Eunuch der Kandake

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Philippus tauft den Kämmerer von Äthiopien, Taufsteinaufsatz in der Pfarrkirche St. Martin, Unteressendorf (Oberschwaben)

Der Eunuch der Kandake war ein Würdenträger der nubischen Königin Kandake. Nach koptischer und byzantinischer Tradition verkündigte er nach seiner Bekehrung zum Christentum durch den Diakon Philippus das Evangelium in Südarabien (Arabia eudaimon) und in Ceylon (Taprobane). Nach biblischer Überlieferung war er der erste Nichtjude, der getauft wurde.

Die biblische Erzählung in der Apostelgeschichte (Apg 8, 27-40) schildert die Taufe des Kämmerers der äthiopischen Königin Kandake Amanitore:

„Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen. Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen. Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer kann sie zählen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen. Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen? Da begann Philippus zu reden und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus. Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg? Er ließ den Wagen halten und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entführte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr und er zog voll Freude weiter.“

An der Stelle, wo die Taufe stattgefunden haben soll, wurde eine Kirche mit dem Taufbecken vor dem Gebäude errichtet. Das Taufbecken trägt den Namen des Eunuchen. Auf einem Mosaik ist die Karte von Madaba dargestellt.

Bis heute führt sich die äthiopische Kirche auf den Eunuchen zurück.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lothar Störck: Der Eunuch der Kandake als Missionar Südarabiens und Ceylons. In: Studien zur Altägyptischen Kultur. Bd. 26, Buske, Hamburg 1998, ISSN 0340-2215, S. 239–250, Abstract und erste Seite.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ethiopia truly stretches forth her hands to god