European Round Table

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Logo der European Round Table

Der European Round Table of Industrialists (Europäischer Runder Tisch Industrieller) ist eine Lobbyorganisation von rund 50 Wirtschaftsführern (Stand 2013) großer europäischer, transnationaler Konzerne mit Sitz in Brüssel.[1] Ziele des Forums sind das Entwickeln langfristiger wirtschaftsfreundlicher Strategien und die Organisation von Treffen mit Mitgliedern der Europäischen Kommission, einzelnen Kommissaren oder dem Kommissionspräsidenten, um die Richtung des Integrationsprozesses innerhalb der EU zu gestalten.

Geschichte[Bearbeiten]

1983 gründeten insgesamt 17 Wirtschaftsführer und zwei Mitglieder der Europäischen Kommission den European Round Table of Industrialists[1] auf Betreiben von Pehr Gyllenhammar (Volvo) und Etienne Davignon (Kommissar für Unternehmen und Industrie) den ERT mit dem Ziel, die Europäische Integration voranzutreiben. Geplant war dabei Europa im Sinne der großen Firmen zu gestalten und die EG zu stärken. Nationale Vetos der Mitgliedstaaten, die eine Entscheidung der EG verzögern oder behindern konnten, sollten abgeschafft werden. Der ERT sollte sich nicht mit Details beschäftigen, sondern die zentrale Richtung Europas mitbestimmen und dabei mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Parlament in engem Kontakt stehen.[2] Weitere Gründungsmitglieder waren Umberto Agnelli (Fiat), Helmut Maucher (Nestlé), Olivier Lecerf (Lafarge Coppée) und Wolfgang Seelig (Siemens).

Vorsitzender des ERT ist seit 2009 der Schwede Leif Johansson (Vorstandsvorsitzender von Ericsson).[3]

Projekte[Bearbeiten]

Der European Round Table kann mit seinem Netzwerk als einflussreichste und prägendste Lobbyorganisation innerhalb der Europäischen Union angesehen werden. Europäische Großbauprojekte im Straßen- und Schienenverkehr wie u.a. der Eurotunnel, die feste Fehmarnbeltquerung, der Ausbau des europäischen High-Speed-Railway Netzwerks zwischen London, Paris, Hamburg, München und Rom, die Weiterentwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen wie der Magnetschwebebahn, gehen auf Initiativen des European Round Table zurück.[4][5]

Auch die Lissabon-Strategie wurden von der ERT, dem European Round Table angestoßen.[6][7]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b About ERT. Abgerufen am 9. März 2013 (englisch).
  2. Corporate Europe Observatory: Europe Inc. Writing the Script: The European Round Table of Industrialists. Pluto Press, 2003, abgerufen am 9. März 2013 (englisch).
  3. Milestones and Chairmen, abgerufen am: 13. Februar 2013
  4. ERT: Missing Links (PDF; 7,8 MB), veröffentlicht December 1984
  5. Blue and Green communication / Visualantics / ZDF / RTBF / CBA: THE BRUSSELS BUSINESS, von Friedrich Moser & Matthieu Lietaert, veröffentlicht 2012
  6. Sven Röben: Die Mutter aller Lobbies, in: cafebabel.com, 23. Februar 2004. (Archivversion hier) (Version vom 27. September 2007 im Internet Archive), abgerufen am 13. Februar 2013
  7. ERT: Reshaping Europe (PDF; 12,4 MB), veröffentlicht Dezember 1991