Evangelium (Glaube)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jesus verkündet das Evangelium (Buchmalerei, um 1010)

Der Begriff Evangelium stammt aus der griechischen Sprache (εὐαγγέλιον eu-angelion), was so viel heißt wie „Lohn für das Überbringen einer guten Nachricht“, kurz „gute Nachricht“ oder konkreter „Siegesbotschaft“. Die Wortgruppe um den Begriff des Evangeliums ist bis heute im kirchlichen Sprachgebrauch aktiv (evangelisch, evangelikal) und gehört seit dem Urchristentum zum christlichen Grundwortschatz, außerhalb des Griechischen als Lehnwörter.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Bereits bei Homer begegnet εὐαγγέλιον als Fachbegriff für eine gute Nachricht.[1][2] In der römischen Kaiserzeit hießen Botschaften, die vom Kaiser ausgingen oder sich auf ihn bezogen, Evangelium. Meist wurde jedoch der Plural Euangélia für die Jahresfeste wie Geburtstag und Thronbesteigung des jeweiligen Herrschers verwendet.

Altes Testament[Bearbeiten]

Die griechischsprachige jüdische Tradition verwendet wie das Alte Testament in erster Linie das Verb ευαγγελιζομαι bezogen auf die besonders vom Propheten Deutero-Jesaja (Jes 40,9 ELB) angekündigte messianische Heilsbotschaft.

Neues Testament[Bearbeiten]

Nach den neutestamentlichen Erzählungen benutzt Jesus dieses mächtige Wort der römischen Kaiser ganz bewusst am Anfang seiner Verkündigung. Der Evangelist Markus schreibt:

„Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: ‚Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium.‘“

Mk 1,14-15 EU

Im Neuen Testament kommt das Substantiv εὐαγγέλιον (Evangelion) in den Paulusbriefen 60-mal vor, dazu 21-mal das Verb ευανγελιζομαι (evangelisieren). Der Evangelist Lukas verwendet das Verb 25-mal, das Substantiv nur zweimal in der Apostelgeschichte. Bei Markus erscheint das Substantiv siebenmal, bei Matthäus viermal.

Beim Apostel Paulus ist εὐαγγέλιον (Evangelion) ein zentraler Begriff seiner Theologie, dass Gott in Menschwerdung, Tod und Auferstehung Jesu Christi zum Heil der Welt gehandelt habe. Ausdrücklich bezeichnet er die Glaubensformel in 1 Kor 15,1 EU als Evangelium.

Auch bei den Synoptikern ist εὐαγγέλιον der Name für die Frohbotschaft vom Heilsgeschehen in Jesus Christus, mit jeweils leicht unterschiedlichem Akzent. In jedem Fall wird im Neuen Testament jedoch mit ευαγγελιον eine mündliche, verkündigte Frohbotschaft gemeint, nicht etwas schriftlich Fixiertes.

Einige Kirchenväter bezeichneten das gesamte Neue Testament als Evangelium. Die Bezeichnung Evangelium im Zusammenhang mit den kanonischen Evangelienschriften findet sich bei Irenäus: das Evangelium als die eine Botschaft von Jesus Christus in vier Formen – nach Matthäus, Markus, Lukas, Johannes. Justin verwendet den Ausdruck in beiden Bedeutungen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Chr. Burchard: Artikel Evangelium. In: Religion und Theologie. A–G; Göttingen 19783; S. 274 f.
  • Detlev Dormeyer: Artikel Evangelium. In: WiBiLex (2008).

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Evangelium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. z.B. Homer: Odyssee 14, 152–167
  2. Homer Odyssee, Zweisprachige Fassung Griechisch/Deutsch, Projekt Gutenberg, http://gutenberg.spiegel.de, S. 9. bis 16. Gesang - Kapitel 7 (Zugriff am 9 November 2014).