Kanton Aargau

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Dieser Artikel behandelt den Schweizer Kanton Aargau. Zu weiteren Bedeutungen von «Aargau» siehe Aargau (Begriffsklärung).
Kanton Aargau
Wappen
Wappen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kürzel/Kontrollschild: AG
Amtssprache: Deutsch
Hauptort: Aarau
Grösster Ort: Wettingen
Beitritt zum Bund: 1803
Fläche: 1403,81 km²
Website: www.ag.ch
Bevölkerung
Einwohner: 635'797[1] (31. Dezember 2013)
Dichte: 447 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 23,0 %[2] (August 2013)
Arbeitslosenquote: 2,9 %[3] (November 2013)
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

47.4188.11Koordinaten: 47° N, 8° O; CH1903: 650664 / 252127 Der Aargau (schweizerdeutsch Aargau/Aargou, Aargäu, französisch Argovie, italienisch Argovia, rätoromanisch Argovia) ist ein deutschsprachiger Kanton im Norden der Schweiz. Der Hauptort ist Aarau, der grösste Ort ist Wettingen.

Geographie[Bearbeiten]

Der Aargau liegt im Norden der Schweiz, im Mittelland und in den östlichen Ausläufern des Juras. Seinen Namen hat der Kanton vom Fluss Aare. Er grenzt im Norden an den Rhein und somit an Baden-Württemberg (Deutschland), im Osten an den Kanton Zürich, im Süden an die Kantone Luzern und Zug, und im Westen an die Kantone Bern, Solothurn und Basel-Landschaft.

Der Aargau weist eine starke naturräumliche Gliederung auf. Der nördliche Kantonsteil wurde durch die Gebirgsbildung des Juras geprägt, der im Mittelland gelegene südliche Teil durch die Gletscherbewegungen der Eiszeiten geformt. Die Riss-Eiszeit, die vor rund 140'000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte, bedeckte fast das gesamte Gebiet des heutigen Kantons, mit Ausnahme des westlichen Fricktals um Rheinfelden sowie einiger Juragipfel, die aus dem Eismeer ragten.

Während der Würm-Eiszeit war die Vergletscherung zwar weitaus geringer (nur der südöstliche Teil des Kantonsgebiets war von Eis bedeckt), doch sie prägte die Landschaft nachhaltig. Der Reussgletscher und der Linthgletscher, die vor rund 20'000 Jahren ihre grösste Mächtigkeit erreicht hatten, hinterliessen zahlreiche Findlinge, die aus dem Alpenraum in die Ebene verschoben wurden. Die einstige Ausdehnung dieser Gletscher ist heute noch gut erkennbar an den Endmoränen bei Killwangen, Mellingen, Othmarsingen, Seon, Staffelbach, Würenlos und Zetzwil. Die bei der Moräne von Seon zurückgelassenen Gesteinsmassen stauten den Hallwilersee, der am Ende der Eiszeit etwa doppelt so gross war wie heute und innerhalb von einigen tausend Jahren durch Auffüllung des ehemaligen Seebeckens mit Sedimenten auf die heutige Grösse zurückschrumpfte. Die Flüsse lagerten in den Tälern im Vorfeld der Gletscher ausgedehnte Schotterfelder ab, die wichtige Grundwasserleiter darstellen.

Der höchste Punkt des Kantons liegt auf dem Geissflue-Grat auf 908 m ü. M.

Bodennutzung[Bearbeiten]

(Stand: 2006)[4]

Typus Anteil
Landwirtschaftsflächen: 44,1 %
Siedlungsflächen: 17,0 %
bestockte Flächen: 36,4 %
unproduktive Flächen: 2,6 %
Gesamt: 100 %

Gewässersystem[Bearbeiten]

Ein besonderes Kennzeichen des Kantons Aargau ist die Vereinigung derjenigen grossen Schweizer Flüsse, die über den Rhein in die Nordsee entwässern. Der Rhein bildet die Nordgrenze des Kantons und bildet gleichzeitig die Staatsgrenze zu Deutschland. Bei Koblenz fliesst die Aare in den Rhein, nur zwölf Kilometer nach der Vereinigung der grössten Flüsse des Schweizer Mittellandes im Wasserschloss. Kurz nacheinander münden im Gebenstorfer Ortsteil Vogelsang Reuss und Limmat in die Aare. Die Limmat kommt dabei von Südosten her und bringt das Wasser von Reppisch und vom Egelsee mit, die Reuss kommt von Süden. Die Aare, die zwischen Murgenthal und Aarburg die Kantonsgrenze zum Kanton Solothurn bildet, nimmt die Wigger, die Suhre und die Bünz auf, bevor sie kurz hinter Brugg das Wasserschloss erreicht.

Im Einzelnen präsentiert sich das Gewässersystem des Aargau folgendermassen:

Bevölkerung[Bearbeiten]

(Stand: 5. Dezember 2000)

Sprachen[Bearbeiten]

Die deutschen Dialekte im Kanton Aargau gehören zum Hochalemannischen. Ansonsten werden hier keine homogenen Mundarten gesprochen: Sie gehören teilweise zum West- (fliege fliegen, zweiförmiger Plural beim Verb) – innerhalb dessen teils zum Nordwest- (Dag Tag) – und teilweise zum Ostschweizerdeutschen (Tag, flüüge, Einheitsplural beim Verb); im südlichen Teil sind auch innerschweizerische Dialektzüge zu hören.

Im Surbtal, wo in Endingen und Lengnau jahrhundertelang eine bedeutende jüdische Bevölkerung lebte, die im 19. und 20. Jahrhundert grösstenteils in den Kanton Zürich auswanderte, wurde bis ins 20. Jahrhundert ein westjiddischer Dialekt gesprochen.

Nationalitäten[Bearbeiten]

Nationalität[5][6] 1980 1990 2000 2010
SchweizSchweiz Schweiz 85,86 % 85,19 % 81,49 % 78,62 %
DeutschlandDeutschland Deutschland 1,64 % 1,37 % 1,86 % 4,26 %
ItalienItalien Italien 7,13 % 5,76 % 4,60 % 3,91 %
Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien Jugoslawien 1,24 % 2,83 %
SerbienSerbien Serbien
MontenegroMontenegro Montenegro
3,74 % 2,66 %
TurkeiTürkei Türkei 1,11 % 1,53 % 1,89 % 1,67 %
PortugalPortugal Portugal 0,13 % 0,49 % 0,70 % 1,00 %
OsterreichÖsterreich Österreich 0,67 % 0,52 % 0,47 % 0,47 %
SpanienSpanien Spanien 0,78 % 0,78 % 0,52 % 0,39 %

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Religionszugehörigkeit der Aargauer Bevölkerung

Da der Kanton Aargau erst im Jahre 1803 aus verschiedenen älteren Territorien geschaffen worden ist, gehört er zu den paritätischen Kantonen. Traditionell reformiert (protestantisch) ist der ehemalige Berner Aargau mit den heutigen Bezirken Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen. Traditionell römisch-katholisch sind die ehemaligen Gemeinen Herrschaften mit den heutigen Bezirken Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach, wobei es in Baden und Zurzach traditionell eine reformierte und eine jüdische Minderheit gibt, sowie das bis 1802 österreichische Fricktal mit den heutigen Bezirken Laufenburg und Rheinfelden. Im letztgenannten Bezirk ist auch die christkatholische (altkatholische) Kirche vertreten. In den letzten Jahrzehnten haben sich die einst starren Konfessionsgrenzen stark verwischt. Durch Zuwanderung ausländischer Bevölkerungsgruppen haben im Kanton Aargau inzwischen auch andere Religionen (Islam, Buddhismus, Hinduismus) Einzug gehalten.

Verfassung[Bearbeiten]

Die gegenwärtige Kantonsverfassung[7] datiert von 1980 (mit späteren Änderungen).

Legislative[Bearbeiten]

Gesetzgebende Behörde ist der Grosse Rat, dem 140 (bis 2005 noch 200) vom Volk für eine feste Amtsdauer von vier Jahren, im Proporzverfahren (Verhältniswahlrecht) gewählte Mitglieder angehören. Seit 2005 verteilen sich die Mandate wie folgt auf die Bezirke: Aarau (16), Baden (30), Bremgarten (16), Brugg (11), Kulm (9), Laufenburg (6), Lenzburg (12), Muri (7), Rheinfelden (10), Zofingen (15), Zurzach (8). 2009 wurde auch im Aargau erstmals das Wahlverfahren des «Doppelten Pukelsheim» verwendet, wovon erwartungsgemäss die kleineren Parteien profitieren konnten.

Darüber hinaus ist das Volk direkt an der Gesetzgebung beteiligt: Verfassungsänderungen sowie Gesetze, die vom Grossen Rat nicht mit absoluter Mehrheit angenommen worden sind, unterliegen zwingend der Volksabstimmung (obligatorisches Referendum); andere Gesetze sind auf Antrag von 3000 Stimmberechtigten der Volksabstimmung zu unterwerfen (fakultatives Referendum). 3000 Stimmberechtigte können zudem eine Verfassungs- oder Gesetzesänderung oder ein Gesetz überhaupt vorschlagen (Volksinitiative).

Bei den Wahlen zum Grossen Rat erhielten die Parteien folgende Sitzzahlen:

Partei 1997 2001 20051 2009 2012 Sitzverteilung 2013
Schweizerische Volkspartei (SVP) 47 72 46 (−1)2 45 45 Sitzverteilung des Grossen Rats 2013
Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) 40 40 24 (−1)2 20 22
Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 48 36 30 22 (−2)4 22
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 37 32 26 (+1)2 21 19
Grüne Partei der Schweiz (GPS) 6 7 7 13 10
Evangelische Volkspartei (EVP) 8 8 7 6 6
Grünliberale Partei (GLP) 0 0 0 (+1)2 5 (+2)4 8
Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) 0 0 0 4 6
Schweizer Demokraten (SD) 7 4 0 2 0
Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) 1 0 0 2 2
Auto-Partei (AP) 4 1 0 0 0
Landesring der Unabhängigen (LdU)3 2 0 0 0 0

1 Die Anzahl der Sitze wurde 2005 von 200 auf 140 verkleinert.
2 Urs Leuenberger wechselte während der Legislatur von der SVP zur CVP, Peter Schuhmacher von der FDP zur GLP.
3 Der LdU hat sich 1999 aufgelöst.
4 Roland Agustoni und Christine Haller wechselten während der Legislatur von der SP zur glp.

Der Kanton Aargau gilt heute (in deutlichem Gegensatz zum 19. Jahrhundert) als konservativster der grösseren Kantone, was man ausser am Verhalten bei eidgenössischen Volksabstimmungen auch am sehr grossen Anteil der SVP und den verhältnismässig schwachen Sozialdemokraten sieht.

Exekutive[Bearbeiten]

Ausführende Behörde ist der Regierungsrat, dem fünf vom Volk im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) auf eine feste Amtsdauer von vier Jahren gewählte Mitglieder angehören.

  • Landammann: Vorsitz des Regierungsrats, vom Grossen Rat aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt.
  • Landstatthalter: Stellvertreter des Landammanns, vom Grossen Rat aus den Mitgliedern des Regierungsrates gewählt.
  • Die fünf Regierungsräte stehen je einem Departement vor:
Amtszeit 2013–2017
Regierungsrat Partei Departement
Alex Hürzeler, Landammann SVP Departement Bildung, Kultur und Sport
Roland Brogli, Landstatthalter CVP Departement Finanzen und Ressourcen
Stephan Attiger FDP Departement Bau, Verkehr und Umwelt
Susanne Hochuli GPS Departement Gesundheit und Soziales
Urs Hofmann SP Departement Volkswirtschaft und Inneres
Wahlen 2012

Am 21. Oktober 2012 fanden die Neuwahlen in den Regierungsrat statt, erstmals zeitgleich mit der Grossratswahl. Alle fünf Sitze konnten in diesem ersten Wahlgang bereits besetzt werden. Wieder gewählt wurden hierbei von den bisherigen Roland Brogli (CVP), Urs Hofmann (SP), Alex Hürzeler (SVP) und Susanne Hochuli (GPS). Neu gewählt und damit für seine Partei ist Stephan Attiger (FDP),[8] der sein Amt am 1. April 2013 antrat.

Judikative[Bearbeiten]

Oberstes kantonales Gericht ist das Obergericht mit Sitz in Aarau. Erstinstanzliche Gerichte mit regionaler Reichweite sind die Bezirks- und Jugendgerichte. Kommunale Reichweite haben die Friedensrichter, die hauptsächlich vermittelnde Funktion haben. Daneben bestehen Spezialgerichte.

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird im Wesentlichen durch das Verwaltungs- und das Versicherungsgericht ausgeübt.

Parteiensystem[Bearbeiten]

Das Parteiensystem des Kantons deckt sich mit dem Schweizerischen. Die kantonalen Sektionen der vier Bundesregierungsparteien SP, CVP, FDP und SVP haben das Zepter in der Hand. Die bürgerlichen Mitteparteien sind tendenziell rechter als ihre Schweizerischen Mutterparteien.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Aargauer Wirtschaft insgesamt zeichnet sich durch einen ausgewogenen Branchenmix aus und profitiert in schwierigeren Zeiten vom grossen Anteil kleiner und mittelgrosser Unternehmungen, die langsam aber stetig wachsen. Der Aargau ist der grösste Industriekanton der Schweiz. 34 Prozent der Beschäftigten arbeiten in der Industrie (Schweiz: 24 Prozent). Insgesamt bietet der Kanton 250'000 Personen Arbeit in 30'500 Betrieben. Der Aargauer verdient durchschnittlich 49'209 Franken im Jahr, somit liegt der Kanton Aargau in der Rangliste der reichsten Kantone im Mittelfeld auf Platz 13.

Diese Wachstumsbranchen sind im Aargau prominent vertreten:

  • Chemische Industrie
  • Elektronik und Präzisionsinstrumente
  • Kunststoff- und Materialtechnologie
  • Maschinen- und Elektroindustrie
  • Pharma-, Bio- und Medizinaltechnologie (Life Sciences)

Die Aargauer Industrie ist stark auslandorientiert. Rund 25 Prozent der Exporte gehen an Deutschland, mit sieben respektive fünf Prozent gehören die Vereinigten Staaten und Grossbritannien zu den weiteren Abnehmern. Führende Exportbranchen sind die Maschinenindustrie, Elektroindustrie sowie Life Sciences. Bekannte Firmen im Aargau sind zum Beispiel ABB, Alstom, Roche, Johnson & Johnson, Rockwell Automation und Franke.

Tourismus[Bearbeiten]

Entgegen dem Bild eines Industrie-, Autobahn- und Kernkraftwerk-Kantons (der Kanton Zürich hat allerdings mehr Autobahnkilometer) gibt es auch einige Touristische Sehenswürdigkeiten.

Zahlreiche Burgen und Schlösser können besichtigt werden, wie zum Beispiel Schloss Lenzburg, Schloss Hallwyl, Schloss Wildegg oder die Habsburg. Ein weiterer Anziehungspunkt ist das Kloster Muri.

Ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge ist der Hallwilersee: Es gibt mehrere Badeplätze, Feuerstellen am See sowie Spazier- und Wanderwege. Während der Sommersaison gibt es einen Schifffahrtsbetrieb.

Es besteht im ganzen Kanton ein grosses Angebot an gut beschilderten Wander- und Fahrradwegen.

Im Birrfeld (in der Nähe von Brugg) und in Buttwil (bei Muri) existieren zwei Regional-Flugplätze.

Im Kanton gibt es zahlreiche Thermalquellen, die in Bad Zurzach, Rheinfelden AG, und Schinznach-Bad für öffentliche Thermalbäder genutzt werden. Das neue Thermalbad in Baden ist ein Projekt, welches zur Wiederbelebung der Bäderstadt beitragen wird.[9]

Bildung[Bearbeiten]

Die obligatorische Schulzeit beträgt neun Jahre und beginnt mit dem Eintritt in die Primarschule im Alter von rund sieben Jahren. Der Besuch eines Kindergartens ist nicht obligatorisch. Beim Eintritt kommt ein Schüler entweder in die reguläre erste Klasse oder in die Einführungsklasse, welche zwei Jahre dauert. Die Primarschule dauert in der Regel fünf Jahre (erste bis fünfte Klasse). Manchmal wird auch zwischen Unterstufe (erste und zweite Klasse) und Mittelstufe (dritte bis fünfte Klasse) unterschieden.

Danach erfolgt der Übertritt in die Oberstufe (Real-, Sekundar- oder Bezirksschule). Diese dauert normalerweise vier Jahre (sechste bis neunte Klasse) und vollendet die Schulpflicht, wobei die Chancen auf eine anschliessende Berufsausbildung für Sekundar- und Bezirksschüler wegen der höheren Leistungsstufe in der Regel besser sind als für Realschüler. Wechsel innerhalb zwei dieser drei Stufen erfolgen über Aufnahmeprüfungen oder ausserordentlich gute schulische Leistungen (nach oben) beziehungsweise freiwillige Relegation oder Zwangsrelegation (nach unten). Zu einer anschliessenden Berufslehre gehört immer auch der Besuch einer Berufsfachschule.

Nur von der Bezirksschule aus ist der Übertritt an die kantonalen Maturitätschulen, die Kantonsschulen, möglich. Dazu muss die Bezirksschulabschlussprüfung mit einer Mindestnote von 4,7 bestanden werden (wobei sechs die beste und eins die schlechteste Note ist). Die praktischen Prüfungsfächer sind Deutsch, Französisch (schriftlich und mündlich) sowie Mathematik. Aus dem Jahreszeugnis kommen Englisch, Geschichte, Biologie, Chemie, Musik und Zeichnen, sowie wahlweise Latein hinzu. Mit einer Mindestnote von 4,4 ist man zum Übertritt an die Diplommittelschule, an die Wirtschaftsdiplomschule oder an eine Berufsmaturitätsschule berechtigt. Die letztgenannte findet berufsbegleitend statt.

An der Kantonsschule, die rund vier Jahre dauert (zehntes bis dreizehntes Schuljahr), kann ein eidgenössisch anerkannter Maturitätsausweis erlangt werden. Neben obligatorischen Grundlagenfächern können die Schüler ihr Akzentfach (erstes/zweites Jahr, drei Wochenstunden), ihr Schwerpunktfach (drittes/viertes Jahr, sechs Wochenstunden), ihr Ergänzungsfach (viertes Jahr, vier Wochenstunden), sowie verschiedene Freifächer selbst wählen.

Der Kanton Aargau verfügt über keine Universität. Die Fachhochschulen aber ermöglichen Absolventen der Berufsmaturitätsschulen verschiedene Studienrichtungen. Der Aargau gehört neu zur Fachhochschulregion Nordwestschweiz.

Für Erwachsene gibt es eine Erwachsenenmaturitätsschule. Für die Volksbildung sorgen Kurse der Volkshochschule, sowie verschiedene Bibliotheken in Gemeinden und die Kantonsbibliothek in Aarau. Es existieren auch diverse spezielle Schulen, wie beispielsweise die Heilpädagogischen Sonderschulen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet des heutigen Kantons Aargau wurde bereits im 5. Jahrhundert von den Alemannen besiedelt. Im 6. Jahrhundert gehörte es zum Frankenreich, der Name Aargau wurde 763 zum ersten Mal erwähnt. Im 14. Jahrhundert fiel der Ober-Aargau an Bern.

Der Unter-Aargau, das Gebiet des heutigen Kantons Aargau, gehörte im Mittelalter nacheinander den Grafen von Lenzburg, den Grafen von Kyburg und den Grafen von Habsburg. Er wurde 1415 von den Eidgenossen erobert; politischer Hintergrund waren die Spannungen zwischen dem Kaiser Sigismund und dem Herzog Friedrich IV von Österreich, welche zum Bann des letztern führten und auf Grund dessen ersterer die umgebenden Mächte aufforderte, des Herzogs Ländereien, zu denen auch der Aargau gehörte, zu besetzen. Der im Westen gelegene Unteraargau wurde alleiniges Untertanengebiet von Bern (der sogenannte Berner Aargau). Im Osten entstanden das von Zürich allein verwaltete Kelleramt sowie die Freien Ämter und die Grafschaft Baden, welche gemeine Herrschaften (gemeinsam verwaltete Gebiete) der Eidgenossenschaft waren.

Der Aargau während der Zeit der Helvetischen Republik (1798–1803)

1798 wurde der Aargau von den Franzosen erobert; Aarau war sogar während eines halben Jahres die Hauptstadt der Helvetischen Republik (und damit erste Hauptstadt der Schweiz). Es entstanden drei Kantone:

  • Kanton Aargau (heutige Bezirke Aarau, Brugg, Kulm, Lenzburg und Zofingen)
  • Kanton Baden (heutige Bezirke Baden, Bremgarten, Muri und Zurzach)
  • Kanton Fricktal (heutige Bezirke Laufenburg und Rheinfelden; gehörten vorher zu Vorderösterreich)

Der heutige Kanton wurde 1803 durch die Mediationsakte von Napoléon Bonaparte aus den drei Kantonen Aargau, Baden und Fricktal gebildet. Teile des zürcherischen Untertanengebiets im Limmattal blieben hingegen bei Zürich, das Amt Hitzkirch bei Luzern. Dafür wurden das bernische Amt Aarburg und das luzernische Amt Merenschwand dem neuen Kanton angefügt. Diese verschiedenen Gebiete unterscheiden sich auch heute noch in Wirtschaftsstruktur, Konfession und politischer Ausrichtung stark.

Mit der Restauration 1815 blieb der junge Kanton erhalten, erhielt aber unter dem dominierenden Einfluss von Amtsbürgermeister (Regierungsratspräsident) Johann Herzog zunehmend aristokratische Züge. Der «Freiämtersturm», ein Zug der katholischen Opposition in die Hauptstadt Aarau, beendete im Dezember 1830 diese Phase und ermöglichte die Schaffung einer Verfassung mit erweiterten Volksrechten. Nach 1831 gehörte der Kanton Aargau zu den liberalen Kantonen; viele demokratische Flüchtlinge aus Deutschland fanden hier Aufnahme. Der Aargauer Klosterstreit 1841/43, als der Kanton zuerst alle Klöster aufhob, dann aber die Frauenklöster (zum Beispiel Kloster Fahr) wieder zuliess, war eine der Ursachen für den Sonderbundskrieg von 1847, der in die Errichtung des modernen schweizerischen Bundesstaates mündete.

Städte und Orte[Bearbeiten]

Städte des Kantons Aargau

Der Kanton Aargau ist geprägt von Kleinstädten. Die Zwillingsstädte Wettingen und Baden bilden einen wichtigen Schwerpunkt.

Nachfolgend aufgelistet sind Gemeinden mit mehr als 10'000 Einwohnern per 31. Dezember 2013:

Gemeinde Einwohner Ausländer
20'265 26,4 %
20'130 19,6 %
18'523 26,2 %
15'139 35,9 %
13'073 32,9 %
12'552 30,2 %
11'070 17,7 %
10'982 51,5 %
10'889 27,3 %
10'617 23,7 %

Ortschaften[Bearbeiten]

Im Aargau befinden sich viele historisch bedeutsame Orte:

Weitere Städte mit altem Stadtrecht:

Bezirke[Bearbeiten]

Bezirke des Kantons Aargau

Der Kanton Aargau ist in elf Bezirke unterteilt:

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Aargau – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Aargau

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Kanton Aargau – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Aargau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Kanton Aargau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Aargau – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung – Kantonale Bevölkerungsstatistik , Departement Finanzen und Ressourcen des Kantons Aargau, abgerufen am 8. Mai 2012
  2. Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende August 2013 (PDF; 132 kB). Bundesamt für Migration (BFM). Medienmitteilung vom 22. Oktober 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt – November 2013 (PDF; 618 kB). Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Pressedokumentation vom 9. Dezember 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  4. Raumbeobachtung 2012 – Kanton Aargau (S. 27) (PDF; 3,4 MB). Departement Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung Raumentwicklung). Kanton Aargau. Vom Juli 2013. Abgerufen am 26. Dezember 2013.
  5. Kanton Aargau: Entwicklung der Gesamtbevölkerung (XLS). Abgerufen am: 6. Juni 2012.
  6. Ständige ausl. Wohnbevölkerung: Kt. Aargau – nach Ausländergruppe und Bewilligung (am Monatsende) (XLS). Abgerufen am: 6. Juni 2012.
  7. Verfassung des Kantons Aargau, Die Bundesbehörden der Schweizerischen Eidgenossenschaft (admin.ch)
  8. Ergebnis der Regierungsratswahlen auf der Website des Kantons Aargau, abgerufen am 21. Oktober 2012
  9. Thermalbäder und Wellness im Kanton Aargau. swisstherme.ch, abgerufen am 7. Juli 2012.