auf, bevor sie kurz hinter Brugg das Wasserschloss erreicht.
Im Einzelnen präsentiert sich das Gewässersystem des Aargau folgendermassen:
[Bearbeiten] Bevölkerung
(Stand: 5. Dezember 2000)
- Einwohner: 579'489
- Sprachen
- Deutsch: 477'093 (87,1 %)
- Italienisch: 17'847 (3,3 %)
- Serbokroatisch: 10'645 (1,9 %)
- Albanisch: 9823 (1,8 %)
- Französisch: 4'151 (0,8 %)
- Rätoromanisch: 618 (0,1 %)
- Andere: 27'316 (5,0 %)
- Nationalität
- Schweizer: 459'409 (79,3 %)
- Ausländer: 120'080 (20,7 %)
- Religion
- Römisch-katholisch: 219'800 (40,1 %)
- Reformiert: 203'949 (37,2 %)
- Moslemisch: 30'072 (5,5 %)
- Christlich-orthodox: 11'523 (2,1 %)
- Christkatholisch: 3418 (0,6 %)
- Jüdisch: 342 (0,1 %)
- Andere: 4941 (0,9 %)
- Konfessionslos: 57'573 (10,5 %)
- Keine Angabe: 15'875 (3,0 %)
[Bearbeiten] Sprachen
Die deutschen Dialekte des Kantons Aargau gehören dem Hochalemannischen an. Im Weiteren hat der Kanton jedoch keine homogene Mundart: Aufgrund seiner Lage gehören sie teilweise zum West- (fliege fliegen, zweiförmiger Plural beim Verb) – innerhalb dessen teils zum Nordwest- (Dag Tag) – und teilweise zum Ostschweizerdeutschen (Tag, flüüge, Einheitsplural beim Verb); im südlichen Teil machen sich auch innerschweizerische Züge bemerkbar.
Im Surbtal, wo in Endingen und Lengnau jahrhundertelang eine bedeutende jüdische Bevölkerung lebte (im 19. und 20. Jahrhundert grösstenteils in den Kanton Zürich ausgewandert), wurde bis ins 20. Jahrhundert ein westjiddischer Dialekt gesprochen.
[Bearbeiten] Religionen – Konfessionen
Da der Kanton Aargau erst im Jahre 1803 aus verschiedenen älteren Territorien geschaffen worden ist, gehört er zu den paritätischen Kantonen. Traditionell reformiert (protestantisch) ist der ehemalige Berner Aargau mit den heutigen Bezirken Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen. Traditionell katholisch sind die ehemaligen Gemeinen Herrschaften mit den heutigen Bezirken Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach, wobei es in Baden und Zurzach traditionell eine reformierte und eine jüdische Minderheit gibt, sowie das bis 1802 österreichische Fricktal mit den heutigen Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. Im letztgenannten Bezirk ist auch die christ- oder altkatholische Kirche vertreten. In den letzten Jahrzehnten haben sich die einst starren Konfessionsgrenzen stark verwischt. Durch die ausländische Zuwanderung haben ausserdem im Kanton Aargau auch andere Religionen (Islam, Buddhismus, Hinduismus) Einzug gehalten.
[Bearbeiten] Verfassung
Die gegenwärtige Kantonsverfassung datiert von 1980 (mit späteren Änderungen).
[Bearbeiten] Legislative
Gesetzgebende Behörde ist der Grosse Rat, dem 140 (bis 2005 noch 200) vom Volk für eine feste Amtsdauer von vier Jahren, im Proporzverfahren (Verhältniswahlrecht) gewählte Mitglieder angehören. Darüber hinaus ist das Volk direkt an der Gesetzgebung beteiligt: Verfassungsänderungen sowie Gesetze, die vom Grossen Rat nicht mit absoluter Mehrheit angenommen worden sind, unterliegen zwingend der Volksabstimmung; andere Gesetze sind auf Antrag von 3000 Stimmberechtigten der Volksabstimmung zu unterwerfen (Referendum). 3000 Stimmberechtigte können zudem eine Verfassungs- oder Gesetzesänderung oder ein Gesetz überhaupt vorschlagen (Volksinitiative). 2009 wurde auch im Aargau erstmals der Doppelte Pukelsheim verwendet, wovon erwartungsgemäss die kleineren Parteien profitieren konnten.
Mandate der Bezirke seit 2005: Aarau (16), Baden (30), Bremgarten (16), Brugg (11), Kulm (9), Laufenburg (6), Lenzburg (12), Muri (7), Rheinfelden (10), Zofingen (15), Zurzach (8)
Bei den Wahlen zum Grossen Rat erhielten die Parteien folgende Sitzzahlen:
| Partei | 1997 | 2001 | 20051 | 2009 |
|---|---|---|---|---|
| Schweizerische Volkspartei (SVP) | 47 | 72 | 46 (−1)2 | 45 |
| Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) | 40 | 40 | 24 (−1)2 | 20 |
| Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) | 48 | 36 | 30 | 22 |
| Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) | 37 | 32 | 26 (+1)2 | 21 |
| Grüne Partei der Schweiz (GP) | 6 | 7 | 7 | 13 |
| Evangelische Volkspartei (EVP) | 8 | 8 | 7 | 6 |
| Grünliberale Partei (glp) | 0 | 0 | 0 (+1)2 | 5 |
| Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) | 0 | 0 | 0 | 4 |
| Schweizer Demokraten (SD) | 7 | 4 | 0 | 2 |
| Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) | 1 | 0 | 0 | 2 |
| Freiheits-Partei der Schweiz (FPS) | 4 | 1 | 0 | 0 |
| Landesring der Unabhängigen (LdU)3 | 2 | 0 | 0 | 0 |
1 Die Anzahl der Sitze wurde 2005 von 200 auf 140 verkleinert.
2 Urs Leuenberger wechselte während der Legislatur von der SVP zur CVP, Peter Schuhmacher von der FDP zur GLP.
3 Der LdU hat sich 1999 aufgelöst.
Der Kanton Aargau gilt heute (in deutlichem Gegensatz zum 19. Jahrhundert) als konservativster der grösseren Kantone, was man ausser am Verhalten bei eidgenössischen Volksabstimmungen auch am sehr grossen Anteil der SVP, den verhältnismässig schwachen Sozialdemokraten, sieht.
[Bearbeiten] Exekutive
Ausführende Behörde ist der Regierungsrat, dem fünf vom Volk im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) auf eine feste Amtsdauer von vier Jahren gewählte Mitglieder angehören.
- Landammann: Vorsitz des Regierungsrats, vom Grossen Rat aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt.
- Landstatthalter: Stellvertreter des Landammanns, vom Grossen Rat aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt.
- Die fünf Regierungsräte stehen je einem Departement vor:
- Urs Hofmann (SP), Departement des Innern
- Alex Hürzeler (SVP), Departement Bildung, Kultur und Sport
- Roland Brogli (CVP), Departement Finanzen und Ressourcen
- Susanne Hochuli (Grüne), Departement Gesundheit und Soziales
- Peter Beyeler (FDP), Departement Bau, Verkehr und Umwelt
[Bearbeiten] Wahlen 2008 und 2. Wahlgang 2009
Am 30. November fanden die Neuwahlen in den Regierungsrat statt. Vier von fünf Sitzen konnten in diesem ersten Wahlgang bereits besetzt werden. Wieder gewählt sind hierbei von den Bisherigen Peter Beyeler (FDP) und Roland Brogli (CVP). Der dritte erneut angetretene Regierungsrat Rainer Huber (CVP) schaffte die Wiederwahl nicht und erzielte nur das achtbeste Ergebnis. Neu gewählt und damit für ihre Parteien auch neu wieder in der Regierung vertreten sind Urs Hofmann von der SP und Susanne Hochuli von den Grünen. Im zweiten Wahlgang um den fünften Sitz am 8. Februar 2009 wurde Alex Hürzeler (SVP) zum Regierungsrat gewählt. Rainer Huber (CVP) wurde abgewählt.
[Bearbeiten] Judikative
Oberstes kantonales Gericht ist das Obergericht mit Sitz in Aarau, Gerichte mit regionaler Reichweite sind die Bezirks- und Jugendgerichte; kommunale Reichweite haben die Friedensgerichte. Daneben bestehen Spezialgerichte. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird im Wesentlichen durch das Verwaltungs- und das Versicherungsgericht ausgeübt.
[Bearbeiten] Parteiensystem
Das Parteiensystem des Kantons deckt sich mit dem Schweizerischen. Die kantonalen Sektionen der vier Bundesregierungsparteien SP, CVP, FDP und SVP haben das Zepter in der Hand. Die bürgerlichen Mitteparteien sind tendenziell rechter als ihre Schweizerischen Mutterparteien.
[Bearbeiten] Wirtschaft
Die Aargauer Wirtschaft insgesamt zeichnet sich durch einen ausgewogenen Branchenmix aus und profitiert in schwierigeren Zeiten vom grossen Anteil kleiner und mittelgrosser Unternehmungen, die langsam aber stetig wachsen. Der Aargau ist der grösste Industriekanton der Schweiz. 34 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Industrie (CH: 24 Prozent). Insgesamt bietet der Kanton 250'000 Personen Arbeit in 30'500 Betrieben.
Diese Wachstumsbranchen sind im Aargau prominent vertreten:
- Maschinen- und Elektroindustrie
- Elektronik und Präzisionsinstrumente
- Kunststoff- und Materialtechnologie
- Pharma-, Bio- und Medizinaltechnologie (Life Sciences)
- Chemische Industrie
Die Aargauer Industrie ist stark auslandorientiert. Rund 25 Prozent der Exporte gehen an Deutschland, mit 7 respektive 5 Prozent gehören die USA und Grossbritannien zu den weiteren Abnehmern. Führende Exportbranchen sind die Maschinenindustrie, Elektroindustrie sowie Life Sciences.
Aargauer Firmen gehören zur Weltklasse und erbringen internationale Spitzenleistungen. Prominente Vertreter sind zum Beispiel ABB, Alstom, Roche, Johnson & Johnson, Rockwell Automation und Franke.
[Bearbeiten] Tourismus
Der Aargau hat sicherlich nicht das Image eines Tourismuskantons. Trotzdem gibt es auch im Kanton der Autobahnen (der Kanton Zürich hat allerdings mehr Autobahnkilometer) und Kernkraftwerke Orte zum Erholen. Sehenswert sind die zahlreichen Burgen und Schlösser wie zum Beispiel das Schloss Lenzburg, Schloss Hallwyl oder die Habsburg. Ein weiterer Anziehungspunkt ist das Kloster Muri.
Ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge ist der Hallwilersee: Nebst mehreren Badeplätzen locken auch die Feuerstellen am See- bzw. Waldrand sowie die Spazier- und Wanderwege. Im Sommer wird auch der Schifffahrtsbetrieb aufgenommen.
Generell besteht im ganzen Kanton ein grosses Angebot an Wanderwegen. Genauere Details bieten die Wanderweg-Karten sowie die meist sehr gute Beschilderung, sodass viele Routen und Aussichtspunkte auch ohne Karte erreicht werden können, ohne dass man sich verirrt.
Auch die regionalen Flugplätze locken bei schönem Wetter Ausflügler an, so etwa der Sportflugplatz im Birrfeld (in der Nähe von Brugg) oder in Buttwil (bei Muri).
Im Aargau gibt es auch zahlreiche Fahrradwege. Unter anderen führen die nationalen Radrouten 2, 3, 5 und 8 von Veloland Schweiz durch den Aargau. Des Weiteren ist der Aargauer Jura bei Mountainbikern als Naherholungsgebiet beliebt.
Zum Entspannen laden die Bäder in Bad Zurzach, Rheinfelden, Baden und Schinznach-Bad ein.
[Bearbeiten] Bildung
Die obligatorische Schulzeit beträgt neun Jahre und beginnt mit dem Eintritt in die Primarschule im Alter von rund sieben Jahren. Der Besuch eines Kindergartens ist nicht obligatorisch. Beim Eintritt kommt ein Schüler entweder in die reguläre erste Klasse oder in die Einführungsklasse, welche zwei Jahre dauert. Die Primarschule dauert in der Regel fünf Jahre (erste bis fünfte Klasse). Manchmal wird auch zwischen Unterstufe (erste und zweite Klasse) und Mittelstufe (dritte bis fünfte Klasse) unterschieden.
Danach erfolgt der Übertritt in die Oberstufe (Real-, Sekundar- oder Bezirksschule). Diese dauert normalerweise vier Jahre (sechste bis neunte Klasse) und vollendet die Schulpflicht, wobei die Chancen auf eine anschliessende Berufsausbildung für Sekundar- und Bezirksschüler wegen der höheren Leistungsstufe in der Regel besser sind als für Realschüler. Wechsel innerhalb dieser drei Stufen erfolgen über Aufnahmeprüfungen oder ausserordentlich guten schulischen Leistungen (nach oben) beziehungsweise freiwillige oder Zwangsrelegation (nach unten). In einer anschliessenden Berufslehre findet immer auch der Besuch einer Berufsschule statt.
Nur von der Bezirksschule aus ist der Übertritt an die kantonalen Maturitätschulen, die Kantonsschulen, möglich. Dazu muss die Bezirksschulabschlussprüfung mit einer Mindestnote von 4,7 bestanden werden (wobei sechs die beste und eins die schlechteste Note ist). Die praktischen Prüfungsfächer sind Deutsch, Französisch (schriftlich und mündlich) sowie Mathematik. Aus dem Jahreszeugnis kommen Englisch, Geschichte, Biologie, Chemie, Musik und Zeichnen, sowie wahlweise Latein hinzu. Mit einer Mindestnote von 4,4 ist man zum Übertritt an die Diplommittelschule, an die Wirtschaftsdiplomschule oder an eine Berufsmaturitätsschule berechtigt. Die letztgenannte findet berufsbegleitend statt.
An der Kantonsschule, die rund vier Jahre dauert (zehntes bis dreizehntes Schuljahr), kann ein eidgenössisch anerkannter Maturitätsausweis erlangt werden. Neben obligatorischen Grundlagenfächern können die Schüler ihr Akzentfach (erstes/zweites Jahr, drei Wochenstunden), ihr Schwerpunktfach (drittes/viertes Jahr, sechs Wochenstunden), ihr Ergänzungsfach (viertes Jahr, vier Wochenstunden), sowie verschiedene Freifächer selbst wählen.
Der Kanton Aargau verfügt über keine Universität. Die Fachhochschulen aber ermöglichen Absolventen der Berufsmaturitätsschulen verschiedene Studienrichtungen. Der Aargau gehört neu zur Fachhochschulregion Nordwestschweiz.
Für Erwachsene gibt es eine Erwachsenenmaturitätsschule. Für die Volksbildung sorgen Kurse der Volkshochschule, sowie verschiedene Bibliotheken in Gemeinden und die Kantonsbibliothek in Aarau. Es existieren auch diverse spezielle Schulen, wie beispielsweise die Heilpädagogischen Sonderschulen.
Mit dem Reformvorhaben Bildungskleeblatt[1] soll die Schule den veränderten Bedürfnissen angepasst werden. Die Einführung ist auf das Jahr 2011 vorgesehen.
[Bearbeiten] Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte des Kantons Aargau
Das Gebiet des heutigen Kantons Aargau wurde bereits im 5. Jahrhundert von den Alemannen besiedelt. Im 6. Jahrhundert gehörte es zum Frankenreich, der Name Aargau wurde 763 zum ersten Mal erwähnt. Im 14. Jahrhundert fiel der Ober-Aargau an Bern.
Der Unter-Aargau, das Gebiet des heutigen Kantons Aargau, gehörte im Mittelalter nacheinander den Grafen von Lenzburg, den Grafen von Kyburg und den Herzögen von Habsburg. Er wurde 1415 von den Eidgenossen erobert; politischer Hintergrund waren die Spannungen zwischen dem Kaiser Sigismund und dem Herzog Friedrich IV von Österreich, welche zum Bann des letztern führten und auf Grund dessen ersterer die umgebenden Mächte aufforderte, des Herzogs Ländereien, zu denen auch der Aargau gehörte, zu besetzen. Der im Westen gelegene Unteraargau wurde alleiniges Untertanengebiet von Bern (der so genannte Berner Aargau). Im Osten entstanden das von Zürich allein verwaltete Kelleramt sowie die Freien Ämter und die Grafschaft Baden, welche gemeine Herrschaften (gemeinsam verwaltete Gebiete) der Eidgenossenschaft waren.
1798 wurde der Aargau von den Franzosen erobert; Aarau war sogar während eines halben Jahres die Hauptstadt der Helvetischen Republik (und damit erste Hauptstadt der Schweiz). Es entstanden drei Kantone:
- Kanton Aargau (heutige Bezirke Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen)
- Kanton Baden (heutige Bezirke Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach)
- Kanton Fricktal (heutige Bezirke Laufenburg und Rheinfelden; gehörten vorher zu Vorderösterreich)
Der heutige Kanton wurde 1803 durch die Mediationsakte von Napoléon Bonaparte aus den drei Kantonen Aargau, Baden und Fricktal gebildet. Teile des zürcherischen Untertanengebiets im Limmattal blieben hingegen bei Zürich, das Amt Hitzkirch bei Luzern. Dafür wurden das bernische Amt Aarburg und das luzernische Amt Merenschwand dem neuen Kanton angefügt. Diese verschiedenen Gebiete unterscheiden sich auch heute noch in Wirtschaftsstruktur, Konfession und politischer Ausrichtung stark.
Mit der Restauration 1815 blieb der junge Kanton erhalten, erhielt aber unter dem dominierenden Einfluss von Amtsbürgermeister (Regierungsratspräsident) Johann Herzog zunehmend aristokratische Züge. Der «Freiämtersturm», ein Zug der katholischen Opposition in die Hauptstadt Aarau, beendete im Dezember 1830 diese Phase und ermöglichte die Schaffung einer Verfassung mit erweiterten Volksrechten. Nach 1831 gehörte der Kanton Aargau zu den liberalen Kantonen; viele demokratische Flüchtlinge aus Deutschland fanden hier Aufnahme. Der Aargauer Klosterstreit 1841/43, als der Kanton zuerst alle Klöster aufhob, dann aber die Frauenklöster (zum Beispiel Kloster Fahr) wieder zuliess, war eine der Ursachen für den Sonderbundskrieg von 1847, der in die Errichtung des modernen schweizerischen Bundesstaates mündete.
[Bearbeiten] Städte und Orte
Der Kanton Aargau ist geprägt von Kleinstädten. Die Zwillingsstädte Wettingen und Baden bilden einen wichtigen Schwerpunkt:
- Wettingen, 19'757 Einwohner (2008)
- Baden, 17'641 Einwohner (2008)
- Aarau, 15'904 Einwohner (2008)
- Wohlen, 14'200 Einwohner (2008)
- Oftringen, 11'782 Einwohner (2008)
- Rheinfelden, 11'290 Einwohner (2008)
- Zofingen, 10'687 Einwohner (2008)
- Spreitenbach, 10'568 Einwohner (2008)
- Brugg, 9'186 Einwohner (2008)
[Bearbeiten] Ortschaften
Im Aargau befinden sich viele historisch bedeutsame Orte:
- Baden bereits in der Römerzeit ein Badeort und war in der Alten Eidgenossenschaft Tagsatzungsort - der Tagsatzungssaal im Stadthaus ist bis heute erhalten
- Brugg war eine Zeit lang Hauptsitz der Habsburger, deren Stammsitz, die Habsburg, sich südwestlich von Brugg befindet
- Bruggs Nachbarort Windisch war als Vindonissa römisches Zentrum.
- Bei Windisch wurde 1308 Kaiser Albrecht I. ermordet. Das Kloster Königsfelden wurde im Gedenken daran erbaut.
- Zurzach als frühmittelalterlicher Wallfahrtsort und bis in die Neuzeit überregional bedeutender Messeort.
- Rheinfelden ist die älteste Stadt des Kantons und war oft Schauplatz historischer Ereignisse.
Weitere Städte mit altem Stadtrecht:
Für eine Übersicht aller Gemeinden des Kantons siehe Gemeinden des Kantons Aargau.
[Bearbeiten] Bezirke
Der Aargau ist in elf Bezirke unterteilt:
- Aarau mit Hauptort Aarau
- Baden mit Hauptort Baden
- Bremgarten mit Hauptort Bremgarten
- Brugg mit Hauptort Brugg
- Kulm mit Hauptort Unterkulm
- Laufenburg mit Hauptort Laufenburg
- Lenzburg mit Hauptort Lenzburg
- Muri mit Hauptort Muri
- Rheinfelden mit Hauptort Rheinfelden
- Zofingen mit Hauptort Zofingen
- Zurzach mit Hauptort Bad Zurzach
[Bearbeiten] Siehe auch
- nota bene: Das Gebiet Ahrgau liegt am Mittelrhein in Deutschland.
[Bearbeiten] Literatur
- Aargau, in Historisches Lexikon der Schweiz, Band 1, Basel 2002, Seiten 17 bis 45.
- Der Aargau. Eine Landeskunde, Charles Tschopp, Sauerländer (1962)
- Aargau - ein Kanton startet durch, Themenheft Schweizer Monatshefte. Zeitschrift für Politik Wirtschaft Kultur. 87. Jg., Heft 7/8, Juli/August 2007
[Bearbeiten] Weblinks
- Website des Kantons Aargau
- Offizielle Statistik
- Artikel Aargau im Historischen Lexikon der Schweiz
- Print-Publikation 1A!Aargau. Kultur, Sehenswürdigkeiten und Themen rund um den Kanton Aargau
- Links zum Thema Kanton Aargau im Open Directory Project
[Bearbeiten] Anmerkungen
Aargau | Appenzell Ausserrhoden | Appenzell Innerrhoden | Basel-Landschaft | Basel-Stadt | Bern | Freiburg | Genf | Glarus | Graubünden | Jura | Luzern | Neuenburg | Nidwalden | Obwalden | Schaffhausen | Schwyz | Solothurn | St. Gallen | Tessin | Thurgau | Uri | Waadt | Wallis | Zug | Zürich

